Hilfs­mit­tel für HF-Messungen

Mes­sun­gen mit einem vek­to­ri­el­len Netz­werk­ana­ly­sa­tor (VNA oder VNWA) sind eine wah­re Freu­de. Sie sind heu­te z.T. für weni­ger als 100 Euro zu kau­fen, wer etwas bes­se­res will kann auch deut­lich mehr Geld aus­ge­ben. Mehr als eini­ge hun­dert Euro ist für Ama­teu­re, die meist unter 1 GHz arbei­ten, aber nicht not­wen­dig. Ich selbst ver­wen­de seit etwa 10 Jah­ren den DG8SAQ VNWA, der bis 1,3 GHz funk­tio­niert und für mei­ne Zwecke völ­lig aus­rei­chend ist.

Mes­sun­gen damit sind aber immer nur dann direkt mög­lich, wenn die Impe­dan­zen der ver­wen­de­ten Ports bei 50 Ω lie­gen. Davon abwei­chen­de Impe­dan­zen erge­ben Meß­feh­ler. Daher ist es bei­spiels­wei­se nicht tri­vi­al, den Fre­quenz­gang eines 16:1 Trans­for­ma­tors zu mes­sen, wie er zum Betrieb einer end­ge­spei­sten Anten­ne benö­tigt wird. Ein sol­cher Tra­fo trans­for­miert eine Ein­gangs­im­pe­danz von 50 Ω auf eine Aus­gangs­im­pe­danz von 800 Ω. Zur Mes­sung muß daher die Aus­gangs­im­pe­danz wie­der auf 50 Ω trans­for­miert werden.

Die­se Rück­trans­for­ma­ti­on kann man auf zwei Wegen errei­chen. Am offen­sicht­lich­sten ist es, einen zwei­ten Tra­fo glei­cher Bau­art umge­kehrt zu betrei­ben, so daß er von 800 Ω auf 50 Ω zurück­trans­for­miert. Man kann aber auch ein Pi-Glied aus Wider­stän­den ver­wen­den, das am Ein- und Aus­gang die benö­tig­ten Impe­dan­zen hat. Die Lösung mit den Tra­fos hat den Vor­teil gerin­ge­rer Dämp­fung und den Nach­teil des nicht­li­nea­ren Fre­quenz­ver­laufs. Das Wider­stands­netz­werk bie­tet einen recht linea­ren Dämp­fungs­ver­lauf ohne gro­ße Über­ra­schun­gen bei spe­zi­el­len Fre­quen­zen, hat dafür aber eine mehr oder weni­ger hohe Dämp­fung. Für bei­de Lösun­gen habe ich eine hand­voll Lei­ter­plat­ten fer­ti­gen las­sen, die ich nach­fol­gend beschreibe.

Das Pi-Glied

Die Schal­tung ist natur­ge­mäß tri­vi­al und besteht eigent­lich nur aus drei Widerständen.

Um mit gut ver­füg­ba­ren Metall­film­wi­der­stän­den der E24er-Rei­he aus­zu­kom­men und trotz­dem eine gute Genau­ig­keit zu erzie­len, habe ich jeweils zwei par­al­le­le Wider­stän­de vor­ge­se­hen. Wie im Schalt­plan doku­men­tiert, kön­nen dar­aus die benö­tig­ten Gesamt­wi­der­stän­de mit Abwei­chun­gen von weni­ger als 0,3 % zusam­men­ge­setzt wer­den. Not­falls, wie bei dem 800 Ω Pi-Glied, kann man auch mal zwei Wider­stän­de über­ein­an­der löten. Die nöti­gen Gesamt­wi­der­stän­de wur­den mit den KiCad-Berech­nungs­werk­zeu­gen berech­net und zwar unter der Bedin­gung einer gut hand­hab­ba­ren ganz­zah­li­gen Dämp­fung. Um dar­aus die benö­tig­ten Ein­zel­wi­der­stän­de zu berech­nen, habe ich mein eige­nes Tool Par­Ser ver­wen­det. KiCad kann das aber auch. Es wur­den SMD-Wider­stän­de der Bau­grö­ße 0603 ver­wen­det, was gera­de noch von Hand mach­bar ist. Hier die 3D-Ansicht:

Als Ein­gangs­buch­se wur­de SMA ver­wen­det, die Aus­gangs­sei­te ist mit einem Wago 250–202 Klemm­ver­bin­der bestückt. Die Impe­danz weicht ja ohne­hin von 50 Ω ab und so kann ein Test­ob­jekt direkt ange­klemmt wer­den. Auf den wei­ßen Fel­dern des Bestückungs­drucks wer­den hand­schrift­lich der Aus­gangs­wi­der­stand und die Dämp­fung notiert.

Der Trans­for­ma­tor

Der Schalt­plan des Anpas­sungs­netz­werks mit Trans­for­ma­tor ist noch tri­via­ler, als der des Pi-Glieds.

Die hier gezeig­te Poten­ti­al­tren­nung ver­fälscht die Mes­sun­gen. Daher wur­den auf dem Pro­to­typ die Pins 2 und 3 mit einer Draht­brücke ver­bun­den. Hier nun wie­der die 3D-Ansicht:

Als Ring­kern­grö­ße wur­de die des FT-50 gewählt (0,5″ Außen­durch­mes­ser). Da es bei Mes­sun­gen um mini­ma­le Lei­stun­gen geht, wären auch klei­ne­re Ker­ne mög­lich, die aber nicht mehr so leicht bewickel­bar sind. Man will sich ja nicht die Fin­ger bre­chen. Auch hier wird wie­der hand­schrift­lich das Wick­lungs­ver­hält­nis und die Aus­gangs­im­pe­danz dokumentiert.

Zum Testen wur­den zwei 50Ω-800Ω Pi-Dämp­fungs­glie­der und ein Tra­fo mit 4 und 16 Win­dun­gen auf einem FT 50–43-Kern auf­ge­baut. Nach­fol­gend wer­den die Meß­er­geb­nis­se dokumentiert.

Mes­sun­gen am Pi-Glied

Die Wago Klemm­ver­bin­der der bei­den gleich­ar­tig auf­ge­bau­ten Pi-Glie­der wur­den über kur­ze Lei­ter­stücke direkt mit­ein­an­der ver­bun­den. Dabei wur­de dar­auf geach­tet, daß die bei­den Mas­sen mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Wenn sich die bei­den Boards gegen­über­lie­gen, sind die Lei­tun­gen daher gekreuzt.

Es wur­den s11 und s21-Mes­sun­gen bis 150 MHz in bei­den Rich­tun­gen durch­ge­führt. Hier die Ergebnisse:

Die blau­en und grü­nen Kur­ven zei­gen die Durch­gangs­dämp­fun­gen je Rich­tung. Erwar­tungs­ge­mäß sind die Abwei­chun­gen prak­tisch rich­tungs­un­ab­hän­gig, mit ver­nach­läs­sig­ba­ren Abwei­chun­gen bei 135 MHz. Die schwar­ze Kur­ve zeigt die gemit­tel­te Dämp­fung für ein Pi-Glied. Das ist mit der VNWA-Betriebs­soft­ware leicht zu erreichen:

Die Spei­cher mem1 und mem2 ent­hal­ten die jeweils gemes­se­nen Durch­lass­dämp­fun­gen s21 als Span­nungs­ver­hält­nis­se. Die Qua­drat­wur­zel aus deren Mit­tel­wert ist dann das rech­ne­ri­sche Span­nungs­ver­hält­nis eines ein­zel­nen Pi-Glieds unter der Annah­me, das jedes davon gleich viel zur Dämp­fung beiträgt.

Wie erwar­tet liegt die­se mitt­le­re Dämp­fung zunächst bei 20 dB und steigt dann bei gut 100 MHz um 3 dB an. Das ist für Meß­zwecke gut zu hand­ha­ben. Die schwar­ze Kur­ve mit die­ser mitt­le­ren Dämp­fung wird in einer .s1p Touch­stone Datei gespei­chert und bei den nach­fol­gen­den Mes­sun­gen zur Kor­rek­tur weiterverwendet.

Mes­sun­gen am Trafo

Exem­pla­risch wur­de ein Tra­fo mit 4 und 16 Win­dun­gen auf einem FT 50–43-Kern auf­ge­baut. Er hat also rech­ne­risch auf der Aus­gangs­sei­te die 16-fache Impe­danz des Ein­gangs. Hier die Mes­sun­gen links mit dem Pi-Glied als Ein­gang und rechts mit dem Tra­fo als Eingang:

Wie oben schon erwähnt, wur­den die Pins 2 und 3 des Tra­fos ver­bun­den, damit es kei­ne schwe­ben­den Poten­tia­le gibt. Bei Ver­bin­dung des Tra­fos und des Pi-Glieds muß wie­der auf die kor­rek­te Polung geach­tet wer­den: bei­de Mas­se­lei­tun­gen müs­sen mit­ein­an­der ver­bun­den sein.

Die schwar­ze Linie zeigt die gesam­te gemes­se­ne Durch­lass­dämp­fung des Tra­fos und des Pi-Glieds. Die um die Dämp­fung des Pi-Glieds kor­ri­gier­te Dämp­fung, die auf den Tra­fo ent­fällt, ist in blau gezeigt. Die Berech­nung die­ser Kor­rek­tur (grün) wur­de im vor­he­ri­gen Kapi­tel gezeigt.

Es wur­den jeweils auch die Refle­xio­nen s11 gemes­sen. Erwar­tungs­ge­mäß liegt dabei die Impe­danz des Pi-Glieds bei 50 Ω, wäh­rend die des Tra­fos stark vari­iert. Die Durch­lass­cha­rak­te­ri­stik ist im Rah­men der Meß­ge­nau­ig­keit gleich.

Erkennt­nis

Die Dämp­fung des Tra­fos ist bei nied­ri­gen Fre­quen­zen erwart­bar hoch und wird bei unge­fähr 6 MHz mini­mal. Ab da steigt die Dämp­fung wie­der mit der Fre­quenz. Das bestä­tigt die alte Bau­ern­re­gel, daß der induk­ti­ve Wider­stand einer Spu­le min­de­stens fünf­mal so groß sein soll­te wie der Aus­gangs­wi­der­stand des Trei­bers. Vier Win­dun­gen auf einem FT 50–43-Kern mit einem AL-Wert von 523 nH/W² erge­ben etwa 8,4 µH Induk­ti­vi­tät und einen induk­ti­ven Wider­stand von 5×50 Ω = 250 Ω bei knapp 5 MHz.

Es gibt gering­fü­gi­ge Unter­schie­de zwi­schen bei­den gemes­se­nen Vari­an­ten. Mit dem Tra­fo am Ein­gang ist die Dämp­fung bei nied­ri­gen Fre­quen­zen etwas gerin­ger. Die Ursa­che der Unter­schie­de müss­te man genau­er unter­su­chen, es könn­ten auch Meß­feh­ler sein, aber auch die nied­ri­ge Dämp­fung von etwa 3 dB ist für Lei­stungs­an­wen­dun­gen zu hoch. Nun ist der ver­wen­de­te Kern sowie­so nicht dafür geeig­net, aber ten­den­zi­ell bestä­tigt es mei­ne frü­he­ren Ver­su­che mit den übli­cher­wei­se ver­wen­de­ten grö­ße­ren Ring­ker­nen der Grö­ße FT-240. Sie hei­zen sich selbst bei „nur“ 100 Watt Aus­gangs­lei­stung mit­un­ter auf Tem­pe­ra­tu­ren ober­halb der Curie-Tem­pe­ra­tur auf und ver­lie­ren dann ihre magne­ti­schen Eigen­schaf­ten voll­stän­dig. Kein Wun­der, 3 dB Ver­lust sind 50 Watt!

…und noch ein Richtkoppler

Nein, ich bin nicht von Richt­kopp­lern beses­sen, aber lei­der hat bis­her noch kei­ner mei­ner Ver­suchs­auf­bau­ten mei­ne Erwar­tun­gen voll erfüllt. Da ich gera­de für ein ande­res Pro­jekt wie­der Lei­ter­plat­ten bestellt habe, kam gleich noch ein etwas ange­pass­tes Design für einen wei­te­ren Richt­kopp­ler hin­zu, nun­mehr die Ver­si­on 1.4. Ich bin zum klas­si­schen Design zurück­ge­kehrt, also mit einem Stück abge­schirm­ten Koax­ka­bel im Inne­ren der Ring­ker­ne. Getrenn­te Mas­se­flä­chen habe ich bei­be­hal­ten, sie kön­nen ja bei Bedarf mit einer oder meh­re­ren Löt­brücken kurz­ge­schlos­sen werden.

Schalt­plan und Leiterplatte

Die Abschir­mung der Pri­mär- und Sekun­där­wick­lun­gen, der Außen­lei­ter des Koax­ka­bels, ist hier expli­zit ein­ge­zeich­net. Sie hat sich bei den vor­he­ri­gen Ver­su­chen als ent­schei­dend für die Iso­la­ti­on und damit auch die Richt­schär­fe erwie­sen. Bei­de Abschir­mun­gen lie­gen an der Mas­se des Trans­cei­vers und der Anten­ne, hier als GND1 bezeich­net. Die 3D-Ansich­ten und das KiCad-Projekt:

Der Anschluß der Abschir­mung von T2 an GND1 führt lei­der zu einer Unter­bre­chung der Mas­se­flä­che auf der Unter­sei­te, was aber auf der Ober­sei­te wie­der kom­pen­siert wird. Nach­fol­gend wer­den nun die Meß­er­geb­nis­se dokumentiert.

Mes­sun­gen mit Potentialtrennung

Die ersten Mes­sun­gen habe ich mit der fer­tig auf­ge­bau­ten Lei­ter­plat­te und getrenn­ten Poten­tia­len von GND1 und GND2 durchgeführt.

Die Durch­gangs­dämp­fung liegt im gewohn­ten Bereich von 0,01 dB, hart an der Gren­ze der Auf­lö­sung des Netz­werk­ana­ly­sa­tors. Der Kopp­lungs­ver­lust liegt wie erwar­tet um 31,2 dB, denn die Trans­for­ma­to­ren haben jeweils 36 Win­dun­gen auf je einem FT 50–43-Kern, was rech­ne­risch 31,126 dB erwar­ten lässt (10*log(36²)). Iso­la­ti­on und dar­aus errech­ne­te Richt­schär­fe sind bis etwa 20 MHz sehr gut und stei­gen dann aber uner­war­tet schnell an. Bei knapp 45 MHz ist eine Reso­nanz zu erken­nen, die zunächst uner­war­tet ist. Eine wei­te­re Reso­nanz liegt bei etwa 100 MHz. Wegen der 0,1 dB Ska­lie­rung der Durch­gangs­dämp­fung sieht sie dra­ma­ti­scher aus, als sie wirk­lich ist. Auch weil sie jen­seits des vor­ge­se­he­nen Ein­satz­be­reichs von maxi­mal 70 MHz liegt, soll sie hier igno­riert werden.

Die Reso­nanz bei 45 MHz lässt sich mit der Län­ge der Meß­lei­tun­gen erklä­ren. Wegen der Poten­ti­al­tren­nung schwe­ben die Mas­se­po­ten­tia­le am Kopp­ler und wer­den erst am Netz­werk­ana­ly­sa­tor wie­der kurz­ge­schlos­sen. Das sind 2 * 50 cm Kabel, mit Steck­ver­bin­dern also in Sum­me viel­leicht 1,10 m. Das ergibt mit einem Ver­kür­zungs­fak­tor von 0,66 gerech­net bei 45 MHz genau λ/4.

Mes­sun­gen mit Poten­ti­al­tren­nung und Direkt­an­schluß am Port 2

Eine Mes­sung ohne Kabel ist lei­der nicht mög­lich, aber ich kann ja test­wei­se und mit mecha­ni­schen Ver­ren­kun­gen wenig­stens auf ein Kabel ver­zich­ten. Hier ist das Ergeb­nis, wenn Port 2 direkt an den Netz­werk­ana­ly­sa­tor ange­schlos­sen wird:

Die Reso­nanz­stel­le ver­schiebt sich deut­lich nach oben. Das zeigt, daß es sich dabei um ein Arte­fakt durch die poten­ti­al­ge­trenn­ten Mas­se­an­schlüs­se han­deln muß.

Mes­sun­gen ohne Potentialtrennung

Gibt man die Poten­ti­al­tren­nung kom­plett auf und schließt die Mas­se­flä­chen kurz, erge­ben sich fol­gen­de Meßergebnisse:

Inter­es­san­ter­wei­se sieht man auch hier wie­der bei knapp 45 MHz ein loka­les Mini­mum, was mut­maß­lich wie­der an den bei­den 50 cm lan­gen Meß­ka­beln liegt.

Die Richt­schär­fe bleibt bis knapp 50 MHz unter 50 dB, steigt dann aber schnell an. Bei 75 MHz wer­den nur noch 20 dB erreicht, was aber durch­aus für vie­le Zwecke noch aus­rei­chend ist. Der Kopp­ler ist also bis ins 6‑m-Band gut brauch­bar, mit Ein­schrän­kun­gen auch noch im 4‑m-Band. Jetzt könn­te man noch erfor­schen, ob lei­ten­de Trenn­wän­de die Iso­la­ti­on gera­de bei den höhe­ren Fre­quen­zen ver­bes­sern kön­nen. Dazu habe ich aber offen gesagt im Moment kei­ne Lust. Die Per­for­mance im erwei­ter­ten Kurz­wel­len­be­reich reicht mir.

Refle­xi­ons­fak­tor und Smith-Diagramm

In der Hoch­fre­quenz­tech­nik begeg­net man immer wie­der den Begrif­fen Refle­xi­ons­fak­tor und Smith-Dia­gramm. Man lernt, damit umzu­ge­hen und das Smith-Dia­gramm zum Ent­wurf von Anpas­sungs­netz­wer­ken zu nut­zen. War­um das Smith-Dia­gramm aber kreis­för­mig ist und selt­sam gebo­ge­ne Koor­di­na­ten hat, bleibt meist ein Myste­ri­um. Und was hat das Gan­ze denn über­haupt mit dem Refle­xi­ons­fak­tor zu tun?

Schon vor eini­gen Mona­ten hat­te ich einen Bei­trag ver­öf­fent­licht, der die Kon­struk­ti­on des Smith-Dia­gramms mit den Qt-Gra­fik­funk­tio­nen zeigt. Das Pro­gramm war noch sehr pro­vi­so­risch zusam­men­ge­den­gelt und ich habe es jetzt weit­ge­hend über­ar­bei­tet. Das betrifft mehr den Quell­text, als die Anzei­ge. Den­noch habe ich auch das Benut­zer­inter­face ver­bes­sert, so daß das Gan­ze eine „Lern­hil­fe“ in Sachen Refle­xi­ons­fak­tor und Smith-Dia­gramm sein soll. Für rei­ne Anwen­der, die ein­fach nur mit dem Smith-Dia­gramm arbei­ten wol­len, emp­feh­le ich SimS­mith (inzwi­schen offen­sicht­lich in SimNEC umbe­nannt) von Ward Harri­man, AE6TY oder Smith von Fritz Dellsperger.

Der Refle­xi­ons­fak­tor

Die Refle­xi­on einer elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­le ist ein fun­da­men­ta­les Phä­no­men ihrer Aus­brei­tung. Nur wenn die Wel­le auf einen Wirk­wider­stand trifft, der genau­so groß ist, wie der Wel­len­wi­der­stand der Über­tra­gungs­lei­tung, wird sie voll­stän­dig absor­biert (abge­strahlt oder in Wär­me umge­wan­delt). Bei jedem ande­ren Wirk- oder Blind­wi­der­stand wird ein Teil oder die kom­plet­te Wel­le reflek­tiert. Dabei kann eine Pha­sen­ver­schie­bung auf­tre­ten, so daß der Refle­xi­ons­fak­tor, das Ver­hält­nis der vor­lau­fen­den Wel­le zur reflek­tier­ten Wel­le kei­ne reel­le, son­dern eine kom­ple­xe Zahl ist (sie­he For­mel­samm­lung). Die­se Zahl wird übli­cher­wei­se mit Gam­ma (Γ) bezeich­net und mit einem Unter­strich ver­se­hen, der sie als kom­ple­xe Zahl kenn­zeich­net. In der Zwei­pol­theo­rie wird Gam­ma übli­cher­wei­se mit s11 gekennzeichnet.

Aus Grün­den der Ener­gie­er­hal­tung kann die Span­nung der reflek­tier­ten Wel­le nie höher sein, als die der vor­lau­fen­den Wel­le. Die Impe­danz der Über­tra­gungs­lei­tung ist ja für bei­de Rich­tun­gen gleich. Damit kann der Betrag von Gam­ma nur zwi­schen 0 und 1 lie­gen. Die Pha­sen­ver­schie­bung kann zwi­schen 0° und 360° vari­ie­ren und dar­aus ergibt sich für den Refle­xi­ons­fak­tor der Ein­heits­kreis in der kom­ple­xen gauß­schen Zahlenebene.

Bei­spiel

Das nach­fol­gen­de Dia­gramm zeigt exem­pla­risch einen Refle­xi­ons­fak­tor mit einer Magnitu­de von 0,6 und einer Pha­sen­ver­schie­bung von 110°:

Die Koor­di­na­ten des Refle­xi­ons­fak­tors kön­nen, wie hier, sehr anschau­lich in einem Polar­ko­or­di­na­ten­sy­stem als Betrag und Pha­sen­win­kel ange­ge­ben wer­den. Der Betrag, auch Magnitu­de genannt, ist die Län­ge der blau­en Ver­bin­dungs­li­nie vom Ursprung zum Mar­ker. Der Pha­sen­win­kel ist der Win­kel zwi­schen der in posi­ti­ve Rich­tung zei­gen­den Hori­zon­tal­ach­se und der Ver­bin­dungs­li­nie. Wie in der Mathe­ma­tik üblich, steigt der Win­kel ent­ge­gen der Uhrzeigerrichtung.

Genau­so gut kann der Refle­xi­ons­fak­tor aber auch in kar­the­si­schen Koor­di­na­ten mit ihrem Real­teil und Ima­gi­när­teil ange­ge­ben wer­den. Der Real­teil ist dabei der Wert auf der x‑Achse, der Ima­gi­när­teil der Wert auf der y‑Achse. In kar­the­si­schen Koor­di­na­ten ent­spricht ein Gam­ma von (0,6/110°) einem Wert von (-0,205+j0,564)

Alle phy­si­ka­lisch mög­li­chen Refle­xi­ons­fak­to­ren lie­gen inner­halb des gezeig­ten Ein­heits­krei­ses. Alle rei­nen Impe­dan­zen mit einem Wirk­wider­stand von 0 Ω (idea­le Spu­len oder Kon­den­sa­to­ren) lie­gen auf dem Ein­heits­kreis (Magnitu­de = 1). Wenn der Wirk­wider­stand grö­ßer als 0 Ω ist, liegt der zuge­hö­ri­ge Refle­xi­ons­fak­tor inner­halb des Krei­ses und sei­ne Magnitu­de ist klei­ner als 1.

Eini­ge Son­der­fäl­le sol­len kurz beschrie­ben werden.

Refle­xi­ons­fak­tor 0

Das ist der Koor­di­na­ten­ur­sprung im Zen­trum des Ein­heits­krei­ses. Es tritt kei­ne Refle­xi­on auf, die Lei­tung ist mit ihrem Wel­len­wi­der­stand abgeschlossen.

Refle­xi­ons­fak­tor ‑1

Das ist der lin­ke Punkt auf der hori­zon­ta­len Ach­se, ein Kurz­schluß, 0 Ω. Es tritt Total­re­fle­xi­on mit einer Pha­sen­dre­hung um 180° auf.

Refle­xi­ons­fak­tor +1

Das ist der rech­te Punkt auf der hori­zon­ta­len Ach­se, ein offe­nes Lei­tungs­en­de, unend­lich hoher Wider­stand. Es tritt Total­re­fle­xi­on ohne Pha­sen­dre­hung auf.

Refle­xi­ons­fak­tor +j

Das ist der obe­re Punkt auf der ver­ti­ka­len Ach­se. Es tritt Total­re­fle­xi­on mit einer Pha­sen­dre­hung um 90° auf. Es ist eine Induk­ti­vi­tät am Lei­tungs­en­de ange­schlos­sen, deren Blind­wi­der­stand dem Wel­len­wi­der­stand der Lei­tung entspricht.

Refle­xi­ons­fak­tor ‑j

Das ist der unte­re Punkt auf der ver­ti­ka­len Ach­se. Es tritt Total­re­fle­xi­on mit einer Pha­sen­dre­hung um ‑90° auf. Es ist eine Kapa­zi­tät am Lei­tungs­en­de ange­schlos­sen, deren Blind­wi­der­stand dem Wel­len­wi­der­stand der Lei­tung entspricht.

Das Smith-Dia­gramm

Es fällt auf, daß das Smith-Dia­gramm genau­so kreis­för­mig ist, wie das oben gezeig­te Dia­gramm des Refle­xi­ons­fak­tors. So ein Zufall aber auch! Hier das­sel­be Bei­spiel wie oben für den Reflexionsfaktor:

Beim Ver­gleich bei­der Dar­stel­lun­gen erkennt man nur einen Unter­schied, die Beschrif­tung. Das Smith-Dia­gramm zeigt also nichts ande­res als den Refle­xi­ons­fak­tor, nur daß die Ach­sen anders beschrif­tet sind. Gam­ma kenn­zeich­net ein Span­nungs­ver­hält­nis, näm­lich das der rück­lau­fen­den Span­nung zur vor­lau­fen­den Span­nung. Das Smith-Dia­gramm zeigt die auf Impe­danz und Admit­tanz umge­rech­ne­ten Wer­te des Reflexionsfaktors.

Die Umrech­nung geschieht über die hier bereits gezeig­ten For­meln, die nach­fol­gend noch­mal wie­der­holt wer­den, weil sie so zen­tral wich­tig sind:

und

Für jedes belie­bi­ge Gam­ma lässt sich also bei gege­be­nem Wel­len­wi­der­stand Z0 eine ein­deu­ti­ge Last­im­pe­danz ZL errech­nen. Dar­aus ergibt sich durch Bil­dung des kom­ple­xen Kehr­werts auch gleich die Admit­tanz YL. Für das oben gezeig­te Bei­spiel ist die Last­im­pe­danz also 18,075+j31,846 Ω und die Last­ad­mit­tanz ist 13,5+j23,8 mS (Mil­li­sie­mens). Als Wel­len­wi­der­stand sind z.Zt. 50 Ω fest im Quell­code codiert, er ist noch nicht einstellbar.

Gam­maS­mith

Die oben gezeig­ten Gra­fi­ken sind Screen­shots des neu­en Pro­gramms Gam­maS­mith. Mit Hil­fe der Schie­be­reg­ler oder der Ein­ga­be­fel­der kann der Wirk­wider­stand R, der Blind­wi­der­stand X, der Wirk­leit­wert G oder der Blind­leit­wert B ein­ge­stellt wer­den. Der dar­aus errech­ne­te Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma wird in kar­the­si­schen und in Polar­ko­or­di­na­ten unten rechts ange­zeigt. Der Mar­ker wird auf den errech­ne­ten Refle­xi­ons­fak­tor posi­tio­niert. Mit dem hori­zon­ta­len Schie­be­reg­ler „Smith-Gam­ma“ kann zwi­schen der Anzei­ge des Smith-Dia­gramms und des Refle­xi­ons­fak­tors Gam­ma über­blen­det werden.

Gam­ma kann auch direkt in den zuge­hö­ri­gen Fel­dern in kar­the­si­schen oder Polar­ko­or­di­na­ten eige­ge­ben wer­den. Außer­dem ist der Mar­ker direkt mit der Maus ver­schieb­bar und die zuge­hö­ri­ge Impe­danz, Admit­tanz und Gam­ma wer­den dann in den Fel­dern ange­zeigt. Außer­dem kön­nen ein oder zwei SWR-Krei­se ange­zeigt wer­den, indem man in die bei­den Spin­bo­xen einen Wert grö­ßer 1,0 eingibt.

Pro­gramm Download

update 11.11.2025, Lizenz­be­din­gun­gen hinzugefügt

Qt erwar­tet zu recht von sei­nen Anwen­dern, daß sie kla­re Lizenz­be­din­gun­gen pas­send zu ihren eige­nen Bedin­gun­gen anwen­den. Mein bis­he­ri­ges „mach damit, was Du willst“ ist juri­stisch nicht fass­bar und schützt mich selbst ver­mut­lich nicht vor irgend­wel­chen hypo­the­ti­schen Angrif­fen. Qt emp­fiehlt daher, eige­ne Soft­ware unter GPL oder LGPL zu stel­len. Dem kom­me ich ger­ne nach, zumal ich deren her­vor­ra­gen­de Ent­wick­lungs­um­ge­bung kosten­los nut­zen darf.

Man­gels juri­sti­schem Grund­stu­di­um (nicht mal auf Poli­ti­ker-Niveau „hat wider­wil­lig die Ein­füh­rungs­vor­le­sung besucht und sich dann doch lie­ber für eine par­tei­po­li­ti­sche Lauf­bahn ent­schie­den, behaup­tet aber, er/sie/es habe Jura stu­diert.“) fällt mir eine eige­ne Abwä­gung schwer. Ich habe auch nicht die Absicht, mich tage­lang mit dem The­ma zu beschäf­ti­gen und habe mich für die LGPL ent­schie­den, die nach mei­nem rudi­men­tä­ren Ver­ständ­nis mei­nen Vor­stel­lun­gen am näch­sten kommt. Hier nun die neue Ver­si­on von Gam­maS­mith, mit Info-But­ton, um die Lizenz­be­din­gun­gen anzu­zei­gen. Sie wur­den auch in die Kom­men­ta­re im Quell­code ein­mas­siert. Funk­tio­nal hat sich gegen­über der Vor­gän­ger­ver­si­on nichts geändert.

Das unter Win­dows aus­führ­ba­re Pro­gramm kann hier her­un­ter­ge­la­den werden:

Und hier der Quell­code zur frei­en Ver­fü­gung ent­spre­chend der LGPL:

Zum Erstel­len wird die Qt-Ent­wick­lungs­um­ge­bung benö­tigt, bei mir z.Zt. Qt Crea­tor 18.0.0, auf Qt 6.9.1 beruhend.

Auch unter Linux kann die­se Ver­si­on kom­pi­liert wer­den, ich habe das in einer vir­tu­el­len Ubun­tu-Maschi­ne gemacht. Das dabei erzeug­te Binär­file kann direkt auf der erzeu­gen­den Maschi­ne aus­ge­führt wer­den. Es ist aber nicht ein­fach so auf eine ande­re Maschi­ne zu por­tie­ren, es muß „deployed“ wer­den. Das ist ver­mut­lich nicht son­der­lich kom­pli­ziert, aber es ist mir bis­her nicht gelun­gen. Ich bin kein Linux-Spezialist.

Hin­wei­se

Im „rich­ti­gen Leben“ kann die Magnitu­de nicht grö­ßer als 1 sein. In gewis­sen Gren­zen wird das in die­sem Pro­gramm aber tole­riert, weil bei der Zah­len­ein­ga­be schon­mal ein ungül­ti­ger Zwi­schen­wert vor­kom­men kann. Die gezeig­ten Rechen­er­geb­nis­se sind dann aber ungül­tig. Das wird dadurch ange­zeigt, daß die Ver­bin­dungs­li­nie im Gam­ma-Dia­gramm dann rot ange­zeigt wird.

Außer­dem kommt es zu Divi­si­ons­feh­lern, wenn ein Wider­stand von 0 Ω oder ein Leit­wert von 0 S ein­ge­ge­ben wird, weil bei der Berech­nung des Kehr­werts dann durch Null divi­diert wird. In den Anzei­ge­fel­dern erscheint dann „NaN“ (not a num­ber) oder „infi­ni­te“ (unend­lich). Die Schie­be­reg­ler las­sen sich daher absicht­lich nicht bis auf 0 verschieben.

Feh­ler­be­rich­te oder Ände­rungs­wün­sche neh­me ich ger­ne entgegen…

Richt­kopp­ler die Dritte…

In dem Bei­trag „Prak­ti­scher Auf­bau eines Richt­kopp­lers“ hat­te ich schon­mal einen aller­er­sten Pro­to­ty­pen auf einer gefrä­sten Lei­ter­plat­te auf­ge­baut und aus­ge­mes­sen. Das Ergeb­nis war durch­aus bes­ser als erwar­tet, den Pro­to­ty­pen hät­te man schon ein­set­zen kön­nen. Zwi­schen­zeit­lich habe ich einen wei­te­ren Pro­to­ty­pen mit klei­nen Ver­bes­se­run­gen gebaut und jetzt ist es an der Zeit, eine pas­sen­de Lei­ter­plat­te fer­ti­gen zu las­sen. Die Schal­tung ist unver­än­dert, aber die Lei­ter­plat­te wur­de etwas ange­passt. Hier der Schalt­plan und die 3D-Ansichten:

…und hier noch das (kiki-) KiCad-Pro­jekt.

Anders als beim ersten Pro­to­ty­pen sind die bei­den Mas­se­flä­chen nicht mit­ein­an­der ver­bun­den. Der Trans­cei­ver und die Anten­ne sind also gegen­über der Aus­wer­tung poten­ti­al­ge­trennt. Zwi­schen bei­den Funk­ti­ons­blöcken lässt sich eine Trenn­wand zur bes­se­ren Abschir­mung der bei­den Trans­for­ma­to­ren gegen­ein­an­der ein­lö­ten. Zur Auf­recht­erhal­tung der Poten­ti­al­tren­nung kann das eine dop­pel­sei­ti­ge Lei­ter­plat­te sein. Wenn die Poten­ti­al­tren­nung nicht gewünscht ist oder auch nicht funk­tio­niert, dann kann auch ein Weiß­blech­strei­fen ein­ge­lö­tet wer­den. Ob die Abschir­mung tat­säch­lich wie erhofft die Iso­la­ti­on ver­bes­sert, muß dann die prak­ti­sche Mes­sung zeigen.

Auch hier sind wie­der SMA-Buch­sen für den Anschluß vor­ge­se­hen. Das erleich­tert die Mes­sun­gen mit dem Netz­werk­ana­ly­sa­tor. Für die Meß­ports UR und UF kann dann auch ein gewin­kel­ter SMA-Stecker ein­ge­lö­tet wer­den, womit die­ser Kopp­ler direkt an das noch zu bau­en­de Gam­ma-Mess­ge­rät ange­schlos­sen wer­den kann. Der vor­ge­se­he­ne Abstand von 30 mm wur­de schon berücksichtigt.

Das Wickeln der Ringkernspulen

Beim kor­rek­ten Bewickeln der Toro­ide kann man leicht ins Schwim­men kom­men, aber es ist im Grun­de ganz ein­fach, man muß sich nur an den Schalt­plan hal­ten. Der erfor­dert für bei­de Trans­for­ma­to­ren, daß Pin 4 gegen­über von Pin 1 und Pin 3 gegen­über von Pin 2 liegt. Bei bei­den Tra­fos besteht die Wick­lung zwi­schen Pins 1 und 2 aus nur einer ein­zi­gen Win­dung. Die Hälf­te die­ser Win­dung ist der Draht, der durch den Ring­kern gesteckt wird (bei­spiels­wei­se ein Stück Koax­ka­bel) und die zwei­te Hälf­te besteht aus der Mas­se­flä­che der Lei­ter­plat­te, die den Aus­schnitt für den Ring­kern umschließt.

Wie üblich soll die vom Trans­cei­ver ange­steu­er­te Wick­lung als Pri­mär­wick­lung bezeich­net wer­den, die ande­re als Sekun­där­wick­lung. Damit haben die Pri­mär­wick­lung von T1 und die Sekun­där­wick­lung von T2 jeweils eine Windung.

Die zwei­te Tra­fo­wick­lung wird jeweils auf den Ring­kern gewickelt. Sie hat meh­re­re Win­dun­gen, typi­scher­wei­se etwa 30. Ent­schei­dend für die rich­ti­ge Polung die­ser Wick­lung ist der Wickel­sinn, ob man also links­her­um oder rechts­her­um wickelt. Ob man nach oben oder nach unten wickelt, ist uner­heb­lich. Man könn­te sogar, wenn es mecha­nisch pas­sen wür­de, auf der Stel­le wickeln, also alle Win­dun­gen über­ein­an­der. Oder hin und her.

Wie erkennt man nun, wel­cher Wickel­sinn nötig ist? Ganz ein­fach, er ist von der ersten Wick­lung, der mit nur einer Win­dung, vor­ge­ge­ben. Die­se Wick­lung geht durch den Ring­kern hin­durch, also muß auch die zwei­te Wick­lung durch ihn hin­durch star­ten. Wenn alle Win­dun­gen auf­ge­bracht sind, hat man zwei Wick­lungs­en­den, die aus dem inne­ren Zylin­der des Toro­ids her­aus­ra­gen. Das Signal auf jedem die­ser Enden hat die­sel­be Pha­sen­la­ge wie das auf der ersten Wick­lung an der­sel­ben Sei­te. Das ist auf den nach­fol­gen­den Fotos veranschaulicht:

Die bei­den lin­ken Fotos zei­gen farb­lich gekenn­zeich­net die kor­rek­te Polung mit dem Start der Wick­lung durch den Kern. Die Wickel­rich­tung, also ob man nach oben oder nach unten wei­ter­wickelt, ist gleich­gül­tig. Das rech­te Bild zeigt die fal­sche Polung durch den Start der Wick­lung an der Außen­sei­te. Auch hier ist es gleich­gül­tig, ob man nach oben oder unten wickelt.

Die oben gezeig­te Lei­ter­plat­te ist so ent­wor­fen, daß sich die Pins 1 und 4 sowie 2 und 3 direkt gegen­über­lie­gen. Damit kön­nen die Dräh­te der Wick­lung direkt so ange­schlos­sen wer­den, wie sie aus dem Ring­kern kom­men, ohne sie zu kreuzen.

Wickel­draht

Übli­cher­wei­se wird lackier­ter Kup­fer­draht (CuL) auf den Ring­kern gewickelt. Das sieht oft nicht beson­ders schön aus, weil man den Draht nur schwer glatt­ge­zo­gen bekommt. Ich habe es daher mal mit HF-Lit­ze pro­biert, die wesent­lich geschmei­di­ger ist. Ich habe eine 55m-Rol­le gekauft, die aus 105 ein­zel­nen Kup­fer­adern besteht, von denen jede einen Durch­mes­ser von 32µm hat. Das ergibt einen Außen­durch­mes­ser von 0,46 mm und es ent­spricht einem CuL-Draht von etwas über 0,3 mm Durch­mes­ser. Die Durch­schlags­fe­stig­keit wur­de mit min­de­stens 500 V ange­ge­ben. Tat­säch­lich lässt sich die HF-Lit­ze sehr schön ver­ar­bei­ten, aber ich muß zuge­ben, daß es auch nicht viel schö­ner aus­sieht, als mit CuL-Draht. Einen Vor­teil hat es ver­mut­lich nicht.

Anfang und Ende der Wick­lung sind jeweils mit einem win­zi­gen Tröpf­chen Sekun­den­kle­ber fixiert. Es wur­de dar­auf geach­tet, daß zwi­schen der ersten und letz­ten Win­dung ein etwas erhöh­ter Abstand bleibt, denn dort ist die anlie­gen­de Span­nung am höch­sten. Das ist bei 100 Watt Sen­de­lei­stung nicht wirk­lich wich­tig, denn die Spit­zen­span­nung liegt da bei „nur“ 200 V und die Iso­la­ti­on der Lit­ze soll 500 V aus­hal­ten. Das soll­te für über 600 Watt rei­chen, aber das muß man ja nicht ausreizen.

Induk­ti­vi­tät und Selbstresonanz

Der hier ver­wen­de­te Ami­don-Ring­kern FT 50–43 ist mit einem AL-Wert von 440 nH/Wdg² spe­zi­fi­ziert. Das lässt bei 35 Win­dun­gen eine Induk­ti­vi­tät von 35×35×440 nH = 539 µH erwar­ten. Die Mes­sung bestä­tigt das:

Bei nied­ri­gen Fre­quen­zen beträgt die Induk­ti­vi­tät 544 µH, liegt also sehr nahe am errech­ne­ten Wert. Die zwei­te Spu­le lag etwas unter 500 µH. Soll­te ich da etwa eine Win­dung zu wenig drauf­ge­wickelt haben? Nein, es blei­ben nach mehr­fa­chem nach­zäh­len jeweils 35 Win­dun­gen. Ein Blick in das Daten­blatt klärt die Dis­kre­panz: die Tole­ranz des AL-Wer­tes wird mit 25% spe­zi­fi­ziert. Da die Spu­le aber hier als Über­tra­ger ein­ge­setzt wird, ist ihre Win­dungs­zahl wich­tig und die Induk­ti­vi­tät ist von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung. Ihr Schein­wi­der­stand soll aber bei der nied­rig­sten Betriebs­fre­quenz so hoch sein, daß kein signi­fi­kan­ter Strom fließt. In die­sem Fall liegt er für das 160-m-Band bei über 6 kΩ.

Was ist mit der Selbst­re­so­nanz­fre­quenz (SRF)? Die Mes­sung zeigt, daß sie bei etwa 4,75 MHz liegt. Das lässt auf eine par­al­le­le para­si­tä­re Kapa­zi­tät von 2 pF schlie­ßen, die kaum zu unter­bie­ten sein dürf­te. Das muß uns in die­sem Fall auch nicht wei­ter stö­ren, denn die Spu­le ist nicht in einem Reso­nanz­kreis ver­baut, son­dern in einem Über­tra­ger, der zudem nie­der­oh­mig mit 50 Ohm bela­stet ist. Die nach­fol­gen­den Mes­sun­gen zei­gen, daß es im Bereich der SRF kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten gibt.

Mes­sun­gen am fer­ti­gen Richtkoppler

Fünf Lei­ter­plat­ten sind schnell gefer­tigt: Sonn­tags die Fer­ti­gungs­da­ten nach Chi­na geschickt und schon am Frei­tag danach lie­gen die Lei­ter­plat­ten im Brief­ka­sten. Kosten für Fer­ti­gung, Ver­sand und Ein­fuhr­um­satz­steu­er etwas unter 9 Euro. Immer noch unglaub­lich, die Chi­ne­sen las­sen uns wirk­lich alt aus­se­hen! Die Ring­ker­ne sind ja bereits fer­tig gewickelt und war­ten auf den Ein­bau. Noch vor dem Mit­tag­essen ist eine Lei­ter­plat­te bestückt:

Nach­fol­gend sol­len die­sel­ben Mes­sun­gen wie schon beim Pro­to­ty­pen durch­ge­führt wer­den. Alle Mes­sun­gen star­ten bei 100 kHz, weil das unschö­ne Mess­ergeb­nis­se bei sehr nied­ri­gen Fre­quen­zen ver­mei­det. Die Mes­sun­gen enden bei 150 MHz, weit jen­sei­tes des vor­ge­se­he­nen Betriebs­be­reichs, der eigent­lich nur bis 30 MHz geht, aber wenn mög­lich 50 und 70 MHz ger­ne noch mit­neh­men darf.

Durch­gangs­dämp­fung

Die Durch­gangs­dämp­fung liegt wie erwar­tet im gesun­den Bereich.

Kopp­lungs­ver­lust

Der zu erwar­ten­de Kopp­lungs­ver­lust bei einem Über­tra­gungs­ver­hält­nis von 1:35 liegt bei 10 * log(35²) = 30,9 dB. Die Mes­sung bestä­tigt das für den Kurz­wel­len­be­reich im Rah­men der Meß­ge­nau­ig­keit. Auch bei 100 MHz ist die Abwei­chung noch sehr gering. Man beach­te den im Ver­gleich zu den ersten Mes­sun­gen ver­zehn­fach­ten ver­ti­ka­len Zoomfaktor.

Iso­la­ti­on

Im Ver­gleich zum Pro­to­ty­pen ist die Iso­la­ti­on erschreckend schlecht. Bei 1 MHz ist der Unter­schied nur gut 1 dB, bei 50 MHz aber schon 7 dB und bei etwas über 100 MHz ist die Iso­la­ti­on völ­lig dahin. Sie kommt an den Kopp­lungs­ver­lust her­an und damit ist kei­ne Richt­schär­fe mehr vor­han­den. Der Kopp­ler ist für eine Mes­sung bei die­sen Fre­quen­zen unbrauchbar.

Soll­te es etwa doch einen Grund geben, war­um man eine geer­de­te Abschir­mung zwi­schen Pri­mär- und Sekun­där­wick­lung anbrin­gen soll­te? Nun, das Board ist schnell umgebaut:

Das sieht jetzt nicht mehr so schön aus wie vor­her, aber es ist ja nur ein Pro­vi­so­ri­um. Die Meß­er­geb­nis­se sind erhel­lend, beson­ders wenn bei­de in einer Gra­fik gegen­über­ge­stellt werden:

Die Iso­la­ti­on ist im unte­ren Fre­quenz­be­reich um fast 20 dB bes­ser gewor­den. Die Erklä­rung ist sim­pel, da hät­te ich auch gleich drauf kom­men kön­nen: ohne Abschir­mung kop­pelt die Pri­mär­sei­te kapa­zi­tiv auf die Sekun­där­sei­te, was sich beson­ders bei hohen Fre­quen­zen sehr deut­lich zeigt (und dort auch mit der Abschir­mung nicht zu ver­mei­den ist).

Richt­schär­fe

Auch die Richt­schär­fe soll hier für die abge­schirm­te und unab­ge­schirm­te Vari­an­te in einer ein­zi­gen Gra­fik gegen­über­ge­stellt wer­den. Sie ist das Ver­hält­nis der reflek­tier­ten Span­nung zur vor­lau­fen­den Span­nung und daher direkt ein Abbild der Isolation:

Neh­men wir 20 dB Richt­schär­fe als abso­lu­tes Mini­mum an, unter­halb des­sen kei­ne ver­nünf­ti­ge Mes­sung mehr mög­lich ist, dann funk­tio­niert die nicht abge­schirm­te Vari­an­te gera­de so im Kurz­wel­len­be­reich, wäh­rend die abge­schirm­te Vari­an­te bis ins 4‑m-Band ver­wend­bar ist.

Erkennt­nis

Eine Abschir­mung zwi­schen Pri­mär- und Sekun­där­wick­lung ist unab­ding­bar. Selbst die „hin­ge­ba­stel­te“ Ver­si­on bringt bei nied­ri­gen Fre­quen­zen fast 20 dB Gewinn an Iso­la­ti­on und Richt­schär­fe. Es lohnt sich offen­sicht­lich, hier noch mehr Auf­wand hin­ein­zu­stecken. Es sieht nach einem ange­pass­ten neu­en Design aus, aber erst ein­mal soll die­se Vari­an­te bis 100 Watt gete­stet werden.

Erster Pro­be­be­trieb

Die­sen Richt­kopp­ler habe ich nun zusam­men mit der Aus­wer­te­schal­tung in ein pro­vi­so­ri­sches (recy­cel­tes) wet­ter­fe­stes Gehäu­se geschraubt und zunächst mal mit 100 Watt an einer Dum­my­load betrie­ben. Nach fünf Minu­ten Betrieb hält sich die Auf­wär­mung in engen Grenzen:

Infrarotaufnahme des Kopplers nach fünf Minuten Betrieb mit 100 Watt
Infra­rot­auf­nah­me des Kopp­lers nach fünf Minu­ten Betrieb mit 100 Watt

T2 zeigt eine Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung um etwa 10°C gegen­über der Umge­bungs­tem­pe­ra­tur. Das liegt in der­sel­ben Grö­ßen­ord­nung wie die ver­wen­de­ten Koax­ka­bel. Die Kame­ra macht zwei Fotos, eines im infra­ro­ten und das ande­re im sicht­ba­ren Bereich. Lei­der sind bei­de nicht deckungsgleich.

Inzwi­schen ist der Pro­to­typ zu Test­zwecken am Anten­nen­mast mon­tiert und zwi­schen die Zulei­tung und den Anten­nen­tu­ner eingeschleift.

Erste Tests sind ermu­ti­gend, wei­te­re Tests wer­den ein paar Tage in Anspruch neh­men. Die bis­her pro­vi­so­ri­sche Aus­wer­te­soft­ware bedarf aber einer grund­le­gen­den Über­ar­bei­tung, was sicher ein paar Wochen dau­ern wird. Ich wer­de berichten…

Gam­ma-Mess­ge­rät – Der erste Prototyp

Nach­dem ich in der vor­he­ri­gen Arti­kel­se­rie zur Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors (Teil 1, 2, 3) ein aller­er­stes Test­board („PoC“) zum Prü­fen der Idee vor­ge­stellt habe, steht nun ein Ent­wurf für den ersten ech­ten Pro­to­ty­pen zur Ver­fü­gung. Hier der Schalt­plan und die 3D-Ansicht:

Kurz­be­schrei­bung

Die Funk­ti­ons­wei­se ist weit­ge­hend gleich­ge­blie­ben, aber der Mikro­con­trol­ler ist nun auf dem Board unter­ge­bracht und es wird daher kein sepa­ra­tes CPU-Board mehr benö­tigt. Das CPLD wur­de durch einen moder­ne­ren Typ ersetzt, ein 5M160Z im platz­spa­ren­den 64-Pin EQFP-Gehäu­se mit 0,4 mm Pin­ab­stand. Die­se Gene­ra­ti­on ver­trägt kei­ne 5‑V-Ver­sor­gungs­span­nung mehr und daher wur­de das gesam­te Design auf 3.3 V Ver­sor­gung geän­dert. Auch hier wur­de wie­der der bewähr­te Simp­le Swit­cher LMR16006X von TI ein­ge­setzt, der mit bis zu 60 V Ein­gangs­span­nung umge­hen kann. Zum Schutz vor über­ho­hen Span­nun­gen ist im Ein­gang aller­dings eine Schutz­di­ode SMBJ36A ver­baut, die die nomi­na­le Betriebs­span­nung auf 36 V DC begrenzt. Auch die Kon­den­sa­to­ren sind nur bis 50 V spe­zi­fi­ziert, da emp­fiehlt es sich, etwas Sicher­heits­ab­stand zu hal­ten. Bekannt­lich nimmt ja auch die Kapa­zi­tät von Kera­mik­kon­den­sa­to­ren bei stei­gen­der Betriebs­span­nung erheb­lich ab.

Das CPLD

Das CPLD benö­tigt 1.8 V als Betriebs­span­nung für den Kern. Die wird mit einem Line­ar­reg­ler aus den 3.3 V erzeugt. Da die Strom­auf­nah­me gering ist, hält sich die Ver­lust­lei­stung in Gren­zen. Die 3.3‑V-Versorgung ist für einen Maxi­mal­strom von 500 mA ausgelegt.

Das Inter­face zum CPLD wur­de etwas ange­passt. Da es sehr viel mehr Pins zur Ver­fü­gung stellt als benö­tigt wer­den, wur­den jeweils vier Pins für einen DIP-Schal­ter und für LEDs vor­ge­se­hen. Sie wer­den von der CPU über eine syn­chro­ne seri­el­le Schnitt­stel­le gele­sen und geschrie­ben, genau­so wie der Fre­quenz­zäh­ler. Das Design steht noch aus. Am ein­fach­sten dürf­te klas­si­sches Bit-ban­ging sein, aber viel­leicht geht auch was mit der IIC-Schnitt­stel­le, an der auch der Tem­pe­ra­tur­sen­sor hängt. Ich wer­de noch etwas her­um­spie­len. Das Design aus dem PoC-Board habe ich test­wei­se von dem 16-bit- auf einen 20-bit-Zäh­ler erwei­tert. Damit wer­den 46 der 160 LEs belegt, es bleibt also genug Platz für wei­te­re Spielereien.

Mes­sung der Phasenverschiebung

Zur Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung sind jetzt zwei Tief­päs­se imple­men­tiert, einer für vor­ei­len­de und der ande­re für nach­ei­len­de Rück­lauf­span­nung. Das ver­mei­det ein hoch­fre­quen­tes Digi­tal­si­gnal an einem Port­ein­gang der CPU, benö­tigt dafür aber zwei Analogeingänge.

Digi­tal­wand­lung der Taktsignale

Die Digi­tal­wand­lung der Takt­si­gna­le hat­te sich bereits im PoC-Board bewährt und wur­de bei­be­hal­ten. Zur mög­lichst guten Ent­kopp­lung der Span­nungs­ver­sor­gun­gen wur­den hier wie­der EMI-Fil­ter von Mura­ta ein­ge­setzt. Als pas­send und gut ver­füg­bar wur­de der Typ NFM18PS105R ausgewählt.

Die Log­arith­mi­schen Verstärker

Auch hier wur­den kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen vor­ge­nom­men. Die ohne­hin optio­na­len Wider­stands­netz­wer­ke an den Aus­gän­gen wur­de entfernt.

Als Ter­mi­nie­rungs­wi­der­stän­de an den Port­ein­gän­gen wur­den jeweils zwei par­al­le­le 105‑Ω‑Widerstände ein­ge­baut, die den Ein­gangs­wi­der­stand zusam­men mit den ande­ren Lasten auf ziem­lich genau 50 Ω ter­mi­nie­ren soll­ten. Jeder die­ser Wider­stän­de hat eine 2010er Bau­form und ver­trägt eine Ver­lust­lei­stung von 500 mW, zusam­men also 1 Watt. Ein Kopp­ler mit einer nomi­na­len 30-dB-Kop­pel­dämp­fung könn­te dann also mit bis zu 1 kW Lei­stung betrie­ben werden.

Schnitt­stel­len

In mei­nen Außen­ge­rä­ten ver­wen­de ich seit jeher die RS485-Schnitt­stel­le. Damit kann man zuver­läs­sig meh­re­re hun­dert Meter über­brücken und Kopp­lun­gen des Sen­de­si­gnals von in mei­nem Fall immer­hin 100 Watt waren nie ein Pro­blem, obwohl alle Kabel im sel­ben Kanal liegen.

Um eine Ver­wen­dung des Kopp­lers im Innen­be­reich, z.B. direkt an der Sta­ti­on, nicht unnö­tig zu erschwe­ren, habe ich für die­sen Pro­to­ty­pen die optio­na­le Ver­wen­dung einer USB-Schnitt­stel­le und eines Blue­tooth-Adap­ters vor­ge­se­hen. Sie kön­nen alter­na­tiv im unte­ren Bereich auf­ge­steckt werden.

Bei auf­ge­steck­ter USB-Schnitt­stel­le kann das Board auch über USB ver­sorgt werden.

Sta­tus und Fertigung

Das Pro­jekt ist momen­tan genau­so­weit fort­ge­schrit­ten, wie hier beschrie­ben. Der Schalt­plan ist mehr oder weni­ger fer­tig und die Kom­po­nen­ten sind pro­vi­so­risch plat­ziert. Gerou­tet ist noch nichts, klei­ne Ände­run­gen sind noch mög­lich, nöti­gen­falls auch große.

Der Pro­to­typ ist so ent­wor­fen, daß er bei JLCPCB auf einer preis­gün­sti­gen 4‑lagigen Pla­ti­ne gefer­tigt wer­den kann. Das Hand­lö­ten von 0.4‑mm-pin-pitch Gehäu­sen muß ich mir dann nicht antun. Als Bau­grö­ßen für das Vogel­fut­ter habe ich meist 0603 gewählt, weil die­se Kom­po­nen­ten not­falls noch von Hand ersetzt wer­den kön­nen. 0402 wäre auch mög­lich, bringt aber auch nicht mehr soviel mehr Platzgewinn.

Die Kosten­vor­schau zeigt mir bei fünf Boards über 260 Euro an. Dazu kommt dann die Ein­fuhr­um­satz­steu­er und Ver­sand, so daß ein Board fast 70 Euro kosten dürf­te. Am teu­er­sten sind übri­gens die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker, die pro Stück mit knapp 13 Euro zu Buche schla­gen. Das CPLD kostet 5 Euro und der Mikro­con­trol­ler 3 Euro. Da soll­te man vor der Bestel­lung noch­mal gut nachdenken.

Die SMA-Buch­sen und die Pfo­sten­steck­ver­bin­der wer­de ich bei Bedarf von Hand anlö­ten. Die JTAG Schnitt­stel­len wer­den besten­falls nur ein­mal benö­tigt, näm­lich um den Boot­loa­der in die CPU und den Bit­stream in das CPLD zu pro­gram­mie­ren. Zumin­dest zu Bastel­zwecken geht das ver­mut­lich, ohne die Steck­ver­bin­der einzulöten.

Gesamt­an­sicht

Abschlie­ßend noch eine Ansicht des Pro­to­ty­pen mit ange­schlos­se­nem Antennenkoppler:

Am Anten­nen­kopp­ler sol­len natür­lich SMA-Male Steck­ver­bin­der ver­baut wer­den, die hier man­gels 3D-Modell als SMA-Fema­le gezeigt sind.

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 3

Es ist soweit: ich kann die ersten Meß­er­geb­nis­se prä­sen­tie­ren. Die Aus­wer­te­soft­ware funk­tio­niert soweit, daß man sie nut­zen kann. Ich wür­de sie als Beta-Ver­si­on bezeich­nen, hier und da sind sicher­lich noch Feh­ler vor­han­den und Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten gibt es ja sowie­so immer. Die Mes­sun­gen wur­den noch nicht mit einem Trans­cei­ver und ech­ter Anten­ne gewon­nen, son­dern mit einem Signal­ge­nera­tor SDG6022X von Siglent.

Die Aus­wer­tungs­soft­ware

Hier zunächst exem­pla­risch ein Screen­shot der Auswertesoftware:

Hier ist eine Mes­sung mit einer Vor­lauf­lei­stung von 0 dBm und einer Rück­lauf­lei­stung von ‑3 dBm bei einer Fre­quenz von 10 MHz gezeigt. Die Bedeu­tung der ein­zel­nen Fel­der wird nach­fol­gend beschrie­ben. Die ver­wen­de­ten Signal­na­men sind die­sel­ben, die auch im Schalt­plan ver­wen­det wurden.

Meß­er­geb­nis­se

In die­ser Group Box wer­den die unver­ar­bei­te­ten Meß­er­geb­nis­se ange­zeigt, so wie sie vom Mikro­con­trol­ler erfasst wurden.

LOGUF und LOGUR

Das sind die vom Micro­con­trol­ler gemes­se­nen Vor- und Rück­lauf­span­nun­gen LOGUF und LOGUR. Es sind die unver­än­der­ten Roh­da­ten, so wie sie aus den log­arith­mi­schen Ver­stär­kern herauskommen.

UDIFF

UDIFF ist die Span­nung, die die Pha­sen­dif­fe­renz anzeigt. Es ist die aus dem Tief­pass her­aus­kom­men­de mitt­le­re PWM Span­nung. Auch die­ser Meß­wert ist unbearbeitet.

UR_LD

UR_LD ist 0 oder 1 und zeigt an, ob die rück­lau­fen­de Span­nung der vor­lau­fen­den Span­nung vor­eilt oder hinterherhinkt.

Fre­quenz

Das ist die vom CPLD gemes­se­ne Fre­quenz der vor­lau­fen­den Span­nung UF. Die Fre­quenz ist natur­ge­mäß die glei­che wie die der reflek­tier­ten Span­nung UR, aber je bes­ser die Anpas­sung wird, umso klei­ner wird UR. Die Fre­quenz wird mit einer Tor­zeit von 1 ms mit einem 16-Bit Zäh­ler im CPLD gemes­sen. Bei 65 MHz erfolgt daher ein Zäh­ler­über­lauf. Das kann durch Ver­kür­zen der Tor­zeit oder durch Erwei­tern des Zäh­lers auf mehr Bit ver­mie­den wer­den. Bei­des wäre pro­blem­los mög­lich, ist aber im Moment unnötig.

UDIFF0 und UDIFF1

UDIFF0 und UDIFF1 sind die beim Kali­brie­ren gemes­se­nen Span­nun­gen am Aus­gang des Tief­pas­ses. Zum Kali­brie­ren wird der PWM Aus­gang ein­mal auf low und ein­mal auf high gelegt und die jewei­li­ge Aus­gangs­span­nung des Tief­pas­ses gemes­sen. Damit lie­gen die Eck­span­nun­gen für 0° und 180° Pha­sen­ver­schie­bung fest.

Con­fig

Hier kön­nen ein paar Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­ten ein­ge­ge­ben wer­den, die spä­ter zur Meß­aus­wer­tung benö­tigt werden.

Kop­pel­dämp­fung

Die Kop­pel­dämp­fung ist die Dämp­fung des ein­ge­setz­ten Richt­kopp­lers. Sie hängt vom Ver­hält­nis der Win­dungs­zah­len ab. 30 dB ist ein ver­nünf­ti­ger Wert, mehr als 35 dB eher unwahr­schein­lich, weil es eine zu hohe Win­dungs­zahl der Über­tra­ger des Kopp­lers erfordert.

Dämp­fung UF und UR

Hier wird die zusätz­li­che Dämp­fung zwi­schen den Aus­gän­gen des Richt­kopp­lers und den Ein­gän­gen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker eige­ge­ben. Im Test­auf­bau sind hier etwa 6 dB Dämp­fung ein­ge­baut. Schon die ersten Mes­sun­gen haben gezeigt, das bei­de Kanä­le nicht voll­kom­men sym­me­trisch sind, son­dern bis zu 4 dB von­ein­an­der abwei­chen. Lei­der ist die­se Abwei­chung auch noch fre­quenz­ab­hän­gig. Für die hier gezeig­ten Mes­sun­gen wur­de die­se Dämp­fung so ein­ge­stellt, daß die berech­ne­ten Vor- und Rück­lauf­lei­stun­gen mit den am Signal­ge­nera­tor ein­ge­stell­ten Wer­ten übereinstimmen.

Die­se bei­den Wer­te sind genau genom­men „fudge fac­tors“, Schum­mel­wer­te. Das ist unschön, sie machen das Design nicht ohne wei­te­res repro­du­zier­bar, wenn man es auf höhe­re Genau­ig­keit anlegt. Im Grun­de müss­te jede ein­zel­ne Pla­ti­ne aus­ge­mes­sen wer­den, wenn man den Feh­ler nicht akzep­tie­ren will. Ande­rer­seits sei noch­mal dar­auf hin­ge­wie­sen, daß es sich hier nicht um ein hoch­prä­zi­ses Meß­ge­rät han­delt und daß man in der Pra­xis sowie­so einen SWR-Mini­mal­wert statt eines abso­lu­ten Wer­tes sucht. Gerin­ge Abwei­chun­gen sind dann irrelevant.

SWR

Im rechts gezeig­ten Smith-Dia­gramm kön­nen bis zu drei SWR-Krei­se ange­zeigt wer­den. Ihre Wer­te kön­nen in die­sen drei Fel­dern ein­ge­stellt werden.

Berech­nung

In die­ser Group Box wer­den die Rechen­er­geb­nis­se ange­zeigt, die sich aus den Meß­wer­ten erge­ben. Die Berech­nun­gen erfol­gen genau so, wie es in die­sem Calc-Spreadsheet gezeigt wurde.

Vor/Rücklauf in dBm

Die­se Fel­der zei­gen die errech­ne­ten Vor- und Rück­lauf­lei­stun­gen in dBm an. Weil die vor­hin erwähn­ten UF/UR-Dämp­fun­gen ent­spre­chend ein­ge­stellt wur­den, sind das genau die Lei­stun­gen, die am Test­ge­ne­ra­tor aus­ge­ge­ben werden.

Vor/Rücklauf in V

Hier sind die vor­her berech­ne­ten Lei­stun­gen von dBm in V umgerechnet.

Pha­sen­win­kel

Die­ses Feld zeigt den aus UDIFF und UR_LD unter Berück­sich­ti­gung von UDIFF0 und UDIFF1 berech­ne­ten Pha­sen­win­kel an. Er wird wie in der Mathe­ma­tik üblich ent­ge­gen dem Uhr­zei­ger­sinn gezählt. Rechts ist 0°, oben 90°, links 180° und unten 270°. 270° sind iden­tisch mit ‑90° und 180° sind das­sel­be wie ‑180°.

Die Bild­un­ter­schrift zeigt den am Signal­ge­nera­tor ein­ge­stell­ten Wert. Wegen der Schwell­span­nung der Kom­pa­ra­to­ren von etwa 5 mV ergibt sich eine Dis­kre­panz zum gemes­se­nen Wert. Die­se Dis­kre­panz steigt mit nied­ri­ger wer­den­der Rück­lauf­span­nung UR, so daß bei weni­ger als 30 dBm kei­ne zuver­läs­si­ge Mes­sung des Pha­sen­win­kels mehr mög­lich ist. Das ist in der Pra­xis über­haupt kein Pro­blem, denn das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist dann schon bes­ser als 1,1.

SWR

Hier wird das aktu­ell gemes­se­ne Steh­wel­len­ver­hält­nis angezeigt.

Gam­ma und |Gam­ma|

Gam­ma zeigt den aus dem Pha­sen­win­kel und dem Ver­hält­nis von UV und UR errech­ne­ten vek­to­ri­el­len Refle­xi­ons­fak­tor. |Gam­ma| ist der Betrag die­ses Reflexionsfaktors.

Aus­gangs­lei­stung

Das ist die augen­blick­li­che Sen­der­aus­gangs­lei­stung. Sie wird aus der gemes­se­nen Vor­lauf­lei­stung und der Kop­pel­dämp­fung berech­net. Die nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Meß­er­geb­nis­se zei­gen, daß eine Sen­der­aus­gangs­lei­stung von 1 Watt für die Abstim­mung völ­lig aus­rei­chend ist.

Impe­danz der Last

Die Impe­danz der Last wird aus dem Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma berech­net. Sie­he auch For­mel [6] in der For­mel­samm­lung.

R||X und R‑X

Die­se Fel­der zei­gen die Wirk- und Blind­wi­der­stän­de der Last. Wie bei einem rein ohm­schen Wider­stands­netz­werk kann ein vor­ge­ge­be­ner Schein­wi­der­stand auch aus par­al­lel oder seri­ell geschal­te­ten Ein­zel­wi­der­stän­den auf­ge­baut wer­den. Die bei­den Mög­lich­kei­ten wer­den in die­sen Fel­dern gezeigt. Das ist nütz­lich bei der Veri­fi­ka­ti­on der Rechen­er­geb­nis­se mit SimS­mith (sie­he unten).

Berech­ne­tes Anpassnetzwerk

Die­ses Feld zeigt das für die gemes­se­ne Fre­quenz berech­ne­te Anpass­netz­werk und die Topo­lo­gie an. Es wer­den hier nur Tief­päs­se berech­net, ein­mal mit einem Kon­den­sa­tor par­al­lel zum Gene­ra­tor und seri­el­ler Spu­le (Gen-ParC-SerL-Load) und ein­mal mit dem Kon­den­sa­tor par­al­lel zur Last (Gen-SerL-ParC-Load). Hoch­pass­kon­fi­gu­ra­tio­nen wären auch mög­lich, sie wer­den aber in Anten­nen­tu­nern übli­cher­wei­se nicht eingesetzt.

Smith-Dia­gramm

In die­sem Fen­ster wird das Smith-Dia­gramm dar­ge­stellt. Der Mar­ker zeigt den Meß­wert und die roten und grü­nen Kur­ven den Ver­lauf des errech­ne­ten Anpas­sungs­netz­werks hin zur 50-Ω-Refe­renz­im­pe­danz in der Mitte.

Kon­troll­rech­nung mit SimSmith

Das oben exem­pla­risch gezeig­te Meß­er­geb­nis soll nun mit SimS­mith veri­fi­ziert werden.

Der lin­ke Screen­shot zeigt die Simu­la­ti­on der Last mit par­al­lel­ge­schal­te­ten Ele­men­ten, der rech­te mit seri­ell geschal­te­ten Ele­men­ten. Die sich dar­aus erge­ben­de Last­im­pe­danz ist mit dem Mar­ker gekenn­zeich­net und deckt sich mit dem Ergeb­nis der oben gezeig­ten Aus­wer­te­soft­ware. Auch die gefun­de­ne Lösung für das Anpas­sungs­netz­werk wur­de ein­ge­zeich­net und auch die deckt sich mit dem Ergeb­nis der Auswertesoftware.

Wei­te­re Meßergebnisse

Ohne grö­ße­re Kom­men­ta­re wer­den nach­fol­gend die wei­te­ren Meß­er­geb­nis­se für unter­schied­li­che Pha­sen­win­kel und Rück­lauf­lei­stun­gen doku­men­tiert. Alle Mes­sun­gen wur­den mit einer Vor­lauf­lei­stung von 0 dBm (1 mW) bei 10 MHz durchgeführt.

Rück­lauf­lei­stung ‑1dBm

Eine Rück­lauf­lei­stung von ‑1 dBm ent­spricht einem sehr schlech­ten SWR von 15,5. Fast die gesam­te vor­lau­fen­de Lei­stung wird reflek­tiert. Das star­ke rück­lau­fen­de Signal hat für die Mes­sung aber den Vor­teil hoher Meß­ge­nau­ig­keit. Bei bes­se­rem SWR kann das Meß­er­geb­nis nur schlech­ter werden.

Rück­lauf­lei­stung ‑3dBm

Bei ‑3 dBm ergibt sich ein SWR von 5,4. Auch das ist noch gut meßbar

Rück­lauf­lei­stung ‑10dBm

Wenn nur noch ein zehn­tel der vor­lau­fen­den Lei­stung reflek­tiert wird, sinkt das SWR auf einen für den Trans­cei­ver gesun­den Wert von 1,9. Auch hier zei­gen sich kei­ne Meß­pro­ble­me, sowohl Pha­sen­win­kel als auch Lei­stun­gen wer­den zuver­läs­sig gemessen.

Rück­lauf­lei­stung ‑20dBm

Hier wird nur noch ein hun­der­stel der vor­lau­fen­den Lei­stung reflek­tiert, das SWR sinkt auf 1,2. Der Feh­ler bei der Mes­sung des Pha­sen­win­kels steigt auf 10° bis 20°, was aber durch­aus noch brauch­bar ist.

Rück­lauf­lei­stung ‑30dBm

Bei ‑30 dBm kommt man an die Gren­zen des Meß­be­reichs der Pha­sen­mes­sung. Der gemes­se­ne Pha­sen­win­kel weicht stark vom tat­säch­li­chen Pha­sen­win­kel ab. Im Grun­de ist die Mes­sung des Pha­sen­win­kels unbrauch­bar. Das gilt nicht für die Mes­sung der Lei­stun­gen, das SWR wird zuver­läs­sig angezeigt.

Rück­lauf­lei­stung ‑35dBm

Auch bei ‑35 dBm wird noch die Pha­sen­la­ge gemes­sen, sie weicht aber noch mehr vom wah­ren Wert ab.

Rück­lauf­lei­stung ‑40dBm

Bei ‑40 dBm wird ein SWR von 1,0 ange­zeigt, weil prak­tisch kei­ne Lei­stung mehr reflek­tiert wird, nur noch ein Zehn­tau­send­stel der vor­lau­fen­den Lei­stung. UDIFF zeigt in allen Mes­sun­gen einen Mit­tel­wert von etwa 1,624 V an. Das bedeu­tet, daß der Takt der rück­lau­fen­den Span­nung UR nicht mehr erkannt wird.

Zusam­men­fas­sung

Die Pha­sen­mes­sung funk­tio­niert zuver­läs­sig, frei­lich mit abneh­men­der Prä­zi­si­on, bis zu einer Rück­lauf­lei­stung von etwa ‑30 dBm. Bei einer Kop­pel­dämp­fung von 30 dB bedeu­tet das, daß die Pha­sen­la­ge mit einer Abstimm­lei­stung von 1 Watt zuver­läs­sig bis zu einem SWR von bes­ser als 1,2 gemes­sen wer­den kann. Die Mes­sung des Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses funk­tio­niert auch bei ‑40 dBm noch zuverlässig.

Wer höhe­re Prä­zi­si­on der Mes­sung anstrebt, kann natür­lich die Sen­de­lei­stung zum Abstim­men erhö­hen. Bei den han­dels­üb­li­chen Anten­nen­kopp­lern wird sowie­so eine höhe­re Lei­stung gefor­dert, z.B. 5 bis 15 Watt beim AH-730 von ICOM.

Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten

Das hier vor­ge­stell­te Design wur­de im ersten Teil als Pro­of-of-Con­cept bezeich­net. Es hat sich bewährt, die Idee funk­tio­niert. Es gibt natür­lich Verbesserungsmöglichkeiten.

Am leich­te­sten wäre eine Kor­rek­tur der Pha­sen­mes­sung durch die Soft­ware zu imple­men­tie­ren. Die Span­nung der rück­lau­fen­den Wel­le ist ja durch die Mes­sung bekannt und so lässt sich tri­go­no­me­trisch die Pha­sen­ver­schie­bung aus dem spä­te­ren Errei­chen der Schalt­schwel­le des Kom­pa­ra­tors korrigieren.

Die Mes­sung von UDIFF und UR_LD funk­tio­niert hin­rei­chend zuver­läs­sig. Bei einem Rede­sign wür­de ich aber UR_LD in irgend­ei­ner Wei­se tief­pass­fil­tern. Im Über­gangs­be­reich bei 0° und 180° liegt hier ein hoch­fre­quen­tes Signal an, das ein Micro­con­trol­ler nicht so ger­ne am Ein­gang sieht.

Die Abwei­chung der Meß­er­geb­nis­se am Aus­gang der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker macht mir noch etwas Kopf­zer­bre­chen. Hier habe ich bis zu 4 dB Abwei­chung bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur gemes­sen. Wie mag das erst bei ‑20 °C und +65 °C aus­se­hen, bei Schwan­kun­gen der Ver­sor­gungs­span­nung, über den gesam­ten Fre­quenz­be­reich und bei Alte­rung? Das lässt sich zwar per Soft­ware kom­pen­sie­ren, wür­de aber eine (ggf. regel­mä­ßi­ge) Kali­brie­rung erfor­dern. Womög­lich wäre es gar­nicht so abwe­gig, zu die­sem Zweck einen Signal­ge­nera­tor mit bekann­ter Aus­gangs­lei­stung ein­zu­bau­en. Ich grüb­le noch. Ein AD9834 ist in Chi­na für weni­ge Euro zu bekom­men. Die Fra­ge ist natür­lich, ob der Auf­wand gerecht­fer­tigt ist.

Links

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 1

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 2

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 2

Im ersten Teil habe ich die Grund­idee für die­ses Refle­xi­ons­fak­tor-Meß­ge­rät beschrie­ben und den Schalt­plan für ein Expe­ri­men­tal­board vor­ge­stellt. In die­sem zwei­ten Teil beschrei­be ich den prak­ti­schen Auf­bau der Lei­ter­plat­te und die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen. Die Mes­sun­gen wur­den noch ohne Anten­nen­kopp­ler durch­ge­führt. Als Signal­quel­le dient ein Sig­lent SDG6022X-Funk­ti­ons­ge­ne­ra­tor, als Meß­in­stru­ment ein Rigol HDO4404 (das inzwi­schen mit offen­sicht­lich glei­chem Funk­ti­ons­um­fang als Rigol DHO4404 ver­kauft wird). Auch das Micro­con­trol­ler­board hat noch kei­ne Funk­ti­on, außer daß es nach dem Ein­schal­ten die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und die Kom­pa­ra­to­ren enabled.

Foto des POC-Boards

Die­ses erste Test­board ist noch kein Pro­to­typ für einen Anten­nen­tu­ner, son­dern ein ein­fa­ches Expe­ri­men­tal­board, um zu prü­fen, ob die Idee über­haupt funk­tio­niert. Im Eng­li­schen bezeich­net man das als „pro­of-of-con­cept“ oder POC.

Strom­auf­nah­me

Die Strom­auf­nah­me liegt ohne Ein­gangs­si­gna­le bei 95 mA und steigt bei 10 MHz Takt­si­gna­len an bei­den Ein­gän­gen auf 101 mA.

Ein­gangs­im­pe­danz

Die Ein­gangs­im­pe­dan­zen lie­gen bei etwas über 50 Ω mit leich­tem kapa­zi­ti­ven Anteil.

Log­arith­mi­sche Verstärker

Die Aus­gangs­span­nun­gen LOGUF und LOGUR der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker wur­den bei 10 MHz und Ein­gangs­pe­geln zwi­schen ‑70 dBm und +23 dBm gemessen.

Beim Ver­gleich mit Daten­blatt­wer­ten ist das zusätz­li­che 6 dB Dämp­fungs­glied vor den Ein­gän­gen zu beach­ten. Das ist in der gel­ben Kur­ve berück­sich­tigt. Der Ver­lauf von LOGUF stimmt sehr gut mit dem Daten­blatt über­ein, wäh­rend LOGUR einen um etwa 100 mV (=4 dB) zu nied­ri­gen Wert anzeigt. Unter­halb von etwa ‑50 dBm fla­chen bei­de Kur­ven ab und ihre Meß­wer­te sind nicht mehr direkt verwendbar.

Ich habe auch die Fre­quenz­ab­hän­gig­keit von LOGUF und LOGUR exem­pla­risch bei 0 dBm unter­sucht. Von 1 MHz bis 100 MHz ändert sich LOGUF zwi­schen 1,98 und 1,84 V und LOGUR zwi­schen 1,88 und 1,77 V. Bei­de Kanä­le haben also eine Fre­quenz­ab­hän­gig­keit von 110 bis 140 mV, die aber bei bei­den Kanä­len nähe­rungs­wei­se gleich ist und sich daher kompensiert.

Kom­pa­ra­to­ren

Die ana­lo­ge Dif­fe­renz­span­nung UDIFF

Die Mes­sung der Dif­fe­renz­span­nung UDIFF hin­ter dem Tief­pass zeigt das beab­sich­tig­te linea­re Verhalten.

UDIFF ist bei einer Pha­sen­ver­schie­bung in einer Rich­tung gleich groß, wie bei glei­cher Pha­sen­ver­schie­bung in die ande­re Rich­tung. Wie bereits im ersten Teil erklärt, wird das Vor­zei­chen der Ver­schie­bung mit dem Signal UR_LD ange­zeigt. Es ist im Test­board mit LED3 ver­bun­den, die die­se Ver­schie­bung optisch anzeigt. Bei 0° und 180° Pha­sen­ver­schie­bung kommt es zu Unsi­cher­hei­ten bei der Rich­tungs­er­ken­nung, gege­be­nen­falls auch zu Meta­sta­bi­li­tä­ten, weil CLKUR nicht nach den Regeln der Kunst ein­syn­chro­ni­siert wur­de. Das macht aber nichts, weil UDIFF in bei­den Fäl­len gleich ist und der mög­li­cher­wei­se falsch errech­ne­te Pha­sen­win­kel nur wenig vom tat­säch­li­chen abweicht.

Die digi­ta­len Taktsignale

Die nach­fol­gen­den Oszil­lo­gram­me zei­gen die die digi­ta­len Takt­si­gna­le CLKUF und CLKUR direkt an den Aus­gän­gen der Kom­pa­ra­to­ren bei Pha­sen­ver­schie­bun­gen zwi­schen ‑180° und +180°. Bei­de Ein­gangs­pe­gel lie­gen bei „gesun­den“ 0 dBm und die Ein­gangs­fre­quenz beträgt 10 MHz.

Außer­dem wird das erzeug­te PWM Signal ange­zeigt, sowie die ana­lo­ge Span­nung UDIFF am Aus­gang des Tiefpasses.

Die deut­li­chen Über­schwin­ger sind auf die schnel­len Takt­aus­gän­ge in Ver­bin­dung mit den Mas­se­lei­tun­gen der Tast­köp­fe zurückzuführen.

Nied­ri­ge Pegel der reflek­tier­ten Spannung

Die reflek­tier­te Span­nung hat natur­ge­mäß nur bei hohem Steh­wel­len­ver­hält­nis einen hohen Pegel. Je bes­ser die Anpas­sung ist, umso gerin­ger wird die Span­nung, die man aus­wer­ten kann. Die nach­fol­gen­den Mes­sun­gen zei­gen das Ver­hal­ten der Pha­sen­mes­sung bei sin­ken­den Eingangsspannungen.

Alle Mes­sun­gen wur­den mit 90° Pha­sen­ver­schie­bung durch­ge­führt. Bis unge­fähr ‑20 dBm Ein­gangs­pe­gel wird die PWM recht zuver­läs­sig gene­riert, beginnt aber dann bereits, asym­me­trisch zu wer­den. Das liegt dar­an, daß die Ein­gangs­span­nung bei dem nied­ri­gen Pegel (ein zehn­tel der Span­nung bei 0 dBm) erst viel spä­ter den Umschalt­punkt erreicht, der von der Ein­gangs­hy­ste­re­se des Kom­pa­ra­tors bestimmt wird. Gleich­zei­tig wird der Schalt­zeit­punkt der nega­ti­ven Flan­ke unprä­zi­ser und beginnt zu „flat­tern“. Bei ‑40 dBm ist das Signal prak­tisch nicht mehr ver­wert­bar und bei ‑45 dBm ist es nicht mehr vorhanden.

20 dB Unter­schied zwi­schen UF und UR ent­spre­chen einem SWR von 1,22. Nach der gro­ben Abschät­zung im ersten Teil die­ses Bei­trags rei­chen die­se 20 dB Unter­schied für eine Genau­ig­keit der Pha­sen­mes­sung von 10°. Das scheint plau­si­bel und deckt sich unge­fähr mit der in der ‑20dBm-Mes­sung beob­ach­te­ten Phasenverschiebung.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber kom­men hier noch zwei Mes­sun­gen mit 10 Sekun­den Nachleuchtdauer.

Man erkennt hier nicht nur die durch­schnitt­li­che Pha­sen­ver­schie­bung son­dern auch den Jit­ter, also den Bereich in dem sich die Pha­sen­la­ge verschiebt.

Erkennt­nis­se und Verbesserungsideen

Strom­auf­nah­me

Die Strom­auf­nah­me von 100 mA ist mir zu hoch. Davon gehen etwa 25 mA auf das Kon­to der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und der Kom­pa­ra­to­ren, wei­te­re 10 oder 15 mA wer­den vom CPU-Board und den LEDs ver­braucht. All das kann bei Nicht­ge­brauch deut­lich redu­ziert wer­den. Der wesent­li­che Strom­ver­brauch geht auf das Kon­to des CPLDs, das bereits fürs Nichts­tun 60 mA zieht. Das soll­te sich im Low-Power Modus auf die Hälf­te redu­zie­ren las­sen, was aber dann als Dau­er­be­trieb immer noch viel ist. Schon im ersten Teil hat­te ich ange­deu­tet, die Aus­wahl des CPLDs noch­mal zu überdenken.

Ein­gangs­im­pe­danz

Die Ein­gangs­im­pe­danz liegt etwas über 50 Ω und wird bei höhe­ren Fre­quen­zen kapa­zi­tiv. Daher soll­ten die Ein­gangs­wi­der­stän­de R40 und R41 etwas ver­rin­gert wer­den, etwa auf 53 Ω. Außer­dem soll­te man beden­ken, daß an die­sen Wider­stän­den eine etwas höhe­re Lei­stung ver­bra­ten wer­den könn­te. Wenn man für den Richt­kopp­ler 30 dB Kop­pel­dämp­fung annimmt und die hier­zu­lan­de zuläs­si­ge Sen­de­lei­stung von 750 Watt ansetzt, wäre man mit 1 W auf der siche­ren Sei­te. Daher bie­tet es sich an, drei 160-Ω-Wider­stän­de par­al­lel zu schal­ten. Das wäre bei der 0805-er Bau­grö­ße gera­de für 990 Watt Dau­er­be­trieb aus­rei­chend (Spec beach­ten, nicht alle ver­tra­gen 330 mW).

Ampli­tu­den­mes­sung

Die log­arith­mi­schen Ver­stär­ker funk­tio­nie­ren im wesent­li­chen wie spe­zi­fi­ziert, aller­dings zeigt LOGUR etwa 4 dBm zu wenig an, was etwa 1 dBm mehr ist, als das Daten­blatt zulässt. Das lässt sich über einen Trim­mer am INT-Ein­gang kor­ri­gie­ren, aller­dings nur bis +/-3dB. Ver­mut­lich ist eine Unsau­ber­keit im Test­board für den Feh­ler ver­ant­wort­lich. Dem wer­de ich jetzt nicht nach­ge­hen. Ich wer­de eine Kor­rek­tur in der Soft­ware für sol­che gerin­gen Abwei­chun­gen vorsehen.

Pha­sen­dif­fe­renz­mes­sung

Die Mes­sung der Pha­sen­dif­fe­renz funk­tio­niert wie erwar­tet. Das Signal UR_LD wird aller­dings mit der CLKUF getak­tet und ist damit für die Port­pins eines Micro­con­trol­lers zu schnell. Ich erwar­te in der Pra­xis kei­ne Pro­ble­me, weil es ja nur in der Nähe der Umschalt­punk­te flat­tert, aber es ist unschön. Ich erwä­ge, bei einem Rede­sign zwei Tief­päs­se vor­zu­se­hen, einen für posi­ti­ve und den ande­ren für nega­ti­ve Pha­sen­ver­schie­bun­gen. Dann wer­den zwei Ana­log­ein­gän­ge benö­tigt und über einen Pegel­ver­gleich erkennt man die Rich­tung der Phasenverschiebung.

Aus­gangs­span­nung des CPLDs

Beim genau­en betrach­ten des Oszil­lo­gram­me fällt auf, daß das CPLD an sei­nen Aus­gän­gen besten­falls 4 V erreicht, statt der erwar­te­ten 5 V, mit denen es betrie­ben wird. Zur Erklä­rung hilft ein Blick ins Datenblatt:

Offen­sicht­lich sind als high-side-Schal­ter N‑MOS-Tran­si­sto­ren ver­baut, wodurch die Aus­gangs­span­nung immer um deren Schwell­span­nung unter­halb der Ver­sor­gungs­span­nung liegt. Auf die­sem Test­board führt das dazu, daß die LED3 etwas dunk­ler leuch­tet, als erwar­tet und daß die Span­nung UDIFF am Aus­gang des Tief­pas­ses etwas gerin­ger ist, als errech­net. Für alle ande­ren Zwecke reicht der Pegel völ­lig aus. Wäre das nicht der Fall, könn­te man pull-up-Wider­stän­de oder zusätz­li­che Trei­ber vor­se­hen. Die LED wür­de ich gegen GND schal­ten, statt gegen VDD.

Meß­er­geb­nis­se

Hier ist das Libre­of­fice Calc-Spreadsheet mit den Meßergebnissen:

Berech­nung des Anpassungsnetzwerks

Wie man aus den hier gewon­ne­nen Meß­er­geb­nis­sen das benö­tig­te Anpas­sungs­netz­werk berech­net, habe ich bereits im Bei­trag „Anten­nen­an­pas­sung mit Libre­Of­fice“ erläu­tert. Das dort vor­ge­stell­te Spreadsheet habe ich zu die­sem Zweck etwas angepasst:

Update 08.01.2025: neu­es Spreadsheet, das vor­he­ri­ge hat­te ein paar klei­ne Fehler.

Man kann jetzt in den Zei­len 3 bis 7 direkt die gemes­se­nen Wer­te in MHz und in Volt ein­ge­ben. Es fol­gen Umrech­nungs­fak­to­ren in den Zei­len 10 bis 13, die aus dem Daten­blatt, aus Berech­nun­gen oder aus Kali­brier­mes­sun­gen gewon­nen wer­den. In den Zei­len 15 bis 20 wer­den die Meß­wer­te in die nach­fol­gend benö­tig­ten Para­me­ter umgerechnet.

Zei­le 27 zeigt den errech­ne­ten kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma. In Zei­le 29 wird aus Γ und Z0 die Impe­danz der Last errech­net, danach der kom­ple­xe Leit­wert und die Kreis­fre­quenz. In den Zei­len 33 bis 41 wird mit­hil­fe der Kreis­fre­quenz der induk­ti­ve bzw. kapa­zi­ti­ve Anteil der Last berech­net und zwar ein­mal für Seri­ell­schal­tung und ein­mal für Par­al­lel­schal­tung der ein­zel­nen Ele­men­te. Das ist rein infor­ma­tiv, hilft aber bei der Kon­trol­le der Rech­nung mit SimS­mith. Die ver­blei­ben­den Zei­len berech­nen das nöti­ge Anpas­sungs­netz­werk in LC- und CL-Topo­lo­gie. Nur eines davon lie­fert eine rea­li­sier­ba­re Lösung.

Links

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 1

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 3

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner – Teil 1

In die­sem Blog habe ich mehr­fach erwähnt, daß mein näch­ster Anten­nen­tu­ner das Steh­wel­len­ver­hält­nis mes­sen und die Anten­ne mög­lichst auto­ma­tisch an die Impe­danz des Kabels und des Trans­cei­vers anpas­sen kön­nen soll. Das ist nichts neu­es, im Gegen­teil, es ist genau das, was ein „auto­ma­ti­scher Anten­nen­tu­ner“ macht.

Die­ser erste Teil beschreibt die prin­zi­pi­el­le Idee für die Mes­sung des Refle­xi­ons­fak­tors und einen Ver­suchs­auf­bau, der die Mach­bar­keit des Kon­zepts veri­fi­zie­ren soll.

Der zwei­te Teil wird die Meß­er­geb­nis­se des Ver­suchs­auf­baus doku­men­tie­ren und Ände­run­gen für den dar­auf­fol­gen­den ersten Pro­to­ty­pen vorschlagen.

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis und der Reflexionsfaktor

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis SWV (auch SWR oder VSWR genannt) zeigt an, wie gut eine kom­ple­xe Impe­danz an die Signal­quel­le ange­passt ist. Bei idea­ler Anpas­sung ist das Steh­wel­len­ver­hält­nis 1, bei völ­li­ger Fehl­an­pas­sung ist es unend­lich. Das SWV ist eine reel­le Zahl, der zugrun­de­lie­gen­de Refle­xi­ons­fak­tor Γ ist aber kom­plex (kom­ple­xe Zah­len wer­den durch Unter­strich gekenn­zeich­net). Das Steh­wel­len­ver­hält­nis errech­net sich fol­gen­der­ma­ßen aus dem Betrag des Reflexionsfaktors:

[1]

Dem SWV fehlt daher die Pha­sen­in­for­ma­ti­on des rück­lau­fen­den Signals im Ver­gleich zum vor­lau­fen­den Signal. In der kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor­ebe­ne (dem Smith-Dia­gramm, hier und hier) lie­gen daher alle Punk­te glei­chen Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses auf einem Kreis um den Nullpunkt.

Mes­sung des Stehwellenverhältnisses

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis wird mit einem Richt­kopp­ler gemes­sen, bei­spiels­wei­se einem Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­ler, den ich im Bei­trag „SWV-Mess­brücken“ schon ein­mal beschrie­ben und mit LTSpi­ce simu­liert habe. Ich habe anschlie­ßend auch einen Pro­to­ty­pen auf­ge­baut und in „Prak­ti­scher Auf­bau eines Richt­kopp­lers“ vor­ge­stellt und aus­ge­mes­sen. Ein wei­te­rer Bei­trag beschäf­tigt sich mit der „Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors mit einem Richt­kopp­ler“, der die ersten theo­re­ti­schen Grund­la­gen für den vor­lie­gen­den aktu­el­len Bei­trag liefert.

Berech­nung eines Anpassungsnetzwerks

Aus dem Steh­wel­len­ver­hält­nis kann man wegen sei­ner Mehr­deu­tig­keit nicht die idea­le Anpas­sung errech­nen. Her­kömm­li­che auto­ma­ti­sche Anten­nen­tu­ner ver­fol­gen daher einen ite­ra­ti­ven Ansatz: Tri­al & Error. Durch mög­lichst intel­li­gen­te Stra­te­gien wird ver­sucht, die Anpas­sung suk­zes­si­ve zu ver­bes­sern, bis im Ide­al­fall ein SWV von 1 erreicht ist. Das kann je nach Stra­te­gie recht lan­ge dau­ern, 10, 20 oder mehr Sekun­den. Es ist ein Sto­chern im Nebel. Daher mer­ken sich auto­ma­ti­sche Anten­nen­tu­ner eine ein­mal gefun­de­ne Anpas­sung, um sie bei der näch­sten Abstim­mung schnell wie­der einzustellen.

Um den Nach­teil des SWV zu umge­hen, wäre es daher sehr nütz­lich, gleich den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Γ zu mes­sen, statt nur sei­nen Betrag (aus dem sich nach [1] das SWV errech­net). Im Bei­trag „Anten­nen­an­pas­sung mit Libre­Of­fice“ habe ich gezeigt, wie man aus Γ mit einem Spreadsheet die nöti­gen Anpass­ele­men­te berech­net. Damit ent­fällt idea­ler­wei­se die mög­li­cher­wei­se lang­wie­ri­ge Suche, die im schlech­te­sten Fall auch kom­plett schief­ge­hen kann, weil über­haupt kein Ergeb­nis gefun­den wur­de. Bei der Berech­nung der idea­len Anpas­sung ist eine qua­dra­ti­sche Glei­chung zu lösen, die zwei Lösun­gen hat, von denen aber eine ver­wor­fen wer­den kann. In der Pra­xis dürf­te man damit ziem­lich schnell sehr nahe an die idea­le Anpas­sung kom­men, was aber eine noch­ma­li­ge Ver­bes­se­rung durch wei­te­re Ite­ra­tio­nen nicht ausschließt.

Was wird zur Mes­sung von Γ benötigt?

Was braucht man denn nun zur Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors Γ? Wie bei der Mes­sung des ska­la­ren SWV braucht man auch für die Mes­sung von Γ die Ampli­tu­de der vor­lau­fen­den und der reflek­tier­ten Span­nung. Die lie­fert der klas­si­sche Richt­kopp­ler. Dar­über­hin­aus benö­tigt man die Pha­sen­ver­schie­bung der rück­lau­fen­den Wel­le zur vor­lau­fen­den Wel­le. Das wird sofort an einem ein­fa­chen Bei­spiel klar: ein offe­nes Lei­tungs­en­de gegen­über einem Kurz­schluß. In bei­den Fäl­len ist das SWV unend­lich, weil jeweils die kom­plet­te Span­nung reflek­tiert wird. Der Kurz­schluß ver­ur­sacht aber eine Pha­sen­dre­hung um 180°, wäh­rend das offe­ne Ende die Pha­se bei­be­hält. Ein klas­si­sches Steh­wel­len­meß­ge­rät kann die­se Fäl­le nicht unter­schei­den. Wie in „SWV-Mess­brücken“ gezeigt wur­de, steht die Pha­sen­in­for­ma­ti­on am Aus­gang des Richt­kopp­lers aber zur Verfügung.

Pro­of-of-Con­cept

Wie kann ein brauch­ba­res Γ-Meß­ge­rät aus­se­hen? Die Ampli­tu­den wer­den auf „klas­si­sche Wei­se“ gemes­sen: seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten gibt es den bewähr­ten AD8307 von Ana­log Devices. Das ist ein log­arith­mi­scher Ver­stär­ker mit einem Dyna­mik­um­fang von 92 dB. Er ist von DC bis 500 MHz spe­zi­fi­ziert und gene­riert eine Aus­gangs­span­nung, die pro dB Pegel­än­de­rung am Ein­gang um 25 mV steigt oder fällt. Der Ein­gangs­pe­gel darf zwi­schen ‑72 dBm und +17 dBm lie­gen, wodurch die Aus­gangs­span­nung nomi­nal unge­fähr zwi­schen 0.25 V und 2.5 V schwankt. Sie kann leicht vom AD-Wand­ler eines Micro­con­trol­lers erfasst werden.

Die Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung ist nicht ganz so ein­fach. Ein erster Ver­such mit einem Mischer war nicht sehr erfolg­ver­spre­chend. Daher habe ich mir eine digi­ta­le Lösung über­legt, die in einem pro­gram­mier­ba­ren Logik­bau­stein, einem CPLD, imple­men­tiert wer­den soll. Ich habe einen Ver­suchs­auf­bau ent­wickelt, der die Idee veri­fi­zie­ren soll, ein „pro­of-of-con­cept“. Hier der Schaltplan:

…und hier die 3D-Ansich­ten der Leiterplatte:

U6 ist ein 44-Pin CPLD im PLCC-Gehäu­se. Man­gels 3D-Modell wird es hier nicht ange­zeigt, es ist aber bestückt.

Schal­tungs­be­schrei­bung

Auch die­se Lei­ter­plat­te nutzt wie­der das ATMEGA644PA CPU-Board zur Aus­wer­tung der Mes­sun­gen und zur Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem Host-PC. Ein Richt­kopp­ler ist nicht Teil die­ses Boards, son­dern er kann über die bei­den SMA-Buch­sen J2 und J3 ange­schlos­sen wer­den. Für Mes­sun­gen habe ich hier ein 2‑Ka­nal-Signal­ge­nera­tor angeschlossen.

Die Ein­gangs­si­gna­le UF (vor­lau­fen­de Span­nung an J2) und UR (rück­lau­fen­de Span­nung an J3) wer­den mit den bei­den Wider­stän­den R40 und R41 auf etwas über 50 Ω ter­mi­niert. Zusam­men mit der wei­te­ren hoch­oh­mi­gen Beschal­tung soll­te das auf die nomi­na­len 50 Ω hin­aus­lau­fen. Das wäre im Pro­to­ty­pen zu veri­fi­zie­ren und gege­be­nen­falls anzupassen.

Bei­de Ein­gangs­si­gna­le wer­den kapa­zi­tiv über C9 und C10 an die Ein­gän­ge der schnel­len Kom­pa­ra­to­ren U4 und U5 gekop­pelt. Die Wider­stands­netz­wer­ke R11/R12 und R13/R14 heben den Gleich­span­nungs­pe­gel auf VDD/2 (etwa 2.5 V). Über R15 und R16 gelan­gen die HF-Signa­le an den jewei­li­gen +-Ein­gang des Kom­pa­ra­tors. An deren nega­ti­ven Ein­gän­gen liegt jeweils der durch das Netz­werk erzeug­te mitt­le­re Gleich­span­nungs­pe­gel an. Die Kon­den­sa­to­ren C11 und C12 unter­drücken die noch vor­han­de­nen HF-Antei­le. Die Kom­pa­ra­to­ren wan­deln so die Ein­gangs­si­gna­le in digi­ta­le 5‑V-Signa­le um, CLKUF und CLKUR, die anschlie­ßend im CPLD wei­ter­ver­ar­bei­tet werden.

Die Ein­gangs­si­gna­le UF und UR wer­den außer­dem über jeweils einen 6‑dB-Span­nungs­tei­ler an die Ein­gän­ge der bei­den log­arith­mi­schen Ver­stär­ker U1 und U2 geführt. Deren Aus­gangs­span­nun­gen LOGUF und LOGUR gehen direkt an den AD-Kon­ver­ter des Micro­con­trol­lers und wer­den dort ausgewertet.

Die Span­nungs­ver­sor­gun­gen die­ser Ana­log­kom­po­nen­ten sind über Fil­ter vom Typ NFE31PT222Z1 (Mura­ta) abge­blockt. Sie sol­len die stör­emp­find­li­chen Kom­po­nen­ten gegen­ein­an­der entkoppeln.

Die wei­te­ren Kom­po­nen­ten sol­len nach­fol­gend nur kurz erwähnt wer­den. Die Span­nungs­ver­sor­gung erfolgt über J1 oder J4. Aus die­ser Span­nung von nomi­nal 12VDC erzeugt das ATME­GA-Board die digi­ta­le Ver­sor­gungs­span­nung VDD, in die­sem Fall 5V. Die LEDs D2 und D4 zei­gen die­se Span­nun­gen an. Über pas­send dimen­sio­nier­te Span­nungs­tei­ler wer­den sie auch den Ana­log­ein­gän­gen PA0 und PA1 zuge­führt und kön­nen von dem Con­trol­ler gemes­sen wer­den. Die LEDs D5 und D6 und die Taster SW2 und SW3 gehen an CPU-Pins und wer­den für Test­zwecke ver­wen­det. J5 ist die JTAG-Schnitt­stel­le zum Pro­gram­mie­ren und Debug­gen der CPU. J6 und J7 stel­len eine I2C Schnitt­stel­le zur Ver­fü­gung, die für die hier vor­ge­stell­te Anwen­dung irrele­vant sind. U6A und U6B sind ein ein­zi­ges Bau­teil, das CPLD. U6B zeigt des­sen Span­nungs­ver­sor­gung und sein Programmierinterface.

Die etwas selt­sam anmu­ten­den „krum­men Wer­te“ bei eini­gen Abblock­kon­den­sa­to­ren und Pull-Up-Wider­stän­den haben übri­gens kei­ne beson­de­re Bedeu­tung. Auf einen genau­en Wert kommt es nicht an und die „gera­den Wer­te“ in mei­nem Vor­rat wer­den lang­sam knapp.

Das CPLD

Ein CPLD ist ein „com­plex pro­gramma­ble logic device“, ein pro­gram­mier­ba­rer Logik­bau­stein. Für die­ses Pro­jekt habe ich ein EPM7064 (von Alte­ra, heu­te Intel) aus­ge­wählt, von dem noch eini­ge in der Bastel­ki­ste lagen, sowohl im 44-Pin-PLCC- als auch im 44-Pin-QFP-Gehäu­se (U6). Ich bin nicht sicher, ob die noch gefer­tigt wer­den, aber bei den übli­chen Ver­kaufs­platt­for­men sind sie noch bestellbar.

Anmer­kung: Der Ter­mi­nus „Com­plex“ ist etwas aus der Zeit gefal­len. CPLD sind die Nach­fol­ger der ein­fa­che­ren PALs bzw. PLDs. Nach heu­ti­gem Stand sind die hier im EPM7064 ver­bau­ten 64 Logik­blöcke nicht mehr beson­ders kom­plex. Das Pro­blem der CPLDs ist für den klei­nen Bast­ler oft deren Gehäu­se. Es gibt kaum noch Bau­stei­ne mit weni­ger als 100 Pins. Die wer­den aber in vie­len Fäl­len über­haupt nicht benö­tigt. Außer­dem sind Bau­stei­ne mit 5V-Betriebs­span­nung rar gewor­den. Dar­auf woll­te ich aber hier wegen der log­arith­mi­schen Ver­stär­ker und der Kom­pa­ra­to­ren nicht ver­zich­ten. Beim Design eines ersten Pro­to­ty­pen wer­de ich die­se Aus­wahl noch­mal über­den­ken müssen.

Das CPLD beinhal­tet zwei unab­hän­gi­ge Funk­tio­nen: den Pha­sen­ver­glei­cher und einen Fre­quenz­zäh­ler. Bei­des sind im Grun­de rela­tiv ein­fa­che Funktionen.

Bei der nach­fol­gen­den Beschrei­bung wird immer ange­nom­men, daß wäh­rend eines Meß­zy­klus die CLKUF-Fre­quenz immer anliegt, CLKUR gege­be­nen­falls aber nicht (z.B. bei idea­ler Anpas­sung). Für den hin­rei­chen­den CLKUF-Pegel muß der Benut­zer sor­gen, der ja bei einem her­kömm­li­chen Anten­nen­tu­ner zum Abstim­men auch hin­rei­chend Sen­de­lei­stung anbie­ten muß.

Der Pha­sen­ver­gleich

Der Pha­sen­ver­gleich bil­det ein­fach nur das Exklu­siv-Oder der bei­den Takt­si­gna­le. Der Aus­gang ist damit also auf low, wenn bei­de Pegel gleich sind und auf high, wenn bei­de unter­schied­lich sind. Das lie­fert also bei exakt gleich­pha­si­gen Ein­gangs­si­gna­len (Pha­sen­ver­schie­bung 0°) ein dau­er­haf­tes low, bei exakt gegen­pha­si­gen Signa­len (+/-180°) ein dau­er­haf­tes high. Bei Pha­sen­ver­schie­bun­gen, die dazwi­schen lie­gen, ergibt sich ein puls­wei­ten­mo­du­lier­tes Signal, hier mit PWM bezeich­net. Es wird über einen drei­fa­chen RC-Tief­pass gefil­tert und kann als UDIFF-Signal von einem Ana­log­ein­gang des Con­trol­lers erfasst werden.

UDIFF ist aller­dings bei posi­ti­ver Pha­sen­ver­schie­bung gleich groß, wie bei glei­cher nega­ti­ver Pha­sen­ver­schie­bung. Man benö­tigt also ein wei­te­res Signal, das das Vor­zei­chen der Pha­sen­ver­schie­bung anzeigt, das ist UR_LD. Es wird durch regi­strie­ren des CLKUR-Takt­si­gnals mit der stei­gen­den Flan­ke des CLKUF-Tak­tes erzeugt. UR_LD zeigt also ein­fach nur an, ob CLKUR bei der stei­gen­den Flan­ke low oder high war.

Der Pha­sen­kom­pa­ra­tor erzeugt ein wei­te­res Signal namens CLKACTIVE. Es soll auf high gehen, wenn ein gül­ti­ges Takt­si­gnal an CLKUR anliegt. Die Pra­xis wird zei­gen, inwie­weit die­ses Signal zuver­läs­sig erzeugt und ob es über­haupt benö­tigt wird.

Der Fre­quenz­zäh­ler

Im CPLD ist außer­dem ein ein­fa­cher Fre­quenz­zäh­ler imple­men­tiert. Es ist ein 16-bit-Syn­chron­zäh­ler mit CLKUF als Takt­ein­gang, des­sen Tor­zeit vom Con­trol­ler erzeugt wer­den muß. Sie soll­te in der Grö­ßen­ord­nung von 1 ms lie­gen. Damit gibt es also bis etwas über 65 MHz kei­nen Zäh­ler­über­lauf und die Auf­lö­sung liegt bei 1 kHz. Das reicht völ­lig, um ein Anpaß­netz­werk mit hin­rei­chen­de Genau­ig­keit zu berechnen.

Der Zäh­ler wird durch ein­fa­ches Bit-ban­ging über Port-Pins des Con­trol­lers gelöscht, gestar­tet, gestoppt und ausgelesen.

Der Ver­i­log-Code

Hier prä­sen­tie­re ich den aktu­el­len Ver­i­log-Code und die Model­sim-Test­be­nch für das CPLD. Der Code funk­tio­niert soweit, wird aber wenn nötig wei­ter ange­passt wer­den. Außer­dem sind die Pro­jekt-Datei­en für das Com­pi­lie­ren mit der Quar­tus Ent­wick­lungs­um­ge­bung (Quar­tus II 13.0sp1, neue­re Ver­sio­nen unter­stüt­zen das ver­wen­de­te CPLD nicht mehr) dabei. All die­se Werk­zeu­ge sind kosten­los von der Intel-Web­site her­un­ter­lad­bar. Auch eine Regi­strie­rung ist für die­se „alten“ Bau­stei­ne nicht mehr nötig.

PhaseComparator.v ist der Ver­i­log Quell­code, PC_comp_tb.v und PC_cntr_tb.v sind die Test­be­n­ches für den Pha­sen­kom­pa­ra­tor und den Fre­quenz­zäh­ler. Die bei­den .do-Files sind ein­fa­che Skrip­te, die unter Model­sim die jewei­li­ge Test­be­nch aus­füh­ren. Exem­pla­risch soll hier nur das Simu­la­ti­ons­er­geb­nis für den Pha­sen­kom­pa­ra­tor dar­ge­stellt werden:

Die erste Zei­le zeigt den vor­lau­fen­den Takt mit kon­stan­ter Fre­quenz, hier 50 MHz. Die rück­lau­fen­de Span­nung ist in der zwei­ten Zei­le dar­ge­stellt. Ihre Pha­sen­la­ge im Ver­gleich zur vor­lau­fen­den Span­nung wird nach der Initia­li­sie­rungs­pha­se ab 200ns in 1ns-Schrit­ten geän­dert und jeweils für 100ns simu­liert. In der drit­ten Zei­le wird die PWM ange­zeigt, die von dau­er­haft high nach 1100 ns auf low wech­selt. Dort ist die Pha­sen­ver­schie­bung der Takt­si­gna­le 0°. Danach wird die Pha­se von clkur in den posi­ti­ven Bereich ver­scho­ben und die PWM erzeugt grö­ße­re Puls­brei­ten, bis ab 2100 ns wie­der ein kon­stan­te high-Pegel anliegt.

Die vier­te Zei­le zeigt das clkac­ti­ve-Signal, das bei 1140 ns kurz aus­setzt, weil bei­de Tak­te pha­sen­gleich sind. Das muß even­tu­ell noch­mal etwas über­ar­bei­tet wer­den. Die vier­te Zei­le zeigt ur_leading (UR_LD im Schalt­plan) und gibt an, ob UR bei der stei­gen­den Flan­ke von UF high oder low war. Bei 1200 ns ändert sich das Signal, weil UR nun UF nach­eilt. In der Pra­xis wird es hier zu meta­sta­bi­len Zustän­den kom­men, die dann per Soft­ware abge­fan­gen wer­den müs­sen. Sie sind an die­ser Stel­le aber nicht beson­ders stö­rend, denn ob eine Pha­sen­ver­schie­bung nun ‑5° oder +5° ist, wird in der Pra­xis nicht beson­ders rele­vant sein.

Erwart­ba­re Betriebsdaten

Wel­che Lei­stungs­da­ten sind von die­ser Schal­tung im Ver­gleich mit einem han­dels­üb­li­chen Anten­nen­tu­ner zu erwarten?

Für die Mes­sung muß ein Sen­de­si­gnal zur Ver­fü­gung ste­hen. Dazu wird übli­cher­wei­se eine Lei­stung zwi­schen 1 und 10 Watt ver­wen­det (30~40 dBm). Für eine gro­be Abschät­zung gehe ich von einem Kopp­lungs­ver­lust von 30 dB aus, den der erste prak­ti­sche Auf­bau gezeigt hat. Wie weit kom­men wir mit 30 dBm (1 Watt) Abstimmleistung?

Die Gren­zen der Pegelmessung

Wegen des Kopp­lungs­ver­lu­stes des Richt­kopp­lers und der 6 dB Dämp­fungs­glie­der kom­men am Ein­gang des AD8307A noch etwa ‑6 dBm an Lei­stung an. Das liegt gut in des­sen zuver­läs­si­gem Arbeits­be­reich. Laut Spe­zi­fi­ka­ti­on arbei­tet er bis hin­un­ter zu ‑75 dBm. Als unte­re Gren­ze im prak­ti­schen Betrieb wür­de ich aber 20 dB davon weg­blei­ben, also nicht unter ‑55 dBm gehen. Damit wäre eine reflek­tier­te Lei­stung von etwa 50 dB unter der vor­lau­fen­den Lei­stung noch zuver­läs­sig meß­bar. Das ist weni­ger als die gemes­se­ne Richt­schär­fe des Pro­be­auf­baus. Der begren­zen­de Fak­tor für die Mes­sung des Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses ist also nicht die­se Aus­wer­te­schal­tung, son­dern die Richt­schär­fe und die Iso­la­ti­on des Kopp­lers. Bei einer Richt­schär­fe von 30 dB wäre das gering­ste meß­ba­re Steh­wel­len­ver­hält­nis knapp 1,07, bei 40 dB etwa 1,02 und bei 50 dB 1,006. Für alle prak­ti­schen Fäl­le kann man sich mit den 30 dB und einem SWV von 1,07 zufrie­den­ge­ben. Es soll ja kein hoch­prä­zi­ses Labor­meß­ge­rät werden.

Die Gren­zen der Phasenmessung

Wel­che Genau­ig­keit kann man für die Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung erwar­ten? Das Daten­blatt des TLV3501 spe­zi­fi­ziert eine Ein­gangs­hy­ste­re­se von 6 mV (typisch). Das ist der mini­ma­le Span­nungs­un­ter­schied an den Ein­gän­gen, die der Kom­pa­ra­tor sicher erkennt. Jedes Ein­gangs­si­gnal muß min­de­stens die­se Spit­zen­span­nung errei­chen, damit der Kom­pa­ra­tor sicher schal­tet. Für die nach­fol­gen­den Über­le­gun­gen gehe ich davon aus, daß die Schal­tung (hin­rei­chend) sym­me­trisch auf­ge­baut ist und die bei­den Kom­pa­ra­to­ren glei­che Exem­plar­streu­un­gen haben.

Nimmt man die vor­lau­fen­de Span­nung UF als Refe­renz, dann hängt die Pha­sen­auf­lö­sung direkt vom Steh­wel­len­ver­hält­nis ab, also dem Ver­hält­nis der rück­lau­fen­den (UR) zur vor­lau­fen­den Span­nung (UF). Bei unend­li­chem SWV sind bei­de Span­nun­gen gleich groß und die erziel­ba­re Pha­sen­auf­lö­sung ist maxi­mal. Je wei­ter das SWV sinkt, desto unge­nau­er wird die Pha­sen­mes­sung. Bei einem SWV von 1 ist schließ­lich kein Pha­sen­un­ter­schied mehr meß­bar, denn die reflek­tier­te Span­nung ist dann null.

Um die Genau­ig­keit der Pha­sen­mes­sung abzu­schät­zen habe ich ein Calc-Spreadsheet erstellt. Es errech­net die zu erwar­ten­de Pha­sen­ab­wei­chung für ein gege­be­nes Steh­wel­len­ver­hält­nis abhän­gig von der ver­wen­de­ten Abstimm­lei­stung des Sen­ders und der Kop­pel­dämp­fung des Richt­kopp­lers. Es ist eine Abschät­zung, ohne Anspruch auf abso­lu­te Korrektheit:

Für 1 Watt Abstimm­lei­stung errech­net sich damit eine zu erwar­ten­de Pha­sen­ge­nau­ig­keit von 11° bei einem SWV von 1,2 und von 2.2° bei einem SWV von 2.0. Erhöht man die Aus­gangs­lei­stung auf 10 Watt, dann errech­nen sich für die glei­chen Steh­wel­len­ver­hält­nis­se 3,4° bzw. 0,7°.

Inwie­fern die­se theo­re­ti­schen Wer­te in der Pra­xis erreich­bar sind, müs­sen ech­te Mes­sun­gen zei­gen, die ich im zwei­ten Teil prä­sen­tie­ren werde.

Links

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 2

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner, Teil 3

Kon­struk­ti­on des Smith-Dia­gramms mit den Qt-Grafikfunktionen

Vor eini­ger Zeit bin ich bei der Pro­gram­mie­rung auf Host-Syste­men end­gül­tig von der Win32-API auf Qt umge­stie­gen. Der Grund ist ein­fach der, daß ich mich nicht an ein Betriebs­sy­stem bin­den will und natür­lich auch ger­ne eine Ent­wick­lungs­um­ge­bung auf dem Stand der Tech­nik benut­zen will. Der Umstieg war nicht tri­vi­al, ich pro­gram­mie­ren seit Jahr­zehn­ten im wesent­li­chen in Standard‑C und wenn nötig in ver­schie­de­nen Assem­blern. C++ ist zwar nicht ganz unähn­lich zu C, aber der objekt­ori­en­tier­te Ansatz hat mir doch viel Kopf­zer­bre­chen berei­tet. Inzwi­schen „kom­me ich zurecht“, auch wenn mir noch manch­mal die weni­ger gewor­de­nen Haa­re zu Ber­ge ste­hen und die Fra­ge durch den Kopf geht, was ich da über­haupt mache. Es wird, aber ein Pro­fi in C++ bin ich noch lan­ge nicht. Qt ist glück­li­cher­wei­se her­vor­ra­gend doku­men­tiert.

Das Qt Gra­phics View Framework

Als Ein­stieg habe ich vor ein paar Mona­ten die ersten Qt-Gra­fi­ken mit QPain­ter erstellt. Das funk­tio­niert gut, ist aber gele­gent­lich etwas müh­sam. Daher wur­de auf QPain­ter auf­bau­end das Gra­phics View Frame­work ent­wickelt. Es bie­tet zunächst die­sel­ben Gra­fik­grund­funk­tio­nen, wie auch QPain­ter und wahr­schein­lich auch eini­ge mehr. Man kann Punk­te, Lini­en und Poly­go­ne zeich­nen und geschlos­se­ne For­men (z.B. Recht­ecke und Ellip­sen) mit Mustern und Far­be fül­len. Dar­über­hin­aus bie­tet das Gra­phics View Frame­work aber auch inter­ak­ti­ve Funk­tio­nen an. Man kann Gra­fik­ele­men­te mit der Maus aus­wäh­len und ver­schie­ben. Das muß ich ausprobieren!

Das Smith-Dia­gramm

Als näch­stes Pro­jekt habe ich mir einen Anten­nen­tu­ner mit ein­ge­bau­tem Richt­kopp­ler vor­ge­nom­men. Das ist soweit nichts beson­de­res, aber ich möch­te die reflek­tier­te Span­nung nicht nur ska­lar mes­sen, son­dern vek­to­ri­ell. Dazu will ich auf dem Host-PC den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor dar­stel­len, was ja nichts ande­res ist als das Smith Dia­gramm. Grund­la­ge dafür soll das nach­fol­gend vor­ge­stell­te Qt-Pro­jekt sein. Hier ein Screenshot:

Die­ses Test­pro­gramm erzeugt das oben dar­ge­stell­te inter­ak­ti­ve Fen­ster. Die Dar­stel­lung des Smith-Dia­gramms ist inspi­riert von SimS­mith, aller­dings sind hier kei­ne wei­te­ren Funk­tio­nen imple­men­tiert. Das Test­pro­gramm ist also für nichts gut, außer dem Ver­ständ­nis der Qt Gra­fik­funk­tio­nen und den Grund­la­gen des Smith-Dia­gramms. Die ver­wen­de­ten Glei­chun­gen sind auf der Sei­te „Das Smith-Dia­gramm“ kurz erläutert.

Man kann mit den Schie­be­reg­lern die Last­im­pe­danz ein­stel­len und zwar unab­hän­gig von­ein­an­der den reel­len Wirk- und den ima­gi­nä­ren Blind­wi­der­stand. Ihre Wer­te kann man auch direkt in die dar­über­lie­gen­den Fel­der ein­ge­ben. Der Mar­ker auf dem Smith-Dia­gramm wird an die ent­spre­chen­de Posi­ti­on ver­scho­ben. Die inter­ak­ti­ven Funk­tio­nen des Gra­phics View Frame­works gestat­ten es, den Mar­ker direkt mit der Maus an eine neue Posi­ti­on zu zie­hen. Die reel­len und ima­gi­nä­ren Kom­po­nen­ten des neu­en Last­wi­der­stands wer­den dann direkt in den Fel­dern ange­zeigt und die Schie­be­reg­ler wer­den ent­spre­chend verschoben.

Ich den­ke, daß die­ses Pro­jekt auch ande­ren als Basis oder zumin­dest als Inspi­ra­ti­on für eige­ne Ent­wick­lun­gen die­nen kann. Daher stel­le ich es hier dem inter­es­sier­ten Leser zur frei­en Ver­fü­gung. Eini­ge wei­te­re Erläu­te­run­gen fin­den sich im Quell­text, anson­sten ver­wei­se ich auf die Quel­len im Inter­net, aus denen auch ich mein Wis­sen bezo­gen habe.

Hier ist das gesam­te Pro­jekt, das sich mit Qt 6.8.1 direkt com­pi­lie­ren las­sen soll­te. Aus­führ­ba­re Qt-Pro­jek­te sind ja immer etwas groß, weil die ver­wen­de­ten DLLs mit­ge­lie­fert wer­den müs­sen. Wer sich nicht scheut, aus­führ­ba­re Pro­gram­me aus dem Inter­net zu star­ten, kann hier das Win­dows-Paket (64-bit) her­un­ter­la­den und direkt aus­füh­ren. Es ist nach bestem Wis­sen und Gewis­sen viren­frei, aber ich emp­feh­le eine vir­tu­el­le Maschi­ne, dann kann nichts pas­sie­ren. Die SHA1-Prüf­sum­me ist: 0ca574ebf32c587ab404d0e42bc7fe1174dd4351.

Micro­strip-Fil­ter für 23 cm und 13 cm

Vor vie­len Jah­ren, bevor ich mei­ne Baste­lei­en in die­sem Blog nie­der­ge­schrie­ben habe, hat­te ich schon­mal mit Micro­strip-Fil­tern expe­ri­men­tiert, die ich mit mei­ner Frä­se auf FR4 Lei­ter­plat­ten­ma­te­ri­al erstellt hat­te. Die Ergeb­nis­se waren durch­wach­sen, aber durch­aus ermu­ti­gend. Die Fre­quenz lag fast immer etwas unter der errech­ne­ten Fre­quenz und die Dämp­fung im Durch­lass­be­reich war mit 4 bis 10 dB eigent­lich zu hoch. Nun ist die Genau­ig­keit einer Frä­se begrenzt, weni­ger wegen der Mecha­nik son­dern mehr wegen des Frä­sers. Mit einem Sti­chel kann man die Brei­te und Län­ge einer Micro­stri­plei­tung kaum genau­er als 200 µm hinbekommen.

Die Fil­ter habe ich damals mit der Stu­den­ten­ver­si­on des Ansoft Desi­gners ent­wor­fen. Das ist ein sehr schö­nes Werk­zeug, das vom ´Her­stel­ler lei­der schon lan­ge nicht mehr ange­bo­ten wird. Der lei­der kürz­lich ver­stor­be­ne Gunt­hard Kraus durf­te es aber wei­ter­hin auf sei­ner Web­site ver­tei­len. Ich emp­feh­le jedem Inter­es­sen­ten es mög­lichst schnell von dort her­un­ter­zu­la­den, denn es ist unklar, wer die Web­site am Leben hält. Sie könn­te ver­schwin­den und das wäre aus­ge­spro­chen schade.

In einer der letz­ten Aus­ga­ben des Funk­ama­teur habe ich einen Link auf die Web­site von „Mar­ki micro­wa­ve“ gefun­den. Neben einem LC-Fil­ter Design-Tool bie­ten sie dort auch ein kosten­lo­ses Micro­strip Fil­ter Design Tool an. Es kann But­ter­worth- und Tsche­by­scheff-Tief­pass- und Band­pass­fil­ter berech­nen. Die Band­päs­se wer­den als Inter­di­gi­tal­fil­ter erzeugt. Sie bestehen aus meh­re­ren par­al­le­len Strei­fen­lei­tun­gen, deren Anzahl der Fil­ter­ord­nung ent­spricht. Das Design­werk­zeug errech­net Län­ge, Brei­te und Abstand die­ser Strei­fen­lei­tun­gen für ein vor­ge­ge­be­nes Fre­quenz­band und Leiterplattenmaterial.

Bei­spiel-Fil­ter

Da ich sowie­so gera­de Lei­ter­plat­ten bestel­len woll­te, habe ich exem­pla­risch ein paar Fil­ter drit­ter und fünf­ter Ord­nung für das 23-cm-Band und das 13-cm-Band ent­wor­fen. Mal schau­en, wie sie funk­tio­nie­ren. Hier die Entwurfsparameter:

Für alle gilt:
Doppelseitige Leiterplatten, 0,8 mm dick (Dielektrikum 0,7 mm), εr=4,4, 35 µm Cu, Eingangs- und Ausgangsimpedanz 50 Ω, 0,1 dB Ripple (Tschebyscheff)

13 cm, 2320~2450 MHz:
Filter 1: Tschebyscheff 3. Ordnung
Filter 2: Butterworth 3. Ordnung
Filter 3: Tschebyscheff 5. Ordnung
Filter 4: Butterworth 5. Ordnung

23 cm, 1240~1300 MHz:
Filter 5: Tschebyscheff 3. Ordnung
Filter 6: Butterworth 3. Ordnung
Filter 7: Tschebyscheff 5. Ordnung
Filter 8: Butterworth 5. Ordnung

Um den Ein­fluss des Löt­stopp­lacks zu testen, habe ich die 23-cm-Fil­ter mal mit und mal ohne Löt­stopp­lack auf dem Fil­ter fer­ti­gen lassen.

Die KiCad-Designs

Hier die 3D-Ansichten:

Alle vier Fil­ter­va­ri­an­ten sind jeweils auf einer Lei­ter­plat­te unter­ge­bracht. Von den 23-cm-Fil­tern habe ich eine Vari­an­te ohne Löt­stopp­lack­ab­deckung fer­ti­gen las­sen. Die Struk­tu­ren sind blei­frei ver­zinnt, nicht ver­gol­det, wie die 3D-Ansicht ver­mu­ten lässt.

In KiCad sind die Designs als Foot­print ange­legt, bei dem jede ein­zel­ne Strei­fen­lei­tung als Pad defi­niert ist. Das ist etwas müh­sam und ich bin auch nicht sicher, ob es bei KiCad nicht doch einen bes­se­ren Weg dafür gibt. Man könn­te sicher­lich ein Skript schrei­ben, das war mir als Anfän­ger aber zu viel Arbeit. Ich habe statt­des­sen ein Calc-Spreadsheet auf­ge­setzt, das die ein­zel­nen Dimen­sio­nen aus dem Ergeb­nis des Fil­ter­de­signs berech­net. Die Koor­di­na­ten muß man dann halt von Hand in KiCad über­tra­gen, eine müh­sa­me und feh­ler­an­fäl­li­ge Arbeit. Hier sind die KiCad-Designs zum Herunterladen:

In den Ver­zeich­nis­sen „Design“ fin­den sich jeweils die Calc-Spreadsheets und die von der Design-Web­site gene­rier­ten Touch­stone-Datei­en. Die sol­len nach­fol­gend mit den tat­säch­lich gemes­se­nen Wer­ten ver­gli­chen wer­den. Außer­dem habe ich mir die Mühe gemacht, die Designs in den Ansoft-Desi­gner zu über­tra­gen, um sei­ne Simu­la­ti­ons­er­geb­nis­se auch noch zu ver­glei­chen. Die­se Designs und die gene­rier­ten s2p-Datei­en ste­hen in den Unter­ver­zeich­nis­sen namens „Ansoft-Simu­la­ti­on“. In den Ver­zeich­nis­sen „Mes­sung“ sind die nach­fol­gend beschrie­be­nen Meß­er­geb­nis­se zu finden.

Fil­ter für 23 cm

Mess­ergeb­nis­se

Hier zunächst mal nur die ein­zel­nen Meß­er­geb­nis­se für die 23-cm-Filter:

Gemes­sen wur­de mit dem VNWA von DG8SAQ. Es ist zu beach­ten, daß er eigent­lich nur bis 1,3 GHz spe­zi­fi­ziert ist, den Ergeb­nis­sen bei höhe­ren Fre­quen­zen also mit dem ent­spre­chen­den Mistrau­en zu begeg­nen ist.

Wie oben schon kurz erwähnt, habe ich die 23-cm-Fil­ter mal ohne (links) und mal mit (rechts) Löt­stopp­lack fer­ti­gen las­sen, um deren Ein­fluß abzu­schät­zen. Die Durch­laß­dämp­fung s21 ist jeweils in grün dar­ge­stellt, die Rück­fluß­dämp­fung s11 in blau. Die Mar­kie­rung zeigt die 3‑dB-Fil­ter­band­brei­te. Die Mar­ker 2 und 3 stel­len jeweils die Band­gren­zen dar, Mar­ker 1 zeigt das Maxi­mum inner­halb der Durch­lass­band­brei­te und Mar­ker 4 die Mittenfrequenz.

Für alle 23-cm-Fil­ter wur­de als unte­re Gren­ze des Durch­laß­be­reichs 1240 MHz gewählt, als obe­re Gren­ze 1300 MHz, also das 23-cm-Ama­teur­funk­band. Die Band­brei­te soll­te also in allen Fäl­len 60 MHz betra­gen und die Mit­ten­fre­quenz 1270 MHz. Die gemes­se­ne Band­brei­te liegt bei allen Fil­tern zwi­schen 60 und 95 MHz und ent­spricht damit der ange­streb­ten Band­brei­te im Rah­men des Erwartbaren.

Wie schon bei den selbst­ge­frä­sten Fil­tern liegt aller­dings die Mit­ten­fre­quenz aller Fil­ter deut­lich unter­halb der errech­ne­ten. Im Mit­tel lie­gen die Mit­ten­fre­quen­zen der Fil­ter ohne Löt­stopp­lack bei 1176 MHz. Der Löt­stopp­lack zieht die Mit­ten­fre­quen­zen wei­ter her­un­ter auf 1158 MHz. Die Abwei­chun­gen der ein­zel­nen Fil­ter von die­sen Mit­tel­wer­ten sind gering. Die Ursa­che für die­se Abwei­chun­gen ist für mich nicht ergründ­bar. Sie kann in abwei­chen­den mecha­ni­schen und elek­tri­schen Para­me­tern des ver­wen­de­ten Lei­ter­plat­ten­ma­te­ri­als lie­gen oder in Feh­lern im Design­pro­gramm. Bei zukünf­ti­gen Ent­wür­fen wer­de ich daher schlicht­weg die Design­fre­quenz ent­spre­chend der Mes­sun­gen ite­ra­tiv anpas­sen. Bei Struk­tu­ren ohne Löt­stopp­lack wer­de ich die Design­fre­quenz um 8% erhö­hen, mit Löt­stopp­lack um 9,65%.

Auch die Dämp­fung der Fil­ter lässt lei­der zu wün­schen übrig. Die Fil­ter drit­ter Ord­nung dämp­fen das Signal im Durch­laß­be­reich um 4,5 bis 5,5 dB, die­je­ni­gen fünf­ter Ord­nung um 7 bis 8,5 dB. Das ist lei­der auch nicht bes­ser, als bei den ehe­mals selbst­ge­frä­sten Fil­tern. Im Fre­quenz­be­reich jen­seits von 1 GHz kann man von FR4 offen­sicht­lich nicht mehr erwarten.

Ver­gleich mit den Simulationen

Das Micro­strip Fil­ter Design Tool von Mar­ki micro­wa­ve kann freund­li­cher­wei­se das simu­lier­te Ver­hal­ten des ent­wor­fe­nen Fil­ters als Touch­stone-Datei auf dem PC abspei­chern. Glei­ches gilt für den Ansoft Desi­gner. Auch wenn es etwas in Arbeit aus­ge­ar­tet ist, habe ich für alle Fil­ter die gemes­se­ne und die simu­lier­te Duch­lass­dämp­fung in jeweils einer ver­glei­chen­den Gra­fik zusam­men­ge­fasst. Hier sind die Ergebnisse:

Der Ansoft Desi­gner liegt in allen Fäl­len näher am tat­säch­li­chen Ergeb­nis, als das Micro­strip Fil­ter Design Tool von Mar­ki micro­wa­ve, mit dem die­se Fil­ter ja ent­wor­fen wur­den. Außer­dem berück­sich­tigt der Ansoft Desi­gner den Ver­lust­fak­tor des Mate­ri­als, den ich FR4-typisch mit 0,02 ange­ge­ben habe. Offen­sicht­lich ist er in Wahr­heit etwas bes­ser. Durch ite­ra­ti­ves Aus­pro­bie­ren habe ich einen Ver­lust­fak­tor von 0,012 bis 0,014 gefun­den, der die tat­säch­li­che Dämp­fung am ehe­sten annähert.

Fil­ter für 13 cm

Mess­ergeb­nis­se

Auch hier zunächst die ein­zel­nen Meßergebnisse:

Da mein vek­to­ri­el­ler Netz­werk­ana­ly­sa­tor nur bis 1,3 GHz ver­wend­bar ist, wur­den die­se Mes­sun­gen im 13-cm-Band mit einem Sig­lent SSA3032X-Plus Spek­trum­ana­ly­sa­tor und dem ein­ge­bau­ten Track­ing­ge­ne­ra­tor durch­ge­führt. Daher feh­len hier die Refle­xi­ons­mes­sun­gen. Die Meß­da­ten wur­den als CSV-Datei abge­spei­chert und hän­disch in das s1p-Touch­stone-For­mat kon­ver­tiert, das zur Dar­stel­lung von der VNWA-Betriebs­soft­ware ein­ge­le­sen wurde.

Die Mar­kie­rung zeigt die 3‑dB-Fil­ter­band­brei­te. Wie bei den 23-cm-Fil­tern stel­len die Mar­ker 2 und 3 jeweils die Band­gren­zen dar, Mar­ker 1 zeigt das Maxi­mum inner­halb der Durch­lass­band­brei­te und Mar­ker 4 die Mittenfrequenz.

Für alle 13-cm-Fil­ter wur­de beim Design als unte­re Gren­ze des Durch­laß­be­reichs 2320 MHz gewählt, als obe­re Gren­ze 2450 MHz. Die Band­brei­te soll­te also in allen Fäl­len 130 MHz betra­gen und die Mit­ten­fre­quenz 2385 MHz. Die gemes­se­ne Band­brei­te liegt bei allen Fil­tern zwi­schen 100 und 150 MHz und ent­spricht auch hier hin­rei­chend genau der ange­streb­ten Bandbreite.

Auch hier liegt die Mit­ten­fre­quenz aller Fil­ter deut­lich unter­halb der errech­ne­ten. Im Mit­tel lie­gen die Mit­ten­fre­quen­zen bei 2191 MHz. Hier wur­de nur die Vari­an­te mit Löt­stopp­lack gefer­tigt. Die Abwei­chun­gen der ein­zel­nen Fil­ter von die­sem Mit­tel­wert sind grö­ßer als bei den 23-cm-Fil­tern. Aus dem Mit­tel­wert errech­net sich ein Zuschlag von 8,9% zu den Ziel­fre­quen­zen. Statt 2385 MHz wer­de ich also ein zukünf­ti­ges Fil­ter für eine Mit­ten­fre­quenz von 2385 * 1,089 ≅ 2600 MHz entwerfen.

Auch hier ist die Dämp­fung der Fil­ter erschreckend hoch. Eine deut­li­che Aus­nah­me bil­det das But­ter­worth-Fil­ter drit­ter Ord­nung. Das schnei­det mit gut 4 dB Dämp­fung für den Fre­quenz­be­reich und FR4-Lei­ter­plat­ten­ma­te­ri­al sogar aus­ge­spro­chen gut ab. Ich habe die Mes­sun­gen mehr­fach wie­der­holt und kei­ne plau­si­ble Erklä­rung für die deut­li­chen Unter­schie­de gefunden.

Ver­gleich mit den Simulationen

Die Meß­wer­te wer­den auch hier wie­der mit den Simu­la­tio­nen in einer ver­glei­chen­den Gra­fik zusam­men­ge­fasst. Hier sind die Ergebnisse:

Auch hier liegt der Ansoft Desi­gner näher am tat­säch­li­chen Ergeb­nis, als das Micro­strip Fil­ter Design Tool von Mar­ki micro­wa­ve, aber der Unter­schied ist nicht mehr signi­fi­kant. Im Grun­de bestä­tigt der Ansoft Desi­gner sogar den Ent­wurf des Micro­strip Fil­ter Design Tools. Als Ver­lust­fak­tor wur­de für die­se 13-cm-Fil­ter 0,014 gewählt, was ja im Fal­le des But­ter­worth-Fil­ters drit­ter Ord­nung auch sehr gut passt.

Bei näch­ster Gele­gen­heit wer­de ich noch­mal eini­ge Test­struk­tu­ren ent­wickeln und fer­ti­gen las­sen. Dabei wer­de ich dann vor allem ver­su­chen, die gewünsch­te Durch­lass­fre­quenz genau­er zu tref­fen. Auch ein Tief­pass wäre mal einen Ver­such wert. Ich wer­de berichten…