Richt­kopp­ler V1.7

Wie hier schon beschrie­ben habe ich eine wei­te­re Vari­an­te eines Sont­hei­mer-Fre­de­rick-Richt­kopp­lers gebaut. Sie hat den pas­sen­den Abstand der SMA-Buch­sen, um direkt an das Gam­ma-Mess­ge­rät ange­schraubt zu wer­den. Bei­de Lei­ter­plat­ten sind nun ver­füg­bar und hier zunächst die Beschrei­bung und die Meß­er­geb­nis­se zum Koppler.

Detail­an­sicht

Hier noch­mal die KiCad-3D-Ansicht und ein paar Detailfotos:

Dies­mal wur­den Ring­ker­ne des Typs FT 50–43 mit einem AL-Wert von 440nH/Wdg² ver­wen­det. Sie haben jeweils 20 Win­dun­gen und damit eine Eigen­in­duk­ti­vi­tät von 176 µH. Sie trans­for­mie­ren die Lei­stung auf ein vier­hun­dert­stel, was rech­ne­risch einen Kopp­lungs­ver­lust von 10*log(400)=26 dB erwar­ten lässt.

Als inne­re „Wick­lung mit einer Win­dung“ wur­de ein kur­zes Stück RG400 Koax­ka­bel ein­ge­setzt, das gegen­über RG58 den Vor­teil hat, nicht so hit­ze­emp­find­lich zu sein. Man kann recht sorg­los mit dem Löt­kol­ben han­tie­ren. Außer­dem ist die Schir­mung deut­lich dich­ter, was der Iso­la­ti­on zugu­te kommt.

Mess­ergeb­nis­se

Hier die Meß­er­geb­nis­se, die direkt mit den vor­he­ri­gen hier und hier zu ver­glei­chen wären:

Die Richt­schär­fe ist der wich­tig­ste Para­me­ter eines Richt­kopp­lers. Sie gibt das Ver­hält­nis der bei idea­ler Anpas­sung gemes­se­nen Rück­lauf­span­nung im Ver­hält­nis zur Vor­lauf­span­nung an. Die rück­lau­fen­de Span­nung soll­te unter idea­len Ver­hält­nis­sen null sein, was in der Pra­xis aber nicht erreich­bar ist. Die hier vor­ge­stell­te Ver­si­on 1.7 erreicht für den gesam­ten Kurz­wel­len­be­reich eine Richt­schär­fe von bes­ser als ‑43 dB und selbst im 4‑m-Band noch knapp ‑34 dB. Das sind für den hier beab­sich­tig­ten Zweck mehr als gute Wer­te. Selbst für das 2‑m-Band wer­den noch ‑20 dB erreicht.

Der Kopp­lungs­ver­lust liegt bis in das 4‑m-Band bei den errech­ne­ten 26 dB. Dar­über fällt er etwas stär­ker ab, als bei dem vor­he­ri­gen Ver­suchs­auf­bau mit FT50-61 Ring­ker­nen. Zwei Deka­den abzu­decken ist ja auch nicht ganz selbstverständlich.

Die Durch­gangs­dämp­fung liegt mit 0,02~0,04 dB hart an der Gren­ze der Meß­ge­nau­ig­keit des ver­wen­de­ten Netz­werk­ana­ly­sa­tors. Idea­ler­wei­se wären hier 0,01 dB zu erwar­ten (10*log(1–1/400)).

Der inne­re blaue Kreis im Smith-Dia­gramm kenn­zeich­net ein SWR von 1,25. Im gesam­ten Bereich zwi­schen 1,8 MHz und 150 MHz liegt das SWR bei 1,02 bis maxi­mal 1,07

Das KiCad-Pro­jekt

Zusam­men­fas­sung

Der hier vor­ge­stell­te Richt­kopp­ler ist für den vor­ge­se­he­nen Ein­satz­zweck bis hin­auf zum 4‑m-Band sehr gut geeig­net. Wer bis in das 2‑m-Band arbei­ten will, soll­te eher den FT 50–61 Ring­kern neh­men, was auf Kosten des 160-m-Ban­des gehen könn­te. Even­tu­ell sind dann 22 bis 24 Win­dun­gen als Kom­pro­miss angemessen.

Vor­schau

Auch der oben schon gezeig­te Kopp­ler funk­tio­niert nun sehr gut. Die Ein­gangs­si­gna­le wer­den bis etwa ‑40 dBm erkannt und bis sind bis etwa ‑30 dBm gut mess­bar. Ich wer­de noch eini­ge Meß­rei­hen durch­zie­hen und dann hier berich­ten. Vor­ab schon­mal die Mes­sun­gen der Eingangsreflexion:

Gam­ma-Mess­ge­rät – Der erste Prototyp

Nach­dem ich in der vor­he­ri­gen Arti­kel­se­rie zur Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors (Teil 1, 2, 3) ein aller­er­stes Test­board („PoC“) zum Prü­fen der Idee vor­ge­stellt habe, steht nun ein Ent­wurf für den ersten ech­ten Pro­to­ty­pen zur Ver­fü­gung. Hier der Schalt­plan und die 3D-Ansicht:

Kurz­be­schrei­bung

Die Funk­ti­ons­wei­se ist weit­ge­hend gleich­ge­blie­ben, aber der Mikro­con­trol­ler ist nun auf dem Board unter­ge­bracht und es wird daher kein sepa­ra­tes CPU-Board mehr benö­tigt. Das CPLD wur­de durch einen moder­ne­ren Typ ersetzt, ein 5M160Z im platz­spa­ren­den 64-Pin EQFP-Gehäu­se mit 0,4 mm Pin­ab­stand. Die­se Gene­ra­ti­on ver­trägt kei­ne 5‑V-Ver­sor­gungs­span­nung mehr und daher wur­de das gesam­te Design auf 3.3 V Ver­sor­gung geän­dert. Auch hier wur­de wie­der der bewähr­te Simp­le Swit­cher LMR16006X von TI ein­ge­setzt, der mit bis zu 60 V Ein­gangs­span­nung umge­hen kann. Zum Schutz vor über­ho­hen Span­nun­gen ist im Ein­gang aller­dings eine Schutz­di­ode SMBJ36A ver­baut, die die nomi­na­le Betriebs­span­nung auf 36 V DC begrenzt. Auch die Kon­den­sa­to­ren sind nur bis 50 V spe­zi­fi­ziert, da emp­fiehlt es sich, etwas Sicher­heits­ab­stand zu hal­ten. Bekannt­lich nimmt ja auch die Kapa­zi­tät von Kera­mik­kon­den­sa­to­ren bei stei­gen­der Betriebs­span­nung erheb­lich ab.

Das CPLD

Das CPLD benö­tigt 1.8 V als Betriebs­span­nung für den Kern. Die wird mit einem Line­ar­reg­ler aus den 3.3 V erzeugt. Da die Strom­auf­nah­me gering ist, hält sich die Ver­lust­lei­stung in Gren­zen. Die 3.3‑V-Versorgung ist für einen Maxi­mal­strom von 500 mA ausgelegt.

Das Inter­face zum CPLD wur­de etwas ange­passt. Da es sehr viel mehr Pins zur Ver­fü­gung stellt als benö­tigt wer­den, wur­den jeweils vier Pins für einen DIP-Schal­ter und für LEDs vor­ge­se­hen. Sie wer­den von der CPU über eine syn­chro­ne seri­el­le Schnitt­stel­le gele­sen und geschrie­ben, genau­so wie der Fre­quenz­zäh­ler. Das Design steht noch aus. Am ein­fach­sten dürf­te klas­si­sches Bit-ban­ging sein, aber viel­leicht geht auch was mit der IIC-Schnitt­stel­le, an der auch der Tem­pe­ra­tur­sen­sor hängt. Ich wer­de noch etwas her­um­spie­len. Das Design aus dem PoC-Board habe ich test­wei­se von dem 16-bit- auf einen 20-bit-Zäh­ler erwei­tert. Damit wer­den 46 der 160 LEs belegt, es bleibt also genug Platz für wei­te­re Spielereien.

Mes­sung der Phasenverschiebung

Zur Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung sind jetzt zwei Tief­päs­se imple­men­tiert, einer für vor­ei­len­de und der ande­re für nach­ei­len­de Rück­lauf­span­nung. Das ver­mei­det ein hoch­fre­quen­tes Digi­tal­si­gnal an einem Port­ein­gang der CPU, benö­tigt dafür aber zwei Analogeingänge.

Digi­tal­wand­lung der Taktsignale

Die Digi­tal­wand­lung der Takt­si­gna­le hat­te sich bereits im PoC-Board bewährt und wur­de bei­be­hal­ten. Zur mög­lichst guten Ent­kopp­lung der Span­nungs­ver­sor­gun­gen wur­den hier wie­der EMI-Fil­ter von Mura­ta ein­ge­setzt. Als pas­send und gut ver­füg­bar wur­de der Typ NFM18PS105R ausgewählt.

Die Log­arith­mi­schen Verstärker

Auch hier wur­den kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen vor­ge­nom­men. Die ohne­hin optio­na­len Wider­stands­netz­wer­ke an den Aus­gän­gen wur­de entfernt.

Als Ter­mi­nie­rungs­wi­der­stän­de an den Port­ein­gän­gen wur­den jeweils zwei par­al­le­le 105‑Ω‑Widerstände ein­ge­baut, die den Ein­gangs­wi­der­stand zusam­men mit den ande­ren Lasten auf ziem­lich genau 50 Ω ter­mi­nie­ren soll­ten. Jeder die­ser Wider­stän­de hat eine 2010er Bau­form und ver­trägt eine Ver­lust­lei­stung von 500 mW, zusam­men also 1 Watt. Ein Kopp­ler mit einer nomi­na­len 30-dB-Kop­pel­dämp­fung könn­te dann also mit bis zu 1 kW Lei­stung betrie­ben werden.

Schnitt­stel­len

In mei­nen Außen­ge­rä­ten ver­wen­de ich seit jeher die RS485-Schnitt­stel­le. Damit kann man zuver­läs­sig meh­re­re hun­dert Meter über­brücken und Kopp­lun­gen des Sen­de­si­gnals von in mei­nem Fall immer­hin 100 Watt waren nie ein Pro­blem, obwohl alle Kabel im sel­ben Kanal liegen.

Um eine Ver­wen­dung des Kopp­lers im Innen­be­reich, z.B. direkt an der Sta­ti­on, nicht unnö­tig zu erschwe­ren, habe ich für die­sen Pro­to­ty­pen die optio­na­le Ver­wen­dung einer USB-Schnitt­stel­le und eines Blue­tooth-Adap­ters vor­ge­se­hen. Sie kön­nen alter­na­tiv im unte­ren Bereich auf­ge­steckt werden.

Bei auf­ge­steck­ter USB-Schnitt­stel­le kann das Board auch über USB ver­sorgt werden.

Sta­tus und Fertigung

Das Pro­jekt ist momen­tan genau­so­weit fort­ge­schrit­ten, wie hier beschrie­ben. Der Schalt­plan ist mehr oder weni­ger fer­tig und die Kom­po­nen­ten sind pro­vi­so­risch plat­ziert. Gerou­tet ist noch nichts, klei­ne Ände­run­gen sind noch mög­lich, nöti­gen­falls auch große.

Der Pro­to­typ ist so ent­wor­fen, daß er bei JLCPCB auf einer preis­gün­sti­gen 4‑lagigen Pla­ti­ne gefer­tigt wer­den kann. Das Hand­lö­ten von 0.4‑mm-pin-pitch Gehäu­sen muß ich mir dann nicht antun. Als Bau­grö­ßen für das Vogel­fut­ter habe ich meist 0603 gewählt, weil die­se Kom­po­nen­ten not­falls noch von Hand ersetzt wer­den kön­nen. 0402 wäre auch mög­lich, bringt aber auch nicht mehr soviel mehr Platzgewinn.

Die Kosten­vor­schau zeigt mir bei fünf Boards über 260 Euro an. Dazu kommt dann die Ein­fuhr­um­satz­steu­er und Ver­sand, so daß ein Board fast 70 Euro kosten dürf­te. Am teu­er­sten sind übri­gens die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker, die pro Stück mit knapp 13 Euro zu Buche schla­gen. Das CPLD kostet 5 Euro und der Mikro­con­trol­ler 3 Euro. Da soll­te man vor der Bestel­lung noch­mal gut nachdenken.

Die SMA-Buch­sen und die Pfo­sten­steck­ver­bin­der wer­de ich bei Bedarf von Hand anlö­ten. Die JTAG Schnitt­stel­len wer­den besten­falls nur ein­mal benö­tigt, näm­lich um den Boot­loa­der in die CPU und den Bit­stream in das CPLD zu pro­gram­mie­ren. Zumin­dest zu Bastel­zwecken geht das ver­mut­lich, ohne die Steck­ver­bin­der einzulöten.

Gesamt­an­sicht

Abschlie­ßend noch eine Ansicht des Pro­to­ty­pen mit ange­schlos­se­nem Antennenkoppler:

Am Anten­nen­kopp­ler sol­len natür­lich SMA-Male Steck­ver­bin­der ver­baut wer­den, die hier man­gels 3D-Modell als SMA-Fema­le gezeigt sind.

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 3

Es ist soweit: ich kann die ersten Meß­er­geb­nis­se prä­sen­tie­ren. Die Aus­wer­te­soft­ware funk­tio­niert soweit, daß man sie nut­zen kann. Ich wür­de sie als Beta-Ver­si­on bezeich­nen, hier und da sind sicher­lich noch Feh­ler vor­han­den und Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten gibt es ja sowie­so immer. Die Mes­sun­gen wur­den noch nicht mit einem Trans­cei­ver und ech­ter Anten­ne gewon­nen, son­dern mit einem Signal­ge­nera­tor SDG6022X von Siglent.

Die Aus­wer­tungs­soft­ware

Hier zunächst exem­pla­risch ein Screen­shot der Auswertesoftware:

Hier ist eine Mes­sung mit einer Vor­lauf­lei­stung von 0 dBm und einer Rück­lauf­lei­stung von ‑3 dBm bei einer Fre­quenz von 10 MHz gezeigt. Die Bedeu­tung der ein­zel­nen Fel­der wird nach­fol­gend beschrie­ben. Die ver­wen­de­ten Signal­na­men sind die­sel­ben, die auch im Schalt­plan ver­wen­det wurden.

Meß­er­geb­nis­se

In die­ser Group Box wer­den die unver­ar­bei­te­ten Meß­er­geb­nis­se ange­zeigt, so wie sie vom Mikro­con­trol­ler erfasst wurden.

LOGUF und LOGUR

Das sind die vom Micro­con­trol­ler gemes­se­nen Vor- und Rück­lauf­span­nun­gen LOGUF und LOGUR. Es sind die unver­än­der­ten Roh­da­ten, so wie sie aus den log­arith­mi­schen Ver­stär­kern herauskommen.

UDIFF

UDIFF ist die Span­nung, die die Pha­sen­dif­fe­renz anzeigt. Es ist die aus dem Tief­pass her­aus­kom­men­de mitt­le­re PWM Span­nung. Auch die­ser Meß­wert ist unbearbeitet.

UR_LD

UR_LD ist 0 oder 1 und zeigt an, ob die rück­lau­fen­de Span­nung der vor­lau­fen­den Span­nung vor­eilt oder hinterherhinkt.

Fre­quenz

Das ist die vom CPLD gemes­se­ne Fre­quenz der vor­lau­fen­den Span­nung UF. Die Fre­quenz ist natur­ge­mäß die glei­che wie die der reflek­tier­ten Span­nung UR, aber je bes­ser die Anpas­sung wird, umso klei­ner wird UR. Die Fre­quenz wird mit einer Tor­zeit von 1 ms mit einem 16-Bit Zäh­ler im CPLD gemes­sen. Bei 65 MHz erfolgt daher ein Zäh­ler­über­lauf. Das kann durch Ver­kür­zen der Tor­zeit oder durch Erwei­tern des Zäh­lers auf mehr Bit ver­mie­den wer­den. Bei­des wäre pro­blem­los mög­lich, ist aber im Moment unnötig.

UDIFF0 und UDIFF1

UDIFF0 und UDIFF1 sind die beim Kali­brie­ren gemes­se­nen Span­nun­gen am Aus­gang des Tief­pas­ses. Zum Kali­brie­ren wird der PWM Aus­gang ein­mal auf low und ein­mal auf high gelegt und die jewei­li­ge Aus­gangs­span­nung des Tief­pas­ses gemes­sen. Damit lie­gen die Eck­span­nun­gen für 0° und 180° Pha­sen­ver­schie­bung fest.

Con­fig

Hier kön­nen ein paar Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­ten ein­ge­ge­ben wer­den, die spä­ter zur Meß­aus­wer­tung benö­tigt werden.

Kop­pel­dämp­fung

Die Kop­pel­dämp­fung ist die Dämp­fung des ein­ge­setz­ten Richt­kopp­lers. Sie hängt vom Ver­hält­nis der Win­dungs­zah­len ab. 30 dB ist ein ver­nünf­ti­ger Wert, mehr als 35 dB eher unwahr­schein­lich, weil es eine zu hohe Win­dungs­zahl der Über­tra­ger des Kopp­lers erfordert.

Dämp­fung UF und UR

Hier wird die zusätz­li­che Dämp­fung zwi­schen den Aus­gän­gen des Richt­kopp­lers und den Ein­gän­gen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker eige­ge­ben. Im Test­auf­bau sind hier etwa 6 dB Dämp­fung ein­ge­baut. Schon die ersten Mes­sun­gen haben gezeigt, das bei­de Kanä­le nicht voll­kom­men sym­me­trisch sind, son­dern bis zu 4 dB von­ein­an­der abwei­chen. Lei­der ist die­se Abwei­chung auch noch fre­quenz­ab­hän­gig. Für die hier gezeig­ten Mes­sun­gen wur­de die­se Dämp­fung so ein­ge­stellt, daß die berech­ne­ten Vor- und Rück­lauf­lei­stun­gen mit den am Signal­ge­nera­tor ein­ge­stell­ten Wer­ten übereinstimmen.

Die­se bei­den Wer­te sind genau genom­men „fudge fac­tors“, Schum­mel­wer­te. Das ist unschön, sie machen das Design nicht ohne wei­te­res repro­du­zier­bar, wenn man es auf höhe­re Genau­ig­keit anlegt. Im Grun­de müss­te jede ein­zel­ne Pla­ti­ne aus­ge­mes­sen wer­den, wenn man den Feh­ler nicht akzep­tie­ren will. Ande­rer­seits sei noch­mal dar­auf hin­ge­wie­sen, daß es sich hier nicht um ein hoch­prä­zi­ses Meß­ge­rät han­delt und daß man in der Pra­xis sowie­so einen SWR-Mini­mal­wert statt eines abso­lu­ten Wer­tes sucht. Gerin­ge Abwei­chun­gen sind dann irrelevant.

SWR

Im rechts gezeig­ten Smith-Dia­gramm kön­nen bis zu drei SWR-Krei­se ange­zeigt wer­den. Ihre Wer­te kön­nen in die­sen drei Fel­dern ein­ge­stellt werden.

Berech­nung

In die­ser Group Box wer­den die Rechen­er­geb­nis­se ange­zeigt, die sich aus den Meß­wer­ten erge­ben. Die Berech­nun­gen erfol­gen genau so, wie es in die­sem Calc-Spreadsheet gezeigt wurde.

Vor/Rücklauf in dBm

Die­se Fel­der zei­gen die errech­ne­ten Vor- und Rück­lauf­lei­stun­gen in dBm an. Weil die vor­hin erwähn­ten UF/UR-Dämp­fun­gen ent­spre­chend ein­ge­stellt wur­den, sind das genau die Lei­stun­gen, die am Test­ge­ne­ra­tor aus­ge­ge­ben werden.

Vor/Rücklauf in V

Hier sind die vor­her berech­ne­ten Lei­stun­gen von dBm in V umgerechnet.

Pha­sen­win­kel

Die­ses Feld zeigt den aus UDIFF und UR_LD unter Berück­sich­ti­gung von UDIFF0 und UDIFF1 berech­ne­ten Pha­sen­win­kel an. Er wird wie in der Mathe­ma­tik üblich ent­ge­gen dem Uhr­zei­ger­sinn gezählt. Rechts ist 0°, oben 90°, links 180° und unten 270°. 270° sind iden­tisch mit ‑90° und 180° sind das­sel­be wie ‑180°.

Die Bild­un­ter­schrift zeigt den am Signal­ge­nera­tor ein­ge­stell­ten Wert. Wegen der Schwell­span­nung der Kom­pa­ra­to­ren von etwa 5 mV ergibt sich eine Dis­kre­panz zum gemes­se­nen Wert. Die­se Dis­kre­panz steigt mit nied­ri­ger wer­den­der Rück­lauf­span­nung UR, so daß bei weni­ger als 30 dBm kei­ne zuver­läs­si­ge Mes­sung des Pha­sen­win­kels mehr mög­lich ist. Das ist in der Pra­xis über­haupt kein Pro­blem, denn das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist dann schon bes­ser als 1,1.

SWR

Hier wird das aktu­ell gemes­se­ne Steh­wel­len­ver­hält­nis angezeigt.

Gam­ma und |Gam­ma|

Gam­ma zeigt den aus dem Pha­sen­win­kel und dem Ver­hält­nis von UV und UR errech­ne­ten vek­to­ri­el­len Refle­xi­ons­fak­tor. |Gam­ma| ist der Betrag die­ses Reflexionsfaktors.

Aus­gangs­lei­stung

Das ist die augen­blick­li­che Sen­der­aus­gangs­lei­stung. Sie wird aus der gemes­se­nen Vor­lauf­lei­stung und der Kop­pel­dämp­fung berech­net. Die nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Meß­er­geb­nis­se zei­gen, daß eine Sen­der­aus­gangs­lei­stung von 1 Watt für die Abstim­mung völ­lig aus­rei­chend ist.

Impe­danz der Last

Die Impe­danz der Last wird aus dem Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma berech­net. Sie­he auch For­mel [6] in der For­mel­samm­lung.

R||X und R‑X

Die­se Fel­der zei­gen die Wirk- und Blind­wi­der­stän­de der Last. Wie bei einem rein ohm­schen Wider­stands­netz­werk kann ein vor­ge­ge­be­ner Schein­wi­der­stand auch aus par­al­lel oder seri­ell geschal­te­ten Ein­zel­wi­der­stän­den auf­ge­baut wer­den. Die bei­den Mög­lich­kei­ten wer­den in die­sen Fel­dern gezeigt. Das ist nütz­lich bei der Veri­fi­ka­ti­on der Rechen­er­geb­nis­se mit SimS­mith (sie­he unten).

Berech­ne­tes Anpassnetzwerk

Die­ses Feld zeigt das für die gemes­se­ne Fre­quenz berech­ne­te Anpass­netz­werk und die Topo­lo­gie an. Es wer­den hier nur Tief­päs­se berech­net, ein­mal mit einem Kon­den­sa­tor par­al­lel zum Gene­ra­tor und seri­el­ler Spu­le (Gen-ParC-SerL-Load) und ein­mal mit dem Kon­den­sa­tor par­al­lel zur Last (Gen-SerL-ParC-Load). Hoch­pass­kon­fi­gu­ra­tio­nen wären auch mög­lich, sie wer­den aber in Anten­nen­tu­nern übli­cher­wei­se nicht eingesetzt.

Smith-Dia­gramm

In die­sem Fen­ster wird das Smith-Dia­gramm dar­ge­stellt. Der Mar­ker zeigt den Meß­wert und die roten und grü­nen Kur­ven den Ver­lauf des errech­ne­ten Anpas­sungs­netz­werks hin zur 50-Ω-Refe­renz­im­pe­danz in der Mitte.

Kon­troll­rech­nung mit SimSmith

Das oben exem­pla­risch gezeig­te Meß­er­geb­nis soll nun mit SimS­mith veri­fi­ziert werden.

Der lin­ke Screen­shot zeigt die Simu­la­ti­on der Last mit par­al­lel­ge­schal­te­ten Ele­men­ten, der rech­te mit seri­ell geschal­te­ten Ele­men­ten. Die sich dar­aus erge­ben­de Last­im­pe­danz ist mit dem Mar­ker gekenn­zeich­net und deckt sich mit dem Ergeb­nis der oben gezeig­ten Aus­wer­te­soft­ware. Auch die gefun­de­ne Lösung für das Anpas­sungs­netz­werk wur­de ein­ge­zeich­net und auch die deckt sich mit dem Ergeb­nis der Auswertesoftware.

Wei­te­re Meßergebnisse

Ohne grö­ße­re Kom­men­ta­re wer­den nach­fol­gend die wei­te­ren Meß­er­geb­nis­se für unter­schied­li­che Pha­sen­win­kel und Rück­lauf­lei­stun­gen doku­men­tiert. Alle Mes­sun­gen wur­den mit einer Vor­lauf­lei­stung von 0 dBm (1 mW) bei 10 MHz durchgeführt.

Rück­lauf­lei­stung ‑1dBm

Eine Rück­lauf­lei­stung von ‑1 dBm ent­spricht einem sehr schlech­ten SWR von 15,5. Fast die gesam­te vor­lau­fen­de Lei­stung wird reflek­tiert. Das star­ke rück­lau­fen­de Signal hat für die Mes­sung aber den Vor­teil hoher Meß­ge­nau­ig­keit. Bei bes­se­rem SWR kann das Meß­er­geb­nis nur schlech­ter werden.

Rück­lauf­lei­stung ‑3dBm

Bei ‑3 dBm ergibt sich ein SWR von 5,4. Auch das ist noch gut meßbar

Rück­lauf­lei­stung ‑10dBm

Wenn nur noch ein zehn­tel der vor­lau­fen­den Lei­stung reflek­tiert wird, sinkt das SWR auf einen für den Trans­cei­ver gesun­den Wert von 1,9. Auch hier zei­gen sich kei­ne Meß­pro­ble­me, sowohl Pha­sen­win­kel als auch Lei­stun­gen wer­den zuver­läs­sig gemessen.

Rück­lauf­lei­stung ‑20dBm

Hier wird nur noch ein hun­der­stel der vor­lau­fen­den Lei­stung reflek­tiert, das SWR sinkt auf 1,2. Der Feh­ler bei der Mes­sung des Pha­sen­win­kels steigt auf 10° bis 20°, was aber durch­aus noch brauch­bar ist.

Rück­lauf­lei­stung ‑30dBm

Bei ‑30 dBm kommt man an die Gren­zen des Meß­be­reichs der Pha­sen­mes­sung. Der gemes­se­ne Pha­sen­win­kel weicht stark vom tat­säch­li­chen Pha­sen­win­kel ab. Im Grun­de ist die Mes­sung des Pha­sen­win­kels unbrauch­bar. Das gilt nicht für die Mes­sung der Lei­stun­gen, das SWR wird zuver­läs­sig angezeigt.

Rück­lauf­lei­stung ‑35dBm

Auch bei ‑35 dBm wird noch die Pha­sen­la­ge gemes­sen, sie weicht aber noch mehr vom wah­ren Wert ab.

Rück­lauf­lei­stung ‑40dBm

Bei ‑40 dBm wird ein SWR von 1,0 ange­zeigt, weil prak­tisch kei­ne Lei­stung mehr reflek­tiert wird, nur noch ein Zehn­tau­send­stel der vor­lau­fen­den Lei­stung. UDIFF zeigt in allen Mes­sun­gen einen Mit­tel­wert von etwa 1,624 V an. Das bedeu­tet, daß der Takt der rück­lau­fen­den Span­nung UR nicht mehr erkannt wird.

Zusam­men­fas­sung

Die Pha­sen­mes­sung funk­tio­niert zuver­läs­sig, frei­lich mit abneh­men­der Prä­zi­si­on, bis zu einer Rück­lauf­lei­stung von etwa ‑30 dBm. Bei einer Kop­pel­dämp­fung von 30 dB bedeu­tet das, daß die Pha­sen­la­ge mit einer Abstimm­lei­stung von 1 Watt zuver­läs­sig bis zu einem SWR von bes­ser als 1,2 gemes­sen wer­den kann. Die Mes­sung des Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses funk­tio­niert auch bei ‑40 dBm noch zuverlässig.

Wer höhe­re Prä­zi­si­on der Mes­sung anstrebt, kann natür­lich die Sen­de­lei­stung zum Abstim­men erhö­hen. Bei den han­dels­üb­li­chen Anten­nen­kopp­lern wird sowie­so eine höhe­re Lei­stung gefor­dert, z.B. 5 bis 15 Watt beim AH-730 von ICOM.

Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten

Das hier vor­ge­stell­te Design wur­de im ersten Teil als Pro­of-of-Con­cept bezeich­net. Es hat sich bewährt, die Idee funk­tio­niert. Es gibt natür­lich Verbesserungsmöglichkeiten.

Am leich­te­sten wäre eine Kor­rek­tur der Pha­sen­mes­sung durch die Soft­ware zu imple­men­tie­ren. Die Span­nung der rück­lau­fen­den Wel­le ist ja durch die Mes­sung bekannt und so lässt sich tri­go­no­me­trisch die Pha­sen­ver­schie­bung aus dem spä­te­ren Errei­chen der Schalt­schwel­le des Kom­pa­ra­tors korrigieren.

Die Mes­sung von UDIFF und UR_LD funk­tio­niert hin­rei­chend zuver­läs­sig. Bei einem Rede­sign wür­de ich aber UR_LD in irgend­ei­ner Wei­se tief­pass­fil­tern. Im Über­gangs­be­reich bei 0° und 180° liegt hier ein hoch­fre­quen­tes Signal an, das ein Micro­con­trol­ler nicht so ger­ne am Ein­gang sieht.

Die Abwei­chung der Meß­er­geb­nis­se am Aus­gang der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker macht mir noch etwas Kopf­zer­bre­chen. Hier habe ich bis zu 4 dB Abwei­chung bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur gemes­sen. Wie mag das erst bei ‑20 °C und +65 °C aus­se­hen, bei Schwan­kun­gen der Ver­sor­gungs­span­nung, über den gesam­ten Fre­quenz­be­reich und bei Alte­rung? Das lässt sich zwar per Soft­ware kom­pen­sie­ren, wür­de aber eine (ggf. regel­mä­ßi­ge) Kali­brie­rung erfor­dern. Womög­lich wäre es gar­nicht so abwe­gig, zu die­sem Zweck einen Signal­ge­nera­tor mit bekann­ter Aus­gangs­lei­stung ein­zu­bau­en. Ich grüb­le noch. Ein AD9834 ist in Chi­na für weni­ge Euro zu bekom­men. Die Fra­ge ist natür­lich, ob der Auf­wand gerecht­fer­tigt ist.

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Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 1

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 2

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 2

Im ersten Teil habe ich die Grund­idee für die­ses Refle­xi­ons­fak­tor-Meß­ge­rät beschrie­ben und den Schalt­plan für ein Expe­ri­men­tal­board vor­ge­stellt. In die­sem zwei­ten Teil beschrei­be ich den prak­ti­schen Auf­bau der Lei­ter­plat­te und die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen. Die Mes­sun­gen wur­den noch ohne Anten­nen­kopp­ler durch­ge­führt. Als Signal­quel­le dient ein Sig­lent SDG6022X-Funk­ti­ons­ge­ne­ra­tor, als Meß­in­stru­ment ein Rigol HDO4404 (das inzwi­schen mit offen­sicht­lich glei­chem Funk­ti­ons­um­fang als Rigol DHO4404 ver­kauft wird). Auch das Micro­con­trol­ler­board hat noch kei­ne Funk­ti­on, außer daß es nach dem Ein­schal­ten die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und die Kom­pa­ra­to­ren enabled.

Foto des POC-Boards

Die­ses erste Test­board ist noch kein Pro­to­typ für einen Anten­nen­tu­ner, son­dern ein ein­fa­ches Expe­ri­men­tal­board, um zu prü­fen, ob die Idee über­haupt funk­tio­niert. Im Eng­li­schen bezeich­net man das als „pro­of-of-con­cept“ oder POC.

Strom­auf­nah­me

Die Strom­auf­nah­me liegt ohne Ein­gangs­si­gna­le bei 95 mA und steigt bei 10 MHz Takt­si­gna­len an bei­den Ein­gän­gen auf 101 mA.

Ein­gangs­im­pe­danz

Die Ein­gangs­im­pe­dan­zen lie­gen bei etwas über 50 Ω mit leich­tem kapa­zi­ti­ven Anteil.

Log­arith­mi­sche Verstärker

Die Aus­gangs­span­nun­gen LOGUF und LOGUR der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker wur­den bei 10 MHz und Ein­gangs­pe­geln zwi­schen ‑70 dBm und +23 dBm gemessen.

Beim Ver­gleich mit Daten­blatt­wer­ten ist das zusätz­li­che 6 dB Dämp­fungs­glied vor den Ein­gän­gen zu beach­ten. Das ist in der gel­ben Kur­ve berück­sich­tigt. Der Ver­lauf von LOGUF stimmt sehr gut mit dem Daten­blatt über­ein, wäh­rend LOGUR einen um etwa 100 mV (=4 dB) zu nied­ri­gen Wert anzeigt. Unter­halb von etwa ‑50 dBm fla­chen bei­de Kur­ven ab und ihre Meß­wer­te sind nicht mehr direkt verwendbar.

Ich habe auch die Fre­quenz­ab­hän­gig­keit von LOGUF und LOGUR exem­pla­risch bei 0 dBm unter­sucht. Von 1 MHz bis 100 MHz ändert sich LOGUF zwi­schen 1,98 und 1,84 V und LOGUR zwi­schen 1,88 und 1,77 V. Bei­de Kanä­le haben also eine Fre­quenz­ab­hän­gig­keit von 110 bis 140 mV, die aber bei bei­den Kanä­len nähe­rungs­wei­se gleich ist und sich daher kompensiert.

Kom­pa­ra­to­ren

Die ana­lo­ge Dif­fe­renz­span­nung UDIFF

Die Mes­sung der Dif­fe­renz­span­nung UDIFF hin­ter dem Tief­pass zeigt das beab­sich­tig­te linea­re Verhalten.

UDIFF ist bei einer Pha­sen­ver­schie­bung in einer Rich­tung gleich groß, wie bei glei­cher Pha­sen­ver­schie­bung in die ande­re Rich­tung. Wie bereits im ersten Teil erklärt, wird das Vor­zei­chen der Ver­schie­bung mit dem Signal UR_LD ange­zeigt. Es ist im Test­board mit LED3 ver­bun­den, die die­se Ver­schie­bung optisch anzeigt. Bei 0° und 180° Pha­sen­ver­schie­bung kommt es zu Unsi­cher­hei­ten bei der Rich­tungs­er­ken­nung, gege­be­nen­falls auch zu Meta­sta­bi­li­tä­ten, weil CLKUR nicht nach den Regeln der Kunst ein­syn­chro­ni­siert wur­de. Das macht aber nichts, weil UDIFF in bei­den Fäl­len gleich ist und der mög­li­cher­wei­se falsch errech­ne­te Pha­sen­win­kel nur wenig vom tat­säch­li­chen abweicht.

Die digi­ta­len Taktsignale

Die nach­fol­gen­den Oszil­lo­gram­me zei­gen die die digi­ta­len Takt­si­gna­le CLKUF und CLKUR direkt an den Aus­gän­gen der Kom­pa­ra­to­ren bei Pha­sen­ver­schie­bun­gen zwi­schen ‑180° und +180°. Bei­de Ein­gangs­pe­gel lie­gen bei „gesun­den“ 0 dBm und die Ein­gangs­fre­quenz beträgt 10 MHz.

Außer­dem wird das erzeug­te PWM Signal ange­zeigt, sowie die ana­lo­ge Span­nung UDIFF am Aus­gang des Tiefpasses.

Die deut­li­chen Über­schwin­ger sind auf die schnel­len Takt­aus­gän­ge in Ver­bin­dung mit den Mas­se­lei­tun­gen der Tast­köp­fe zurückzuführen.

Nied­ri­ge Pegel der reflek­tier­ten Spannung

Die reflek­tier­te Span­nung hat natur­ge­mäß nur bei hohem Steh­wel­len­ver­hält­nis einen hohen Pegel. Je bes­ser die Anpas­sung ist, umso gerin­ger wird die Span­nung, die man aus­wer­ten kann. Die nach­fol­gen­den Mes­sun­gen zei­gen das Ver­hal­ten der Pha­sen­mes­sung bei sin­ken­den Eingangsspannungen.

Alle Mes­sun­gen wur­den mit 90° Pha­sen­ver­schie­bung durch­ge­führt. Bis unge­fähr ‑20 dBm Ein­gangs­pe­gel wird die PWM recht zuver­läs­sig gene­riert, beginnt aber dann bereits, asym­me­trisch zu wer­den. Das liegt dar­an, daß die Ein­gangs­span­nung bei dem nied­ri­gen Pegel (ein zehn­tel der Span­nung bei 0 dBm) erst viel spä­ter den Umschalt­punkt erreicht, der von der Ein­gangs­hy­ste­re­se des Kom­pa­ra­tors bestimmt wird. Gleich­zei­tig wird der Schalt­zeit­punkt der nega­ti­ven Flan­ke unprä­zi­ser und beginnt zu „flat­tern“. Bei ‑40 dBm ist das Signal prak­tisch nicht mehr ver­wert­bar und bei ‑45 dBm ist es nicht mehr vorhanden.

20 dB Unter­schied zwi­schen UF und UR ent­spre­chen einem SWR von 1,22. Nach der gro­ben Abschät­zung im ersten Teil die­ses Bei­trags rei­chen die­se 20 dB Unter­schied für eine Genau­ig­keit der Pha­sen­mes­sung von 10°. Das scheint plau­si­bel und deckt sich unge­fähr mit der in der ‑20dBm-Mes­sung beob­ach­te­ten Phasenverschiebung.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber kom­men hier noch zwei Mes­sun­gen mit 10 Sekun­den Nachleuchtdauer.

Man erkennt hier nicht nur die durch­schnitt­li­che Pha­sen­ver­schie­bung son­dern auch den Jit­ter, also den Bereich in dem sich die Pha­sen­la­ge verschiebt.

Erkennt­nis­se und Verbesserungsideen

Strom­auf­nah­me

Die Strom­auf­nah­me von 100 mA ist mir zu hoch. Davon gehen etwa 25 mA auf das Kon­to der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und der Kom­pa­ra­to­ren, wei­te­re 10 oder 15 mA wer­den vom CPU-Board und den LEDs ver­braucht. All das kann bei Nicht­ge­brauch deut­lich redu­ziert wer­den. Der wesent­li­che Strom­ver­brauch geht auf das Kon­to des CPLDs, das bereits fürs Nichts­tun 60 mA zieht. Das soll­te sich im Low-Power Modus auf die Hälf­te redu­zie­ren las­sen, was aber dann als Dau­er­be­trieb immer noch viel ist. Schon im ersten Teil hat­te ich ange­deu­tet, die Aus­wahl des CPLDs noch­mal zu überdenken.

Ein­gangs­im­pe­danz

Die Ein­gangs­im­pe­danz liegt etwas über 50 Ω und wird bei höhe­ren Fre­quen­zen kapa­zi­tiv. Daher soll­ten die Ein­gangs­wi­der­stän­de R40 und R41 etwas ver­rin­gert wer­den, etwa auf 53 Ω. Außer­dem soll­te man beden­ken, daß an die­sen Wider­stän­den eine etwas höhe­re Lei­stung ver­bra­ten wer­den könn­te. Wenn man für den Richt­kopp­ler 30 dB Kop­pel­dämp­fung annimmt und die hier­zu­lan­de zuläs­si­ge Sen­de­lei­stung von 750 Watt ansetzt, wäre man mit 1 W auf der siche­ren Sei­te. Daher bie­tet es sich an, drei 160-Ω-Wider­stän­de par­al­lel zu schal­ten. Das wäre bei der 0805-er Bau­grö­ße gera­de für 990 Watt Dau­er­be­trieb aus­rei­chend (Spec beach­ten, nicht alle ver­tra­gen 330 mW).

Ampli­tu­den­mes­sung

Die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker funk­tio­nie­ren im wesent­li­chen wie spe­zi­fi­ziert, aller­dings zeigt LOGUR etwa 4 dBm zu wenig an, was etwa 1 dBm mehr ist, als das Daten­blatt zulässt. Das lässt sich über einen Trim­mer am INT-Ein­gang kor­ri­gie­ren, aller­dings nur bis +/-3dB. Ver­mut­lich ist eine Unsau­ber­keit im Test­board für den Feh­ler ver­ant­wort­lich. Dem wer­de ich jetzt nicht nach­ge­hen. Ich wer­de eine Kor­rek­tur in der Soft­ware für sol­che gerin­gen Abwei­chun­gen vorsehen.

Pha­sen­dif­fe­renz­mes­sung

Die Mes­sung der Pha­sen­dif­fe­renz funk­tio­niert wie erwar­tet. Das Signal UR_LD wird aller­dings mit der CLKUF getak­tet und ist damit für die Port­pins eines Micro­con­trol­lers zu schnell. Ich erwar­te in der Pra­xis kei­ne Pro­ble­me, weil es ja nur in der Nähe der Umschalt­punk­te flat­tert, aber es ist unschön. Ich erwä­ge, bei einem Rede­sign zwei Tief­päs­se vor­zu­se­hen, einen für posi­ti­ve und den ande­ren für nega­ti­ve Pha­sen­ver­schie­bun­gen. Dann wer­den zwei Ana­log­ein­gän­ge benö­tigt und über einen Pegel­ver­gleich erkennt man die Rich­tung der Phasenverschiebung.

Aus­gangs­span­nung des CPLDs

Beim genau­en betrach­ten des Oszil­lo­gram­me fällt auf, daß das CPLD an sei­nen Aus­gän­gen besten­falls 4 V erreicht, statt der erwar­te­ten 5 V, mit denen es betrie­ben wird. Zur Erklä­rung hilft ein Blick ins Datenblatt:

Offen­sicht­lich sind als high-side-Schal­ter N‑MOS-Tran­si­sto­ren ver­baut, wodurch die Aus­gangs­span­nung immer um deren Schwell­span­nung unter­halb der Ver­sor­gungs­span­nung liegt. Auf die­sem Test­board führt das dazu, daß die LED3 etwas dunk­ler leuch­tet, als erwar­tet und daß die Span­nung UDIFF am Aus­gang des Tief­pas­ses etwas gerin­ger ist, als errech­net. Für alle ande­ren Zwecke reicht der Pegel völ­lig aus. Wäre das nicht der Fall, könn­te man pull-up-Wider­stän­de oder zusätz­li­che Trei­ber vor­se­hen. Die LED wür­de ich gegen GND schal­ten, statt gegen VDD.

Meß­er­geb­nis­se

Hier ist das Libre­of­fice Calc-Spreadsheet mit den Meßergebnissen:

Berech­nung des Anpassungsnetzwerks

Wie man aus den hier gewon­ne­nen Meß­er­geb­nis­sen das benö­tig­te Anpas­sungs­netz­werk berech­net, habe ich bereits im Bei­trag „Anten­nen­an­pas­sung mit Libre­Of­fice“ erläu­tert. Das dort vor­ge­stell­te Spreadsheet habe ich zu die­sem Zweck etwas angepasst:

Update 08.01.2025: neu­es Spreadsheet, das vor­he­ri­ge hat­te ein paar klei­ne Fehler.

Man kann jetzt in den Zei­len 3 bis 7 direkt die gemes­se­nen Wer­te in MHz und in Volt ein­ge­ben. Es fol­gen Umrech­nungs­fak­to­ren in den Zei­len 10 bis 13, die aus dem Daten­blatt, aus Berech­nun­gen oder aus Kali­brier­mes­sun­gen gewon­nen wer­den. In den Zei­len 15 bis 20 wer­den die Meß­wer­te in die nach­fol­gend benö­tig­ten Para­me­ter umgerechnet.

Zei­le 27 zeigt den errech­ne­ten kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma. In Zei­le 29 wird aus Γ und Z0 die Impe­danz der Last errech­net, danach der kom­ple­xe Leit­wert und die Kreis­fre­quenz. In den Zei­len 33 bis 41 wird mit­hil­fe der Kreis­fre­quenz der induk­ti­ve bzw. kapa­zi­ti­ve Anteil der Last berech­net und zwar ein­mal für Seri­ell­schal­tung und ein­mal für Par­al­lel­schal­tung der ein­zel­nen Ele­men­te. Das ist rein infor­ma­tiv, hilft aber bei der Kon­trol­le der Rech­nung mit SimS­mith. Die ver­blei­ben­den Zei­len berech­nen das nöti­ge Anpas­sungs­netz­werk in LC- und CL-Topo­lo­gie. Nur eines davon lie­fert eine rea­li­sier­ba­re Lösung.

Links

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 1

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 3

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 1

In die­sem Blog habe ich mehr­fach erwähnt, daß mein näch­ster Anten­nen­tu­ner das Steh­wel­len­ver­hält­nis mes­sen und die Anten­ne mög­lichst auto­ma­tisch an die Impe­danz des Kabels und des Trans­cei­vers anpas­sen kön­nen soll. Das ist nichts neu­es, im Gegen­teil, es ist genau das, was ein „auto­ma­ti­scher Anten­nen­tu­ner“ macht.

Die­ser erste Teil beschreibt die prin­zi­pi­el­le Idee für die Mes­sung des Refle­xi­ons­fak­tors und einen Ver­suchs­auf­bau, der die Mach­bar­keit des Kon­zepts veri­fi­zie­ren soll.

Der zwei­te Teil wird die Meß­er­geb­nis­se des Ver­suchs­auf­baus doku­men­tie­ren und Ände­run­gen für den dar­auf­fol­gen­den ersten Pro­to­ty­pen vorschlagen.

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis und der Reflexionsfaktor

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis SWV (auch SWR oder VSWR genannt) zeigt an, wie gut eine kom­ple­xe Impe­danz an die Signal­quel­le ange­passt ist. Bei idea­ler Anpas­sung ist das Steh­wel­len­ver­hält­nis 1, bei völ­li­ger Fehl­an­pas­sung ist es unend­lich. Das SWV ist eine reel­le Zahl, der zugrun­de­lie­gen­de Refle­xi­ons­fak­tor Γ ist aber kom­plex (kom­ple­xe Zah­len wer­den durch Unter­strich gekenn­zeich­net). Das Steh­wel­len­ver­hält­nis errech­net sich fol­gen­der­ma­ßen aus dem Betrag des Reflexionsfaktors:

[1]

Dem SWV fehlt daher die Pha­sen­in­for­ma­ti­on des rück­lau­fen­den Signals im Ver­gleich zum vor­lau­fen­den Signal. In der kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor­ebe­ne (dem Smith-Dia­gramm, hier und hier) lie­gen daher alle Punk­te glei­chen Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses auf einem Kreis um den Nullpunkt.

Mes­sung des Stehwellenverhältnisses

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis wird mit einem Richt­kopp­ler gemes­sen, bei­spiels­wei­se einem Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­ler, den ich im Bei­trag „SWV-Mess­brücken“ schon ein­mal beschrie­ben und mit LTSpi­ce simu­liert habe. Ich habe anschlie­ßend auch einen Pro­to­ty­pen auf­ge­baut und in „Prak­ti­scher Auf­bau eines Richt­kopp­lers“ vor­ge­stellt und aus­ge­mes­sen. Ein wei­te­rer Bei­trag beschäf­tigt sich mit der „Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors mit einem Richt­kopp­ler“, der die ersten theo­re­ti­schen Grund­la­gen für den vor­lie­gen­den aktu­el­len Bei­trag liefert.

Berech­nung eines Anpassungsnetzwerks

Aus dem Steh­wel­len­ver­hält­nis kann man wegen sei­ner Mehr­deu­tig­keit nicht die idea­le Anpas­sung errech­nen. Her­kömm­li­che auto­ma­ti­sche Anten­nen­tu­ner ver­fol­gen daher einen ite­ra­ti­ven Ansatz: Tri­al & Error. Durch mög­lichst intel­li­gen­te Stra­te­gien wird ver­sucht, die Anpas­sung suk­zes­si­ve zu ver­bes­sern, bis im Ide­al­fall ein SWV von 1 erreicht ist. Das kann je nach Stra­te­gie recht lan­ge dau­ern, 10, 20 oder mehr Sekun­den. Es ist ein Sto­chern im Nebel. Daher mer­ken sich auto­ma­ti­sche Anten­nen­tu­ner eine ein­mal gefun­de­ne Anpas­sung, um sie bei der näch­sten Abstim­mung schnell wie­der einzustellen.

Um den Nach­teil des SWV zu umge­hen, wäre es daher sehr nütz­lich, gleich den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Γ zu mes­sen, statt nur sei­nen Betrag (aus dem sich nach [1] das SWV errech­net). Im Bei­trag „Anten­nen­an­pas­sung mit Libre­Of­fice“ habe ich gezeigt, wie man aus Γ mit einem Spreadsheet die nöti­gen Anpass­ele­men­te berech­net. Damit ent­fällt idea­ler­wei­se die mög­li­cher­wei­se lang­wie­ri­ge Suche, die im schlech­te­sten Fall auch kom­plett schief­ge­hen kann, weil über­haupt kein Ergeb­nis gefun­den wur­de. Bei der Berech­nung der idea­len Anpas­sung ist eine qua­dra­ti­sche Glei­chung zu lösen, die zwei Lösun­gen hat, von denen aber eine ver­wor­fen wer­den kann. In der Pra­xis dürf­te man damit ziem­lich schnell sehr nahe an die idea­le Anpas­sung kom­men, was aber eine noch­ma­li­ge Ver­bes­se­rung durch wei­te­re Ite­ra­tio­nen nicht ausschließt.

Was wird zur Mes­sung von Γ benötigt?

Was braucht man denn nun zur Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors Γ? Wie bei der Mes­sung des ska­la­ren SWV braucht man auch für die Mes­sung von Γ die Ampli­tu­de der vor­lau­fen­den und der reflek­tier­ten Span­nung. Die lie­fert der klas­si­sche Richt­kopp­ler. Dar­über­hin­aus benö­tigt man die Pha­sen­ver­schie­bung der rück­lau­fen­den Wel­le zur vor­lau­fen­den Wel­le. Das wird sofort an einem ein­fa­chen Bei­spiel klar: ein offe­nes Lei­tungs­en­de gegen­über einem Kurz­schluß. In bei­den Fäl­len ist das SWV unend­lich, weil jeweils die kom­plet­te Span­nung reflek­tiert wird. Der Kurz­schluß ver­ur­sacht aber eine Pha­sen­dre­hung um 180°, wäh­rend das offe­ne Ende die Pha­se bei­be­hält. Ein klas­si­sches Steh­wel­len­meß­ge­rät kann die­se Fäl­le nicht unter­schei­den. Wie in „SWV-Mess­brücken“ gezeigt wur­de, steht die Pha­sen­in­for­ma­ti­on am Aus­gang des Richt­kopp­lers aber zur Verfügung.

Pro­of-of-Con­cept

Wie kann ein brauch­ba­res Γ-Meß­ge­rät aus­se­hen? Die Ampli­tu­den wer­den auf „klas­si­sche Wei­se“ gemes­sen: seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten gibt es den bewähr­ten AD8307 von Ana­log Devices. Das ist ein log­arith­mi­scher Ver­stär­ker mit einem Dyna­mik­um­fang von 92 dB. Er ist von DC bis 500 MHz spe­zi­fi­ziert und gene­riert eine Aus­gangs­span­nung, die pro dB Pegel­än­de­rung am Ein­gang um 25 mV steigt oder fällt. Der Ein­gangs­pe­gel darf zwi­schen ‑72 dBm und +17 dBm lie­gen, wodurch die Aus­gangs­span­nung nomi­nal unge­fähr zwi­schen 0.25 V und 2.5 V schwankt. Sie kann leicht vom AD-Wand­ler eines Micro­con­trol­lers erfasst werden.

Die Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung ist nicht ganz so ein­fach. Ein erster Ver­such mit einem Mischer war nicht sehr erfolg­ver­spre­chend. Daher habe ich mir eine digi­ta­le Lösung über­legt, die in einem pro­gram­mier­ba­ren Logik­bau­stein, einem CPLD, imple­men­tiert wer­den soll. Ich habe einen Ver­suchs­auf­bau ent­wickelt, der die Idee veri­fi­zie­ren soll, ein „pro­of-of-con­cept“. Hier der Schaltplan:

…und hier die 3D-Ansich­ten der Leiterplatte:

U6 ist ein 44-Pin CPLD im PLCC-Gehäu­se. Man­gels 3D-Modell wird es hier nicht ange­zeigt, es ist aber bestückt.

Schal­tungs­be­schrei­bung

Auch die­se Lei­ter­plat­te nutzt wie­der das ATMEGA644PA CPU-Board zur Aus­wer­tung der Mes­sun­gen und zur Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem Host-PC. Ein Richt­kopp­ler ist nicht Teil die­ses Boards, son­dern er kann über die bei­den SMA-Buch­sen J2 und J3 ange­schlos­sen wer­den. Für Mes­sun­gen habe ich hier ein 2‑Ka­nal-Signal­ge­nera­tor angeschlossen.

Die Ein­gangs­si­gna­le UF (vor­lau­fen­de Span­nung an J2) und UR (rück­lau­fen­de Span­nung an J3) wer­den mit den bei­den Wider­stän­den R40 und R41 auf etwas über 50 Ω ter­mi­niert. Zusam­men mit der wei­te­ren hoch­oh­mi­gen Beschal­tung soll­te das auf die nomi­na­len 50 Ω hin­aus­lau­fen. Das wäre im Pro­to­ty­pen zu veri­fi­zie­ren und gege­be­nen­falls anzupassen.

Bei­de Ein­gangs­si­gna­le wer­den kapa­zi­tiv über C9 und C10 an die Ein­gän­ge der schnel­len Kom­pa­ra­to­ren U4 und U5 gekop­pelt. Die Wider­stands­netz­wer­ke R11/R12 und R13/R14 heben den Gleich­span­nungs­pe­gel auf VDD/2 (etwa 2.5 V). Über R15 und R16 gelan­gen die HF-Signa­le an den jewei­li­gen +-Ein­gang des Kom­pa­ra­tors. An deren nega­ti­ven Ein­gän­gen liegt jeweils der durch das Netz­werk erzeug­te mitt­le­re Gleich­span­nungs­pe­gel an. Die Kon­den­sa­to­ren C11 und C12 unter­drücken die noch vor­han­de­nen HF-Antei­le. Die Kom­pa­ra­to­ren wan­deln so die Ein­gangs­si­gna­le in digi­ta­le 5‑V-Signa­le um, CLKUF und CLKUR, die anschlie­ßend im CPLD wei­ter­ver­ar­bei­tet werden.

Die Ein­gangs­si­gna­le UF und UR wer­den außer­dem über jeweils einen 6‑dB-Span­nungs­tei­ler an die Ein­gän­ge der bei­den log­arith­mi­schen Ver­stär­ker U1 und U2 geführt. Deren Aus­gangs­span­nun­gen LOGUF und LOGUR gehen direkt an den AD-Kon­ver­ter des Micro­con­trol­lers und wer­den dort ausgewertet.

Die Span­nungs­ver­sor­gun­gen die­ser Ana­log­kom­po­nen­ten sind über Fil­ter vom Typ NFE31PT222Z1 (Mura­ta) abge­blockt. Sie sol­len die stör­emp­find­li­chen Kom­po­nen­ten gegen­ein­an­der entkoppeln.

Die wei­te­ren Kom­po­nen­ten sol­len nach­fol­gend nur kurz erwähnt wer­den. Die Span­nungs­ver­sor­gung erfolgt über J1 oder J4. Aus die­ser Span­nung von nomi­nal 12VDC erzeugt das ATME­GA-Board die digi­ta­le Ver­sor­gungs­span­nung VDD, in die­sem Fall 5V. Die LEDs D2 und D4 zei­gen die­se Span­nun­gen an. Über pas­send dimen­sio­nier­te Span­nungs­tei­ler wer­den sie auch den Ana­log­ein­gän­gen PA0 und PA1 zuge­führt und kön­nen von dem Con­trol­ler gemes­sen wer­den. Die LEDs D5 und D6 und die Taster SW2 und SW3 gehen an CPU-Pins und wer­den für Test­zwecke ver­wen­det. J5 ist die JTAG-Schnitt­stel­le zum Pro­gram­mie­ren und Debug­gen der CPU. J6 und J7 stel­len eine I2C Schnitt­stel­le zur Ver­fü­gung, die für die hier vor­ge­stell­te Anwen­dung irrele­vant sind. U6A und U6B sind ein ein­zi­ges Bau­teil, das CPLD. U6B zeigt des­sen Span­nungs­ver­sor­gung und sein Programmierinterface.

Die etwas selt­sam anmu­ten­den „krum­men Wer­te“ bei eini­gen Abblock­kon­den­sa­to­ren und Pull-Up-Wider­stän­den haben übri­gens kei­ne beson­de­re Bedeu­tung. Auf einen genau­en Wert kommt es nicht an und die „gera­den Wer­te“ in mei­nem Vor­rat wer­den lang­sam knapp.

Das CPLD

Ein CPLD ist ein „com­plex pro­gramma­ble logic device“, ein pro­gram­mier­ba­rer Logik­bau­stein. Für die­ses Pro­jekt habe ich ein EPM7064 (von Alte­ra, heu­te Intel) aus­ge­wählt, von dem noch eini­ge in der Bastel­ki­ste lagen, sowohl im 44-Pin-PLCC- als auch im 44-Pin-QFP-Gehäu­se (U6). Ich bin nicht sicher, ob die noch gefer­tigt wer­den, aber bei den übli­chen Ver­kaufs­platt­for­men sind sie noch bestellbar.

Anmer­kung: Der Ter­mi­nus „Com­plex“ ist etwas aus der Zeit gefal­len. CPLD sind die Nach­fol­ger der ein­fa­che­ren PALs bzw. PLDs. Nach heu­ti­gem Stand sind die hier im EPM7064 ver­bau­ten 64 Logik­blöcke nicht mehr beson­ders kom­plex. Das Pro­blem der CPLDs ist für den klei­nen Bast­ler oft deren Gehäu­se. Es gibt kaum noch Bau­stei­ne mit weni­ger als 100 Pins. Die wer­den aber in vie­len Fäl­len über­haupt nicht benö­tigt. Außer­dem sind Bau­stei­ne mit 5V-Betriebs­span­nung rar gewor­den. Dar­auf woll­te ich aber hier wegen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und der Kom­pa­ra­to­ren nicht ver­zich­ten. Beim Design eines ersten Pro­to­ty­pen wer­de ich die­se Aus­wahl noch­mal über­den­ken müssen.

Das CPLD beinhal­tet zwei unab­hän­gi­ge Funk­tio­nen: den Pha­sen­ver­glei­cher und einen Fre­quenz­zäh­ler. Bei­des sind im Grun­de rela­tiv ein­fa­che Funktionen.

Bei der nach­fol­gen­den Beschrei­bung wird immer ange­nom­men, daß wäh­rend eines Meß­zy­klus die CLKUF-Fre­quenz immer anliegt, CLKUR gege­be­nen­falls aber nicht (z.B. bei idea­ler Anpas­sung). Für den hin­rei­chen­den CLKUF-Pegel muß der Benut­zer sor­gen, der ja bei einem her­kömm­li­chen Anten­nen­tu­ner zum Abstim­men auch hin­rei­chend Sen­de­lei­stung anbie­ten muß.

Der Pha­sen­ver­gleich

Der Pha­sen­ver­gleich bil­det ein­fach nur das Exklu­siv-Oder der bei­den Takt­si­gna­le. Der Aus­gang ist damit also auf low, wenn bei­de Pegel gleich sind und auf high, wenn bei­de unter­schied­lich sind. Das lie­fert also bei exakt gleich­pha­si­gen Ein­gangs­si­gna­len (Pha­sen­ver­schie­bung 0°) ein dau­er­haf­tes low, bei exakt gegen­pha­si­gen Signa­len (+/-180°) ein dau­er­haf­tes high. Bei Pha­sen­ver­schie­bun­gen, die dazwi­schen lie­gen, ergibt sich ein puls­wei­ten­mo­du­lier­tes Signal, hier mit PWM bezeich­net. Es wird über einen drei­fa­chen RC-Tief­pass gefil­tert und kann als UDIFF-Signal von einem Ana­log­ein­gang des Con­trol­lers erfasst werden.

UDIFF ist aller­dings bei posi­ti­ver Pha­sen­ver­schie­bung gleich groß, wie bei glei­cher nega­ti­ver Pha­sen­ver­schie­bung. Man benö­tigt also ein wei­te­res Signal, das das Vor­zei­chen der Pha­sen­ver­schie­bung anzeigt, das ist UR_LD. Es wird durch regi­strie­ren des CLKUR-Takt­si­gnals mit der stei­gen­den Flan­ke des CLKUF-Tak­tes erzeugt. UR_LD zeigt also ein­fach nur an, ob CLKUR bei der stei­gen­den Flan­ke low oder high war.

Der Pha­sen­kom­pa­ra­tor erzeugt ein wei­te­res Signal namens CLKACTIVE. Es soll auf high gehen, wenn ein gül­ti­ges Takt­si­gnal an CLKUR anliegt. Die Pra­xis wird zei­gen, inwie­weit die­ses Signal zuver­läs­sig erzeugt und ob es über­haupt benö­tigt wird.

Der Fre­quenz­zäh­ler

Im CPLD ist außer­dem ein ein­fa­cher Fre­quenz­zäh­ler imple­men­tiert. Es ist ein 16-bit-Syn­chron­zäh­ler mit CLKUF als Takt­ein­gang, des­sen Tor­zeit vom Con­trol­ler erzeugt wer­den muß. Sie soll­te in der Grö­ßen­ord­nung von 1 ms lie­gen. Damit gibt es also bis etwas über 65 MHz kei­nen Zäh­ler­über­lauf und die Auf­lö­sung liegt bei 1 kHz. Das reicht völ­lig, um ein Anpaß­netz­werk mit hin­rei­chen­de Genau­ig­keit zu berechnen.

Der Zäh­ler wird durch ein­fa­ches Bit-ban­ging über Port-Pins des Con­trol­lers gelöscht, gestar­tet, gestoppt und ausgelesen.

Der Ver­i­log-Code

Hier prä­sen­tie­re ich den aktu­el­len Ver­i­log-Code und die Model­sim-Test­be­nch für das CPLD. Der Code funk­tio­niert soweit, wird aber wenn nötig wei­ter ange­passt wer­den. Außer­dem sind die Pro­jekt-Datei­en für das Com­pi­lie­ren mit der Quar­tus Ent­wick­lungs­um­ge­bung (Quar­tus II 13.0sp1, neue­re Ver­sio­nen unter­stüt­zen das ver­wen­de­te CPLD nicht mehr) dabei. All die­se Werk­zeu­ge sind kosten­los von der Intel-Web­site her­un­ter­lad­bar. Auch eine Regi­strie­rung ist für die­se „alten“ Bau­stei­ne nicht mehr nötig.

PhaseComparator.v ist der Ver­i­log Quell­code, PC_comp_tb.v und PC_cntr_tb.v sind die Test­be­n­ches für den Pha­sen­kom­pa­ra­tor und den Fre­quenz­zäh­ler. Die bei­den .do-Files sind ein­fa­che Skrip­te, die unter Model­sim die jewei­li­ge Test­be­nch aus­füh­ren. Exem­pla­risch soll hier nur das Simu­la­ti­ons­er­geb­nis für den Pha­sen­kom­pa­ra­tor dar­ge­stellt werden:

Die erste Zei­le zeigt den vor­lau­fen­den Takt mit kon­stan­ter Fre­quenz, hier 50 MHz. Die rück­lau­fen­de Span­nung ist in der zwei­ten Zei­le dar­ge­stellt. Ihre Pha­sen­la­ge im Ver­gleich zur vor­lau­fen­den Span­nung wird nach der Initia­li­sie­rungs­pha­se ab 200ns in 1ns-Schrit­ten geän­dert und jeweils für 100ns simu­liert. In der drit­ten Zei­le wird die PWM ange­zeigt, die von dau­er­haft high nach 1100 ns auf low wech­selt. Dort ist die Pha­sen­ver­schie­bung der Takt­si­gna­le 0°. Danach wird die Pha­se von clkur in den posi­ti­ven Bereich ver­scho­ben und die PWM erzeugt grö­ße­re Puls­brei­ten, bis ab 2100 ns wie­der ein kon­stan­te high-Pegel anliegt.

Die vier­te Zei­le zeigt das clkac­ti­ve-Signal, das bei 1140 ns kurz aus­setzt, weil bei­de Tak­te pha­sen­gleich sind. Das muß even­tu­ell noch­mal etwas über­ar­bei­tet wer­den. Die vier­te Zei­le zeigt ur_leading (UR_LD im Schalt­plan) und gibt an, ob UR bei der stei­gen­den Flan­ke von UF high oder low war. Bei 1200 ns ändert sich das Signal, weil UR nun UF nach­eilt. In der Pra­xis wird es hier zu meta­sta­bi­len Zustän­den kom­men, die dann per Soft­ware abge­fan­gen wer­den müs­sen. Sie sind an die­ser Stel­le aber nicht beson­ders stö­rend, denn ob eine Pha­sen­ver­schie­bung nun ‑5° oder +5° ist, wird in der Pra­xis nicht beson­ders rele­vant sein.

Erwart­ba­re Betriebsdaten

Wel­che Lei­stungs­da­ten sind von die­ser Schal­tung im Ver­gleich mit einem han­dels­üb­li­chen Anten­nen­tu­ner zu erwarten?

Für die Mes­sung muß ein Sen­de­si­gnal zur Ver­fü­gung ste­hen. Dazu wird übli­cher­wei­se eine Lei­stung zwi­schen 1 und 10 Watt ver­wen­det (30~40 dBm). Für eine gro­be Abschät­zung gehe ich von einem Kopp­lungs­ver­lust von 30 dB aus, den der erste prak­ti­sche Auf­bau gezeigt hat. Wie weit kom­men wir mit 30 dBm (1 Watt) Abstimmleistung?

Die Gren­zen der Pegelmessung

Wegen des Kopp­lungs­ver­lu­stes des Richt­kopp­lers und der 6 dB Dämp­fungs­glie­der kom­men am Ein­gang des AD8307A noch etwa ‑6 dBm an Lei­stung an. Das liegt gut in des­sen zuver­läs­si­gem Arbeits­be­reich. Laut Spe­zi­fi­ka­ti­on arbei­tet er bis hin­un­ter zu ‑75 dBm. Als unte­re Gren­ze im prak­ti­schen Betrieb wür­de ich aber 20 dB davon weg­blei­ben, also nicht unter ‑55 dBm gehen. Damit wäre eine reflek­tier­te Lei­stung von etwa 50 dB unter der vor­lau­fen­den Lei­stung noch zuver­läs­sig meß­bar. Das ist weni­ger als die gemes­se­ne Richt­schär­fe des Pro­be­auf­baus. Der begren­zen­de Fak­tor für die Mes­sung des Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses ist also nicht die­se Aus­wer­te­schal­tung, son­dern die Richt­schär­fe und die Iso­la­ti­on des Kopp­lers. Bei einer Richt­schär­fe von 30 dB wäre das gering­ste meß­ba­re Steh­wel­len­ver­hält­nis knapp 1,07, bei 40 dB etwa 1,02 und bei 50 dB 1,006. Für alle prak­ti­schen Fäl­le kann man sich mit den 30 dB und einem SWV von 1,07 zufrie­den­ge­ben. Es soll ja kein hoch­prä­zi­ses Labor­meß­ge­rät werden.

Die Gren­zen der Phasenmessung

Wel­che Genau­ig­keit kann man für die Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung erwar­ten? Das Daten­blatt des TLV3501 spe­zi­fi­ziert eine Ein­gangs­hy­ste­re­se von 6 mV (typisch). Das ist der mini­ma­le Span­nungs­un­ter­schied an den Ein­gän­gen, die der Kom­pa­ra­tor sicher erkennt. Jedes Ein­gangs­si­gnal muß min­de­stens die­se Spit­zen­span­nung errei­chen, damit der Kom­pa­ra­tor sicher schal­tet. Für die nach­fol­gen­den Über­le­gun­gen gehe ich davon aus, daß die Schal­tung (hin­rei­chend) sym­me­trisch auf­ge­baut ist und die bei­den Kom­pa­ra­to­ren glei­che Exem­plar­streu­un­gen haben.

Nimmt man die vor­lau­fen­de Span­nung UF als Refe­renz, dann hängt die Pha­sen­auf­lö­sung direkt vom Steh­wel­len­ver­hält­nis ab, also dem Ver­hält­nis der rück­lau­fen­den (UR) zur vor­lau­fen­den Span­nung (UF). Bei unend­li­chem SWV sind bei­de Span­nun­gen gleich groß und die erziel­ba­re Pha­sen­auf­lö­sung ist maxi­mal. Je wei­ter das SWV sinkt, desto unge­nau­er wird die Pha­sen­mes­sung. Bei einem SWV von 1 ist schließ­lich kein Pha­sen­un­ter­schied mehr meß­bar, denn die reflek­tier­te Span­nung ist dann null.

Um die Genau­ig­keit der Pha­sen­mes­sung abzu­schät­zen habe ich ein Calc-Spreadsheet erstellt. Es errech­net die zu erwar­ten­de Pha­sen­ab­wei­chung für ein gege­be­nes Steh­wel­len­ver­hält­nis abhän­gig von der ver­wen­de­ten Abstimm­lei­stung des Sen­ders und der Kop­pel­dämp­fung des Richt­kopp­lers. Es ist eine Abschät­zung, ohne Anspruch auf abso­lu­te Korrektheit:

Für 1 Watt Abstimm­lei­stung errech­net sich damit eine zu erwar­ten­de Pha­sen­ge­nau­ig­keit von 11° bei einem SWV von 1,2 und von 2.2° bei einem SWV von 2.0. Erhöht man die Aus­gangs­lei­stung auf 10 Watt, dann errech­nen sich für die glei­chen Steh­wel­len­ver­hält­nis­se 3,4° bzw. 0,7°.

Inwie­fern die­se theo­re­ti­schen Wer­te in der Pra­xis erreich­bar sind, müs­sen ech­te Mes­sun­gen zei­gen, die ich im zwei­ten Teil prä­sen­tie­ren werde.

Links

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 2

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 3

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors mit einem Richtkoppler

In dem Bei­trag über SWV-Mess­brücken habe ich mich mit der Funk­ti­ons­wei­se und der Simu­la­ti­on des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­lers beschäf­tigt. Er wird in dis­kre­ten Steh­wel­len­mess­ge­rä­ten und in Anten­nen­tu­nern ein­ge­setzt, um das Steh­wel­len­ver­hält­nis (SWV) zu mes­sen. Auto­ma­ti­sche Anten­nen­tu­ner ver­bes­sern das SWV dann suk­zes­si­ve, bis es mög­lichst nahe bei 1 liegt. Die Such­stra­te­gie ist bei den mir bekann­ten auto­ma­ti­schen Tunern aber ein Sto­chern im Nebel und dau­ert ent­spre­chend lan­ge. Das soll­te sich wesent­lich ver­bes­sern las­sen, indem man nicht nur das Steh­wel­len­ver­hält­nis misst, son­dern den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor der Last. Wenn man den kennt, kann man wie in „Dimen­sio­nie­rung der Bau­tei­le für einen Anten­nen­tu­ner“ beschrie­ben, die zur Anpas­sung not­wen­di­gen Kom­po­nen­ten berech­nen, statt sie blind zu suchen. Eine Fein­ab­stim­mung wird dann immer noch nötig sein, aber man ist dem Ziel dann schon sehr nahe.

Die Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors Γ (Gam­ma, der Unter­strich kenn­zeich­net eine kom­ple­xe Zahl) bedeu­tet prak­tisch die Erwei­te­rung des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­lers zu einem vek­to­ri­el­len Netz­werk­ana­ly­sa­tor. Dazu muß man außer dem Ver­hält­nis der rück­lau­fen­den Span­nung zur vor­lau­fen­den Span­nung auch ihre Pha­sen­ver­schie­bung messen.

Das Smith-Dia­gramm

Auch ich habe in meh­re­ren mei­ner Bei­trä­ge das Smith-Dia­gramm ver­wen­det, ohne genau­er auf die Grund­la­gen ein­zu­ge­hen. Man kann ja auch gut mit ihm arbei­ten, ohne die Details zu ver­ste­hen. Es ist aber nicht son­der­lich kom­pli­ziert und soll daher hier kurz erläu­tert wer­den. Das Smith-Dia­gramm zeigt näm­lich genau das, was hier gemes­sen wer­den soll, näm­lich den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Γ.

Gam­ma ist defi­niert als das Ver­hält­nis der kom­ple­xen rück­lau­fen­den zur kom­ple­xen vor­lau­fen­den Spannung:

[1]

Die Wech­sel­span­nun­gen kön­nen nun als kom­ple­xe Grö­ßen geschrie­ben werden:

[2]

Das Dach (Zir­kum­flex) bezeich­net dabei die Ampli­tu­de der jewei­li­gen Span­nung, ω die Kreis­fre­quenz, t den Zeit­punkt und φ die Pha­sen­ver­schie­bung bei­der Signa­le. Bei­de Kreis­fre­quen­zen sind not­wen­di­ger­wei­se gleich, denn bei der Refle­xi­on tritt kei­ne Fre­quenz­än­de­rung auf. Damit kür­zen sich bei der Divi­si­on zwei Ter­me im Zäh­ler und Nen­ner und Gam­ma errech­net sich zu:

[3]

Mit Hil­fe der Euler­schen For­mel wird daraus:

[4]

Damit ist Gam­ma eine „ganz gewöhn­li­che“ kom­ple­xe Zahl im Ein­heits­kreis der kom­ple­xen Zah­len­ebe­ne, wie im oben ver­link­ten Wiki­pe­dia-Arti­kel gezeigt wird. Das Smith-Dia­gramm stellt in die­sem Ein­heits­kreis die Refle­xi­ons­fak­to­ren dar. Das Smith-Dia­gramm zeigt also die Reflexionsfaktorebene.

Der Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma lässt sich auch aus den Impe­dan­zen berech­nen. Damit wer­den die Impe­dan­zen aus der kar­the­si­schen Impe­danz­ebe­ne in die pola­re Refle­xi­ons­fak­tor­ebe­ne transformiert:

[5]

Die­se Trans­for­ma­ti­on ist bili­ne­ar. Aus der Refle­xi­ons­fak­tor­ebe­ne kann man auch wie­der die Impe­danz berechnen:

[6]

Die Impe­danz wird im kar­the­si­schen Koor­di­na­ten­sy­stem als kom­ple­xe Zahl mit Real- und Ima­gi­när­teil dargestellt. 

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis

Da die rück­lau­fen­de Span­nung immer klei­ner oder höch­stens gleich der vor­lau­fen­den Span­nung sein kann, liegt der Betrag von Γ immer zwi­schen 0 und 1. Aus dem Betrag von Gam­ma errech­net sich das Stehwellenverhältnis:

[7]

Damit wird das Steh­wel­len­ver­hält­nis zu einer reel­len Zahl, der die Pha­sen­in­for­ma­ti­on fehlt. Alle Punk­te glei­chen Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses lie­gen im Smith-Dia­gramm auf kon­zen­tri­schen Krei­sen um des­sen Mittelpunkt.

Mes­sung des Reflexionsfaktors

Es wur­de im Arti­kel „SWV-Mess­brücken“ schon ange­deu­tet: nicht nur der Betrag der rück­lau­fen­den Span­nung ist meß­bar, son­dern auch die Pha­sen­ver­schie­bung gegen­über der vor­lau­fen­den Span­nung. Das zeigt bei­spiels­wei­se die­se Simu­la­ti­on mit einem Abschluß­wi­der­stand von 10 Ω:

In dem Bei­trag wur­den nur reel­le Lasten gezeigt, bei denen die Pha­sen­ver­schie­bung nur 0° oder 180° sein kann. Im all­ge­mei­nen Fall ist die Last aber kom­plex und das soll nach­fol­gend unter­sucht werden.

Simu­la­ti­on mit induk­ti­ver Last

Als Bei­spiel soll ein­fach mal eine induk­ti­ve Last zusätz­lich zur reel­len Last an den Kopp­ler gehängt werden:

Die­ses Calc Spreadsheet hilft beim Berech­nen der Impe­danz von 150 Ω || 500 nH bei 10 MHz. Ergeb­nis: ZL = 6,3+30,1j. Die simu­lier­te Mes­sung soll­te die­sen Wert bestätigen.

Die Simu­la­ti­on ergibt fol­gen­des Ergebnis:

Der Betrag des Refle­xi­ons­fak­tors ist also 165 mV / 199 mV = 0,83. Die Test­fre­quenz ist 10 MHz und die Pha­sen­ver­schie­bung beträgt ‑33 ns. Das ent­spricht bei 100 ns pro Zyklus (10 MHz) 120°. Nach Glei­chung [4] errech­net sich dar­aus Γ zu ‑0,415+0,719j und dar­aus mit Glei­chung [6] die Impe­danz ZL zu 6,23+28,53j. Das SWR ist 10,8 nach Glei­chung [7]. Die oben mit dem Spreadsheet berech­ne­te Impe­danz wur­de also im Rah­men der gra­fi­schen Able­se­ge­nau­ig­keit bestätigt.

Die­se errech­ne­ten Wer­te sind hier in ein Smith-Dia­gramm ein­ge­tra­gen, in dem auch das not­wen­di­ge Anpas­sungs­netz­werk dimen­sio­niert wurde:

Die­ses eine Bei­spiel soll hier erst­mal genü­gen. Ich habe ande­re Wer­te aus­pro­biert und bin zuver­sicht­lich, daß es prin­zi­pi­ell funktioniert.

Mes­sung am leben­den Objekt

Wie kann man nun die­ses ermu­ti­gen­de Ergeb­nis in der Pra­xis nut­zen? Eine Simu­la­ti­on ist schön und gut, aber auf einem rea­len Board muß man sich eine Meß­me­tho­de über­le­gen, die mit hin­rei­chen­der Genau­ig­keit die vor­lau­fen­den und rück­lau­fen­den Span­nun­gen und deren Pha­sen­ver­schie­bung mißt.

Span­nungs­mes­sung

Für die Span­nungs­mes­sung kann man einen ein­fa­chen Dioden­gleich­rich­ter ver­wen­den. Dazu wird wegen der nied­ri­ge­ren Sperr­span­nung gegen­über einer Sili­zi­um­di­ode in der Regel eine Ger­ma­ni­um­di­ode oder eine Schott­ky­di­ode emp­foh­len. Den Meß­feh­ler im unte­ren Bereich der Kenn­li­nie kann man durch Anle­gen einer Vor­span­nung teil­wei­se kom­pen­sie­ren. Es blei­ben Unge­nau­ig­kei­ten, aber für vie­le Fäl­le dürf­te die­se Metho­de reichen.

Wenn es genau­er sein soll oder wenn der not­wen­di­ge Dyna­mik­be­reich nicht aus­reicht, bie­tet sich der Ein­satz eines log­arith­mi­schen Ver­stär­kers an. Sehr beliebt und gut erhält­lich ist der AD8307. Sein Dyna­mik­be­reich reicht von ‑75 dBm bis +17 dBm, also 92 dB und sei­ne Aus­gangs­kenn­li­nie hat eine Stei­gung von 25 mV/dB. Bei einem gro­ßen Dyna­mik­be­reich ist das ein Segen, kann aber bei klei­ner Dyna­mik auch ein Fluch sein. Dann wird näm­lich die Auf­lö­sung even­tu­ell zu gering.

Pha­sen­mes­sung

Zur Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung benö­tigt man einen Pha­sen­dis­kri­mi­na­tor. Da bei­de Signa­le, die vor­lau­fen­de und die rück­lau­fen­de Span­nung, die glei­che Fre­quenz haben, bie­tet sich auch eine direk­te Mischung an. Die Dif­fe­renz­fre­quenz ist 0 Hz und die Pha­sen­ver­schie­bung soll­te als Gleich­span­nung zu detek­tie­ren sein. Weil ich sowie­so mal den IAM-81008 aus­pro­bie­ren woll­te, habe ich eine klei­ne Test­schal­tung ent­wor­fen, gefräst und aufgebaut.

Die Ein­gangs­si­gna­le wer­den in J2 und J3 ein­ge­speist und das Misch­pro­dukt wird aus J4 aus­ge­kop­pelt. Das ist am Spek­trum­ana­ly­sa­tor sehr gut zu beob­ach­ten. Am Test­pin TP1 kann das Gleich­span­nungs­si­gnal abge­nom­men wer­den. Man­gels Tief­pass ist hier natür­lich die Hoch­fre­quenz über­la­gert, aber freund­li­cher­wei­se hat das ver­wen­de­te Oszil­lo­skop einen ein­ge­bau­ten Tief­pass mit 20 MHz Grenz­fre­quenz. Die Mes­sung wur­de mit 50-MHz-Signa­len durch­ge­führt, deren Pha­sen­la­ge zwi­schen 0° und 359° frei gewählt wer­den kann.

Mess­ergeb­nis

Bei ‑10 dBm auf bei­den Ein­gän­gen ändert sich die Span­nung an Pin 1 zwi­schen 3,3 V und 3,7 V, bei 0 dBm zwi­schen 3,0 V und 4,0 V und bei +10 dBm zwi­schen 2,9 V und 4,2 V. Das Signal kann man auf­be­rei­ten und aus­wer­ten. Es hat nur einen klei­nen Schön­heits­feh­ler, es erkennt nicht, wel­ches Signal dem ande­ren vor­eilt und wel­ches nach­eilt. Das Mess­ergeb­nis ist bei ‑90° das­sel­be, wie bei +90°. Das bedeu­tet, man kann nur ein hal­bes Smith-Dia­gramm aus­wer­ten. Das muß kein Show-stop­per sein, aber es ist unschön. Für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner hat man aber immer­hin den Such­raum auf nur zwei Punk­te ein­ge­grenzt. Das muss bes­ser gehen!

Wie geht’s nun weiter?

Ich über­le­ge gera­de, ob sich die Pha­sen­la­ge bes­ser (halb-) digi­tal aus­wer­ten lässt. Prin­zi­pi­ell müss­te man die Zeit­dau­er zwi­schen zwei stei­gen­den oder fal­len­den Flan­ken mes­sen. Wenn die Mes­sung bei­spiels­wei­se bis 50 MHz funk­tio­nie­ren soll, wäre dafür ein Refe­renz­takt im GHz-Bereich nötig. Das ist nicht prak­ti­ka­bel. Eigent­lich müss­te es mög­lich sein, ein RS-Flip­flop mit dem einen Takt zu set­zen und mit dem ande­ren wie­der zurück­zu­set­zen. Damit soll­te an des­sen Aus­gang ein PWM-Signal anlie­gen, das über einen Tief­pass in ein Gleich­span­nungs­si­gnal gewan­delt wird, das pro­por­tio­nal zur Pha­sen­ver­schie­bung bei­der Signa­le ist. Setzt man zu die­sem Zweck ein klei­nes CPLD ein, dann kann es auch noch einen klei­nen Fre­quenz­zäh­ler ent­hal­ten, denn man muß ja auch irgend­wie die Fre­quenz­in­for­ma­ti­on bekom­men. Ein Vor­tei­ler wür­de auch schon rei­chen, so daß die Fre­quenz mit dem sowie­so not­wen­di­gen Con­trol­ler gemes­sen wer­den kann.

Ein wei­te­res unge­lö­stes Pro­blem ist die Kon­di­tio­nie­rung der Mess­si­gna­le. Die Mes­sung am ersten Pro­to­ty­pen des Richt­kopp­lers hat eine Kop­pel­dämp­fung von 30 dB und eine Richt­schär­fe von 30 bis 40 dB erge­ben. Für ein Funk­ge­rät mit +30 dBm bis +50 dBm Aus­gangs­lei­stung (1 bis 100 Watt), ergibt sich damit ein Pegel zwi­schen 0 dBm und +20 dBm für das vor­lau­fen­de Signal und ‑40 dBm bis +20 dBm für das reflek­tier­te Signal. Nach oben soll­te es eine gewis­se Reser­ve geben, +30 dBm soll­ten nichts kaputt­ma­chen. An der unte­ren Gren­ze kann man sicher­lich die Spe­zi­fi­ka­ti­on so anpas­sen, daß zum Abstim­men eine Min­dest­lei­stung von bei­spiels­wei­se +37 dBm (5 Watt) not­wen­dig ist.

Das ist der Stand heu­te. Wenn ich wei­ter bin, wer­de ich das hier dokumentieren.

Dimen­sio­nie­rung der Bau­tei­le für einen Antennentuner

Vor dem Bau eines Anten­nen­tu­n­ers muß man sich zumin­dest über die fol­gen­den Zie­le klarwerden:

  • Wel­cher Fre­quenz­be­reich soll abge­deckt werden?
  • In wel­chem Bereich lie­gen die Lastwiderstände?
  • Wel­che maxi­ma­le Lei­stung soll über­tra­gen werden?
  • Wo sind gege­be­nen­falls Kom­pro­mis­se möglich?

Da stellt sich dann sofort die Gegen­fra­ge: was ist denn über­haupt mit rea­li­sti­schem Auf­wand mög­lich und wo lie­gen die Gren­zen? Gäbe es kei­ne, wür­de man natür­lich alles wollen.

Ein wei­te­res Calc Spreadsheet

Nach einer Idee von Jeff, K6JCA, habe ich das hier vor­ge­stell­te Libre­Of­fice Calc Spreadsheet so erwei­tert, daß es die Anpaß­glie­der für meh­re­re Punk­te auf dem Kreis glei­cher Steh­wel­len­ver­hält­nis­se berech­net. Das neue Spreadsheet kann hier her­un­ter­ge­la­den werden:

In der hier gezeig­ten Ver­si­on wer­den 72 Last­im­pe­dan­zen im Abstand von 5° berech­net. Das erscheint mehr als aus­rei­chend. Dabei ist zu beden­ken, daß nicht alle die­se errech­ne­ten Punk­te prak­tisch rele­vant sind. Die von mir geplan­ten ein­fa­chen end­ge­spei­sten Draht­an­ten­nen haben hoch­oh­mi­ge Impe­dan­zen, die alle zwi­schen etwa 310° und 30° lie­gen, wie die nach­fol­gen­de Mes­sung von 1 bis 30 MHz zeigt.

Die gestri­chel­ten Krei­se stel­len die Steh­wel­len­ver­hält­nis­se von 3, 10, 20 und 30 dar. In gewis­sen Gren­zen kann man sich ent­schei­den, ob der Tuner alle Steh­wel­len­ver­hält­nis­se inner­halb eines vor­ge­ge­be­nen Krei­ses abdecken soll oder ob man bei­spiels­wei­se auf Kosten der lin­ken Hälf­te zwi­schen 90° und 270° das Steh­wel­len­ver­hält­nis auf der ande­ren Sei­te erweitert.

Benut­zung des Spreadsheets

Para­me­ter

Auf der ersten Sei­te mit dem Namen „Para­me­ter“ wer­den in den gelb hin­ter­leg­ten Zel­len die Para­me­ter für die aktu­el­le Berech­nung ein­ge­ge­ben. Alle ande­ren Zel­len und Sei­ten sind (natür­lich ohne Pass­wort) geschützt, um Fehl­ein­ga­ben zu ver­mei­den. Mit einem rech­ten Maus­klick auf den Tab und dem Befehl „Tabel­le schüt­zen…“ wir der Schutz ent­fernt oder wie­der hergestellt.

In der Zel­le RGen wird der Gene­ra­tor­wi­der­stand ein­ge­ge­ben. Das sind nor­ma­ler­wei­se 50 Ω und es ist ein reel­ler Wert.

In der Zel­le SWR gibt man das maxi­ma­le Steh­wel­len­ver­hält­nis an, das der Tuner noch anpas­sen kön­nen soll. Hier kann man expe­ri­men­tie­ren. Je höher die­ses SWR ist, umso grö­ße­re Bau­tei­le wird man benö­ti­gen. Irgend­wann über­schrei­tet man den prak­tisch mach­ba­ren Bereich. Wie oben beschrie­ben, kann man hier etwas wei­ter gehen, wenn man Ein­schrän­kun­gen im Polar­dia­gramm akzep­tie­ren kann.

Fre­quenz legt die Fre­quenz fest, für die die Anpas­sung aktu­ell berech­net wird.

P bestimmt die ver­wen­de­te Aus­gangs­lei­stung. Dar­aus wird die Spit­zen­span­nung am Anpaß­kon­den­sa­tor bestimmt, der ent­spre­chend dimen­sio­niert sein muß.

L(C) gibt die para­si­tä­re Induk­ti­vi­tät des Kon­den­sa­tors an. Das ist sicher­lich ein Schätz­wert, solan­ge man den Tuner nicht wirk­lich auf­ge­baut hat. Aus die­ser para­si­tä­ren Induk­ti­vi­tät errech­net sich die kapa­zi­täts­ab­hän­gi­ge Selbst­re­so­nanz­fre­quenz (SRF). Ab und ober­halb die­ser Fre­quenz wird der Kon­den­sa­tor zu einem induk­ti­ven Bau­ele­ment und er ist nicht mehr zur Anpas­sung zu gebrau­chen. Die SRF ist die natür­li­che Gren­ze für die Brauch­bar­keit des Tuners.

Die Zel­len ω und |Γ| (bzw. |Gam­ma|) sind geschützt. Sie wer­den aus dem SWR und der Fre­quenz berech­net. Die­se Wer­te wer­den in den For­meln auf den ande­ren Sei­ten verwendet.

Tuner

Die Berech­nung der Last­im­pe­dan­zen und die Anzei­ge der Anpaß­glie­der erfolgt auf der Sei­te „Tuner“. Jede Zei­le steht für einen Wert im Abstand von 5° auf dem gewähl­ten SWR-Kreis. RL und XL sind die jewei­li­gen Wirk- und Blind­wi­der­stän­de und die Spal­te Netz­werk zeigt die gewähl­te Kon­fi­gu­ra­ti­on, ent­we­der „LC“ oder „CL“. Die zur Anpas­sung nöti­gen Kapa­zi­tä­ten und Induk­ti­vi­tä­ten ste­hen in den Spal­ten C und L.

In der Spal­te Uma­xC wird die Spit­zen­span­nung am Kon­den­sa­tor errech­net, die bei der vor­her gewähl­ten Lei­stung anliegt. Die Spal­te SRF zeigt den Abstand zur Selbst­re­so­nanz­fre­quenz bei der errech­ne­ten Kapa­zi­tät. 100% bedeu­tet, daß die SRF erreicht ist und ein Wert unter 100%, daß die SRF über­schrit­ten ist. Der Tuner ist in die­ser Kon­fi­gu­ra­ti­on nicht mehr benutz­bar. Der Wert soll­te also deut­lich über 100% liegen.

Oben rechts in die­ser Tabel­le wer­den noch die Maxi­mal­wer­te für die Kapa­zi­tät, die Induk­ti­vi­tät und die Span­nung ange­zeigt. Der Mini­mal­wert für die SRF zeigt an, ob zumin­dest eini­ge der Last­im­pe­dan­zen nicht mehr anpass­bar sind.

LC und CL

Die eigent­li­che Berech­nung erfolgt auf den Sei­ten „LC“ und „CL“. Auf die­sen Sei­ten kann man den Rechen­weg nach­ver­fol­gen, anson­sten muß man sich nicht dar­um küm­mern. Der Rechen­weg ist in dem vori­gen Bei­trag zu die­sem The­ma beschrie­ben. Die Sei­ten über­neh­men die anzu­pas­sen­de Last­im­pe­danz von der Sei­te „Tuner“ und lie­fern die Ergeb­nis­se auch wie­der dort­hin zurück.

Es soll nicht uner­wähnt blei­ben, daß auf die­sen Sei­ten ein wenig getrickst wur­de, um Feh­ler abzu­fan­gen. Wenn ein Nen­ner null wird, kommt es zu einem Divi­si­ons­feh­ler. Das wird abge­fan­gen, indem statt des Quo­ti­en­ten eine gro­ße Zahl ver­wen­det wird. Das wie­der­um führt zu Ergeb­nis­sen wie 0,01 pF statt 0 pF. In einem Pro­gramm wür­de man das anders lösen, aber im Spreadsheet scheint das der ein­fach­ste Weg zu sein.

Anten­nen­an­pas­sung mit LibreOffice

Anten­nen­an­pass­glie­der sind in der Regel ein­fa­che LC- oder CL-Tief­päs­se, mit denen der in der Regel reel­le Aus­gangs­wi­der­stand eines Gene­ra­tors an eine in Gren­zen belie­bi­ge kom­ple­xe Last­im­pe­danz ange­passt wird. Die­se Anpas­sung ist schmal­ban­dig, sie gilt genau­ge­nom­men nur für eine ein­zi­ge Frequenz.

CL-Tiefpass
CL-Tief­pass

Der CL-Tief­pass hat einen Kon­den­sa­tor par­al­lel zum Gene­ra­tor und eine Spu­le in Serie zur Last.

LC-Tiefpass
LC-Tief­pass

Der LC-Tief­pass hat eine Spu­le in Serie zum Gene­ra­tor und einen Kon­den­sa­tor par­al­lel zur Last. Anpass­glie­der las­sen sich auch als Hoch­pass kon­fi­gu­rie­ren, Tief­päs­se wer­den aber wegen der Unter­drückung har­mo­ni­scher Fre­quen­zen bevorzugt.

Die benö­tig­ten Kapa­zi­tä­ten und Induk­ti­vi­tä­ten für Anpass­glie­der die­ser Art wer­den seit Jahr­zehn­ten mit Hil­fe des Smith-Dia­gramms gra­phisch bestimmt. Anfangs geschah das auf Papier, aber inzwi­schen gibt es ele­gan­te Lösun­gen für einen PC. „Smith“ von Fritz Dell­sper­ger sei hier genannt, das aller­dings in der kosten­lo­sen Demo­ver­si­on eini­ge Limi­tie­run­gen auf­weist. Für vie­le ein­fa­che Berech­nun­gen ist es den­noch gut ver­wend­bar. Ich ver­wen­de aber seit eini­gen Jah­ren lie­ber das eben­falls kosten­lo­se und funk­tio­nal unbe­schränk­te SimS­mith. Es hat zudem eine deut­lich erwei­ter­te Funk­tio­na­li­tät, was frei­lich die Bedie­nung etwas schwie­ri­ger macht. Die­ser Bei­trag zeigt, wie man zumin­dest die gezeig­ten ein­fa­chen Anpass­glie­der auch mit Libre­Of­fice Calc berech­nen kann.

Kom­ple­xe Zah­len in Calc

Calc unter­stützt das Rech­nen mit kom­ple­xen Zah­len, wie es für die Berech­nung von Impe­dan­zen not­wen­dig ist. Das geht lei­der nicht direkt mit den mathe­ma­ti­schen Ope­ra­to­ren +, -, * und /, son­dern ist über Funk­tio­nen imple­men­tiert. Hier nun eine kur­ze Auf­li­stung der nach­fol­gend benö­tig­ten Funk­tio­nen. Wie üblich wer­den kom­ple­xe Zah­len durch einen Unter­strich gekennzeichnet.

KOMPLEXE(Realteil;Imaginärteil;"j")
Erzeugt eine komplexe Zahl mit dem angegebenen Realteil und Imaginärteil. Als imaginäre Einheit wird "j" gewählt, auch "i" wäre möglich.

IMREALTEIL(I)
Gibt den Realteil der komplexen Zahl I zurück.

IMAGINÄRTEIL(I)
Gibt den Imaginärteil der komplexen Zahl I zurück.

IMSUMME(I1;I2), IMSUB(I1;I2), IMDIV(I1;I2), IMPRODUKT(I1;I2)
Bildet die Summe, die Differenz, den Quotienten oder das Produkt zweier komplexer Zahlen.

Vie­le wei­te­re Funk­tio­nen für kom­ple­xe Zah­len wer­den unter­stützt. Im Menü­punkt Ein­fü­gen, Funk­ti­on (Ctrl-F2) wer­den sie ange­bo­ten. Für Details kon­sul­tie­re man die Libre­Of­fice-Hil­fe oder das Internet.

Kon­ven­tio­nen bei der kom­ple­xen Wechselstromrechnung

Hier eine kur­ze Auf­li­stung der nach­fol­gend ein­ge­hal­te­nen Kon­ven­tio­nen bei den Bezeichnungen.

j = Wurzel(-1)
ist die imaginäre Einheit. Um Verwechslungen mit der Stromstärke zu vermeiden, wird die imaginäre Einheit in der Elektrotechnik üblicherweise mit "j" statt mit "i" gekennzeichnet.

R
ist der reelle Wirkwiderstand.

X
ist der Blindwiderstand. Auch X ist eine reelle Zahl.

Z = R + jX
ist die komplexe Impedanz.

G
ist der reelle Wirkleitwert, auch Konduktanz genannt.

B
ist der Blindleitwert, auch Suszeptanz genannt. So wie X ist auch B eine reelle Zahl.

Y = G + jB = 1 / Z
ist der komplexe Leitwert, der auch Admittanz genannt wird.

Nachfolgend werden die Impedanzen und Admittanzen des Generators mit Gen und die der Last mit Last gekennzeichnet, also beispielsweise ZGen und YLast. Damit sollen Verwechslungen mit den Induktivitäten und Kapazitäten vermieden werden, die beispielsweise mit ZL und YC1 gekennzeichnet werden. Reihen- und Parallelschaltungen werden mit verketteten Indizes gekennzeichnet, also beispielsweise ZGen-L oder ZC||Last.

Genau­so wie bei Wider­stands­netz­wer­ken unter Gleich­span­nung addie­ren sich auch bei Wech­sel­span­nung die Impe­dan­zen, wenn kom­plex­wer­ti­ge Wider­stän­de in Serie geschal­tet wer­den. Bei par­al­lel­ge­schal­te­ten Wider­stän­den addie­ren sich ihre Admittanzen.

Nach­rech­nen eines Beispiels

Ver­su­chen wir zur Ein­füh­rung ein klei­nes Bei­spiel. Eine kom­ple­xe Last ZLast = 20 + 50j soll bei 1,8 MHz an einen Gene­ra­tor mit einem Aus­gangs­wi­der­stand von 50 Ω ange­passt wer­den. Hier die Lösung mit SimSmith:

Zunächst bestimmt man die Kapa­zi­tät des Kon­den­sa­tors (rot) unter Ver­nach­läs­si­gung des Blind­wi­der­stands so, daß der Real­teil der Impe­danz ZLast||C=50 Ω wird. Das ist der Fall bei 2,363 nF. Die Induk­ti­vi­tät der Spu­le wird dann so gewählt, daß der ver­blei­ben­de Blind­wi­der­stand kom­pen­siert wird. Das Bei­spiel kann man nun auch mit Calc nachrechnen:

In den Zel­len C2..C7 wer­den die Para­me­ter ange­ge­ben, so wie sie auch bei SimS­mith ange­ge­ben bzw. errech­net wur­den. In den Zei­len dar­un­ter wer­den zunächst die Impe­dan­zen und Admit­tan­zen der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten berechnet.

In C18 und C19 wer­den die Admit­tanz und dar­aus die Impe­danz der Par­al­lel­scha­lung des Kon­den­sa­tors mit der Last berech­net. In C20 wird dann noch die Impe­danz der Spu­le dazu­ge­fügt. Im Rah­men der gra­phi­schen Genau­ig­keit von SimS­mith ergibt sich die reel­le Impe­danz von 50 Ω. Die Berech­nung mit Calc stimmt also mit SimS­mith überein.

In C22..C25 wird die Impe­danz in umge­kehr­ter Rich­tung bestimmt. Sie ist kon­ju­giert kom­plex zu der Impe­danz der Last. Auch das ist kor­rekt. Man kann Anpass­glie­der also mit Libre­Of­fice Calc berech­nen. Hier die Anzei­ge der ver­wen­de­ten Formeln:

Kann man denn auch die Wer­te von C1 und L1 mit Calc bestim­men? Ja, aber es ist etwas komplizierter.

Berech­nen von Anpassgliedern

Ver­su­chen wir im ersten Ansatz die Wer­te für ein LC-Glied zu bestim­men, bei dem also die Spu­le seri­ell zum Gene­ra­tor geschal­tet ist und der Kon­den­sa­tor par­al­lel zur Last. Das ist die bereits im Bei­spiel gezeig­te Kon­fi­gu­ra­ti­on. Bei der Berech­nung geht man vor wie bei SimS­mith: zunächst die Kapa­zi­tät so bestim­men, daß der Real­teil von ZLast||C1 = 50 Ω wird, dann den ver­blei­ben­den Blind­wi­der­stand mit der Spu­le kom­pen­sie­ren. Zur Erläu­te­rung der nach­fol­gen­den Umfor­mun­gen sei auf die Regeln zur Divi­si­on kom­ple­xer Zah­len verwiesen.

Bei der Divi­si­on ergibt sich eine qua­dra­ti­sche Glei­chung mit einem Real­teil und einem Ima­gi­när­teil. Der Ima­gi­när­teil wird nun ver­wor­fen, denn wir suchen den Real­teil, der gleich dem Gene­ra­tor­wi­der­stand wird. Durch Umfor­mung erhält man eine Glei­chung zur Berech­nung des Blind­leit­werts B aus dem Wirk­leit­wert G:

Damit lässt sich nun die Admit­tanz YLoad||C1 bestim­men. Der Kon­den­sa­tor C1 soll hier als ide­al ange­nom­men wer­den. Sein Wirk­wider­stand sei 0 Ω und sei­ne Güte damit unend­lich. Der ein­zi­ge Bei­trag zum Wirk­leit­wert G kommt damit von der Last, wir set­zen als G = GLoad:

Es gibt also zwei Lösun­gen, eine mit der posi­ti­ven und eine mit der nega­ti­ven Wur­zel. Die­se Zwei­deu­tig­keit sieht man auch in SimS­mith: es gibt zwei Punk­te, bei denen der Wirk­wider­stand 50 Ω wird. Sie sind hier mit roten Krei­sen gekennzeichnet:

Die Admit­tanz der Last ist vor­ge­ge­ben und dar­aus lässt sich nun der benö­tig­te Blind­leit­wert und der Blind­wi­der­stand des Kon­den­sa­tors berechnen:

Für eine vor­ge­ge­be­ne Kreis­fre­quenz ω bestimmt man aus dem so errech­ne­ten Blind­wi­der­stand die Kapa­zi­tät des Kon­den­sa­tors nach der alt­be­kann­ten Formel:

Wel­cher Wert ist nun der rich­ti­ge? Zunächst ein­mal muß er posi­tiv sein, denn nega­ti­ve Wer­te bedeu­ten eine Dre­hung ent­ge­gen dem Uhr­zei­ger­sinn, was einem induk­ti­ven Wert ent­sprä­che. Sind bei­de Wer­te posi­tiv, dann muß man den grö­ße­ren von bei­den neh­men, denn sonst kommt man nicht auf den unte­ren Punkt der Kur­ve, son­dern bleibt am obe­ren hän­gen. Anders aus­ge­drückt neh­me man den grö­ße­ren der bei­den Wer­te. Ist kei­ner davon posi­tiv, dann gibt es kei­ne Lösung für die­ses LC-Glied.

Zum Abschluss bestimmt man die Induk­ti­vi­tät der Spu­le. Sie kom­pen­siert den ver­blei­ben­den kapa­zi­ti­ven Anteil und damit ist ihr Blind­wi­der­stand der­sel­be wie von ZLoad||C1, nur mit umge­kehr­tem Vorzeichen.

Hier nun ein Screen­shot des Calc-Sheets zur Berech­nung des LC-Anpassungsglieds:

und hier mit der Anzei­ge der Formeln:

Hier ist die Calc-Datei mit den hier gezeig­ten Beispielen:

Sie ent­hält auch die Berech­nung eines CL-Anpass­glie­des, das hier nicht bespro­chen wer­den soll. Es funk­tio­niert ana­log zum LC-Glied.

Es sei dar­auf hin­ge­wie­sen, daß nicht alle mög­li­chen Feh­ler abge­fan­gen wur­den. Bei­spiels­wei­se gibt es eine Divi­si­on durch Null, wenn die Last bereits mit R = 50 Ω ange­passt ist. Es soll­te hier nur dar­um gehen, das Prin­zip zu zeigen.

Anhang: Divi­si­on kom­ple­xer Zahlen

Nach­fol­gend noch ein kur­zer Exkurs in das Rech­nen mit kom­ple­xen Zah­len. Die Divi­si­on durch eine kom­ple­xe Zahl erreicht man durch Erwei­tern des Bruchs mit ihrem kon­ju­giert kom­ple­xen Wert. Damit ver­schwin­det die ima­gi­nä­re Ein­heit im Nen­ner. Hier ein Bei­spiel zur Berech­nung der Impe­danz Z aus der Admit­tanz Y:

Das Ergeb­nis der Divi­si­on ist wie­der eine kom­ple­xe Zahl mit einem Real­teil und einem Ima­gi­när­teil. Es fällt auf, daß beim Quo­ti­en­ten nun sowohl Antei­le des vor­he­ri­gen Ima­gi­när­teils im Real­teil auf­tau­chen als auch umge­kehrt. Außer­dem kom­men qua­dra­ti­sche Ter­me vor.

Hier der Libre­Of­fice Math Quell­text zum Erzeu­gen der hier genann­ten Formeln.

End­ge­spei­ste Anten­ne, zwei­ter Versuch

Über kurz oder lang muß ich, wie schon beschrie­ben, mei­ne Kurz­wel­len­an­ten­ne ver­bes­sern. Aus bau­li­chen Grün­den scheint mir immer noch eine end­ge­spei­ste Anten­ne am besten geeig­net. Weil ich die exi­stie­ren­de Anten­ne für wei­te­re Ver­su­che nicht außer Betrieb neh­men will, habe ich einen zwei­ten 20 m lan­gen Anten­nen­draht gespannt. Er ist am sel­ben Anten­nen­mast befe­stigt, führt aber zum ande­ren Ende des Bal­kons, so daß bei­de Anten­nen­dräh­te einen Win­kel von gut 10° zuein­an­der bil­den. Eine gegen­sei­ti­ge Beein­flus­sung ist also anzunehmen.

Impe­danz­mes­sung

Das fol­gen­de Bild zeigt das Ergeb­nis der Impe­danz­mes­sung zwi­schen 1 MHz und 35 MHz.

Impedanzverlauf einer 20m langen Drahtantenne
Impe­danz­ver­lauf einer 20m lan­gen Draht­an­ten­ne mit 10,50 m lan­gem Gegen­ge­wicht („Pig­tail“)

Falls jemand selbst mit den Meß­wer­ten expe­ri­men­tie­ren möch­te: hier sind die zuge­hö­ri­gen s1p-Files (für 1–35 MHz und für Spaß auch noch die für 45–55 MHz und 65–75 MHz).

Man sieht deut­lich die Reso­nan­zen bei unge­rad­zah­li­gen Viel­fa­chen von λ/4, ins­be­son­de­re bei 3,5 MHz (1*λ/4) und 18,4 MHz (5*λ/4). 3*λ/4 bei 11,5 MHz und 7*λ/4 bei 25,3 MHz sind auch erkenn­bar. Die Viel­fa­chen von λ/2 lie­gen jeweils im hoch­oh­mi­gen Bereich und sie sind bei 6,6 MHz, 13,5 MHz, 20,8 MHz und 28,1 MHz zu erken­nen. Die Fre­quen­zen lie­gen jeweils noch etwas unter­halb der Ama­teur­bän­der, das las­se ich aber erst­mal so. Abge­schnit­ten ist schnell…

Als Gegen­ge­wicht wird im gezeig­ten Fall eine 10,50 m lan­ge iso­lier­te Kup­fer­lit­ze mit 2,5 mm² Quer­schnitt ver­wen­det, die vom 6 m hohen Bal­kon schräg nach unten führt. Ich habe ver­schie­den lan­ge Dräh­te aus­pro­biert, auch einen direk­ten Anschluß über weni­ge Zen­ti­me­ter an den geer­de­ten Anten­nen­mast. Wie erwar­tet ver­schiebt sich die Impe­danz bei jedem Ver­such etwas, aber es ändert sich nichts grund­le­gend. Wie ich letzt­lich das Gegen­ge­wicht ver­drah­te, ist im Moment noch nicht entschieden.

Als Crux hat sich bei der bis­he­ri­gen Anten­ne die Anten­nen­an­kopp­lung erwie­sen, die im Grun­de nur aus einem Ring­kern­tra­fo besteht, der die 50 Ω Sen­der­im­pe­danz an die Anten­nen­im­pe­danz von eini­gen kΩ anpasst. Es gelingt mir lei­der nicht, einen Über­tra­ger zu bau­en, der für meh­re­re har­mo­ni­sche Bän­der mit ver­tret­ba­rem Steh­wel­len­ver­hält­nis (SWR < 3) funk­tio­niert. Außer­dem wird bei den höher­fre­quen­ten 15- und 10-m-Bän­dern schon bei 100 Watt Aus­gangs­lei­stung der Ring­kern so heiß, daß das Steh­wel­len­ver­hält­nis nach kur­zer Zeit schlag­ar­tig aus dem Ruder läuft. Wer haupt­säch­lich SSB oder CW macht und viel­leicht noch grö­ße­re und teu­re­re Ring­ker­ne ein­setzt, mag ande­re Erfah­run­gen machen. Digi­ta­le Betriebs­ar­ten wie z.B. FT8, ins­be­son­de­re aber auch SSTV oder RTTY mit ihren län­ge­ren Durch­gän­gen, set­zen Dau­er­be­last­bar­keit vor­aus. Auf Fer­ri­te soll daher bei der neu­en Anten­nen­kopp­lung kom­plett ver­zich­tet und der zukünf­ti­ge Tuner soll statt­des­sen mit selbst­ge­wickel­ten Luft­kern­spu­len auf­ge­baut werden.

Anten­nen­an­pas­sung

Da alle Impe­dan­zen über 50Ω lie­gen, kann die­sel­be LC-Topo­lo­gie für alle Bän­der benutzt wer­den. Uni­ver­sell ver­wend­ba­re Anten­nen­tu­ner müs­sen das LC-Glied in ein CL-Glied umschal­ten kön­nen, damit auch ande­re Auf­wärts­trans­for­ma­tio­nen mög­lich sind. Hier ein Bei­spiel für die Anpas­sung auf dem 15-m-Band:

Anpassung 15m
Anpas­sung. Bei­spiel für das 15-m-Band

Ein klei­nes Board mit Test­klem­men aus der Elek­tro­in­stal­la­ti­on dient zum Aus­pro­bie­ren ver­schie­de­ner Anpas­sun­gen. Das Foto zeigt eine Luft­kern­spu­le und einen Kera­mik­kon­den­sa­tor, die eine hin­rei­chen­de Anpas­sung (SWR < 3) auf 15‑m und 17‑m erreichen. 

LC-Antennenanpassung
LC-Anten­nen­an­pas­sung, Testversion

Die Spu­le ist aus blan­kem Kup­fer­draht (1,5 mm Quer­schnitt, abiso­lier­te Man­tel­lei­tung) gewickelt und zeigt nach eini­gen Regen­ta­gen erste Kor­ro­si­on. Gefrä­ste Sprei­zer aus PVC sor­gen für hin­rei­chen­de Form­sta­bi­li­tät und gut repro­du­zier­ba­re Induk­ti­vi­tät. Dau­er­be­trieb mit 100 Watt ist über­haupt kein Pro­blem, nichts wird auch nur hand­warm. Die­ses Test­board ist ein Pro­of-of-con­cept, es zeigt, daß ein Tuner die­ser Bau­art zumin­dest bis 100 Watt funk­tio­nie­ren wird.

Das Durch­spie­len der Anpas­sun­gen für ver­schie­de­ne Ama­teur­funk­bän­der ergibt fol­gen­de not­wen­di­gen Wer­te für die Kon­den­sa­to­ren und Spulen:

Dimen­sio­nie­rung des LC-Anpassnetzwerks
Bandmitt­le­re
Fre­quenz
Anpas­sung
C [pF]
Anpas­sung
L [nH]
160 m1,90512130.000
80 m3,6505352.900
60 m5,3591537.315
40 m7,100438.749
30 m10,125892.322
20 m14,175283.588
17 m18,11853640
15 m21,225232.020
12 m24,94046608
10 m28,850161.461
6 m50,51511720
4 m70,25014214

Aus der Tabel­le sieht man, daß mit rea­li­sti­scher Dimen­sio­nie­rung alle Bän­der von 80 m bis 10 m ange­passt wer­den kön­nen. Beim 6- und 4‑m-Band wird es eng, weil die Min­dest­ka­pa­zi­tät der Kon­den­sa­to­ren 15 pF kaum unter­schrei­ten wird, beim 160-m-Band dürf­te die not­wen­di­ge Induk­ti­vi­tät zu hoch sein. Letzt­lich kann bei hohen Fre­quenz­bän­dern auch die Selbst­re­so­nanz­fre­quenz einer Spu­le oder des gesam­ten Auf­baus erreicht oder über­schrit­ten wer­den. Nun gut, man wird sehen. Es reicht ja, wenn die Anpas­sung in die Nähe von 50 Ω kommt, so daß der ein­ge­bau­te Anten­nen­tu­ner den Rest über­neh­men kann. Ob die Effi­zi­enz der Anten­ne ins­be­son­de­re auf den nicht-reso­nan­ten Bän­dern für einen pas­sa­blen Betrieb aus­reicht, steht auf einem ande­ren Blatt, hier geht es nur um die Anpassung.

Als näch­stes Pro­jekt steht nun der Bau eines schalt­ba­ren Anten­nen­tu­n­ers für die­se Anten­ne an. Die not­wen­di­gen Induk­ti­vi­tä­ten und Kapa­zi­tä­ten erge­ben sich aus der oben gezeig­ten Tabel­le. In Kür­ze geht’s hier weiter…

Anpas­sung der end­ge­spei­sten Drahtantenne

Die Anpas­sung einer end­ge­spei­sten Draht­an­ten­ne (im eng­li­schen als End-Fed-Half-Wave- oder EFHW-Anten­ne bezeich­net) ist lei­der nicht so tri­vi­al, wie man mei­nen könn­te, ins­be­son­de­re wenn man meh­re­re Bän­der abdecken möch­te. Es geht schon damit los, daß das Ver­hal­ten rea­ler Über­tra­ger, auch wenn man sich viel Mühe beim Wickeln macht, in der Regel weit ent­fernt von dem eines idea­len Über­tra­gers ist. Der Kop­pel­fak­tor der Win­dun­gen liegt deut­lich unter 1 und para­si­tä­re Kapa­zi­tä­ten zwi­schen den Wick­lun­gen machen den Über­tra­ger fre­quenz­ab­hän­gig. Dar­über­hin­aus macht die Fre­quenz­ab­hän­gig­keit und die magne­ti­sche Sät­ti­gung des Kern­ma­te­ri­als zu schaffen.

Die Dimen­sio­nie­rung des Über­tra­gers erfor­dert eini­ge Kom­pro­mis­se. Zunächst soll­te man sich auf die maxi­mal zu über­tra­gen­de Lei­stung fest­le­gen. Im Inter­net fin­det man Hin­wei­se, daß ein FT-140-Kern für 100 Watt reicht. So pau­schal stimmt das aber nicht. Der Crest-Fak­tor ist bei SSB ein ganz ande­rer als bei digi­ta­len Betriebs­ar­ten. Bei SSB ist die nomi­na­le Aus­gangs­lei­stung ein Spit­zen­wert, der nur kurz­zei­tig erreicht wird, wäh­rend die gesam­te Lei­stung bei FT‑8 15 Sekun­den lang über­tra­gen wer­den muß, bei WSPR sogar für zwei Minu­ten, bei RTTY gege­be­nen­falls sogar noch län­ger. Mes­sun­gen mit einer FLIR-Kame­ra haben gezeigt, daß die Tem­pe­ra­tur des Ring­kerns mei­nes ersten Anpaß­glieds mit einem FT140-77 schon nach kur­zem Betrieb (weni­ge Minu­ten) mit 50 Watt auf deut­lich über 100 °C ansteigt.

Wärmebild des Ringkerns
Wär­me­bild des Ring­kerns nach weni­gen Minu­ten Bela­stung mit 50 Watt auf dem 40-m-Band.

So kann das nicht blei­ben. Wo lie­gen die Ursa­chen und was muß ich ändern?

Nach einer alten Faust­re­gel soll der Blind­wi­der­stand eines Über­tra­gers min­de­stens vier­mal so groß sein, wie der reel­le Last­wi­der­stand. Bei 50 Ω auf der Pri­mär­sei­te wären das also min­de­stens 200 Ω, was bei 7 MHz knapp 5 µH wären. Mit einem FT-140 77 Ring­kern wäre die­se Induk­ti­vi­tät schon bei etwas mehr als einer Win­dung erreicht. Das ist natür­lich schon beim Wickeln der Spu­le recht unprak­tisch, weil ohne Hand­stand eigent­lich nur ganz­zah­li­ge Win­dungs­zah­len mög­lich sind. Das grö­ße­re Pro­blem ist aber die magne­ti­sche Fluß­dich­te, die durch den ver­wen­de­ten Ring­kern begrenzt ist. Wird die Fluß­dich­te zu hoch, dann gerät der Kern in die Sät­ti­gung und die magne­ti­sche Feld­stär­ke im Kern steigt dann nicht mehr pro­por­tio­nal zur ange­leg­ten Span­nung. Das über­tra­ge­ne Signal wird ver­zerrt und die Kern­ver­lu­ste stei­gen über­pro­por­tio­nal, so daß der Kern über­mä­ßig heiß wird.

Die magne­ti­sche Fluß­dich­te ist pro­por­tio­nal zur ange­leg­ten Span­nung und umge­kehrt pro­por­tio­nal zur Win­dungs­zahl der Spu­le. Die maxi­ma­le Fluß­dich­te, die der Kern ver­trägt, ist außer­dem auch noch fre­quenz­ab­hän­gig. Der mini Ring­kern­rech­ner berech­net die Fluß­dich­te einer Spu­le und zeigt freund­li­cher­wei­se für eini­ge Ker­ne auch die maxi­mal mög­li­che Fluß­dich­te an. Der oben genann­te Ring­kern soll­te min­de­stens 5 Win­dun­gen haben, um 100 W auf dem 40-m-Band zu über­tra­gen. Die gewähl­te Anzahl von 3 Win­dun­gen ist also deut­lich zu nied­rig. Bei 5 Win­dun­gen hat die Pri­mär­spu­le aber schon 56 µH und einen Blind­wi­der­stand von 2,5 kΩ. Das wäre auf 40 m bei 7 MHz sicher noch trag­bar, aber am ande­ren Ende bei 29 MHz sind das schon über 10 kΩ und bei den hohen Fre­quen­zen machen sich dann auch die Kapa­zi­tä­ten zwi­schen den ein­zel­nen Win­dun­gen immer deut­li­cher bemerk­bar. Die Win­dungs­zahl begrenzt also die obe­re nutz­ba­re Fre­quenz des Über­tra­gers. Eine „ech­ter“ Breit­band­über­tra­ger ist also immer ein Kompromiß.

Für einen neu­en Über­tra­ger habe ich nun zwei gesta­pel­te FT140-43 aus­ge­wählt. Durch das Sta­peln hal­biert sich der magne­ti­sche Fluß für jeden der bei­den Ker­ne und die Induk­ti­vi­tät ver­dop­pelt sich, da sich der umwickel­te Quer­schnitt ver­dop­pelt. Der AL-Wert des ‑43-er Kerns ist weni­ger als halb so groß, wie der des ‑77-er Kerns. Damit erge­ben N Win­dun­gen auf zwei ‑43-er Ker­nen etwas weni­ger Induk­ti­vi­tät, als die glei­che Win­dungs­zahl auf einem ein­zi­gen ‑77-er Kern. Die Fluß­dich­te ist hal­biert und liegt bis 100 Watt im 40-m-Band im Rah­men des Erlaub­ten. Hier ein Foto des ersten Ver­suchs mit einem Win­dungs­ver­hält­nis von 3:18 (Über­tra­gungs­ver­hält­nis 1:36, also 50 Ω am Ein­gang, 1,8 kΩ am Ausgang):

Übertrager mit zwei FT140-43 Ringkernen
Über­tra­ger mit zwei FT140-43 Ringkernen

Die letzt­lich ver­wen­de­te Ver­si­on hat ein noch höhe­res Wick­lungs­ver­hält­nis von 3:22. Da der bis­her ver­wen­de­te Anten­nen­draht von 18,55 m Län­ge zu kurz war, habe ich ihn durch einen 20,30 m lan­gen Draht ersetzt. Damit liegt die Reso­nanz nun deut­lich bes­ser auf den Ama­teur­bän­dern. Die gemes­se­ne Impe­danz sieht nun fol­gen­der­ma­ßen aus:

Impedanz des 20,30m Antennedrahts mit 2xFT140-43 und 100pF Anpassung
Impe­danz des 20,30 m lan­gen Anten­ne­drahts mit 2xFT140-43 und 100pF Anpassung.

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis liegt nun also auf 20- und 40‑m unter­halb von 3:1 und kann vom Anten­nen­tu­ner des IC-7300 ange­passt wer­den. Das 15-m-Band liegt zwar außer­halb, wird aber zumin­dest im unte­ren Bereich noch vom Anten­nen­tu­ner erfasst. Das 10-m-Band liegt deut­lich außer­halb, funk­tio­niert aber noch im Emer­gen­cy-Modus mit bis zu 50 Watt Ausgangsleistung.

Nach dem Lehr­buch müss­ten die oben gezeig­ten Fre­quen­zen alle im Mit­tel­punkt des Smith-Charts bei zumin­dest unge­fähr 50 Ω lie­gen, denn die Bän­der sind har­mo­nisch zuein­an­der. Die Abwei­chun­gen dürf­ten im wesent­li­chen an dem immer noch unzu­läng­li­chen Über­tra­ger lie­gen, sei­nem Kopp­lungs­ver­hält­nis, den para­si­tä­ren Kapa­zi­tä­ten und den Kern­ver­lu­sten. Den­noch sieht das Chart rea­li­stisch aus, denn nicht-reso­nan­te Fre­quen­zen haben hohe Blind­an­tei­le. Sie fin­den sich am Rand des Smith-Dia­gramms. Bei dem ursprüng­li­chen Über­tra­ger fan­den sich fast alle Fre­quen­zen inner­halb des SWV 3:1 Krei­ses. Das kann nur durch hohe Ver­lu­ste kom­men, denn nur eine Dum­my-Load hat über einen gro­ßen Fre­quenz­be­reich ein Steh­wel­len­ver­hält­nis von 1:1. Eine Auf­nah­me mit der Wär­me­bild­ka­me­ra zeigt, daß sich die Ver­lu­ste jetzt in Gren­zen halten:

Übertrager mit 2xFT140-43 nach mehreren Minuten Betrieb auf 40-m mit 100 Watt
Über­tra­ger mit 2xFT140-43 nach meh­re­ren Minu­ten Betrieb auf 40‑m mit 100 Watt

Auch nach meh­re­ren Minu­ten Betrieb auf dem 40-m-Band mit 100 Watt steigt die Tem­pe­ra­tur nicht mehr wesent­lich an. Die Kame­ra macht zwei Fotos, eines im opti­schen Bereich und eines im Infra­rot­be­reich, die je nach Abstand des Motivs nicht ganz in Deckung sind.