Gam­ma-Mess­ge­rät, Teil 1 – Hardwarebeschreibung

Ein­lei­tung

Schon seit Jah­res­an­fang 2026 ist die erste Ver­si­on des Refle­xi­ons­fak­tor-Mess­ge­rä­tes ver­füg­bar, die über den Pro­to­ty­pen­sta­tus hin­aus­geht. Inzwi­schen funk­tio­niert die­se Ver­si­on zuver­läs­sig und sehr zufrie­den­stel­lend. Auch der Anten­nen­kopp­ler mit der Ver­si­ons­num­mer 1.7 funk­tio­niert im gesam­ten Kurz­wel­len­be­reich, mit klei­nen Abstri­chen sogar im 2‑m-Band. Eine erste Kurz­be­schrei­bung hat­te ich schon im Febru­ar ver­öf­fent­licht und den Kopp­ler noch­mal etwas detail­lier­ter im März. Bei der Inbe­trieb­nah­me zeig­ten sich Unge­reimt­hei­ten des Kopp­lers, die ich in einem Nach­trag beschrie­ben habe. Sie sind glück­li­cher­wei­se gelöst.

Sta­tus

Die Hard­ware funk­tio­niert nun ohne erkenn­ba­re Pro­ble­me. Der RTL-Code für das FPGA und die Soft­ware für den syn­the­ti­sier­ten RISC-V-Pro­zes­sor wür­de ich als Beta-Release bezeich­nen. Es sind alle gewünsch­ten Funk­tio­nen imple­men­tiert und kei­ne Feh­ler bekannt. Sowohl der Ver­i­log-RTL-Code wie auch der C‑Quellcode könn­ten sicher­lich noch etwas glatt­ge­zo­gen und bes­ser doku­men­tiert wer­den. Hier und da ist noch Test­code vor­han­den, der nicht mehr benö­tigt wird.

Inzwi­schen ist auch die Host-Soft­ware gut benutz­bar, wenn­gleich auch noch im Beta-Sta­tus. Sie ist für Qt geschrie­ben und damit prin­zi­pi­ell auch für ande­re Betriebs­sy­ste­me als Win­dows ver­wend­bar. Eine even­tu­el­le Por­tie­rung über­las­se ich dem geneig­ten Anwen­der. Ich selbst habe mal eine frü­he­re Ver­si­on in einer vir­tu­el­len Ubun­tu-Maschi­ne erfolg­reich über­setzt, es ist mir aber nicht gelun­gen ein Deployment zu erzeu­gen, das auch außer­halb die­ser Maschi­ne lief. Damit möch­te ich erst mal kei­ne wei­te­re Zeit vertun.

Bei­spiel­mes­sun­gen

Hier ein Ein­druck des aktu­el­len Soft­ware-Stan­des, exem­pla­risch mit einer reel­len Last von 10 Ω und mit einer induk­ti­ven Last von 0,93 µH (Wert mit VNWA bei 21 MHz gemessen):

Oben ist jeweils der Refle­xi­ons­fak­tor gezeigt (Schie­be­reg­ler links), dar­un­ter das Smit­h­dia­gramm (Schie­be­reg­ler rechts) und unten das Fen­ster mit den jewei­li­gen Mess­wer­ten und den dar­aus errech­ne­ten Ergeb­nis­sen. Als Signal­quel­le dient ein Signal­ge­nera­tor mit 20 dBm Aus­gangs­lei­stung. Wenn das gemes­se­ne Steh­wel­len­ver­hält­nis klei­ner als SWR3 ist (hier auf 20 ein­ge­stellt), wird eine Anpas­sung mit einem LC- oder CL-Netz­werk berech­net und ein­ge­zeich­net. Eine detail­lier­te Erklä­rung folgt bei der Beschrei­bung der Host-Software.

Pro­jekt­be­schrei­bung

Das gesam­te Pro­jekt ist recht umfang­reich und umfasst die Lei­ter­plat­ten­ent­wick­lung mit KiCad, die FPGA-Ent­wick­lung in Ver­i­log, die Firm­ware des dar­auf syn­the­ti­sier­ten Risc-V-Pro­zes­sors in C und natür­lich die Host-Bedie­ner­ober­flä­che in C++. Ich wer­de alle Quell­codes ver­öf­fent­li­chen und in gro­ben Zügen beschrei­ben. Dabei will ich mich nicht in Details ver­lie­ren. Wer das Pro­jekt nach­bau­en will, muß sich sowie­so ein­ar­bei­ten, falls er nicht ohne­hin alles anders und bes­ser machen will. Even­tu­el­le Fra­gen beant­wor­te ich natür­lich gerne.

Die­ser erste Teil soll sich um die Hard­ware, die FPGA-Ent­wick­lung und die Firm­ware dre­hen. Die Host-Soft­ware inklu­si­ve eini­ger Bei­spiel­mes­sun­gen wird einen eige­nen Bei­trag erfordern.

Hard­ware­be­schrei­bung

Die Hard­ware ist bereits hier kurz beschrie­ben und soll hier noch­mal kopiert wer­den, um nicht zwi­schen den Bild­schir­men hin- und her­schal­ten zu müssen.

Ansich­ten und Design-Dateien

Die 3D-Ansich­ten…

3D-Ansich­ten des ersten Releases

und hier der Schalt­plan und das KiCad-Projekt:

Kurz­be­schrei­bung

Die Dämp­fungs­glie­der am Ein­gang sind jetzt für eine maxi­ma­le Ein­gangs­lei­stung von 27 dBm (500 mW) aus­ge­legt. Bei einer Kop­pel­dämp­fung von 26 dB darf die maxi­ma­le Ein­gangs­lei­stung damit bei 53 dBm, also 200 Watt liegen.

Dem nega­ti­ven Ein­gang der Kom­pa­ra­to­ren ist nun jeweils ein rausch­ar­mer Prä­zi­si­ons-OpAmp vom Typ OPA376 als Span­nungs­fol­ger vor­ge­schal­tet. Der kom­pen­siert die Span­nungs­ver­schie­bung durch den Ein­gangs­leck­strom der Kom­pa­ra­to­ren. Für OpAmp und Kom­pa­ra­to­ren wären auch jeweils Vari­an­ten mit zwei Ein­hei­ten in einem Gehäu­se ver­füg­bar. Um eine best­mög­li­che Ent­kopp­lung der bei­den Kanä­le zu errei­chen, wur­de auf deren Ein­satz aber verzichtet.

J7 dient der Span­nungs­ver­sor­gung und der seri­el­len Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Außen­welt. Hier kann zu Test­zwecken ein USB-Seri­ell-Kon­ver­ter direkt ange­steckt wer­den. Um einen gewis­sen Schutz gegen Ver­po­lung zu errei­chen, sind in die Daten­lei­tun­gen seri­el­le Wider­stän­de von 330 Ω ein­ge­fügt. Die Span­nungs­ver­sor­gung ist mit einer Ther­mo­si­che­rung und einer TVS-Diode gesi­chert. J3 und J6 stel­len ein paar Signa­le des FPGAs zur Ver­fü­gung. Wenn alles auf Anhieb funk­tio­niert, sind sie unnötig.

Die Kanä­le wur­den jetzt mit Port1 und Port2 bezeich­net. Sie sind ja gleich­ar­tig auf­ge­baut und die Soft­ware ent­schei­det, wel­cher Port die vor­lau­fen­de und wel­cher die rück­lau­fen­de Span­nung aufnimmt.

Ergän­zung zur Kurzbeschreibung

Die Span­nungs­ver­sor­gung erfolgt über einen an J7 ange­steck­ten USB-RS232-Kon­ver­ter mit einem 5‑V-Aus­gang. Sie wird über F1 und D2 gegen Über­span­nung und Ver­po­lung abge­si­chert und mit C28, C29 und C30 gefil­tert. Die­se Span­nung ver­sorgt die OpAmps, die Kom­pa­ra­to­ren, die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und das Tang-Pri­mer-Board. Das Tang-Board erzeugt die von ihm benö­tig­ten Span­nun­gen selbst und gibt sie auch über sei­nen Steck­ver­bin­der nach außen.

Die Außen­be­schal­tung ent­schei­det, wel­che FPGA-Bän­ke mit wel­cher Betriebs­span­nung ver­sorgt wer­den. In die­sem Fall wer­den alle Bän­ke mit 3,3 V ver­sorgt. Mit die­sen 3,3 V wird außer­dem auch der AD-Wand­ler U1 (ADS1118) betrie­ben. Er braucht typi­scher­wei­se nur 0,3 mA. Es ist ein ADC mit vier Ein­gän­gen und zusätz­lich einem Ther­mo­me­ter. Sei­ne Kon­fi­gu­ra­ti­on erhält er über eine SPI-Schnitt­stel­le, die gleich­zei­tig auch die Mess­wer­te überträgt.

Der ADC misst die bei­den Aus­gangs­span­nun­gen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker sowie die 5‑V-Ein­g­ans­span­nung von der USB-Schnitt­stel­le und die 3,3 V vom Tang-Board. Er hat eine Auf­lö­sung von 16 Bit und kann je nach Kon­fi­gu­ra­ti­on bis zu 860 Mess­wer­te pro Sekun­de liefern.

Das Tang-Board ist völ­lig eigen­stän­dig und hat alle benö­tig­ten Kom­po­nen­ten an Bord. Es benö­tigt nur die 5‑V-Betriebs­span­nung. Sei­ne Kon­fi­gu­ra­ti­on inklu­si­ve der Firm­ware eines optio­nal syn­the­ti­sier­ten Pro­zes­sors wird beim Ein­schal­ten aus einem seri­el­le Flash-Spei­cher gela­den. Um die­sen Flash-Spei­cher zu pro­gram­mie­ren, muss das Tang-Board abge­zo­gen und auf ein Tang-Base­board auf­ge­steckt wer­den. Das habe ich hier beschrie­ben, dar­über­hin­aus sei auf wei­te­re Quel­len im Inter­net verwiesen.

Das erste Board hat lei­der noch zwei Feh­ler, die zum Glück nicht gra­vie­rend sind, aber bei einem neu­en Design beho­ben wer­den sol­len. Es sind SMA-Buch­sen mit fal­schem Pin­ab­stand ein­ge­baut und die NFM18P­S105R-Fil­ter unter dem Tang-Board sind zu dick. Da muß ent­we­der ein höhe­rer Sockel ver­wen­det wer­den oder die Fil­ter müs­sen woan­ders hin ver­scho­ben wer­den. Beim jet­zi­gen Board muß ein Strei­fen Iso­lier­band unter dem Tang-Board auf­ge­klebt wer­den und es darf nicht zu fest ein­ge­drückt wer­den, sonst gibt es Kurz­schlüs­se. Außer­dem ist D1 zu hell und blen­det, wenn das Board vor einem auf dem Tisch liegt.

FPGA-Design

Das Funk­ti­ons­prin­zip des FPGAs habe ich bereits in einem Bei­trag Anfang 2026 für den ersten Pro­to­ty­pen beschrie­ben. Die Beschrei­bung ist nach wie vor gül­tig, außer daß ich den asyn­chro­nen Sen­der ATX wei­ter­ent­wickelt und ihn in ART (asyn­chro­no­us receiver/transmitter) umbe­nannt habe, auch wenn der Emp­fangs­teil noch nicht imple­men­tiert ist.

Hier das leicht über­ar­bei­te­te Blockdiagramm:

Der asyn­chro­ne Sen­der ART

Der Sen­de­teil ist nun bes­ser kon­fi­gu­rier­bar als vor­her. Man kann zwi­schen einem und zwei Stop­bits wäh­len und kei­ne, gera­de oder unge­ra­de Pari­tät aus­wäh­len. Die Bit­ra­te ist nun nicht mehr ein ganz­zah­li­ger Bruch­teil der Takt­fre­quenz son­dern ein ganz­zah­li­ger Bruch­teil von 1⁄8 der Takt­fre­quenz. Der Grund ist der noch nicht imple­men­tier­te Emp­fän­ger, der jedes Bit mehr­fach abta­sten muss, beab­sich­tigt ist acht­mal. Wegen die­ser Ände­rung wur­de die CPU- und ART-Takt­fre­quenz nun auf 25 MHz erhöht, weil mit den bis­he­ri­gen 20 MHz die erwünsch­te Baud­ra­te von 115.200 Bd nicht hin­rei­chend genau erzeugt wer­den konnte.

Da die Inter­rupt-Aus­füh­rungs­zeit des PicoRV32 recht hoch ist und die Res­sour­cen im FPGA vor­han­den sind, wur­de ein 256-Byte Sen­de-FIFO imple­men­tiert. Es wird CPU-sei­tig in einem Rutsch mit den Sen­de­da­ten gefüllt und vom ART nach Bedarf geleert. Inter­rupts sind nicht mehr not­wen­dig, solan­ge nicht mehr Daten gesen­det wer­den sol­len, als in das FIFO passen.

Wahl der Messrate

Zunächst zur Abschät­zung der Gren­zen: Eine Mes­sung pro Sekun­de wäre das abso­lu­te Mini­mum. Lang­sa­mer darf es nicht sein, wenn man den Wert nur optisch anzei­gen will. Zehn Mes­sun­gen pro Sekun­de wäre das Mini­mum, um einen Anten­nen­tu­ner anzu­steu­ern. Hun­dert Mes­sun­gen pro Sekun­de wären in den mei­sten Fäl­len wohl schon ein Overkill.

Was kann denn die Hard­ware? Der AD-Wand­ler kann pro Sekun­de 860 Mes­sun­gen durch­füh­ren, die auf sei­ne bis zu fünf Kanä­le ver­teilt wer­den. Abso­lut not­wen­dig sind die bei­den Kanä­le zur Mes­sung der Vor- und Rück­lauf­span­nung. Damit liegt also die maxi­ma­le Mess­ra­te bei 430 Mes­sun­gen pro Sekun­de. Beschränkt man sich also auf die genann­ten 100 Mes­sun­gen pro Sekun­de, dann kön­nen in jedem Mess­zy­klus pro­blem­los alle vier AD-Kanä­le und die Tem­pe­ra­tur gemes­sen wer­den. Das ver­ein­facht die Soft­ware, Klimm­zü­ge sind unnötig.

Der Pha­sen­ver­glei­cher akku­mu­liert im Mess­in­ter­vall die Eigen­schaf­ten der vor- und rück­lau­fen­den Signa­le: die Anzahl und Sequenz ihrer Flan­ken und die Dau­er der Über­lap­pung. Das Mess­in­ter­vall muss hin­rei­chend lang sein, damit genü­gend Flan­ken aus­ge­wer­tet wer­den kön­nen. Blei­ben wir bei dem Bei­spiel mit 100 Mes­sun­gen pro Sekun­de, dann dau­ert ein Mess­in­ter­vall 10 ms, was bei den 1,8 MHz des 160-m-Ban­des also für 18.000 Flan­ken reicht. Das reicht für eine Sta­ti­stik und bei den höhe­ren Bän­dern wird es zuneh­mend mehr.

Ein wei­te­rer Punkt ist zu beach­ten: die Mess­da­ten müs­sen ja irgend­wie über­tra­gen wer­den. Dazu ist die seri­el­le Schnitt­stel­le imple­men­tiert, deren Daten­ra­te begrenzt ist. Um bei den Stan­dard­ra­ten zu blei­ben, habe ich hier 115 kBd mit zwei Stop­bits und gerad­zah­li­ger Pari­tät gewählt. Damit kann man also pro Sekun­de maxi­mal 115200⁄11 ≅ 10kByte über­tra­gen, was in 10 ms 100 Byte sind. In der Ent­wick­lungs­pha­se war das etwas zu knapp, denn hin und wie­der wur­den aus­führ­li­che Test­da­ten mit Zusatz­in­for­ma­ti­on benö­tigt, die die­sen Rah­men über­schrit­ten haben. Daher fiel die Wahl auf 25-ms-Inter­val­le, also 40 Mes­sun­gen pro Sekun­de. Das ist der jet­zi­ge Stand, der aber in den genann­ten Gren­zen änder­bar ist.

VCO und PLL

Als Takt für den Pha­sen­ver­glei­cher clk_s soll­ten die ursprüng­lich gewähl­ten 200 MHz bei­be­hal­ten wer­den. Damit las­sen sich 26-Bit-Zäh­ler zuver­läs­sig syn­the­ti­sie­ren, ohne die Fre­quenz­gren­zen zu ver­let­zen. Das reicht für Mess­in­ter­val­le bis län­ger als 300 ms. Mit den nun gewähl­ten Inter­vall von 25 ms wären daher auch 23-bit-Zäh­ler aus­rei­chend, die even­tu­ell etwas schnel­ler getak­tet wer­den kön­nen. Der Nut­zen wäre gering, daher bleibt es momen­tan bei 26-bit-Zählern.

Der inter­ne VCO wird mit 800 MHz betrie­ben und dar­aus wer­den durch Tei­lung die Abtast­fre­quenz von 200 MHz und die CPU-Takt­fre­quenz von 25 MHz gene­riert. Aus einem Ach­tel der CPU-Fre­quenz wird durch ganz­zah­li­ge Tei­lung die Baud­ra­te der asyn­chro­nen Schnitt­stel­le erzeugt. Daher ist man nicht ganz frei in der Wahl der Taktfrequenzen.

Vor­schau auf Teil 2

Im näch­sten Teil soll die Firm­ware, der FPGA-Ver­i­log-Code und die Host-Soft­ware beschrie­ben wer­den. Wie oben ange­deu­tet, ist momen­tan alles min­de­stens als funk­tio­nie­ren­de Beta-Ver­si­on ver­füg­bar. Hier ist der aktu­el­le Stand zusammengepackt:

Vor einem ech­ten „Release“ und einer detail­lier­ten Beschrei­bung will ich aber alles noch etwas glatt­zie­hen. Es fehlt auch noch eine Mod­bus-Vari­an­te, die dann zusam­men mit ande­ren Modu­len an einer RS-485-Schnitt­stel­le betrie­ben wer­den kann. Blue­tooth wäre auch nicht schlecht, denn beim Test­be­trieb habe ich fest­ge­stellt, daß über die USB-Schnitt­stel­le vie­le Stö­run­gen vom PC auf einen ange­schlos­se­nen Trans­cei­ver ein­ge­kop­pelt wer­den. Das ist dar­an erkenn­bar, daß der Rausch­pe­gel im Trans­cei­ver deut­lich steigt, wenn man den USB-Stecker nur an die USB-Buch­se am PC hält, so daß noch kei­ne Span­nungs­ver­sor­gung erfolgt. Das hängt aber ver­mut­lich auch von der Ent­stö­rung des jeweils ver­wen­de­ten PCs ab.

Wie auch immer, ich wer­de mir die nöti­ge Zeit las­sen. Soll­te trotz­dem jemand vor­ab mit den Quell­codes her­um­spie­len wol­len, möge er das mit dem oben ange­bo­te­nen Code machen. Wer nicht klar­kommt, kann mich per Email kontaktieren.

Richt­kopp­ler V1.7

Wie hier schon beschrie­ben habe ich eine wei­te­re Vari­an­te eines Sont­hei­mer-Fre­de­rick-Richt­kopp­lers gebaut. Sie hat den pas­sen­den Abstand der SMA-Buch­sen, um direkt an das Gam­ma-Mess­ge­rät ange­schraubt zu wer­den. Bei­de Lei­ter­plat­ten sind nun ver­füg­bar und hier zunächst die Beschrei­bung und die Meß­er­geb­nis­se zum Koppler.

Detail­an­sicht

Hier noch­mal die KiCad-3D-Ansicht und ein paar Detailfotos:

Dies­mal wur­den Ring­ker­ne des Typs FT 50–43 mit einem AL-Wert von 440nH/Wdg² ver­wen­det. Sie haben jeweils 20 Win­dun­gen und damit eine Eigen­in­duk­ti­vi­tät von 176 µH. Sie trans­for­mie­ren die Lei­stung auf ein vier­hun­dert­stel, was rech­ne­risch einen Kopp­lungs­ver­lust von 10*log(400)=26 dB erwar­ten lässt.

Als inne­re „Wick­lung mit einer Win­dung“ wur­de ein kur­zes Stück RG400 Koax­ka­bel ein­ge­setzt, das gegen­über RG58 den Vor­teil hat, nicht so hit­ze­emp­find­lich zu sein. Man kann recht sorg­los mit dem Löt­kol­ben han­tie­ren. Außer­dem ist die Schir­mung deut­lich dich­ter, was der Iso­la­ti­on zugu­te kommt.

Mess­ergeb­nis­se

Hier die Meß­er­geb­nis­se, die direkt mit den vor­he­ri­gen hier und hier zu ver­glei­chen wären:

Die Richt­schär­fe ist der wich­tig­ste Para­me­ter eines Richt­kopp­lers. Sie gibt das Ver­hält­nis der bei idea­ler Anpas­sung gemes­se­nen Rück­lauf­span­nung im Ver­hält­nis zur Vor­lauf­span­nung an. Die rück­lau­fen­de Span­nung soll­te unter idea­len Ver­hält­nis­sen null sein, was in der Pra­xis aber nicht erreich­bar ist. Die hier vor­ge­stell­te Ver­si­on 1.7 erreicht für den gesam­ten Kurz­wel­len­be­reich eine Richt­schär­fe von bes­ser als ‑43 dB und selbst im 4‑m-Band noch knapp ‑34 dB. Das sind für den hier beab­sich­tig­ten Zweck mehr als gute Wer­te. Selbst für das 2‑m-Band wer­den noch ‑20 dB erreicht.

Der Kopp­lungs­ver­lust liegt bis in das 4‑m-Band bei den errech­ne­ten 26 dB. Dar­über fällt er etwas stär­ker ab, als bei dem vor­he­ri­gen Ver­suchs­auf­bau mit FT50-61 Ring­ker­nen. Zwei Deka­den abzu­decken ist ja auch nicht ganz selbstverständlich.

Die Durch­gangs­dämp­fung liegt mit 0,02~0,04 dB hart an der Gren­ze der Meß­ge­nau­ig­keit des ver­wen­de­ten Netz­werk­ana­ly­sa­tors. Idea­ler­wei­se wären hier 0,01 dB zu erwar­ten (10*log(1–1/400)).

Der inne­re blaue Kreis im Smith-Dia­gramm kenn­zeich­net ein SWR von 1,25. Im gesam­ten Bereich zwi­schen 1,8 MHz und 150 MHz liegt das SWR bei 1,02 bis maxi­mal 1,07

Das KiCad-Pro­jekt

Zusam­men­fas­sung

Der hier vor­ge­stell­te Richt­kopp­ler ist für den vor­ge­se­he­nen Ein­satz­zweck bis hin­auf zum 4‑m-Band sehr gut geeig­net. Wer bis in das 2‑m-Band arbei­ten will, soll­te eher den FT 50–61 Ring­kern neh­men, was auf Kosten des 160-m-Ban­des gehen könn­te. Even­tu­ell sind dann 22 bis 24 Win­dun­gen als Kom­pro­miss angemessen.

Vor­schau

Auch der oben schon gezeig­te Kopp­ler funk­tio­niert nun sehr gut. Die Ein­gangs­si­gna­le wer­den bis etwa ‑40 dBm erkannt und bis sind bis etwa ‑30 dBm gut mess­bar. Ich wer­de noch eini­ge Meß­rei­hen durch­zie­hen und dann hier berich­ten. Vor­ab schon­mal die Mes­sun­gen der Eingangsreflexion:

Nach­trag (24.07.2026)

Bei genau­er Betrach­tung der bis­he­ri­gen Mes­sun­gen (hier, hier und hier) hät­te auf­fal­len kön­nen, dass bei der oben gezeig­ten Mes­sung etwas nicht stim­men kann. Bei allen bis­he­ri­gen Mes­sun­gen wur­de die Iso­la­ti­on (und die dar­aus errech­ne­te Richt­schär­fe) bei nied­ri­gen Fre­quen­zen schlech­ter, d.h. die Kur­ve stieg an. Das war jeweils unter­halb der durch die Tra­fos vor­ge­ge­be­ne Min­dest­fre­quenz und daher nicht wei­ter stö­rend. Bei der oben gezeig­ten Mes­sung ist das aber nicht der Fall. Im Gegen­teil, die Iso­la­ti­on wird mit sin­ken­der Fre­quenz immer bes­ser und scheint gegen unend­lich zu lau­fen (also immer wei­ter nach unten). Das klei­ne Pla­teau ganz links ist ein Arte­fakt durch die Mit­te­lung benach­bar­ter Messwerte.

Das fiel mir erst bei der Inbe­trieb­nah­me des Richt­kopp­lers auf. Bei den gezeig­ten Mes­sun­gen schien er kor­rekt zu arbei­ten, aber lei­der nicht mehr, wenn die zu mes­sen­de Impe­danz am ANT-Port von 50 Ω abwich. Bei offe­nem oder kurz­ge­schlos­se­nem ANT-Port soll­te ja an UR die rück­lau­fen­de Span­nung anste­hen. Das war aber nicht der Fall, sie ging gegen null. Genaue­re Unter­su­chung mit einer Lupe ergab, dass wohl ein Dräht­chen des Abschirm­ge­flechts der Koax­ka­bel, die durch die Ring­ker­ne gehen, einen Kurz­schluss ver­ur­sacht hat. Nach der Besei­ti­gung die­ses Kurz­schlus­ses ergibt sich nun fol­gen­de Messung:

Die Mess­kur­ven zei­gen nun den aus den frü­he­ren Mes­sun­gen bekann­ten Anstieg bei nied­ri­gen Fre­quen­zen. Davon abge­se­hen wei­chen sie nicht wesent­lich von der oben gezeig­ten Mes­sung ab. Iso­la­ti­on und Richt­schär­fe sind 3~5 dB schlech­ter, was immer noch gut ist, bei 1,8 MHz aller­dings 30 dB schlech­ter. Das liegt dar­an, dass die vori­gen Mes­sun­gen bei nied­ri­gen Fre­quen­zen zu gut waren und dass das 160-m-Band nahe an der Gren­ze des Betriebs­be­reichs des Kopp­lers liegt. Wenn man 30 dB als Ziel­wert für die Richt­schär­fe for­dert, ist der Kopp­ler aber gut im gesam­ten Kurz­wel­len­be­reich vom 160-m- bis hin zum 4‑m-Band verwendbar.

Wie arbei­tet ein Kopp­ler unter­halb sei­ner Betriebsfrequenz?

Damit ein Trans­for­ma­tor mit einem ver­nünf­ti­gen Wir­kungs­grad arbei­tet, wird übli­cher­wei­se gefor­dert, dass sei­ne Impe­danz bei der Betriebs­fre­quenz ein viel­fa­ches sei­nes reel­len Wider­stands beträgt. Als ver­nünf­ti­ger Wert wird hier oft min­de­stens das fünf­fa­che gefor­dert. Wie oben beschrie­ben, haben die hier ver­wen­de­ten Spu­len eine Eigen­in­duk­ti­vi­tät von 176 µH. Der reel­le Wider­stand ist 50 Ω und somit soll­te der induk­ti­ve Wider­stand 250 Ω nicht unter­schrei­ten, das wären in die­sem Fall also 226 kHz. Also schau­en wir uns das Ver­hal­ten doch mal zwi­schen 5 kHz und 1 MHz an:

Die Kur­ven sind dar­ge­stellt wie gemes­sen, ohne Mit­tel­wert­bil­dung zum Aus­gleich loka­ler Abweichungen.

Bei sehr nied­ri­gen Fre­quen­zen wird die Durch­gangs­dämp­fung sehr groß. Das liegt schlicht­weg dar­an, dass die Spu­len dort prak­tisch einen Kurz­schluss dar­stel­len. Das fängt bei 200 kHz an, sich deut­lich zu bes­sern, was sich mit dem oben genann­ten Wert von 226 kHz deckt. Ab 700 kHz wird eine Richt­schär­fe von 30 dB erreicht, was mit einer klei­nen Sicher­heits­mar­ge also einen Betrieb ab 1 MHz gewähr­lei­stet. Die Durch­gangs­dämp­fung liegt bei weni­ger als 0,1 dB, was einen nor­ma­ler­wei­se trag­ba­ren Ver­lust von etwa 2% bedeutet.

Der Kopp­lungs­ver­lust ist schon weit unter 100 kHz in dem durch das Wick­lungs­ver­hält­nis vor­ge­ge­be­nen Bereich. Auch wenn die Durch­gangs­dämp­fung da noch sehr groß ist, funk­tio­nie­ren die Über­tra­ger also. Bei 21 kHz liegt die Durch­gangs­dämp­fung übri­gens bei 3 dB (hier nicht gezeigt) und da wird dann die Hälf­te der Ein­gangs­lei­stung in den Spu­len verbraten.

Gren­zen der Isolationsmessung

War­um wird die Iso­la­ti­on über­haupt mit sin­ken­der Fre­quenz schlech­ter (stei­gen­der dB-Wert)? Hier noch­mal der Schaltplan:

Die Iso­la­ti­on ist das Ver­hält­nis der an UR gemes­se­nen Span­nung zur Ein­gangs­span­nung TRX. UR ist die Sum­me der vom Strom­über­tra­ger T1 und der vom Span­nungs­über­tra­ger T2 gelie­fer­ten Span­nun­gen. Bei idea­ler Anpas­sung soll­ten sie sich kom­pen­sie­ren und UR soll­te 0 V sein. In der Pra­xis funk­tio­niert das aber nur in einem bestimm­ten Fre­quenz­be­reich. Mit stei­gen­der Fre­quenz erhöht sich die kapa­zi­ti­ve Kopp­lung der Pri­mär- und Sekun­där­wick­lun­gen der jewei­li­gen Spu­le. T2 kop­pelt daher zuneh­mend mehr Span­nung auf UR, die von T1 nicht mehr kom­pen­siert wer­den kann. Bei nied­ri­gen Fre­quen­zen beginnt irgend­wann T2 zu schwä­cheln und kann die von T1 gelie­fer­te Span­nung nicht mehr kom­pen­sie­ren. Dadurch wird die Iso­la­ti­on mit sin­ken­der Fre­quenz eben­so schlechter.

SWV-Mess­brücken

Mein näch­ster Anten­nen­tu­ner soll das Steh­wel­len­ver­hält­nis mes­sen kön­nen, also muss­te ich mich mal etwas inten­si­ver mit den übli­chen Mess­ver­fah­ren aus­ein­an­der­set­zen. Ich gebe offen zu, daß ein Steh­wel­len­mess­ge­rät für mich immer etwas sehr myste­riö­ses war. Wie kann man ste­hen­de Wel­len mit einem Gerät mes­sen, das deut­lich klei­ner ist, als die Wel­len­län­ge, die es misst? Und noch viel myste­riö­ser: wie unter­schei­det man, in wel­che Rich­tung eine Wel­le läuft? Schließ­lich zeigt das Steh­wel­len­mess­ge­rät doch angeb­lich das Ver­hält­nis der maxi­ma­len zur mini­ma­len Span­nung auf der Lei­tung an, das sich aus dem Refle­xi­ons­fak­tor, dem Ver­hält­nis aus rück­lau­fen­der zu vor­lau­fen­der Span­nung ergibt. Oder doch nicht?

Ein Arti­kel Tho­mas, DC7GB im Funk­ama­teur1 kam zur rich­ti­gen Zeit. Hier wird das gro­ße Geheim­nis gelüf­tet und ich hab’s ja schon immer geahnt: ein Steh­wel­len­mess­ge­rät misst weder ste­hen­de Wel­len noch vor­lau­fen­de oder rück­lau­fen­de Spannung.

Kur­zer Ein­schub: Der Autor legt gro­ßen Wert auf die Fest­stel­lung, daß ent­ge­gen der übli­chen Legen­de kei­ne Lei­stung hin- und her­läuft, son­dern Ener­gie. Lei­stung wird durch Ener­gie an einem Ort ver­rich­tet, bei­spiels­wei­se an der Last, indem dort Ener­gie umge­wan­delt wird. Als Phy­si­ker gebe ich ihm völ­lig recht und dan­ke für die Klarstellung.

Als Maß für die Lei­stung wird die Span­nung ver­wen­det, die bei gleich­blei­ben­der Impe­danz pro­por­tio­nal zur Ener­gie ist. Sie hat den Vor­teil, deut­lich anschau­li­cher und leich­ter mess­bar zu sein. Daher wird nach­fol­gend von vor- und rück­lau­fen­der Span­nung die Rede sein.

Der Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richtkoppler

Rein­hard, DC5ZM, erklärt in einem wei­te­ren Arti­kel im Funk­ama­teur2 die Funk­ti­ons­wei­se eines Steh­wel­len­mess­ge­räts am Bei­spiel eines Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richtkopplers.

Der Richt­kopp­ler misst schlicht­weg die Anpas­sung an die Last, genau­er gesagt, die Span­nung an der Last und die Strom­stär­ke durch die Last. Wenn die Last den gewünsch­ten reel­len Abschluss­wi­der­stand hat, dann heben sich bei­de Mess­wer­te unab­hän­gig von der ein­ge­spei­sten Lei­stung auf und dar­aus folgt, daß der rück­lau­fen­de Anteil und damit der Refle­xi­ons­fak­tor Γ null ist. Das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist eins.

Schal­tung des Richtkopplers

Für die Simu­la­ti­on soll die von DC5ZM gezeig­te Schal­tung ver­wen­det werden:

Sie ist m.E. wegen der mit­tel­an­ge­zapf­ten Sekun­där­spu­le des Strom­über­tra­gers anschau­li­cher, als die wei­ter unten gezeig­te Alter­na­tiv­lö­sung. Hier ist die LTSpi­ce Datei.

Funk­ti­ons­wei­se

Der Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­ler besteht aus zwei Trans­for­ma­to­ren, näm­lich L13 (L1-L2-L3) und L45 (L4-L5). L13 ist ein Strom­trans­for­ma­tor mit der Sekun­där­wick­lung L23, die eine Mit­tel­an­zap­fung hat. Hier wird ein Strom indu­ziert, der pro­por­tio­nal zu dem durch L1 und die Last R4 flie­ßen­den Strom ist. L45 trans­for­miert die Span­nung ULast im glei­chen Ver­hält­nis wie L13 auf sei­ne Sekun­där­spu­le L4. Die Mit­te von L23 wird um die trans­for­mier­te Span­nung an der Last ange­ho­ben, wäh­rend durch R1 und R2 der trans­for­mier­te Last­strom fließt. Da R1 und R2 den­sel­ben Wider­stand haben, wie die Last, heben sich am Kno­ten UR bei­de Span­nun­gen auf, wäh­rend sie sich an UF ver­dop­peln. Weicht der Last­wi­der­stand von 50 Ω ab, dann wird ent­we­der die gemes­se­ne Strom­stär­ke oder die Span­nung grö­ßer und UR wird ungleich null. DC5ZM zeigt in sei­nem Bei­trag, daß das Ver­hält­nis von UR zu UF tat­säch­lich dem Refle­xi­ons­fak­tor ent­spricht, aus dem sich das Steh­wel­len­ver­hält­nis errech­nen lässt (sie­he Anhang).

Auch die Pha­sen­ver­schie­bung zwi­schen Strom und Span­nung ist prin­zi­pi­ell mess­bar. Sie geht bei den übli­chen Steh­wel­len­mess­ge­rä­ten aller­dings durch die Gleich­rich­tung von UR und UF an einer Diode verloren.

Simu­la­ti­on mit LTspice

Der Richt­kopp­ler soll nun mit der oben gezeig­ten Schal­tung simu­liert wer­den. Spi­ce kennt bei der Simu­la­ti­on von Trans­for­ma­to­ren kei­ne Win­dungs­zah­len. Daher kann man das Über­tra­gungs­ver­hält­nis nicht direkt ange­ben. Es ergibt sich aber aus der Qua­drat­wur­zel des Induk­ti­vi­täts­ver­hält­nis­ses. Hier wur­de für L45 1 mH zu 400 nH gewählt, also ein Fak­tor von 2.500, was einem Über­tra­gungs­ver­hält­nis von 50:1 ent­spricht. L2 und L3 haben jeweils nur 250 µH, sind aber auf dem glei­chen Kern gewickelt und haben daher zusam­men auch 1 mH, also das­sel­be Über­tra­gungs­ver­hält­nis wie L45.

Die Kop­pel­fak­to­ren sind mit „K1 L1 L2 L3 1“ und „K2 L4 L5 1“ als ide­al ange­nom­men, damit „Dreck­ef­fek­te“ nicht das Ver­ständ­nis stö­ren. Für einen prak­tisch auf­ge­bau­ten Kopp­ler wird man hier eher 0.9 statt 1 wählen. 

L1 und L4 bestehen gewöhn­lich nur aus einem Stück Draht, also einer ein­zi­gen Win­dung. L23 und L5 wer­den als Ring­kern­spu­le dar­über gescho­ben. Sie hät­ten in der hier gezeig­ten Dimen­sio­nie­rung also 50 Win­dun­gen. Die Induk­ti­vi­tät der Ring­kern­spu­le eines prak­ti­schen Auf­baus liegt wegen ihres Fer­rit­kerns tat­säch­lich im Millihenry-Bereich.

Prak­ti­sche Bei­spie­le mit Fotos fin­det man bei­spiels­wei­se bei DJ0ABR hier und hier oder auch in einem Arti­kel von DF1RN im CQ DL3.

Simu­la­ti­ons­er­geb­nis­se für aus­ge­wähl­te Lastwiderstände

Schau­en wir uns zunächst den Fall der idea­len Anpas­sung an, R4 hat 50 Ω.

V(uf) ist die vor­lau­fen­de Span­nung am Mess­punkt UF, V(ur) ist die rück­lau­fen­de Span­nung an UR, jeweils gegen Mas­se gemes­sen. Der Refle­xi­ons­fak­tor ist null und das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist eins.

Bei Fehl­an­pas­sung ändern sich die Ver­hält­nis­se. Hier ist der Last­wi­der­stand auf 10 Ω reduziert:

Jetzt wird UR grö­ßer null und ist gegen­pha­sig zu UF. Rech­nen wir der Ein­fach­heit hal­ber mit den Spit­zen­span­nun­gen, dann ist UF jetzt 200 mV und UR 133 mV. Der Refle­xi­ons­fak­tor ist nun 0,667 und das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist 5.

Bei einem Last­wi­der­stand von 150 Ω dre­hen sich die Pha­sen­ver­hält­nis­se um:

Jetzt ist die rück­lau­fen­de Wel­le gleich­pha­sig zur vor­lau­fen­den Wel­le. Der Refle­xi­ons­fak­tor ist mit UF=200 mV und UR=100 mV 0,5 und das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist 3.

Da Spi­ce nicht gut auf ech­te Kurz­schlüs­sen und ech­te offe­ne Lasten zu spre­chen ist, nähern wir sie mit 0,1 Ω und 100 kΩ an.

Beim kurz­ge­schlos­se­nen Ende wird die Span­nung gegen­pha­sig zu 100% reflek­tiert, der Refle­xi­ons­fak­tor ist also 1. Damit wird das SWR unendlich.

Bei offe­nem Ende wird die vor­lau­fen­de Span­nung eben­falls zu 100% reflek­tiert, dies­mal aller­dings gleich­pha­sig. Das führt zum glei­chen Ergeb­nis, der Refle­xi­ons­fak­tor ist 1 und das Steh­wel­len­ver­hält­nis wird wie­der unendlich.

Alter­na­ti­ve Schaltung

Hier das alter­na­ti­ve Schalt­bild des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richtkopplers:

Die Funk­ti­ons­wei­se ist etwas schwie­ri­ger zu durch­schau­en, aber die­sel­be wie die der oben gezeig­ten und simu­lier­ten Ver­si­on. Wegen der feh­len­den Mit­ten­an­zap­fung an der Spu­le L2 ist sie beim rea­len Auf­bau etwas ein­fa­cher zu realisieren.

Anmer­kung (20.03.2025)

Nach­dem ich nun seit eini­gen Wochen an der Soft­ware mei­nes Gam­ma-Meß­ge­rä­tes arbei­te, stel­le ich nun doch einen signi­fi­kan­ten Unter­schied der bei­den gezeig­ten Vari­an­ten des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­lers fest: die letzt­ge­nann­te tat­säch­lich auf­ge­bau­te aber bis­her nicht simu­lier­te Vari­an­te dreht die Pha­se der rück­lau­fen­den Span­nung um 180°. Das bedeu­tet, daß die reflek­tier­te Span­nung bei offe­nem Aus­gang um 180° ver­scho­ben, bei kurz­ge­schlos­se­nem Aus­gang aber pha­sen­gleich ist. Das ist genau anders­her­um, als es sein soll­te, aber in der Soft­ware so ein­fach zu behe­ben, daß ich es unbe­wusst schon gemacht habe. Weil das Meß­er­geb­nis nicht stimm­te und ich einen Vor­zei­chen­feh­ler ver­mu­te­te, habe ich an geeig­ne­ter Stel­le das Vor­zei­chen geän­dert ohne der Ursa­che auf den Grund zu gehen. Sowas soll­te man natür­lich nie­mals machen, irgen­wann beißt einen das ganz schreck­lich. Aber wenn man’s eilig hat…

Die Ursa­che für die Pha­sen­dre­hung kann man sich leicht klar­ma­chen. Bei einem Kurz­schluß ist R4 = 0 Ω und an L4 liegt kei­ne Span­nung an. Auch L3 ist damit span­nungs­los und UF und UR haben die glei­che Span­nung, die über L1 in L2 indu­ziert wird, weil ja ein hoher Strom fließt. Im gegen­tei­li­gen Fall, wenn R4 = ∞ ist, fließt durch L1 kein Strom und L2 bleibt span­nungs­los. L4 indu­ziert aber eine Span­nung in L3, die dann gegen­pha­sig an UF und UR anliegt. Das lässt sich durch Dre­hen der Spu­len nicht hei­len, die indu­zier­te Span­nung bleibt immer noch gegenphasig.

Anhang

Hier folgt eine kur­ze Zusam­men­fas­sung der in die­sem Arti­kel ver­wen­de­ten Grundlagen.

Eine Über­tra­gungs­lei­tung hat eine cha­rak­te­ri­sti­sche Impe­danz Z0, im Ama­teur­funk in der Regel 50 Ω, in der Radio- und Fern­seh­tech­nik 75 Ω. Wenn die Last ZL am Ende der Lei­tung die­sel­be Impe­danz hat, wird die an der Quel­le ein­ge­spei­ste Span­nung kom­plett in der Last umge­wan­delt bzw. abge­strahlt. Weicht die Impe­danz der Last von der Impe­danz der Lei­tung ab, wird ein Teil der Span­nung reflek­tiert. Der Refle­xi­ons­fak­tor r, oft auch mit dem grie­chi­schen Buch­sta­ben Γ (Gam­ma) bezeich­net, ist das Maß dafür:

UF (for­ward) ist die vor­lau­fen­de, UR (rever­se) die rück­lau­fen­de Span­nung. Der Betrag der rück­lau­fen­den Span­nung ist immer klei­ner oder gleich der vor­lau­fen­den Span­nung. Bei einem offe­nen Kabel­en­de hat sie das­sel­be Vor­zei­chen, wie die hin­lau­fen­de Span­nung, bei einem kurz­ge­schlos­se­nen Kabel aber ein nega­ti­ves Vor­zei­chen. Der Refle­xi­ons­fak­tor kann damit zwi­schen ‑1 und +1 lie­gen. Bei idea­ler Anpas­sung ist r = 0.

Der Refle­xi­ons­fak­tor kann auch direkt aus den Impe­dan­zen berech­net werden:

Hier erkennt man, daß der Refle­xi­ons­fak­tor tat­säch­lich eine kom­ple­xe Grö­ße ist.

Hin- und rück­lau­fen­de Span­nun­gen über­la­gern sich auf der Über­tra­gungs­lei­tung, so daß Orte unter­schied­li­cher Span­nun­gen ent­ste­hen, soge­nann­te ste­hen­de Wel­len. Das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist als das Ver­hält­nis der maxi­ma­len Span­nung zur mini­ma­les Span­nung definiert:

Mit UR = r * UF kann man die­se Glei­chung umformen:

Refe­ren­zen

  1. Tho­mas Schil­ler, DC7GB, Wie funk­tio­nie­ren Richt­kopp­ler und SWV-Mess­brücken?, Funk­ama­teur 12|23, Sei­te 967ff ↩︎
  2. Rein­hard Weber, DC5ZM, AI6PK, Was misst ein Steh­wel­len­mess­ge­rät?, Funk­ama­teur 6|20, Sei­te 513 ↩︎
  3. Prof. Dr. Rein­hard Noll, DF1RN, Kenn­grö­ßen eines Richt­kopp­lers, CQ DL 10|2017, Sei­te 30ff ↩︎