Gam­ma-Mess­ge­rät – Der ech­te erste Prototyp

Der Vor­gän­ger

In einem Bei­trag Anfang des Jah­res hat­te ich einen ersten Pro­to­typ des Gam­ma-Mess­ge­rä­tes beschrie­ben. Das dort vor­ge­stell­te Board habe ich nie gefer­tigt, weil es mich selbst nicht rich­tig über­zeugt hat. Ich bin inzwi­schen auf die Gowin FPGAs gesto­ßen, die auf den Tang Boards von Sipeed ein­ge­setzt wer­den. Sie haben mich förm­lich elek­tri­siert und das habe ich in einem ersten Bei­trag auch schon beschrieben.

Der ech­te Prototyp

Das neue Design des Gam­ma-Mess­ge­rä­tes ver­wen­det nun ein Tang Pri­mer 25K Board mit einem Gowin GW5A-LV25MG121NC1/I0 FPGA. Fünf Lei­ter­plat­ten, zwei davon bestückt, lie­gen seit einer Woche auf mei­nem Bastel­tisch und der ein­zi­ge Feh­ler, den ich bis­her gefun­den habe ist, daß die grü­ne LED, die die Ver­sor­gungs­span­nung anzeigt, viel zu hell leuch­tet. Damit kann man leben. In die­sem Bei­trag soll die Hard­ware und eini­ge grund­le­gen­de Mes­sun­gen beschrie­ben wer­den, ein wei­te­rer Bei­trag über die Soft­ware und den FPGA-RTL-Code wird fol­gen. Soviel schon­mal hier: es läuft.

Tang Pri­mer 25K

Noch­mal zur Erin­ne­rung: was ist ein Tang Pri­mer 25K? Tang Pri­mer 25K besteht aus einem Basis-Board und einem dar­auf auf­ge­steck­ten Core-Board.

Tang Pri­mer 25K Core-Board

Das Tang Pri­mer 25K Core-Board ist nur 23 mm x 18 mm groß und beinhal­tet das oben genann­te FPGA, einen seri­el­len FLASH-Spei­cher, einen 50 MHz Quarz­os­zil­la­tor und die not­wen­di­gen Spannungsregler.

Beim Ein­schal­ten der Betriebs­span­nung wird auto­ma­tisch die FPGA-Kon­fi­gu­ra­ti­on und even­tu­ell die Soft­ware für einen Mikro­pro­zes­sor in das FPGA gela­den. Die­ses Core-Board wird über zwei jeweils 60-poli­ge Sub­minia­tur Steck­ver­bin­der aus der DF40-Serie von Hiro­se mit dem Tang 25K Basis­board oder einem selbst zu bau­en­den Appli­ka­ti­ons­board verbunden.

Tang Pri­mer 25K Basis-Board

Das Basis-Board stellt unter ande­rem eine USB-Schnitt­stel­le zur Außen­welt und eine zwei­rei­hi­ge 100-mil-Pfo­sten­lei­ste zur Ver­fü­gung. Die Span­nungs­ver­sor­gung und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem PC erfolgt über USB, mehr braucht man nicht für erste Versuche.

Die Lei­ter­plat­te des Gamma-Messgeräts

Hier zunächst der Schaltplan:

und das fer­ti­ge Board in der KiCad-3D-Ansicht:

Hier ist die Lei­ter­plat­te mit auf­ge­steck­tem Tang Pri­mer 25K Core-Board zu sehen. Alter­na­tiv, bevor­zugt zu Ent­wick­lungs­zwecken, kann das Tang Pri­mer 25K Basis-Board (hier nicht gezeigt) von unten in die Pfo­sten­lei­ste ein­ge­steckt wer­den. Auch die optio­na­len Blue­tooth und USB-Modu­le sind hier gezeigt. Statt BT oder USB kann auch die RS-485-Schnitt­stel­le zur Kom­mu­ni­ka­ti­on benutzt wer­den. Das kom­plet­te KiCad-Pro­jekt kann hier zur frei­en Ver­fü­gung her­un­ter­ge­la­den werden:

Die HF-Ein­gän­ge

Die vom Richt­kopp­ler erfass­ten Vor­lauf- und Rück­lauf­span­nun­gen wer­den an die Ports J1 und J2 ein­ge­speist. Das sind SMA Buch­sen, die jeweils mit zwei par­al­lel­ge­schal­te­ten 105-Ω-Wider­stän­den ter­mi­niert sind. Das ergibt nomi­nal einen Wider­stand von 52,5 Ω, aber mit den wei­te­ren Ein­gangs­wi­der­stän­den soll­ten sich ziem­lich genau die not­wen­di­gen 50 Ω erge­ben. Die Mes­sun­gen wei­ter unten zei­gen, daß das nicht ganz hin­kommt. Die bei­den Wider­stän­de haben die SMD Bau­grö­ße 2010 und kön­nen jeweils 500 mW ver­tra­gen, zusam­men als 1 W. Damit kann ein Richt­kopp­ler mit 30 dB Kop­pel­dämp­fung zumin­dest theo­re­tisch an einen 1‑kW-Sen­der ange­schlos­sen wer­den. Auf jeden Fall bleibt eine hin­rei­chen­de Sicher­heits­mar­ge zu den 100 W, die mein IC-7300 lie­fern kann.

Pegel­wand­lung

Zur Wand­lung der Vor­lauf- und Rück­lauf­pe­gel wird jeweils ein Klas­si­ker ein­ge­setzt, ein log­arith­mi­scher Ver­stär­ker vom Typ AD8307A (U1 und U2). Er lie­fert an sei­nem Aus­gang eine Span­nung, die den Ein­gangs­pe­gel log­arith­misch abbil­det, also pro­por­tio­nal zum Ein­gangs­pe­gel in dBm ist. Den log­arith­mi­schen Ver­stär­kern ist noch ein 6 dB Dämp­fungs­glied vor­ge­schal­tet, das mit 3 dB Reser­ve für einen 100-W-Sen­der dimen­sio­niert ist, denn der AD8307A ver­trägt maxi­mal 17 dBm an sei­nem Ein­gang. Für grö­ße­re Lei­stun­gen müs­sen die­se Dämp­fungs­glie­der also anders dimen­sio­niert werden.

Ana­log-Digi­tal Wand­ler ADS1118

Die Aus­gän­ge der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker sind über RC-Tief­päs­se auf die Ana­log­ein­gän­ge des 16-bit AD-Kon­ver­ters ADS1118 U3 geschal­tet. Der hat einen vier­fa­chen Ein­gangs­mul­ti­ple­xer und kann zusätz­lich als fünf­ten Kanal noch die Tem­pe­ra­tur mes­sen. Er kann knapp 1000 Mes­sun­gen pro Sekun­de aus­füh­ren, was für die beab­sich­ti­ge Mess­pe­ri­ode von 10 ms mehr als aus­rei­chend ist. Für die ersten Ver­su­che habe ich ihn auf 128 SPS (samples per second) gedros­selt, was der Mess­ge­nau­ig­keit zugu­te kommt. Die Beschal­tung ist ein­fach, weil die Refe­renz­span­nung intern erzeugt wird. Die Daten­über­tra­gung erfolgt seri­ell über eine SPI-Schnitt­stel­le und so passt er bequem in ein klei­nes 10-Pin-Gehäu­se. Wie im Daten­blatt emp­foh­len, sind jeweils 33-Ω-Wider­stän­de seri­ell in die Über­tra­gungs­lei­stun­gen geschal­tet. Die anson­sten unbe­nutz­ten Ana­log­ein­gän­ge AIN0 und AIN1 mes­sen die Ver­sor­gungs­span­nung VIN und VDD033.

Digi­ta­li­sie­rung der HF-Signale

Im FPGA soll die Pha­sen­ver­schie­bung zwi­schen vor- und rück­lau­fen­dem Signal gemes­sen wer­den, denn aus den Pegeln kann man nur das Steh­wel­len­ver­hält­nis, aber nicht den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma errech­nen. Zur digi­ta­len Wei­ter­ver­ar­bei­tung der HF-Signa­le im FPGA müs­sen sie also digi­ta­li­siert werden.

Wie im ersten PoC-Board wer­den dazu auch hier wie­der schnel­le Kom­pa­ra­to­ren benö­tigt. Statt der dort ver­wen­de­ten TLV3501 wur­de jetzt aber die schnel­le­re Vari­an­te TLV3601 ein­ge­setzt, die mit 325 MHz Schalt­fre­quenz und 2,5 ns Ver­zö­ge­rung spe­zi­fi­ziert ist. Die vor­he­ri­ge Schal­tung wur­de im wesent­li­chen bei­be­hal­ten. Die Kapa­zi­tät der Kop­pel­kon­den­sa­to­ren C10 und C11 wur­de von 1 nF auf 100 nF erhöht um ein bes­se­res Ver­hal­ten bei nied­ri­gen Fre­quen­zen sicher­zu­stel­len. Außer­dem wur­den Dop­pel­schott­ky­di­oden des Typs BAS70-04 zum Kap­pen even­tu­el­ler Span­nungs­spit­zen vor­ge­se­hen. Falls tat­säch­lich 1 W am Ein­gang anliegt, hat man eine Spit­zen­span­nung von 10 V, die den zuläs­si­gen Ein­gangs­pe­gel der Kom­pa­ra­to­ren über­steigt. Die­se Dioden wären übri­gens laut Daten­blatt ver­zicht­bar, wenn der Ein­gangs­strom auf 10 mA limi­tiert wird. Dazu müss­ten aber die Wider­stän­de R24 und R26 auf knapp 1 kΩ erhöht werden.

Das Prin­zip der Digi­ta­li­sie­rung ist übri­gens ziem­lich banal. Die Span­nungs­tei­ler aus zwei 100-kΩ-Wider­stän­den zie­hen den Gleich­span­nungs­pe­gel auf die Mit­te der Ver­sor­gungs­span­nung. Die­ser Pegel liegt über einem 100-kΩ/10-nF-Tief­pass am nega­ti­ven Ein­gang des Kom­pa­ra­tors an. Damit wird der HF-Anteil der Ein­gangs­si­gna­le weit­ge­hend unter­drückt. Prak­tisch unge­dämpft gelangt die HF aber an den posi­ti­ven Ein­gang und schal­tet den Aus­gang des Kom­pa­ra­tors ein oder aus.

Die Ein­gangs­hy­ste­re­se ist mit typisch 3 mV ange­ge­ben (min. 1,5 mV, max. 5 mV). Das bedeu­tet, daß das posi­ti­ve Signal min­de­stens um die­se Hyste­re­se vom nega­ti­ven Ein­gangs­si­gnal abwei­chen muß, damit der Aus­gang umschal­tet. Das führt zu Mess­feh­lern, die sich bei gleich gro­ßen vor- und rück­lau­fen­den Signal­pe­geln und glei­chen Eigen­schaf­ten der bei­den Kom­pa­ra­to­ren auf­he­ben. Der Feh­ler wird aber grö­ßer, wenn einer der Pegel sehr nied­rig ist oder die Exem­plar­streu­ung zwi­schen bei­den Kom­pa­ra­to­ren groß ist. Gera­de bei guter Anpas­sung, also gerin­ger Rück­lauf­span­nung, wird damit die Pha­sen­ver­schie­bung nur noch schwer oder über­haupt nicht mehr messbar.

Damit kann man eine Abschät­zung über die zu erwar­ten­de Emp­find­lich­keit machen. Fällt Vp unter 5 mV, kann man kei­ne siche­re Erken­nung des Signals mehr erwar­ten. Das ist eine Effek­tiv­span­nung von etwa 3,5 mV, also etwa ‑36 dBm. Eine auch nur halb­wegs prä­zi­se Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung benö­tigt ein stär­ke­res Signal.

Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schnitt­stel­len

Zur Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Außen­welt sind drei alter­na­ti­ve seri­el­le Schnitt­stel­len vor­ge­se­hen. Für mei­ne Pro­jek­te im Außen­be­reich ver­wen­de ich sehr ger­ne eine RS-485-Schnitt­stel­le mit Fern­spei­sung der Gerä­te über bis zu 40 V‑Gleichspannung (aktu­ell 32 V). Die­ser Bus wird über J3 ange­schlos­sen und die Ver­sor­gungs­span­nung mit U4 auf 5 V sta­bi­li­siert. U10 ist das zuge­hö­ri­ge phy­si­ka­li­sche Inter­face. Alter­na­tiv kann auf den Sockel U9 ein Blue­tooth-Modul auf­ge­steckt wer­den oder auf U8 ein RS232-USB-Kon­ver­ter. In der aktu­el­len Ent­wick­lungs­pha­se am PC ist der RS232-USB-Kon­ver­ter die idea­le Wahl.

Das Tang Pri­mer FPGA-Board

Auf die Buch­sen­lei­ste J16 auf der Unter­sei­te kann das Tang Pri­mer 25K Basis-Board direkt auf­ge­steckt wer­den. Für die Ent­wick­lungs­pha­se ist das sehr prak­tisch, denn es bringt die Pro­gram­mier­schnitt­stel­le zum PC und die Span­nungs­ver­sor­gung direkt mit. Man kann in weni­gen Sekun­den den FPGA-Code per USB in den Pro­to­ty­pen laden.

Das Tang Pri­mer 25K Core-Board kann alter­na­tiv (nicht gleich­zei­tig!) in J11 und J13 auf der Ober­sei­te ein­ge­steckt wer­den. Ein zukünf­ti­ges Appli­ka­ti­ons­board wird nur noch ein Core-Board unter­stüt­zen, nicht das Basis-Board.

Die Span­nungs­ver­sor­gung

Alle Kom­po­nen­ten des Pro­to­ty­pen wer­den mit 3,3 V ver­sorgt. Die­se Span­nung wird mit dem Line­ar­reg­ler U7 aus 5 V (VDD050) erzeugt. Als Quel­le für VDD050 kann über einen Jum­per auf der Stift­lei­ste J4 ent­we­der das Basis-Board (VINDOCK), das USB-Modul (VINUSB) oder der eige­ne Span­nungs­wand­ler aus­ge­wählt werden.

Test­pins

Der hier gezeig­te Pro­to­typ hat zu Mess- und Ent­wick­lungs­zwecken eini­ge Test­pins, Taster und LEDs die auf einem spä­te­ren Appli­ka­ti­ons­board ent­fal­len wer­den. J12, J15 und J17 sind frei ver­wend­ba­re Stift­lei­sten, die an FPGA-Pins ange­schlos­sen sind. Bei ihnen ist jeweils der dem Signal gegen­über­lie­gen­de Pin an GND ange­schlos­sen. Da lässt sich jeweils sehr bequem ein Ein­gangs­ka­nal eines Logik­ana­ly­sa­tors anschlie­ßen. J12 war ursprüng­lich ein vier­fach DIP-Schal­ter, daher die Bezeich­nun­gen DSW[1..4]. Hier kön­nen Jum­per auf­ge­steckt wer­den oder alter­na­tiv wei­te­re Kanä­le eines Logikanalysators.

MMCX Koax-Steck­ver­bin­der

Außer den genann­ten Test­pins sind eine hand­voll weib­li­che 50-Ω-MMCX-Sockel zum Anschluß eines Oszil­lo­skops oder eines Spek­trum­ana­ly­sa­tors vor­ge­se­hen. Sie bie­ten eine bes­se­re Signal­qua­li­tät als die übli­chen Pro­bes, die immer deut­li­che Über­schwin­ger wegen der unver­meid­li­chen Induk­ti­vi­tä­ten des Mas­se­an­schlus­ses zei­gen. Da sie aller­dings mit 50-Ω-Koax­ka­beln ange­schlos­sen wer­den, müs­sen sie im Oszil­lo­skop auch mit 50 Ω ter­mi­niert wer­den. Das ist in vie­len Fäl­len zu nie­der­oh­mig, so daß Seri­en­wi­der­stän­de von 450 Ω oder 4950 Ω vor­ge­schal­tet wur­den. Zusam­men mit der Ter­mi­nie­rung ergibt sich damit ein Span­nungs­tei­ler von 10:1 oder 100:1. Auch im 100:1‑Fall bleibt eine mit­te­loh­mi­ge Last von 5 kΩ, was für man­che Fäl­le noch zu nied­rig ist. Mess­ergeb­nis­se für das 10:1‑Port TO2 sind wei­ter unten gezeigt.

Die Wer­te der hier imple­men­tier­ten Wider­stands­netz­wer­ke sind rein prak­ti­scher Natur: „basic parts“ beim Lei­ter­plat­ten­her­stel­ler sind immer auf dem Bestückungs­au­to­ma­ten ver­füg­bar und kosten nichts (eini­ge „mil­li­cent“), „exten­ded parts“, die manu­ell in den Auto­ma­ten ein­ge­legt wer­den müs­sen, kosten ein­ma­lig 3 €. Gera­de bei gerin­gen Lei­ter­plat­ten-Stück­zah­len nimmt man also am besten das, was ohne­hin da ist.

Mess­ergeb­nis­se

In die­sem Abschnitt wer­den die Mess­ergeb­nis­se gezeigt, die mit einem Netz­werk­ana­ly­sa­tor bzw. einem Signal­ge­nera­tor an den HF-Ein­gän­gen erzielt wur­den. Es soll der nutz­ba­re Ein­gangs­fre­quenz- und Ein­gangs­span­nungs­be­reich ermit­telt werden.

Mes­sung der Eingangsimpedanzen

Zunächst soll die Ein­gangs­im­pe­danz über den Betriebs­fre­quenz­be­reich und etwas dar­über hin­aus gemes­sen wer­den. Hier die bei­den Mes­sun­gen zwi­schen 100 kHz und 150 MHz:

Das Ver­hal­ten bei­der Ports ist prak­tisch gleich. Sie ver­hal­ten sich erwar­tungs­ge­mäß leicht kapa­zi­tiv. Am Ende des Kurz­wel­len­be­reichs bei 30 MHz wird der Real­an­teil der Impe­danz ziem­lich genau 50 Ω. Das SWR bleibt bis 50 MHz unter 1,2. Natür­lich kann man immer bestrebt sein, die Wer­te wei­ter zu ver­bes­sern, aber für mei­ne Ama­teur­zwecke bin ich damit zufrieden.

Bei einem Rede­sign wer­de ich trotz­dem noch etwas fei­len. Da bie­ten sich zunächst die Ein­gangs­wi­der­stän­de an. Bei 1 MHz zeigt sich ziem­lich genau die reel­le Impe­danz der par­al­lel­ge­schal­te­ten Wider­stän­de von 2 * 105 Ω und 3.2 kΩ von etwa 51,5 Ω. Die bei­den 6‑dB-Dämp­fungs­glie­der soll­ten also bes­ser auf nomi­nal 1050 Ω redu­ziert wer­den. Die Mes­sung zeigt außer­dem, daß eine kapa­zi­ti­ve Last von 10 bis 12 pF an den Ports anliegt. Sie wird sicher­lich zum Teil von der Kapa­zi­tät der Pads gegen die direkt dar­un­ter­lie­gen­de Mas­se­flä­che ver­ur­sacht. Die kann man bei einem neu­en Design an den Stel­len weg­las­sen und so ein paar pF gewinnen.

Mes­sung der log­arith­mi­schen Verstärker

Die­se Mes­sun­gen sol­len klä­ren, in wel­chem Fre­quenz- und Ein­gangs­pe­gel­be­reich die Digi­tal­wand­lung zuver­läs­sig funk­tio­niert und inner­halb wel­cher Gren­zen mit wel­chen Mess­feh­lern gerech­net wer­den muß. Außer­dem soll gezeigt wer­den, ob es eine Abwei­chung der Pha­sen­la­ge bei­der Kanä­le gibt und falls ja, wie groß sie ist.

Wie beim aller­er­sten PoC-Board sol­len die Mes­sun­gen exem­pla­risch bei 10 MHz und Ein­gangs­pe­geln zwi­schen ‑70 dBm und +23 dBm gemes­sen wer­den. Hier das Ergebnis:

Das sieht in einem wei­ten Bereich sehr schön line­ar aus und wie beim PoC-Board ist auch hier wie­der eine kon­stan­te Abwei­chung von der Ide­al­li­nie um ‑2 bzw. ‑4 dB zu sehen. LOGUR über­schrei­tet damit den im Daten­blatt spe­zi­fi­zier­ten Bereich von 3 dB um etwa 1 dB. Die Ursa­che mag ein Feh­ler mei­ner­seits beim Lay­out sein, er beun­ru­higt mich aber nicht, denn gera­de weil die Kur­ven so schön line­ar sind, lässt sich der Feh­ler leicht per Soft­ware korrigieren.

Beun­ru­hi­gend ist aber das Abknicken der Kur­ven bei Ein­gangs­pe­geln über 0 dBm. Das ist ein kras­ser Unter­schied zum PoC-Board und die Ursa­che kann nur der jet­zi­ge Betrieb mit 3,3 V sein, wäh­rend das vor­he­ri­ge Board mit 5 V betrie­ben wur­de. Irgend­was geht irgend­wo in die Sät­ti­gung. Zwar ist der nutz­ba­re Dyna­mik­be­reich immer noch etwa 50 dB, aber das soll ohne Not so nicht blei­ben. Auch beim Betrieb mit 5 V steigt die Aus­gangs­span­nung nicht über etwa 2,5 V an, was immer noch sehr deut­lich im gesun­den Betriebs­be­reich des AD-Wand­lers liegt. Da ein zukünf­ti­ges Board wegen des Tang Core-Boards sowie­so mit 5 V betrie­ben wer­den soll, gibt es über­haupt kei­nen Grund, die LogAmps nicht auch mit 5 V zu betrei­ben. Es soll­te sogar rela­tiv ein­fach sein, den jet­zi­gen Pro­to­ty­pen ent­spre­chend zu korrigieren.

Mes­sung der Digitalwandler

Hier wird gemes­sen, wie genau die Aus­gangs­span­nun­gen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker den Ein­gangs­pe­gel abbil­den und wie sie von­ein­an­der abwei­chen. Auch hier soll zunächst nur bei 10 MHz gemes­sen wer­den, Mes­sun­gen bei ande­ren Fre­quen­zen müs­sen folgen.

Zur Erläu­te­rung der Mess­me­tho­de folgt die Dar­stel­lung einer Mes­sung mit Ein­gangs­pe­geln von jeweils 0 dBm und ohne Pha­sen­ver­schie­bung der bei­den Signale:

CH1 zeigt CLKUF, die digi­ta­li­sier­te vor­lau­fen­de Span­nung, CH2 zeigt CLKUR, die digi­ta­li­sier­te rück­lau­fen­de Span­nung. CH3 und CH4 zei­gen LOGUF und LOGUR, die Aus­gangs­span­nun­gen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker. In der rech­ten „Result“-Spalte wird die gemes­se­ne Takt­fre­quenz von CH2/CLKUR ange­zeigt. Solan­ge das Signal ein­deu­tig erkannt wird, muß die­se Fre­quenz iden­tisch mit der von CLKUF sein, hier also 10 MHz. Die Fel­der dar­un­ter zei­gen die aktu­el­le und gemit­tel­te Aus­gangs­span­nung der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker an. Sie wur­den für die im vori­gen Abschnitt gezeig­ten Mes­sun­gen ver­wen­det. Das unter­ste Feld zeigt schließ­lich die Pha­sen­ver­schie­bung der bei­den stei­gen­den Flan­ken an.

Die fol­gen­den Bil­der zei­gen wei­te­re Mes­sun­gen bei 180°, +90° und ‑90° Pha­sen­ver­schie­bung und Ein­gangs­pe­geln von +10 dBm bzw. 0 dBm:

Jetzt kom­men die span­nend­sten Mes­sun­gen, näm­lich die über den Dyna­mik­be­reich, die zei­gen, bei wel­chem Pegel das Signal zuver­läs­sig erfasst wird:

Kurz zusam­men­ge­fasst: bei ‑19 dBm wird das Signal noch zuver­läs­sig erkannt, bei ‑20 dBm nicht mehr. Das sieht man nicht nur am Signal­ver­lauf, son­dern sehr ein­drück­lich an der Fre­quenz­an­zei­ge. Der Fre­quenz­zäh­ler erkennt nicht mehr jeden Puls. Bei noch nied­ri­ge­ren Pegeln wird UR über­haupt nicht mehr erkannt und eine Pha­sen­mes­sung ist dann nicht mehr mög­lich. Das liegt lei­der deut­lich über den oben abge­schätz­ten ‑36 dBm. Da muß ich noch­mal nach dem Feh­ler suchen und viel­leicht das Daten­blatt noch­mal studieren.

Schon bei ‑10 dBm wird das rück­lau­fen­de Signal deut­lich asym­me­trisch. Offen­sicht­lich wird die posi­ti­ve Flan­ke erst deut­lich nach dem Null­durch­gang erkannt und die nega­ti­ve Flan­ke bereits deut­lich davor. Auch hier muß ich der Ursa­che noch auf den Grund gehen. Ich hof­fe, daß sich das im FPGA oder in der Soft­ware kom­pen­sie­ren lässt.

MMCX Test­port im Ver­gleich zu ein­fa­chen Testpins

Hier wird das Oszil­lo­gramm eines 50-Ω-MMCX-Test­ports dem eines klas­si­schen hoch­oh­mi­gen Oszil­lo­skop-Tast­kop­fes an einem Test­pin gegenübergestellt.

Das Tang Core-Board hat einen 50 MHz Oszil­la­tor, der als Fre­quenz­ba­sis für die im FPGA ein­ge­bau­te PLL benutzt wird. In der jet­zi­gen Ent­wick­lungs­pha­se wer­den intern 200 MHz für den Pha­sen­de­tek­tor benö­tigt und 40 MHz für die RISC-V-CPU. Dazu wird der inter­ne Oszil­la­tor mit 800 MHz betrie­ben, wor­aus durch Tei­lung die benö­tig­ten Fre­quen­zen erzeugt werden.

In bei­den Fäl­len wur­de das aus der PLL abge­lei­te­te CPUCLK Signal von 40 MHz aus­ge­ge­ben. CH1 (oben in gelb) ist mit einem hoch­oh­mi­gen 10:1 Tast­kopf an der Stift­lei­ste TB5 ange­schlos­sen, CH4 (unten in blau) ist über ein 2 m lan­ges RG316 Koax­ka­bel am MMCX Test­port TO2 ange­schlos­sen. CH2 ist im Oszil­lo­skop mit 50 Ω ter­mi­niert und eben­falls auf 10:1 ein­ge­stellt, denn der Quell­wi­der­stand hat 450 Ω. Bei­de FPGA-Aus­gän­ge sind auf 8 mA kon­fi­gu­riert und die hoch­oh­mi­ge Pro­be ist kor­rekt kom­pen­siert. Hin­weis: man beach­te die unter­schied­li­che ver­ti­ka­le Auf­lö­sung von 1 V bzw. 2 V. Das Oszil­lo­skop wur­de im „infi­ni­te per­si­stance“ Modus betrie­ben, das bedeu­tet, daß alle Mes­sun­gen inner­halb des Mess­in­ter­valls über­la­gert dar­ge­stellt wer­den. Es fällt auf, daß das MMCX-Signal um knapp 2 ns ver­zö­gert ist. Das ist mit dem etwa 50 cm län­ge­ren Mess­ka­bel an CH4 gut erklärbar.

Der MMCX-Port zeigt ein deut­lich sau­be­re­res Signal. Die Kan­ten sind etwas abge­schlif­fen, was sicher­lich an der rela­tiv hohen Bela­stung von knapp 7 mA liegt. Das Signal an dem hoch­oh­mi­gen Tast­kopf zeigt deut­li­che Über­schwin­ger und lang­sa­me­re Flan­ken. Außer­dem vari­iert es stär­ker, es wird durch „infi­ni­te per­si­stance“ ver­schwom­me­ner dar­ge­stellt. Das zeigt, daß es sich loh­nen kann, bei kri­ti­schen Signa­len einen Koax-Test­an­schluß vor­zu­se­hen, soweit die Bela­stung das zulässt.

Mes­sung der PLL des FPGAs

Da die Mes­sung für das MMCX-Port gera­de auf­ge­baut ist, soll auch noch das erzeug­te Fre­quenz­spek­trum mit einem Spek­trum­ana­ly­sa­tor ins­be­son­de­re auf sei­ne Sei­ten­bän­der unter­sucht wer­den. TO2 wird also mit dem­sel­ben Mess­ka­bel wie oben an einen Spek­trum­ana­ly­sa­tor angeschlossen.

Im Breit­band­spek­trum sieht man erwar­tungs­ge­mäß deut­lich die unge­rad­zah­li­gen Ober­wel­len, denn das gemes­se­ne Signal ist wie oben gezeigt ein Recht­eck­si­gnal. Die schmal­ban­di­ge­ren Mes­sun­gen zei­gen Sei­ten­band­si­gna­le im Abstand von etwa 120 kHz, die von der Pha­sen­re­ge­lung der PLL erzeugt wer­den. Die Schmal­band­mes­sung mit 1 kHz Spann­brei­te und 10 Hz RBW zeigt kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten. Im Rah­men des­sen, was mein Spek­trum­ana­ly­sa­tor an Sei­ten­band­rau­schen über­haupt mes­sen kann, sieht das gut aus.

Das Spek­trum des Oszil­la­tors kann optio­nal mit einem Spread Spec­trum Con­trol­ler ver­brei­tert wer­den. Die Ver­su­che hebe ich mir für spä­ter auf.

Wie geht’s weiter?

In den näch­sten Tagen muß ich die hier gefun­de­nen Auf­fäl­lig­kei­ten klä­ren, beson­ders die Digi­ta­li­sie­rung mit den Kom­pa­ra­to­ren. Die ist unbe­frie­di­gend. Ich wer­de berichten…

Außer­dem muß ich den Ver­i­log-Code für das FPGA und die Test­soft­ware noch etwas ver­fei­nern. Das wird sich ver­mut­lich bis in das näch­ste Jahr hinziehen.

Links

Gam­ma-Mess­ge­rät – Der ech­te erste Pro­to­typ (Nach­trag zu den Messungen)