Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 2

Im ersten Teil habe ich die Grund­idee für die­ses Refle­xi­ons­fak­tor-Meß­ge­rät beschrie­ben und den Schalt­plan für ein Expe­ri­men­tal­board vor­ge­stellt. In die­sem zwei­ten Teil beschrei­be ich den prak­ti­schen Auf­bau der Lei­ter­plat­te und die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen. Die Mes­sun­gen wur­den noch ohne Anten­nen­kopp­ler durch­ge­führt. Als Signal­quel­le dient ein Sig­lent SDG6022X-Funk­ti­ons­ge­ne­ra­tor, als Meß­in­stru­ment ein Rigol HDO4404 (das inzwi­schen mit offen­sicht­lich glei­chem Funk­ti­ons­um­fang als Rigol DHO4404 ver­kauft wird). Auch das Micro­con­trol­ler­board hat noch kei­ne Funk­ti­on, außer daß es nach dem Ein­schal­ten die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und die Kom­pa­ra­to­ren enabled.

Foto des POC-Boards

Die­ses erste Test­board ist noch kein Pro­to­typ für einen Anten­nen­tu­ner, son­dern ein ein­fa­ches Expe­ri­men­tal­board, um zu prü­fen, ob die Idee über­haupt funk­tio­niert. Im Eng­li­schen bezeich­net man das als „pro­of-of-con­cept“ oder POC.

Strom­auf­nah­me

Die Strom­auf­nah­me liegt ohne Ein­gangs­si­gna­le bei 95 mA und steigt bei 10 MHz Takt­si­gna­len an bei­den Ein­gän­gen auf 101 mA.

Ein­gangs­im­pe­danz

Die Ein­gangs­im­pe­dan­zen lie­gen bei etwas über 50 Ω mit leich­tem kapa­zi­ti­ven Anteil.

Log­arith­mi­sche Verstärker

Die Aus­gangs­span­nun­gen LOGUF und LOGUR der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker wur­den bei 10 MHz und Ein­gangs­pe­geln zwi­schen ‑70 dBm und +23 dBm gemessen.

Beim Ver­gleich mit Daten­blatt­wer­ten ist das zusätz­li­che 6 dB Dämp­fungs­glied vor den Ein­gän­gen zu beach­ten. Das ist in der gel­ben Kur­ve berück­sich­tigt. Der Ver­lauf von LOGUF stimmt sehr gut mit dem Daten­blatt über­ein, wäh­rend LOGUR einen um etwa 100 mV (=4 dB) zu nied­ri­gen Wert anzeigt. Unter­halb von etwa ‑50 dBm fla­chen bei­de Kur­ven ab und ihre Meß­wer­te sind nicht mehr direkt verwendbar.

Ich habe auch die Fre­quenz­ab­hän­gig­keit von LOGUF und LOGUR exem­pla­risch bei 0 dBm unter­sucht. Von 1 MHz bis 100 MHz ändert sich LOGUF zwi­schen 1,98 und 1,84 V und LOGUR zwi­schen 1,88 und 1,77 V. Bei­de Kanä­le haben also eine Fre­quenz­ab­hän­gig­keit von 110 bis 140 mV, die aber bei bei­den Kanä­len nähe­rungs­wei­se gleich ist und sich daher kompensiert.

Kom­pa­ra­to­ren

Die ana­lo­ge Dif­fe­renz­span­nung UDIFF

Die Mes­sung der Dif­fe­renz­span­nung UDIFF hin­ter dem Tief­pass zeigt das beab­sich­tig­te linea­re Verhalten.

UDIFF ist bei einer Pha­sen­ver­schie­bung in einer Rich­tung gleich groß, wie bei glei­cher Pha­sen­ver­schie­bung in die ande­re Rich­tung. Wie bereits im ersten Teil erklärt, wird das Vor­zei­chen der Ver­schie­bung mit dem Signal UR_LD ange­zeigt. Es ist im Test­board mit LED3 ver­bun­den, die die­se Ver­schie­bung optisch anzeigt. Bei 0° und 180° Pha­sen­ver­schie­bung kommt es zu Unsi­cher­hei­ten bei der Rich­tungs­er­ken­nung, gege­be­nen­falls auch zu Meta­sta­bi­li­tä­ten, weil CLKUR nicht nach den Regeln der Kunst ein­syn­chro­ni­siert wur­de. Das macht aber nichts, weil UDIFF in bei­den Fäl­len gleich ist und der mög­li­cher­wei­se falsch errech­ne­te Pha­sen­win­kel nur wenig vom tat­säch­li­chen abweicht.

Die digi­ta­len Taktsignale

Die nach­fol­gen­den Oszil­lo­gram­me zei­gen die die digi­ta­len Takt­si­gna­le CLKUF und CLKUR direkt an den Aus­gän­gen der Kom­pa­ra­to­ren bei Pha­sen­ver­schie­bun­gen zwi­schen ‑180° und +180°. Bei­de Ein­gangs­pe­gel lie­gen bei „gesun­den“ 0 dBm und die Ein­gangs­fre­quenz beträgt 10 MHz.

Außer­dem wird das erzeug­te PWM Signal ange­zeigt, sowie die ana­lo­ge Span­nung UDIFF am Aus­gang des Tiefpasses.

Die deut­li­chen Über­schwin­ger sind auf die schnel­len Takt­aus­gän­ge in Ver­bin­dung mit den Mas­se­lei­tun­gen der Tast­köp­fe zurückzuführen.

Nied­ri­ge Pegel der reflek­tier­ten Spannung

Die reflek­tier­te Span­nung hat natur­ge­mäß nur bei hohem Steh­wel­len­ver­hält­nis einen hohen Pegel. Je bes­ser die Anpas­sung ist, umso gerin­ger wird die Span­nung, die man aus­wer­ten kann. Die nach­fol­gen­den Mes­sun­gen zei­gen das Ver­hal­ten der Pha­sen­mes­sung bei sin­ken­den Eingangsspannungen.

Alle Mes­sun­gen wur­den mit 90° Pha­sen­ver­schie­bung durch­ge­führt. Bis unge­fähr ‑20 dBm Ein­gangs­pe­gel wird die PWM recht zuver­läs­sig gene­riert, beginnt aber dann bereits, asym­me­trisch zu wer­den. Das liegt dar­an, daß die Ein­gangs­span­nung bei dem nied­ri­gen Pegel (ein zehn­tel der Span­nung bei 0 dBm) erst viel spä­ter den Umschalt­punkt erreicht, der von der Ein­gangs­hy­ste­re­se des Kom­pa­ra­tors bestimmt wird. Gleich­zei­tig wird der Schalt­zeit­punkt der nega­ti­ven Flan­ke unprä­zi­ser und beginnt zu „flat­tern“. Bei ‑40 dBm ist das Signal prak­tisch nicht mehr ver­wert­bar und bei ‑45 dBm ist es nicht mehr vorhanden.

20 dB Unter­schied zwi­schen UF und UR ent­spre­chen einem SWR von 1,22. Nach der gro­ben Abschät­zung im ersten Teil die­ses Bei­trags rei­chen die­se 20 dB Unter­schied für eine Genau­ig­keit der Pha­sen­mes­sung von 10°. Das scheint plau­si­bel und deckt sich unge­fähr mit der in der ‑20dBm-Mes­sung beob­ach­te­ten Phasenverschiebung.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber kom­men hier noch zwei Mes­sun­gen mit 10 Sekun­den Nachleuchtdauer.

Man erkennt hier nicht nur die durch­schnitt­li­che Pha­sen­ver­schie­bung son­dern auch den Jit­ter, also den Bereich in dem sich die Pha­sen­la­ge verschiebt.

Erkennt­nis­se und Verbesserungsideen

Strom­auf­nah­me

Die Strom­auf­nah­me von 100 mA ist mir zu hoch. Davon gehen etwa 25 mA auf das Kon­to der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und der Kom­pa­ra­to­ren, wei­te­re 10 oder 15 mA wer­den vom CPU-Board und den LEDs ver­braucht. All das kann bei Nicht­ge­brauch deut­lich redu­ziert wer­den. Der wesent­li­che Strom­ver­brauch geht auf das Kon­to des CPLDs, das bereits fürs Nichts­tun 60 mA zieht. Das soll­te sich im Low-Power Modus auf die Hälf­te redu­zie­ren las­sen, was aber dann als Dau­er­be­trieb immer noch viel ist. Schon im ersten Teil hat­te ich ange­deu­tet, die Aus­wahl des CPLDs noch­mal zu überdenken.

Ein­gangs­im­pe­danz

Die Ein­gangs­im­pe­danz liegt etwas über 50 Ω und wird bei höhe­ren Fre­quen­zen kapa­zi­tiv. Daher soll­ten die Ein­gangs­wi­der­stän­de R40 und R41 etwas ver­rin­gert wer­den, etwa auf 53 Ω. Außer­dem soll­te man beden­ken, daß an die­sen Wider­stän­den eine etwas höhe­re Lei­stung ver­bra­ten wer­den könn­te. Wenn man für den Richt­kopp­ler 30 dB Kop­pel­dämp­fung annimmt und die hier­zu­lan­de zuläs­si­ge Sen­de­lei­stung von 750 Watt ansetzt, wäre man mit 1 W auf der siche­ren Sei­te. Daher bie­tet es sich an, drei 160-Ω-Wider­stän­de par­al­lel zu schal­ten. Das wäre bei der 0805-er Bau­grö­ße gera­de für 990 Watt Dau­er­be­trieb aus­rei­chend (Spec beach­ten, nicht alle ver­tra­gen 330 mW).

Ampli­tu­den­mes­sung

Die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker funk­tio­nie­ren im wesent­li­chen wie spe­zi­fi­ziert, aller­dings zeigt LOGUR etwa 4 dBm zu wenig an, was etwa 1 dBm mehr ist, als das Daten­blatt zulässt. Das lässt sich über einen Trim­mer am INT-Ein­gang kor­ri­gie­ren, aller­dings nur bis +/-3dB. Ver­mut­lich ist eine Unsau­ber­keit im Test­board für den Feh­ler ver­ant­wort­lich. Dem wer­de ich jetzt nicht nach­ge­hen. Ich wer­de eine Kor­rek­tur in der Soft­ware für sol­che gerin­gen Abwei­chun­gen vorsehen.

Pha­sen­dif­fe­renz­mes­sung

Die Mes­sung der Pha­sen­dif­fe­renz funk­tio­niert wie erwar­tet. Das Signal UR_LD wird aller­dings mit der CLKUF getak­tet und ist damit für die Port­pins eines Micro­con­trol­lers zu schnell. Ich erwar­te in der Pra­xis kei­ne Pro­ble­me, weil es ja nur in der Nähe der Umschalt­punk­te flat­tert, aber es ist unschön. Ich erwä­ge, bei einem Rede­sign zwei Tief­päs­se vor­zu­se­hen, einen für posi­ti­ve und den ande­ren für nega­ti­ve Pha­sen­ver­schie­bun­gen. Dann wer­den zwei Ana­log­ein­gän­ge benö­tigt und über einen Pegel­ver­gleich erkennt man die Rich­tung der Phasenverschiebung.

Aus­gangs­span­nung des CPLDs

Beim genau­en betrach­ten des Oszil­lo­gram­me fällt auf, daß das CPLD an sei­nen Aus­gän­gen besten­falls 4 V erreicht, statt der erwar­te­ten 5 V, mit denen es betrie­ben wird. Zur Erklä­rung hilft ein Blick ins Datenblatt:

Offen­sicht­lich sind als high-side-Schal­ter N‑MOS-Tran­si­sto­ren ver­baut, wodurch die Aus­gangs­span­nung immer um deren Schwell­span­nung unter­halb der Ver­sor­gungs­span­nung liegt. Auf die­sem Test­board führt das dazu, daß die LED3 etwas dunk­ler leuch­tet, als erwar­tet und daß die Span­nung UDIFF am Aus­gang des Tief­pas­ses etwas gerin­ger ist, als errech­net. Für alle ande­ren Zwecke reicht der Pegel völ­lig aus. Wäre das nicht der Fall, könn­te man pull-up-Wider­stän­de oder zusätz­li­che Trei­ber vor­se­hen. Die LED wür­de ich gegen GND schal­ten, statt gegen VDD.

Meß­er­geb­nis­se

Hier ist das Libre­of­fice Calc-Spreadsheet mit den Meßergebnissen:

Berech­nung des Anpassungsnetzwerks

Wie man aus den hier gewon­ne­nen Meß­er­geb­nis­sen das benö­tig­te Anpas­sungs­netz­werk berech­net, habe ich bereits im Bei­trag „Anten­nen­an­pas­sung mit Libre­Of­fice“ erläu­tert. Das dort vor­ge­stell­te Spreadsheet habe ich zu die­sem Zweck etwas angepasst:

Update 08.01.2025: neu­es Spreadsheet, das vor­he­ri­ge hat­te ein paar klei­ne Fehler.

Man kann jetzt in den Zei­len 3 bis 7 direkt die gemes­se­nen Wer­te in MHz und in Volt ein­ge­ben. Es fol­gen Umrech­nungs­fak­to­ren in den Zei­len 10 bis 13, die aus dem Daten­blatt, aus Berech­nun­gen oder aus Kali­brier­mes­sun­gen gewon­nen wer­den. In den Zei­len 15 bis 20 wer­den die Meß­wer­te in die nach­fol­gend benö­tig­ten Para­me­ter umgerechnet.

Zei­le 27 zeigt den errech­ne­ten kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma. In Zei­le 29 wird aus Γ und Z0 die Impe­danz der Last errech­net, danach der kom­ple­xe Leit­wert und die Kreis­fre­quenz. In den Zei­len 33 bis 41 wird mit­hil­fe der Kreis­fre­quenz der induk­ti­ve bzw. kapa­zi­ti­ve Anteil der Last berech­net und zwar ein­mal für Seri­ell­schal­tung und ein­mal für Par­al­lel­schal­tung der ein­zel­nen Ele­men­te. Das ist rein infor­ma­tiv, hilft aber bei der Kon­trol­le der Rech­nung mit SimS­mith. Die ver­blei­ben­den Zei­len berech­nen das nöti­ge Anpas­sungs­netz­werk in LC- und CL-Topo­lo­gie. Nur eines davon lie­fert eine rea­li­sier­ba­re Lösung.

Links

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 1

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 3

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