Elek­tro­ni­sche Last

Eine elek­tro­ni­sche Last dient dazu, Span­nungs­quel­len aller Art zu testen. Man kann z.B. ein Netz­teil mit einer defi­nier­ten Last beauf­schla­gen, um sei­ne Belast­bar­keit zu testen oder einen Akku um sei­ne Kapa­zi­tät zu messen.

Dabei gibt es in der Regel ver­schie­de­ne Betriebs­ar­ten. So kann man bei fast allen Gerä­ten einen kon­stan­ten Strom oder eine kon­stan­te Span­nung wäh­len. Mit Aus­nah­me der ein­fach­sten und bil­lig­sten Gerä­te kann man nor­ma­ler­wei­se auch eine kon­stan­te Lei­stung oder einen kon­stan­ten Last­wi­der­stand simu­lie­ren. Mit geeig­net gewähl­ten Abbruch­be­din­gun­gen kann man so ziem­lich leicht die Kapa­zi­tät eines Akkus bei vor­ge­ge­be­ner Last mes­sen. Wählt man z.B. einen kon­stan­ten Strom und gibt eine Ent­la­de­end­span­nung vor, dann kann der Akku unbe­auf­sich­tigt ent­la­den wer­den, ohne daß man eine Tief­ent­la­dung befürch­ten muß.

Eine sol­che elek­tro­ni­sche Last stand schon län­ger auf mei­nem Wunsch­zet­tel und da die Fir­ma Rei­chelt nun den RND 320-KEL102 im Son­der­an­ge­bot für knapp €250,- anbot, konn­te ich nicht wider­ste­hen. Das Gerät kann 150 Watt ver­bra­ten, bis zu 30 A Strom zie­hen und eine Span­nung bis 120 V aus­hal­ten. Für gut 100 Euro mehr gibt es die Vari­an­te mit bis zu 300 Watt Belast­bar­keit. Für mei­ne Zwecke soll­te die 150 W Vari­an­te genü­gen. Selbst wenn mal ein 12V-Auto­ak­ku gete­stet wer­den soll, kann er immer­hin mit gut 10 A bela­stet wer­den. Das reicht für mich.

Vor­ge­sten bestellt, heu­te gelie­fert und hier ist er nun:

RND 320-KEL102
Der RND 320-KEL102 beim Ent­la­den eines Akkus

Als Zube­hör ist das Netz­ka­bel, ein USB-Kabel, ein RS232-Kabel (9‑polig male auf 9‑polig fema­le) und zwei dicke sehr fle­xi­ble Meß­strip­pen (gut 1m lang, 10AWG = 5.26 mm²) bei­gepackt. Als Doku­men­ta­ti­on ist ein 30-sei­ti­ges DIN A5-Heft­chen bei­gelegt. Außer­dem ist eine unbe­schrif­te­te CD dabei, die ich aber noch nicht ange­schaut habe.

Erster Ein­druck

Der erste Ein­druck ist sehr posi­tiv, das Gerät macht, was es soll. Die­ses Bild zeigt das Ent­la­den eines LiIo-Akku­packs, bestehend aus sechs par­al­lel­ge­schal­te­ten 18650-Zel­len von Sam­sung. Jede Zel­le hat nomi­nal 2.8 Ah Kapa­zi­tät bei einem Ent­la­de­strom von 0.2C, also 0,56A. Das macht bei sechs Zel­len also 3.36A, wie auf dem Foto gezeigt.

Die Pro­gram­mie­rung geschieht über das Tasten­feld und ist, wie so oft bei Chi­na­wa­re, etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig. Die knap­pe und feh­ler­haf­te Beschrei­bung ist lei­der auch kei­ne gro­ße Hil­fe. Zum Testen eines Akkus muß man zunächst die Betriebs­be­din­gung ange­ben, also den Ent­la­de­strom. Dann wer­den die Abbruch­be­din­gun­gen ein­ge­ge­ben. Das ist die Ent­la­de­schluß­span­nung, aber auch die Ent­la­de­ka­pa­zi­tät und die maxi­ma­le Ent­la­de­dau­er sind pro­gram­mier­bar. Daß Strö­me in (m)A und Span­nun­gen in V ange­ge­ben wer­den ist logisch, daß die Ent­la­de­ka­pa­zi­tät in Ah ange­ge­ben wird, schon weni­ger. Ich hät­te eine Kapa­zi­tät in Wh oder Ws erwar­tet, aber da ja auch die Akku­her­stel­ler die Ladung in As oder Ah ange­ben, ist das nicht ganz von der Hand zu wei­sen. Man hät­te es natür­lich auch in das Doku­ment schrei­ben kön­nen, genau­so wie die Ent­la­de­dau­er, die nicht etwa in Sekun­den son­dern in Minu­ten und Bruch­tei­len von Minu­ten ange­ben wird.

Das Foto oben zeigt den Akku­test nach 28,328 Minu­ten, also 28 Minu­ten und knapp 20 Sekun­den und bis dahin wur­den 1,5866 Ah ent­la­den. Der Akku lie­fert noch knapp 3.7 V. Als Ent­la­de­schluß­span­nung wur­den die im Daten­blatt genann­ten 2.75 V ein­pro­gram­miert, die aber hier noch nicht erreicht sind. Zur Span­nungs­mes­sung ist ein Sen­se-Ein­gang vor­han­den. Damit kann die Span­nung direkt an der Quel­le gemes­sen wer­den und so spie­len dann die Lei­tungs­wi­der­stän­de kei­ne Rol­le mehr.

Der Lüf­ter läuft nur bei Bedarf und er scheint last­ge­steu­ert zu sein. Bei den ersten Ent­la­de­ver­su­chen mit 1 A ist er nicht ange­lau­fen, auch nicht nach einer hal­ben Stun­de. Bei den hier gezeig­ten 3.36 A lief er aller­dings sofort an, obwohl in der kur­zen Zeit noch nichts heiß­ge­lau­fen sein kann. Daher wird er ver­mut­lich bei einer bestimm­ten ver­brauch­ten Lei­stung anlau­fen, aber das Hand­buch ver­rät nichts dar­über. Der Lüf­ter ist deut­lich hör­bar, aber nicht über­mä­ßig laut. Vor allem ist kein Schep­pern, Pfei­fen oder Krat­zen zu hören. Das ist für mich in Ord­nung, ein Desk­top PC ist auch nicht viel lei­ser. Im Schlaf­zim­mer wird man die elek­tro­ni­sche Last natür­lich nicht betreiben.

Bei Gele­gen­heit wer­de ich die mit­ge­lie­fer­te Soft­ware aus­pro­bie­ren und die Kom­mu­ni­ka­ti­on über Ether­net oder USB testen. Auch ein RS232-Inter­face ist ein­ge­baut. Ich erwar­te, daß man die Ent­la­de­kur­ve auf­zeich­nen und mit einem Spreadsheet-Pro­gramm wei­ter­ver­ar­bei­ten kann. Ein wei­te­rer Bericht soll also folgen.