Anten­nen­um­schal­ter V2.1

Die erste Ver­si­on des neu­en Anten­nen­um­schal­ters V2.0 hat­te ein paar klei­ne Schwä­chen. Damit hät­te ich leben kön­nen, aber im Bestre­ben nach einer opti­ma­len Lösung, habe ich das Design über­ar­bei­tet. Die wesent­li­che Ände­rung betrifft die Impe­danz der Lei­ter­bah­nen für den zen­tra­len Anschluß, der zum Trans­cei­ver führt. Die­se Lei­tun­gen sind nun wesent­lich kapa­zi­täts­är­mer aus­ge­führt und haben auch kei­ne 50 Ω Impe­danz mehr. Dar­über­hin­aus wur­den ein paar Feh­ler kor­ri­giert und der Außen­lei­ter der SMA-Buch­sen wird nicht mehr auf die Pla­ti­nen­un­ter­sei­te geführt, son­dern direkt an die Mas­se­flä­che auf der Ober­sei­te ange­lö­tet. Die Ableit­wi­der­stän­de wur­den durch SMD-Typen auf der Unter­sei­te ersetzt. Sie sind mit einem Pad direkt auf der 50-Ω-Lei­tung auf­ge­lö­tet, so daß ihr Ein­fluß auf die Impe­danz ver­nach­läs­sig­bar ist.

Hier die KiCad-3D-Ansicht der neu­en Version:

Hier das KiCad-Pro­jekt und der zuge­hö­ri­ge Schaltplan:

Der Anschluß für ein DCF77-Modul ist rei­ne Spie­le­rei und soll hier nicht wei­ter bespro­chen wer­den. Das RS-485-Trei­ber­mo­dul und das auf­ge­steck­te CPU-Board (in der 3D-Ansicht nicht dar­ge­stellt) wur­den bereits beschrie­ben. Daher sol­len hier nur die Meß­er­geb­nis­se des neu­en Anten­nen­um­schal­ters vor­ge­stellt werden.

Die Mess­ergeb­nis­se

Bekannt­lich gilt: wer mißt, mißt Mist. Die Unter­schie­de zu mei­nen vor­he­ri­gen Mes­sun­gen des V2.0er Boards waren auf­fäl­lig, so daß ich auch die­se Mes­sun­gen unter glei­chen Bedin­gun­gen und mit glei­cher Kali­brie­rung noch­mal wie­der­holt habe. Die Abwei­chun­gen erklä­re ich mit der Tages­form des Meß­ge­rä­tes und des Ope­ra­teurs. Bei den heu­ti­gen Mes­sun­gen habe ich auch ande­re Meß­ka­bel ver­wen­det, was aber eigent­lich durch die Kali­brie­rung aus­ge­gli­chen sein soll­te. Außer­dem stel­le ich nicht zum ersten mal fest, daß es einen erkenn­ba­ren Unter­schied macht, wie fest man die SMA Stecker auf­schraubt. Es ist wohl doch etwas an der Exper­ten­emp­feh­lung, einen Dreh­mo­ment­schlüs­sel zu ver­wen­den. Sowas habe ich in die­ser Dreh­mo­ment­klas­se aller­dings nicht zur Verfügung.

Hier die erneut durch­ge­führ­te Durch­gangs- und Refle­xi­ons­mes­sung exem­pla­risch vom TRX-Ein­gang zum Ant1-Aus­gang des 2.0er Boards:

Unter iden­ti­schen Bedin­gun­gen gemes­sen die neue Ver­si­on V2.1:

Man erkennt eine deut­li­che Ver­bes­se­rung, muß aber zuge­ben, daß die aus der SimS­mith-Simu­la­ti­on erhoff­ten Wer­te nicht erreicht wurden.

Um die Ursa­che näher zu ergrün­den, habe ich die­sel­ben Mes­sun­gen auf jeweils einem unbe­stück­ten Board wie­der­holt. Nur die bei­den SMA-Buch­sen wur­den auf­ge­lö­tet und das durch­ge­schal­te­te Relais wur­de durch ein kur­zes Stück Draht ersetzt.

Auch die­se Mes­sung zeigt deut­li­che Ver­bes­se­run­gen der Ver­si­on 2.1 gegen­über 2.0. Der Unter­schied zu den oben gezeig­ten Mes­sun­gen ist der Bei­trag des Relais. Der lässt sich nur durch die Aus­wahl eines bes­ser geeig­ne­ten Relais verringern.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber habe ich auch noch Rück­wärts­mes­sun­gen durch­ge­führt, also die Anten­nen­buch­sen als Ein­gang und die TRX-Buch­se als Aus­gang ver­wen­det. Die­se Mes­sun­gen wer­den übli­cher­wei­se als s12- und s22-Mes­sun­gen bezeich­net. Wegen der bidi­rek­tio­na­len Natur des Anten­nen­um­schal­ters zöge­re ich etwas, mit den Begrif­fen „vor­wärts“ und „rück­wärts“, das ist aber wahr­schein­lich Haarspalterei.

Hier die Touch­stone-Files, falls jemand sel­ber die Mes­sun­gen aus­wer­ten will.

Zusam­men­fas­sung

Der geplan­te Ein­satz­be­reich die­ses Anten­nen­um­schal­ters umfasst den Kurz­wel­len­be­reich und die unte­ren UKW-Bän­der 6m und 4m. Bis 30 MHz bleibt das Steh­wel­len­ver­hält­nis unter 1,1, bis 70 MHz unter 1,3. Die Durch­lass­dämp­fung bei 30 MHz liegt bei 0,03 dB, bei 70 MHz bei 0,09 dB. All die­se Wer­te lie­gen für mich im völ­lig akzep­ta­blen Bereich. Bei den 100 Watt, die mein IC7300 auf Kurz­wel­le lie­fert, liegt die Ver­lust­lei­stung bei knapp 410 mW und im 4‑m-Band bei knapp 730 mW. Nur ein Teil die­ser Ver­lust­lei­stung wird im Relais umge­setzt, der Rest in den Steck­ver­bin­dern und den Leiterbahnen.

Es ist zwar nir­gends spe­zi­fi­ziert, aber 2 W Ver­lust­lei­stung wür­de ich dem Relais ohne Pro­ble­me auf Dau­er zumu­ten. Rech­nen wir damit, daß das Relais nur 23 der gesam­ten Ver­lust­lei­stung abbe­kommt, dann reicht das sogar für die 750 Watt Dau­er­lei­stung, die uns hier­zu­lan­de erlaubt ist.

Anhang

Lei­stungs­be­rech­nung aus s11 und s21

Man steht ja immer wie­der vor der Fra­ge, wie­viel Lei­stung bei gege­be­ner Ein­gangs­lei­stung am Aus­gang zur Ver­fü­gung steht und wie­viel Lei­stung im Zwei­pol stecken bleibt, ihn also erwärmt. Man ist geneigt, ein­fach die Dif­fe­renz von Ein­gangs- und Aus­gangs­lei­stung als den Ver­lust zu defi­nie­ren. Das stimmt aber nicht, denn die reflek­tier­te Lei­stung Pref darf man von der Ein­gangs­lei­stung Pin abzie­hen. Damit errech­net sich die im Zwei­pol ver­bra­te­ne Ver­lust­lei­stung PV zu:

PV = Pin - Pout - Pref

Da Lei­stungs­ver­hält­nis­se nor­ma­ler­wei­se in dB ange­ge­ben wer­den, habe ich ein klei­nes Calc-Spreadsheet erstellt, das die Umrech­nung erleichtert.

Nach­trag

Beim ersten Design hat­te ich ein Relais dabei, das par­tout nicht zuver­läs­sig schal­ten woll­te. Nun hat­te ich nur etwa 22 V ange­legt, weil ich das Board mit einem 24-V-Netz­teil ver­sorgt hat­te und hin­ter dem Reg­ler eben nur 22 V übrig­blie­ben. Laut Daten­blatt soll aber schon eine Span­nung von 19 V zum Umschal­ten genü­gen. Ich habe das Relais aus­ge­tauscht und fest­ge­stellt, daß es auch bei 24 V aus dem Labor­netz­teil nicht zuver­läs­sig umschal­tet. Ins­be­son­de­re wenn ich die Span­nung eini­ge zehn Sekun­den lang ange­schal­tet ließ, kam es offen­sicht­lich zu einer Erwär­mung, die das Schal­ten verhinderte.

Ich habe jetzt alle übri­gen noch nicht ein­ge­lö­te­ten Relais durch­pro­biert (15 Stück), bevor ich sie wei­ter ver­wen­de. Die mei­sten schal­ten schon bei 16 V, eines braucht aber die spe­zi­fi­zier­ten 19 V zum Schal­ten. Sie ent­spre­chen damit alle der Spe­zi­fi­ka­ti­on, es zeigt sich aber eine gewis­se Streu­ung. Viel­leicht hat man mir auch eine schlech­te Char­ge ange­dreht. Auf­grund die­ser Erfah­rung emp­feh­le ich jedoch, vor einem Ein­bau sol­che Relais durchzuprobieren.

Noch ein Nach­trag, 22.10.2024

Heu­te ist ein schö­ner und son­ni­ger Tag, genau pas­send um die letz­ten Außen­ar­bei­ten vor dem Win­ter­ein­bruch zu erle­di­gen. Ide­al zum Umrü­sten des Anten­nen­tu­n­ers von 12 V Ver­sor­gungs­span­nung auf 28 V und anschlie­ßen­der Instal­la­ti­on des neu­en Anten­nen­um­schal­ters, der ja auch die­se 28 V benö­tigt. Der Umschal­ter ist schon seit ein paar Tagen fer­tig und gete­stet, das neue Modul für den Tuner, das 28 V am Ein­gang ver­trägt und 12 V für des­sen Relais erzeugt, ist auch gete­stet und ein­satz­be­reit. Es muß nur gegen das alte Modul getauscht wer­den, mit allem drum und dran eine Sache von weni­ger als 30 Minuten.

Der Aus­tausch des Anten­nen­um­schal­ters dau­er­te etwas län­ger. Ich muss­te das Gehäu­se von der Wand abschrau­ben, dem Umschal­ter erset­zen und die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen neu ver­drah­ten. Hier das Ergebnis:

Anten­nen­um­schal­ter V2.0

Der Anten­nen­um­schal­ter war eines mei­ner ersten Pro­jek­te, nach­dem der Haus­bau soweit abge­schlos­sen war, daß ich mich wie­der den fili­gra­ne­ren Din­gen zuwen­den konn­te. Es han­del­te sich dabei eigent­lich um einen Pro­to­ty­pen, der aber so pro­blem­los funk­tio­niert, daß er zum Dau­er­zu­stand wur­de. Die Lei­ter­plat­te ist gefräst und es sind mono­sta­bi­le Relais ein­ge­setzt, von denen im ein­ge­schal­te­ten Zustand eines immer dau­er­haft unter Strom steht. Es ist also an der Zeit, die­sen Pro­to­ty­pen zu ersetzen.

Ände­rungs­wün­sche

Im neu­en Umschal­ter sol­len das inzwi­schen ver­füg­ba­re CPU-Board und das neue Relais­trei­ber-Board ein­ge­setzt wer­den. Es sol­len wei­ter­hin sechs Anten­nen anschließ­bar sein und die nicht ver­wen­de­te Anten­ne soll auf eine AUX-Buch­se geschal­tet wer­den. Da könn­te zukünf­tig bei­spiels­wei­se ein WSPR-Sen­der sei­ne Arbeit ver­rich­ten, wenn die Anten­ne am Trans­cei­ver nicht gebraucht wird. Zum Absen­ken der Ver­lust­lei­stung sol­len die bis­he­ri­gen mono­sta­bi­len Relais durch bista­bi­le Relais ersetzt wer­den. Außer­dem soll der neue Anten­nen­um­schal­ter in der Lage sein, mit der geplan­ten neu­en Ver­sor­gungs­span­nung von min­de­stens 28 V zu arbeiten.

Das Design

Wie üblich, hier zunächst die 3D-Ansicht des Antennenumschalters:

…und der zuge­hö­ri­ge Schaltplan:

Da auch ein paar klei­ne­re Feh­ler ein­ge­baut wur­den, soll hier auf des KiCad-Pro­jekt ver­zich­tet wer­den. Eine kor­ri­gier­te Ver­si­on 2.1 ist bereits erstellt und die wer­de ich dann auch veröffentlichen.

Die Schal­tung

Die Schal­tung ist unspek­ta­ku­lär und prin­zi­pi­ell ähn­lich zur ersten Ver­si­on. Das Signal RF_IN vom Trans­cei­ver wird über Relais auf eine von bis zu sechs Anten­nen geschal­tet. Jede ein­zel­ne Anten­ne und auch der Trans­cei­ver sind über 600-V-Gas­ent­la­dungs­röh­ren gegen hohe sta­ti­sche Ladun­gen geschützt. Außer­dem ist an jeder Anten­ne ein 100 kΩ Wider­stand vor­ge­se­hen, der sol­che Ladun­gen, auch wenn sie nied­ri­ger sind, ablei­ten soll.

Nach den guten Erfah­run­gen mit den im Anten­nen­tu­ner ein­ge­setz­ten Hongfa-Relais vom Typ HFE60/12–1HST-L2 woll­te ich bei die­ser Serie blei­ben. Aller­dings brauch­te ich dies­mal einen Umschal­ter, statt nur eines Ein­schal­ters, also muss­te ich den Typ 1HDST-L2 ein­set­zen. Der war aller­dings für klei­ne Bast­ler nur als HFE60P/24–1HDST-L2 zu bekom­men, also der 24-V-Vari­an­te und auch nur als HFE60P im wei­ßen Gehäu­se. Der Unter­schied zwi­schen HFE60 und HFE60P (außer der Gehäu­se­far­be) erschließt sich mir nicht auf Anhieb aus den Daten­blät­tern. Ich tip­pe auf „auto­mo­ti­ve“ vs „com­mer­cial“ Qualifikation.

Es sind vier Bus­steck­ver­bin­der auf der Lei­ter­plat­te vor­ge­se­hen, alle sind gleich beschal­tet und aus­tausch­bar. Zwei davon gehen an zwei Buch­sen am Gehäu­se des Anten­nen­um­schal­ters. Eine davon stellt die Ver­bin­dung zur Steue­rung und Span­nungs­ver­sor­gung im Shack her, die ande­re ver­bin­det wei­ter zum näch­sten Modul. Das letz­te Modul in der Ket­te erhält einen Stecker mit einem Abschluß­wi­der­stand. Die wei­te­ren Bus­steck­ver­bin­der sind für wei­te­re Modu­le im sel­ben Gehäu­se wie der Anten­nen­um­schal­ter reser­viert, z.B. zukünf­tig ein WSPR-Sender.

Die Ver­sor­gungs­span­nung wird eigent­lich über den Bus zuge­führt, aber solan­ge ich noch nicht auf 28 V umge­stellt habe, kann der Umschal­ter auch alter­na­tiv über einen Hohl­stecker ver­sorgt werden.

Ein paar Taster und LEDs sind für die Funk­ti­on nicht nötig, aber sie hel­fen in der Ent­wick­lungs­pha­se. Die Taster sind falsch ange­schlos­sen, was in der näch­sten Ver­si­on kor­ri­giert wird.

Da ich kürz­lich ein paar DCF77-Emp­fangs­mo­du­le gekauft habe, ist hier ein klei­ner Stecker vor­ge­se­hen, um sie aus­zu­pro­bie­ren. Viel­leicht bleibt eines die­ser Modu­le dau­er­haft im Umschal­ter, damit ist dann auch für WSPR immer die genaue Uhr­zeit verfügbar.

Wie auf der drei­di­men­sio­na­len Ansicht zu erken­nen ist, sind die Relais dies­mal stern­för­mig ange­ord­net. Die Idee ist natür­lich, die Lei­ter­bah­nen zu den Relais mög­lichst kurz zu halten.

Die Lei­ter­bah­nen für die Hoch­fre­quenz sind als impe­danz­an­ge­pass­te 50‑Ω‑Leitungen ver­legt. Daher sind sie auf der 1 mm dicken Lei­ter­plat­te 1,93 mm breit. Dem liegt noch ein klei­ner Rechen­feh­ler zugrun­de, denn tat­säch­lich ist das Dielek­tri­kum der 1‑mm‑Leiterplatte nur 0,9 mm dick und daher dürf­te die Lei­ter­bahn nur 1,69 mm breit sein.

Erste Mes­sun­gen

Das Board ist inzwi­schen ver­füg­bar und soweit bestückt, daß man es testen kann. Nach­fol­gend wer­den die Mes­sun­gen vorgestellt.

Hier ist exem­pla­risch einer der sechs Kanä­le gezeigt, die Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Kanä­len sind mar­gi­nal. Gemes­sen wur­de s11 und s21, also Refle­xi­on und Trans­mis­si­on. Die Mes­sung geht bis 200 MHz, aber nur der Kurz­wel­len­be­reich und die 6‑m- und 4‑m-Bän­der sol­len unter­stützt werden.

Kapa­zi­ti­ve Fehlanpassung

Im Smith-Dia­gramm erkennt man sofort, daß die Kapa­zi­tät zwi­schen Ein- und Aus­gang zu hoch ist, die Kur­ve läuft nach unten in den kapa­zi­ti­ven Bereich weg. Dem­entspre­chend steigt der Refle­xi­ons­ko­ef­fi­zi­ent wegen der immer grö­ßer wer­den­den Fehl­an­pas­sung bei 70 MHz auf etwa ‑20 dB. Das bedeu­tet im Klar­text, daß von 100 Watt, die zur Anten­ne über­tra­gen wer­den sol­len, 1 Watt wie­der zurück­fließt. Die Durch­lass­dämp­fung liegt bei der­sel­ben Fre­quenz bei ‑0,19 dB, was bei 100 Watt Ein­gangs­lei­stung 4,3 Watt Ver­lust sind. Das ist nicht ganz wenig, aber ich habe nicht das aller­größ­te Ver­trau­en in die Genau­ig­keit der Mes­sung von die­sen klei­nen Wer­ten. Bei 30 MHz sieht die Rech­nung deut­lich bes­ser aus: Durch­lass­dämp­fung ‑0,05 dB (= 1,1 W Ver­lust bei 100 Watt) und Refle­xi­ons­ko­ef­fi­zi­ent ‑28 dB (160 mW Rück­fluß). Im zehn­mi­nü­ti­gen Dau­er­be­trieb bei 30 MHz an einer Dum­my-Load zeig­te sich mit der Wär­me­bild­ka­me­ra kei­ne deut­li­che Erhit­zung in der Nähe des Relais. Die RG58-Zu- und Ablei­tun­gen sowie ihre Steck­ver­bin­der und Adap­ter wur­den deut­lich wärmer.

Auch der Trans­cei­ver und die Dum­my­load wer­den deut­lich wär­mer, als der Anten­nen­um­schal­ter. So soll das natür­lich auch sein.

Eine gewis­se Refle­xi­on und Durch­lass­dämp­fung muß man wohl hin­neh­men. Ob die Wer­te akzep­ta­bel sind, liegt im wesent­li­chen an der ver­wen­de­ten Lei­stung. Bei 750 Watt dürf­te die Gren­ze über­schrit­ten sein, aber 100 oder auch 200 Watt sind bis 30 MHz sicher kein Problem.

Bei 30 MHz ist das Steh­wel­len­ver­hält­nis 1,09 und bei 70 MHz 1,22. Bei­de Wer­te sind hin­nehm­bar, aber das muß bes­ser gehen, wie nach­fol­gend beschrieben.

Woher kommt die kapa­zi­ti­ve Last?

Die HF-Lei­tun­gen sind als Micro­strip-Lei­tun­gen mit einer Impe­danz von 50 Ω gerou­tet. Sie sind auf der 1 mm dicken FR4-Lei­ter­plat­te 1,93 mm breit, was schon nicht ganz rich­tig ist, weil das Dielek­tri­kum nur 0,9 mm dick ist. Die spe­zi­fi­zier­te Lei­ter­plat­ten­dicke beinhal­tet auch die 2 x 35 µm dicke Kup­fer­schicht und zwei­mal Löt­stopp­lack von jeweils etwa 10 µm Dicke.

Hier ein Screen­shot des fer­tig gerou­te­ten RF_IN-Netzes:

Das RF_IN-Netz ist her­vor­ge­ho­ben, dane­ben sieht man die 50-Ω-Net­ze der jewei­li­gen Anten­ne vor dem Relais. Hier erkennt man das Pro­blem: Das RF-IN-Netz ist soweit mög­lich mit 50-Ω-Lei­ter­bah­nen gerou­tet, obwohl immer nur ein Relais durch­ge­schal­tet ist. Die nicht ver­wen­de­ten Lei­ter­bah­nen wir­ken als kapa­zi­ti­ve Last. Ihre Län­ge von 15 oder 20 mm ist bei den hier ver­wen­de­ten Fre­quen­zen völ­lig uner­heb­lich. Es gilt die Dau­men­re­gel, daß alle Län­gen klei­ner λ/100 nor­ma­ler­wei­se ver­nach­läs­sigt wer­den kön­nen. Damit wür­den die 20 mm erst im 2‑m-Band bemerkbar.

Simu­la­ti­on mit SimSmith

Eine Abschät­zung der Flä­che des oben her­vor­ge­ho­be­nen RF_IN-Net­zes ergibt etwa 140 mm². Das wären bei der ver­wen­de­ten Lei­ter­plat­te mit 0,9 mm Dielek­tri­kum eine Kapa­zi­tät von etwa 6,1 pF. Das ver­su­chen wir mal mit SimS­mith nachzubilden.

Um die Ver­hält­nis­se mög­lichst rea­li­täts­nah nach­zu­bil­den, wird die­se Kapa­zi­tät an den Gene­ra­tor ange­schlos­sen und dann kommt eine 20 mm lan­ge 50-Ω-Lei­ter­bahn vom Aus­gang des Relais bis zur Anten­nen­buch­se. Hier ist eine Gas­ent­la­dungs­röh­re ange­schlos­sen, deren Kapa­zi­tät im Daten­blatt mit „<1 pF“ ange­ge­ben wird. Mit wei­te­ren Streu­ka­pa­zi­tä­ten (z.B. am 100 kΩ Wider­stand) schät­ze ich die Last auf die­ser Sei­te mal auf 2 pF. Was sagt SimS­mith dazu? Hier die Antwort:

Das sieht doch der oben gezeig­ten Mes­sung mit dem VNWA schon aus­ge­spro­chen ähn­lich. Auch das SWR bei 200 MHz von 1,64 weicht von den gemes­se­nen 1,66 nur gering­fü­gig ab.

Simu­la­ti­on mit Microstrip-Leitungen

Mit am Ende offe­nen Micro­strip-Lei­tun­gen kann man die Ver­hält­nis­se mit SimS­mith auch noch etwas ele­gan­ter modellieren.

Hier sind fünf offe­ne 50-Ω-Lei­ter­bah­nen am Gene­ra­tor ange­schlos­sen, die sech­ste geht an die Last. Die Län­gen der Micro­strip-Lei­tun­gen sind mit 7 bis 20 mm an die tat­säch­li­chen Län­gen ange­nä­hert. Sie­he da, auch die­ses Modell simu­liert erstaun­lich genau die gemes­se­nen Werte.

Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten

Damit ist die Ursa­che für die kapa­zi­ti­ve Bela­stung ein­deu­tig belegt. Was kann man nun in einem neu­en Design dage­gen machen? Ganz klar, die Kapa­zi­tät der Lei­ter­bah­nen ver­rin­gern. Sie müs­sen also viel schma­ler wer­den, wodurch auto­ma­tisch ihr Wel­len­wi­der­stand steigt. Blei­ben wir zunächst bei der gewähl­ten Lei­ter­plat­ten­dicke von 1 mm (0.9 mm Dielek­tri­kum) und machen die Lei­ter­bah­nen extrem schmal, nur 0,3 mm breit. Was sagt nun die Simulation?

Für die­se Dimen­sio­nie­rung errech­net sich ein Wel­len­wi­der­stand von etwa 105 Ω. Set­zen wir das in die vor­he­ri­ge SimS­mith-Simu­la­ti­on mit Micro­strip-Lei­tun­gen ein, ergibt sich fol­gen­des Bild:

Jetzt ergibt sich ein SWR von 1,1 bei 200 MHz. Das geht also zwei­fel­los in die rich­ti­ge Richtung.

Über­le­gun­gen zum Redesign

Die Anfor­de­rung ist also ein­fach nur, die Kapa­zi­tät der Lei­ter­bah­nen so gering wie mög­lich zu machen. Das bedeu­tet, sie müs­sen so schmal wie mög­lich wer­den und die Lei­ter­plat­te so dick wie mög­lich. Als begren­zen­de Bedin­gun­gen kommt aber dazu, daß auch wei­ter­hin 50-Ω-Lei­ter­bah­nen hin­ter den Relais gebraucht wer­den. Sie dür­fen aus Platz­grün­den nicht belie­big breit wer­den. Außer­dem sol­len die nun dra­stisch ver­schmä­ler­ten Lei­ter­bah­nen immer noch die gefor­der­te Lei­stung über­tra­gen kön­nen. Falls das knapp wird, kann man die Lei­ter­bahn­dicke von den übli­chen 35 µm auf 70 µm verdoppeln.

Bei der Ent­schei­dungs­fin­dung hel­fen die KiCad Tabel­len und Berech­nungs­werk­zeu­ge wei­ter. Damit kann man Lei­ter­bahn­brei­ten und Lei­ter­bahn­ab­stän­de für die benö­tig­ten Strom- und Span­nungs­be­la­stun­gen berech­nen. Außer­dem berech­net KiCad den Wel­len­wi­der­stand von Übertragungsleitungen.

Schau­en wir zunächst mal, was tech­nisch zu ver­nünf­ti­gen Prei­sen mach­bar ist. Ein unver­bind­li­cher Blick in die Preis­ge­stal­tung von JLCPCB („instant quo­te“ klicken) hilft wei­ter. Schau­en wir aus den oben genann­ten Grün­den nur auf die dick­sten Lei­ter­plat­ten und wäh­len die blei­freie Ober­flä­che, damit even­tu­el­le Pro­ble­me bei der Ein­fuhr gleich im Ansatz ver­mie­den wer­den. Für fünf dop­pel­sei­ti­ge Lei­ter­plat­ten der Grö­ße 100 mm x 200 mm wer­den fol­gen­de Prei­se ver­langt (30.09.2024):

Opt.1: 1,6 mm Dicke, 35 µm Kupfer, P=105 W, Z0=108 Ω: € 11,79
Opt.2: 1,6 mm Dicke, 70 µm Kupfer, P=286 W, Z0=106 Ω: € 28,23
Opt.3: 2,0 mm Dicke, 35 µm Kupfer, P=105 W, Z0=116 Ω: € 39,66
Opt.4: 2,0 mm Dicke, 70 µm Kupfer, P=286 W, Z0=114 Ω: € 58,09

Dazu kommt jeweils der Ver­sand und die Ein­fuhr­um­satz­steu­er. Außer­dem ist in die­ser Tabel­le die Lei­stung ange­ge­ben, die eine 0,5 mm brei­te Lei­ter­bahn bei einer Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung um 10 K über­tra­gen kann. Z0 gibt den Wel­len­wi­der­stand die­ser Lei­ter­bahn an.

Ent­schei­dung für die Ver­si­on 2.1

Man kann hier lan­ge hin- und her­ex­pe­ri­men­tie­ren, wel­che Opti­on denn nun die gün­stig­ste ist. Um es kurz zu machen: ich habe mich für die Opti­on 2 ent­schie­den, also 1,6 mm Lei­ter­plat­ten­dicke und 70 µm Kup­fer­auf­la­ge. Ich gehe davon aus, daß das Dielek­tri­kum auch bei die­ser Kup­fer­auf­la­ge das­sel­be ist, wie bei 35 µm, also 1,5 mm. Das ist nir­gends klar doku­men­tiert, aber der Unter­schied wäre auch gering. Die RF_IN Lei­ter­bah­nen wer­den dann 0,5 mm breit und haben einen Wel­len­wi­der­stand von 106 Ω, die 50-Ω-Lei­ter­bah­nen wer­den 2,809 mm breit. Die Simu­la­ti­ons­er­geb­nis­se sind prak­tisch iden­tisch zu den oben gezeig­ten mit 105 Ω. Ein SWR von 1,1 kann für 200 MHz erwar­tet wer­den, bei 70 MHz immer noch bes­ser als 1,04. Naja, in der Pra­xis wird es nicht ganz so ide­al sein.

Die 0,5 mm brei­ten Lei­ter­bah­nen kön­nen einen Strom von 2,4 A lei­ten, wenn eine mode­ra­te Erwär­mung von 10 K zuge­las­sen wird. Das sind über 280 Watt Dau­er­lei­stung, für mich mehr als aus­rei­chend. Selbst bei den in Deutsch­land maxi­mal zuläs­si­gen 750 Watt, ist bei Dau­er­lei­stung eine Erwär­mung der Lei­ter­bahn um maxi­mal 30 K zu erwar­ten. Auch das führt nicht zum Able­ben der Lei­ter­plat­te, erst recht nicht, wenn wie bei CW oder SSB der Schei­tel­fak­tor deut­lich unter 1 liegt.

Bei einer Lei­stung von 750 Watt beträgt die Effek­tiv­span­nung knapp 200 V. Für die Span­nungs­fe­stig­keit müs­sen wir aller­dings mit den Spit­zen­wer­ten rech­nen und neh­men daher groß­zü­gig 300 VSS an. Für die­se Span­nung ergibt sich ein Min­dest­ab­stand der Lei­ter­bah­nen von 0,4 mm (B4 – Außen­lei­ter, mit Schutz­schicht (jede Höhe)). Im neu­en Design gelang es ohne beson­de­ren Auf­wand, einen Min­dest­ab­stand von 0,9 mm ein­zu­hal­ten. Das reicht laut Tabel­le für bis zu 500 VSS aus. Das sind 350 Veff, was einer maxi­ma­len Lei­stung von fast 2,5 kW ent­sprä­che. Die maxi­ma­le Span­nung begrenzt die Lei­stung also nicht.

Hier ist nun ein Screen­shot der über­ar­bei­te­ten Version:

Auch hier ist wie­der das RF_IN-Netz mit 0,5 mm Brei­te her­vor­ge­ho­ben. Außer­dem sind nun die SMA-Buch­sen im 30°-Abstand gleich­mä­ßig um das Zen­trum her­um ver­teilt und ein paar Mil­li­me­ter wei­ter nach außen ver­scho­ben. Damit soll­te das Ver­schrau­ben der Koax­ka­bel etwas ver­ein­facht sein. Den SMA-Buch­sen ste­hen Ampu­ta­tio­nen ihrer vier äuße­ren Bein­chen bevor. Nur der Mit­tel­lei­ter wird unten ange­lö­tet, wäh­rend der Außen­lei­ter wie ein SMD-Bau­teil nur auf der Ober­sei­te ange­lö­tet wird. Damit kann die 50-Ω-Lei­ter­bahn in vol­ler Brei­te an den mitt­le­ren Pin ange­schlos­sen werden.

Die Bestel­lung der Lei­ter­plat­ten ist raus und ich wer­de berich­ten, sobald sie ange­kom­men, bestückt und aus­ge­mes­sen sind.

Relais­trei­ber: eine wei­te­re Revision

Auch wenn ich erst kürz­lich ein neu­es Relais­trei­ber-Board vor­ge­stellt habe, muss­te nun eine wei­te­re Revi­si­on fol­gen. Der Grund ist, daß ich die Ver­sor­gungs­span­nung erhö­hen will.

Das Pro­blem mit der Versorgungsspannung

Die Außen­ge­rä­te, z.Zt. nur ein Anten­nen­um­schal­ter und ein Anten­nen­tu­ner, wer­den vom Shack aus mit ihrer Betriebs­span­nung ver­sorgt. Das geschieht über preis­wer­te CAT5-Kabel mit vier paar­wei­se ver­drill­ten Adern. Eines die­ser Paa­re über­trägt die Daten über eine bidi­rek­tio­na­le RS485-Schnitt­stel­le und ein wei­te­res Adern­paar über­trägt die Ver­sor­gungs­span­nung. Es blei­ben also zwei Paa­re unge­nutzt als Reserve.

Bis­her wer­den die außen­sei­ti­gen Gerä­te mit 12 VDC ver­sorgt. Das funk­tio­niert auch ganz gut. Es kom­men an den Modu­len etwas über 11 Volt an, weil eine in Fluß­rich­tung gepol­te Schott­ky-Diode als Ver­po­lungs­schutz ein­ge­baut ist und weil ein paar Mil­li­volt an den Lei­tun­gen abfal­len. Das reicht, um ein 12-V-Relais zu schal­ten, aber ele­gan­ter wäre es natür­lich, wenn die Betriebs­span­nung direkt im Modul erzeugt wür­de. Das CPU-Board hat­te ich beim letz­ten Rede­sign schon mit einem Schalt­reg­ler aus­ge­stat­tet, so daß es pro­blem­los mit Span­nun­gen bis 30 V betrie­ben wer­den kann, mit einem klei­nen Umbau auch mehr.

Als wei­te­rer Anstoß für eine Über­ar­bei­tung des Trei­ber-Boards kam nun hin­zu, daß ich die für einen neu­en Anten­nen­um­schal­ter vor­ge­se­he­nen bista­bi­len Relais nur in der 24-V-Vari­an­te bekom­me. So fiel die Ent­schei­dung, die Ver­sor­gungs­span­nung soweit zu erhö­hen, daß lokal im Modul eine Span­nung von bis zu 24 V erzeugt wer­den kann. Dann kann man einen Simp­leS­wit­cher von TI im SOT-23-Gehäu­se als Buck-Kon­ver­ter ein­set­zen. Die ursprüng­li­che Idee, wegen der Ver­füg­bar­keit geeig­ne­ter Stecker­netz­tei­le gleich auf 36 V zu gehen, habe ich wie­der ver­wor­fen. Es ist mir zu nahe an der Span­nungs­fe­stig­keit der ver­bau­ten Abblock­kon­den­sa­to­ren (50 V). Als Zwi­schen­wert bie­ten sich 28 V an, wofür es auch pas­sen­de Stecker­netz­tei­le gibt, wenn auch mit gerin­ge­rer Aus­wahl. 28 V rei­chen auch völ­lig, um 24 V oder jede ande­re nied­ri­ge­re Span­nung zu generieren.

Das neue Design

Hier zunächst der Schaltplan:

…und hier das gesam­te KiCad-Pro­jekt.

Die 3D-Vor­schau zeigt, wie die fer­ti­gen Modu­le aus­se­hen sollen:

Gefer­tigt wird wie­der bei JLCPCB in Chi­na, 10 Modu­le für weni­ger als 100 Euro. Aller­dings wird nur die Unter­sei­te bestückt, die Ober­sei­te und die Stift­lei­sten muß ich sel­ber auflöten.

Kurz­be­schrei­bung

Als Schalt­reg­ler wird ein TI Simp­leS­wit­cher vom Typ LMR16006X ein­ge­setzt. Sein etwas höher getak­te­ter Bru­der mit Y‑Suffix wird bereits im CPU-Board ver­wen­det. Die Y‑Variante ist aber eigent­lich ab 24 V nicht mehr ver­wend­bar, daher habe ich mich hier für die X‑Variante ent­schie­den. Das ein­ge­bau­te Wider­stands­netz­werk erzeugt 12 V, wenn man R11 ent­fernt, wer­den 24 V gene­riert. Ande­re Span­nun­gen erfor­dern die Bestückung pas­sen­der Wider­stän­de auf der Ober­sei­te (R17 und R18). 300 mA soll­ten dau­er­haft ent­nom­men wer­den kön­nen. Der Schalt­reg­ler könn­te auch 600 mA lie­fern, dafür ist aber die Spei­cher­dros­sel etwas unter­di­men­sio­niert. Kurz­zei­tig geht es den­noch, aber im Dau­er­be­trieb wird die Dros­sel dann zu warm.

Der Glät­tungs­kon­den­sa­tor C10 ist ein Tan­tal­kon­den­sa­tor, der manu­ell auf der Ober­sei­te auf­ge­lö­tet wird. Hier ist das übli­che „Vol­ta­ge Dera­ting“ zu beach­ten. Tan­tal­kon­den­sa­to­ren dür­fen nur lang­sam auf ihre maxi­mal zuläs­si­ge Betriebs­span­nung auf­ge­la­den wer­den, sonst wer­den sie zer­stört. Die im Schalt­plan ange­ge­be­nen 35 V rei­chen nicht aus, wenn 24 V erzeugt wer­den (durch eige­ne Ver­su­che erhär­tet). Die Span­nungs­fe­stig­keit soll­te min­de­stens dop­pelt so hoch sein, wie die gene­rier­te Span­nung (50% vol­ta­ge dera­ting). Bei 24 V muß also zwin­gend ein 50-V-Typ ein­ge­setzt werden.

Anders als bei der vor­he­ri­gen Ver­si­on wur­de dies­mal ein TBD62083A im SSOP-18-Gehäu­se als low-side-Trei­ber ein­ge­setzt. Das lag ein­fach dar­an, daß der ULN2803 im QFN-Gehäu­se beim Lei­ter­plat­ten­her­stel­ler JLCPCB gera­de nicht ver­füg­bar war.

Als Schutz­di­ode gegen Über­span­nun­gen wur­de eine SMBJ36A ein­ge­setzt. Sie wird laut Daten­blatt bei min­de­stens 40V lei­tend, wäre also für ein 36-V-Netz­teil mit 10% Tole­ranz geeig­net. Im CPU-Board ist ein SMBJ28A ver­baut, der bei mehr als 28 V Ver­sor­gungs­span­nung getauscht wer­den müss­te. Auch das ist ein Grund, bei 28 V zu bleiben.

Die­ser Relais­trei­ber ist inzwi­schen auf einem Anten­nen­um­schal­ter in Betrieb, der die oben erwähn­ten 24-V-Relais ver­wen­det. Das Pro­jekt wer­de ich in Kür­ze beschreiben.

Free­CAD 3D – Python Macros und Projekte

Update 07.11.2024: Fit­tings

Update 18.12.2024: Auf­be­wah­rungs­do­se

Update 05.04.2025: Eini­ge para­me­trier­ba­re Designs

Update 25.06.2025: Rol­le und Klem­me für Antennenmast

Update 13.09.2025: Rol­le, Rol­len­hal­ter und Mastklemme

Update 14.09.2025: Wet­ter­fe­stes Gehäuse

Update 16.04.2026: neu: Rol­le, Rol­len­hal­ter und Mastklemme

Free­CAD ist ein 3D-Design­pro­gramm, das ich schon seit ein paar Jah­ren ver­wen­de, um mehr schlecht als recht 3D-Model­le für mei­ne KiCad-Pro­jek­te zu erstel­len. Dabei ging es eigent­lich immer nur dar­um, „quick-and-dir­ty“ ein gro­bes Anschau­ungs­mo­dell zu haben, das zumin­dest unge­fähr maß­stabs­ge­recht eine Lei­ter­plat­te zeigt. Das ist sehr hilf­reich, ich möch­te kei­ne Lei­ter­plat­te mehr ohne 3D-Modell entwickeln.

Nach­dem ich vor eini­gen Mona­ten einen 3D-Drucker ange­schafft habe, muss­te ich mich inten­si­ver mit Free­CAD beschäf­ti­gen, ins­be­son­de­re auch mit der Mög­lich­keit, 3D-Model­le per Python-Skript zu erzeu­gen. Das hat erheb­li­che Vor­tei­le gegen­über der gra­fi­schen Ein­ga­be, das Modell wird para­me­tri­sier­bar. Wenn man bei dem ersten gedruck­ten Pro­to­ty­pen fest­stellt, daß das Modell doch bes­ser zwei Mil­li­me­ter kür­zer und einen hal­ben Mil­lim­ter dicker sein soll, dann ändert man die bei­den Wer­te im Python Quell­text und führt das Makro erneut aus. Anders als die­se Ände­run­gen mit der gra­fi­schen Ober­flä­che durch­zu­füh­ren, dau­ert das nur weni­ge Sekun­den. Wenn man sich etwas mit Free­CAD und der Python Pro­gram­mie­rung beschäf­tigt hat, dann dau­ert das auch nicht län­ger, als die gra­fi­sche Modellerstellung.

Sowohl Python als auch Free­CAD sind her­vor­ra­gend doku­men­tiert. Man fin­det im Inter­net auf jede Fra­ge eine Ant­wort. Ich will nur auf eine Sei­te hin­wei­sen, die mir sehr gehol­fen hat und die ich immer noch als Nach­schla­ge­werk benut­ze: Topo­lo­gi­cal data scrip­ting. Bei Unklar­hei­ten kann man sehr schnell Din­ge aus­pro­bie­ren. Ein Ver­such dau­ert nur weni­ge Sekun­den, weil ein Skript nicht über­setzt und gelinkt wer­den muß, son­dern direkt aus­ge­führt wird. Die Feh­ler­mel­dun­gen sind aber lei­der nicht immer selbst­er­klä­rend. Ein Fall­strick sei noch erwähnt, der mich anfangs vie­le Ner­ven geko­stet hat: ein Unter­pro­gramm in einer eige­nen Datei wird beim Neu­start des Haupt­pro­gramms nicht auto­ma­tisch neu gela­den. Python behält die alte Ver­si­on im Spei­cher und ersetzt sie nicht durch eine geän­der­te Ver­si­on. Man muß Free­CAD been­den und neu star­ten, damit die Datei neu ein­ge­le­sen wird.

Nach­fol­gend sind eini­ge klei­ne Pro­jek­te gezeigt, die dem Anfän­ger als Bei­spiel zur Python-Pro­gram­mie­rung unter Free­CAD die­nen sol­len. Am Anfang des Quell­tex­tes sind jeweils die ver­än­der­li­chen Para­me­ter defi­niert. Far­ben sind so gewählt, daß die ein­zel­nen Ele­men­te am Moni­tor gut sicht­bar sind. Das sind nicht unbe­dingt die Far­ben, die spä­ter gedruckt wer­den. Die ein­zel­nen Ele­men­te kön­nen in Free­CAD ange­zeigt oder ver­bor­gen wer­den, indem man sie aus­wählt und dann die Leer­ta­ste drückt. Die Macros sind mit 7zip komprimiert.

Gehäu­se

Die­ses Free­CAD-Skript erzeugt ein klei­nes Gehäu­se, in dem bei­spiels­wei­se eine Lei­ter­plat­te ein­ge­baut wer­den kann. Dazu wer­den ein paar Nop­pen erzeugt, in die selbst­schnei­den­de Schrau­ben ein­ge­schraubt wer­den kön­nen. Auch ein pas­sen­der Deckel wird generiert.

Hier das Skript: Gehäu­se

Sei­fen­do­se

Die­ses Skript erzeugt eine Sei­fen­do­se, die aus einem Ober­teil, einem Unter­teil und einem Ein­le­ger besteht.

Wegen der vie­len Löcher im Ein­le­ger ist die Rechen­zeit etwas erhöht.

Hier das Skript: Sei­fen­do­se

Deckel für eine Appel-Fischdose

Für run­de Wurst­do­sen gibt es inzwi­schen Abdeckun­gen in ver­schie­de­nen Grö­ßen. Die Abmes­sun­gen von Fisch­do­sen schei­nen nicht stan­dar­di­siert zu sein. Hier ist ein Skript, das eine pas­sen­de Abdeckung für Appel-Fisch­kon­ser­ven generiert.

Für läng­li­che (Fisch-)dosen ande­rer Her­stel­ler kann das Skript ent­spre­chend para­me­tri­siert wer­den. Es emp­fiehlt sich der 3D-Druck mit einem wei­chen Mate­ri­al, z.B. TPU.

Hier das Skript: Deckel_Appel_Fischdose

Umhau­sung für eine Fräse

Die­ses Pro­jekt wur­de hier bereits vor­ge­stellt, soll aber der Voll­stän­dig­keit hal­ber auch hier noch­mal erwähnt werden.

Umhausung für die BL1005
Umhau­sung für die BL1005

Für die­se Umhau­sung habe ich noch eini­ges an Zube­hör entworfen:

Hal­te­schie­nen für die Acrylglasscheiben

Die Acryl­glas­schei­ben sind ein paar Mil­li­me­ter brei­ter als der Abstand der Alu­pro­fi­le, damit sie in deren Nut fixiert wer­den kön­nen. Damit sie fest sit­zen, müs­sen sie aller­dings in eine pas­sen­de Hal­te­schie­ne ein­ge­fasst werden.

Die­se Hal­te­schie­nen sind aus wei­chem TPU gedruckt und kön­nen mit die­sem Skript erstellt wer­den. Die Anzahl der Schie­nen, ihre Län­ge und die Dicke des Acryls kön­nen para­me­triert werden.

Pro­fil­gum­mi

Die oben gezeig­ten Hal­te­schie­nen müs­sen nicht umlau­fend auf allen Sei­ten der Acryl­gla­ses ange­bracht wer­den. Dort wo sie feh­len, ten­diert das Acryl aller­dings zum Wackeln und Lär­men. Um das zu ver­hin­dern kann man Pro­fil­gum­mi (TPU) bei­der­seits der Schei­be in die Nut stecken.

Hier das Skript: Profil_B-Typ_Nut6_Profilgummi‑1.7z

Glei­ter für die ver­schieb­ba­re Seitenscheibe

Die vor­de­re rech­te Sei­ten­schei­be ist ver­schieb­bar und sie muß daher an der Außen­sei­te ange­bracht wer­den. Dafür wer­den Glei­ter benö­tigt, die in die obe­re und unte­re äuße­re Nut des Alu­pro­fils pas­sen und dar­in ver­schieb­bar sind. Sie benö­ti­gen Befe­sti­gungs­boh­run­gen für die Acrylscheibe.

Die Glei­ter wer­den mit die­sem Skript erstellt. Es wer­den jeweils zwei die­ser Glei­ter in das obe­re und unte­re Pro­fil ein­ge­setzt. In die Boh­rung wird ein M4-Gewin­de geschnit­ten und die Acryl­glas­schei­be von außen festgeschraubt.

Hal­te­rung für Möbelgriffe

An ver­schie­de­nen Stel­len der Umhau­sung sind zum leich­te­ren Anhe­ben Möbel­grif­fe ange­bracht. Sie sind an eine Hal­te­rung fest­ge­schraubt und kön­nen so in die Nut des Alu­pro­fils gescho­ben wer­den. Sie wer­den mit dem oben gezeig­ten Skript für Glei­ter erzeugt. Die aus­kom­men­tier­ten Wer­te müs­sen ent­spre­chend geän­dert wer­den. Es wur­den Möbel­grif­fe mit einem Abstand der Boh­run­gen von 128 mm gewählt.

Zwei M4-Senk­kopf­schrau­ben wer­den von unten durch den Glei­ter gesteckt und befe­sti­gen den Griff. Damit der Glei­ter nicht ver­rutscht, wird er mit zwei M4-Maden­schrau­ben fest­ge­klemmt, die unter dem Griff zugäng­lich sind. Hier müs­sen nach dem Drucken zwei Gewin­de geschnit­ten wer­den. Wenn das Mate­ri­al weich genug und die Boh­rung groß genug ist, kann man auch die Maden­schrau­ben direkt eindrehen.

Spu­le

Für ver­schie­de­ne KiCad-Pro­jek­te brauch­te ich immer wie­der 3D-Model­le von selbst­ge­wickel­ten Luftspulen.

Mit etwas Übung geht das zwar auch in der gra­fi­schen Ober­flä­che recht schnell, aber ein Skript ist doch ele­gan­ter. Es wird nur die Wen­del erzeugt, nicht die Anschlußdrähte.

Hier ist das Skript: Luft­spu­le

Spu­len­hal­ter

Auch eine Luft­spu­le braucht schon­mal einen Hal­ter, ins­be­son­de­re wenn der Draht dünn ist und der Win­d­ung­ab­stand ein­ge­hal­ten wer­den soll.

Die­ser Hal­ter kann mit einem 3D-Drucker erstellt wer­den. Sein elek­tri­scher und magne­ti­scher Ein­fluß auf die Spu­le ist ver­nach­läs­sig­bar, es bleibt damit eine Luft­spu­le. Als Wickel­kör­per ist die­ser Hal­ter eher nicht zu gebrau­chen, beson­ders wenn die Wand dünn ist. Er eig­net sich aber gut zum Ein­schrau­ben in eine bereits gewickel­te Spule.

Hier ist das Skript: Spu­len­hal­ter

Fit­tings

Gele­gent­lich benö­tigt man Fit­tings um Roh­re oder Schläu­che zu ver­bin­den. Aktu­ell benö­tig­te ich einen Adap­ter für mei­nen Staub­sauger, damit ich ihn an den Spi­ral­schlauch zur Absau­gung an der Frä­se anschlie­ßen kann. Sowas ist schnell mit Free­CAD gezeich­net, wenn das Ergeb­nis dann aber nicht passt, geht die Arbeit (fast) wie­der von vor­ne los. Also habe ich ein Python Skript für die­se Auf­ga­be geschrie­ben. Hier ein Beispiel:

Zur Bena­mung: ein Fit­ting hat zwei Sei­ten, an jeder eine Muf­fe. Mög­li­cher­wei­se nicht im Ein­klang mit den Fach­ter­mi­ni bezeich­ne ich sie als Innen­muf­fe oder Außen­muf­fe. Eine Innen­muf­fe wird in das Anschluß­rohr ein­ge­steckt, eine Außen­muf­fe umschließt ein Anschluß­rohr. Das sind erst­mal nur Namen und der Unter­schied im Skript ist nur der, daß man bei einer Außen­muf­fe deren Innen­durch­mes­ser ange­ben muß, damit sie auf ein ent­spre­chen­des Rohr passt. Bei einer Innen­muf­fe gibt man ihren Außen­durch­mes­ser an, damit sie in das Rohr ein­ge­steckt wer­den kann. In bei­den Fäl­len kann man den vor­de­ren und den hin­te­ren Duch­mes­ser ange­ben, damit die Muf­fe konisch zulau­fen kann.

Die Wand­stär­ke ist für jede Muf­fe unab­hän­gig wähl­bar und jede der bei­den Muf­fen kann geschlitzt wer­den. Län­ge, Brei­te und Anzahl der Schlit­ze sind unab­hän­gig ein­stell­bar. Die Schlit­ze erleich­tern das Ein­stecken der Muf­fe und wenn nötig gestat­ten sie das Anbrin­gen einer Schlauchschelle.

Die Län­ge des Über­gangs­stücks zwi­schen bei­den Muf­fen kann man ent­we­der direkt ein­ge­ben oder man wählt den Win­kel der Außen­kan­te, dann bestimmt das Skript die Län­ge selbst.

Auch hier sind mög­li­che Feh­ler nicht voll­stän­dig abge­fan­gen. Wenn man Mist ein­gibt, wird auch Mist generiert.

Auf­be­wah­rungs­do­se

Nach­dem ich mich kürz­lich mal wie­der über mei­ne noto­ri­sche Unord­nung geär­gert habe, muss­te end­lich eine Lösung her. Über die Jah­re und Jahr­zehn­te haben sich ein­zel­ne Bau­ele­men­te (meist Halb­lei­ter, aber auch Relais, ZF-Fil­ter und pas­si­ve Bau­tei­le) ange­sam­melt, die lose, in klei­ne Kisten oder unhand­li­chen Stan­gen her­um­la­gen und bei Bedarf sowie­so nicht auf­find­bar waren. Als Lösung boten sich mit dem 3D-Drucker auf Maß gefer­tig­te Dosen und Dös­chen an. Daher habe ich das oben schon gezeig­te Skript für die Sei­fen­do­se pas­send erweitert.

Ein Ein­le­ger ist nicht mehr nötig und wur­de ersatz­los gestri­chen. Dafür bekam der Boden eine optio­na­le Nut zum Ein­ra­sten des Deckels, der dazu die pas­sen­den Nop­pen als Gegen­stück bekam. Außer­dem kön­nen, wie­der­um optio­nal, vier Griff­mul­den in den Deckel ein­ge­las­sen wer­den, damit die­ser mit dem Fin­ger­na­gel oder not­falls einem Schrau­ben­zie­her bes­ser geöff­net wer­den kann. Hier ist das Python-Skript dazu.

Die Abmes­sun­gen kön­nen auch hier wie­der im Quell­text nach eige­nen Anfor­de­run­gen ein­ge­ge­ben wer­den. Der Ein­fach­heit hal­ber habe ich drei Stan­dard-Kon­fi­gu­ra­tio­nen vor­ge­ge­ben, von denen eine durch die logi­schen Varia­blen „IC_klein“, „IC_gross“ oder „mit­tel­groß“ aus­ge­wählt wer­den kann. Das kann natür­lich alles nach Belie­ben ange­passt werden.

Greif­vo­gel als Fenstermotiv

Bedau­er­li­cher­wei­se gibt es bei uns immer wie­der töd­li­che Flug­un­fäl­le von Vögeln, die gegen eine Glas­schei­be flie­gen. Es gibt Fen­ster­auf­kle­ber mit Greif­vö­geln zu kau­fen, die aber oft nur DIN A4 groß sind, manch­mal sogar meh­re­re Vögel auf einem Blatt. Das ist witz­los. Grö­ße­re Blät­ter kosten leicht über 20 Euro, wenn man über­haupt wel­che fin­det. Hier ein Modell für einen 3D-Drucker, des­sen Grö­ße nur durch den Drucker begrenzt ist:

Mit ABS gedruckt ist das Motiv eini­ger­ma­ßen UV- und wetterfest.

Scha­tul­le für Jägermeister

Ein Nach­bar hat­te den Wunsch, ein Behält­nis für klei­ne Jäger­mei­ster-Fläsch­chen auf sei­nen Ski zu kle­ben. Da konn­te ich mit mei­nem 3D-Drucker ger­ne weiterhelfen:

Durch die unte­ren Schlit­ze wird ein Klett­band gescho­ben, das die Fla­sche befe­stigt. Die Griff­mul­den dar­über erleich­tern das Her­aus­neh­men der Fla­sche und die hin­te­re Kan­te ver­hin­dert ein Herausfallen.

Die­ser Ent­wurf ist in Gren­zen para­me­trier­bar. Ich habe dabei gelernt, wie Free­CAD mit Spreadsheets funktioniert.

Deckel für Rühr­schüs­sel einer Graef Küchenmaschine

Da wir regel­mä­ßig Brot backen, haben wir uns kürz­lich eine neue Küchen­ma­schi­ne gekauft. Wir set­zen ger­ne einen Vor­teig an, der über Nacht im Kühl­schrank rei­fen muß. Man braucht also einen Deckel für die Rühr­schüs­sel, hier ist er:

Der Deckel hat umlau­fend einen ein­ge­kerb­ten Rand, so daß er fest auf der Schüs­sel schließt. Ich habe ihn aus fle­xi­blem TPU gedruckt. Er hat außer­dem eine umlau­fen­de Tropf­kan­te, die das Ablau­fen von Kon­dens­was­ser über den Rand hin­aus verhindert.

Auch die­ses Design ist über ein Spreadsheet parametrierbar.

Seil­rol­le

Beim Bau von Lang­draht­an­ten­nen wer­den immer wie­der Rol­len ver­schie­de­ner Durch­mes­ser und Brei­te benö­tigt. Eine Rol­le allein reicht aber nicht, denn beim Aus­schie­ben des Anten­nen­ma­stes springt immer wie­der das Seil oder der Anten­nen­draht aus der Rol­le und man muß wie­der von vorn anfan­gen. Es führt also kein Weg an einem „Schutz­blech“ vor­bei, das das Seil in der Rol­le hält. Hier ein para­me­trier­ba­res Free­CAD 3D-Design:

Die wich­tig­sten Para­me­ter kön­nen wie­der im ein­ge­bau­ten Spreadsheet aus­ge­wählt wer­den, z.B. der Rol­len­durch­mes­ser, der Seil-/Draht­durch­mes­ser, der Durch­mes­ser der Boh­rung für das Gleit­la­ger und der Win­kel des Schutzblechs.

Gedruckt habe ich die Kon­struk­ti­on mit ABS, in der Hoff­nung auf hin­rei­chen­de UV- und Wet­ter­fe­stig­keit. Den­noch wird die Lebens­dau­er im Frei­en begrenzt sein.

Rol­le und Klem­me für Antennenmast

Nun ist zum wie­der­hol­ten Male die Abspan­nung an mei­nem Anten­nen­mast geris­sen. Die bil­li­gen Schnü­re aus Super­markt-Son­der­an­ge­bo­ten hal­ten einen oder besten­falls zwei Som­mer lang und dann sind sie vom Wet­ter und vom UV-Licht zer­fres­sen. Für eine dau­er­haf­te Lösung führt kein Weg an wet­ter­fe­sten Abspann­sei­len vor­bei. Da ich den 12-m-Mast also sowie­so ein­fah­ren muss­te, habe ich die Gele­gen­heit genutzt, um neue Seil­rol­len für den Anten­nen­draht ein­zu­bau­en. Die alten Seil­rol­len waren zwar noch in Ord­nung, aber sie waren fest am jewei­li­gen Fiber­glas­ele­ment ange­klemmt und haben sich daher nicht immer in die Rich­tung der Zug­kraft gedreht. Die neu­en Rol­len soll­ten daher dreh­bar ange­bracht werden.

Seil­rol­len

Hier zunächst aktu­el­le Free­CAD-Ver­si­on der Rol­len, die oben bereits vor­ge­stellt wurden:

Das Modell ist per Spreadsheet kon­fi­gu­rier­bar. Im Unter­schied zur vor­he­ri­gen Ver­si­on wur­de das „Schutz­blech“ verstärkt.

Auf­hän­gung der Rollen

Für die Auf­hän­gung der Rol­len habe ich zwei Vari­an­ten eines Rol­len­hal­ters ent­wor­fen. Bei­de sit­zen locker auf dem jewei­li­gen Fiber­glas­ele­ment, so daß sie hori­zon­tal dreh­bar sind. Die erste und mut­maß­lich sta­bi­le­re Ver­si­on ist an einem Stück gedruckt:

Die­ser Rol­len­hal­ter hat lei­der den Nach­teil, daß er von oben in den Mast eige­fä­delt wer­den muß, man muß also alle Klem­men ent­fer­nen, die dar­über sind. Das ist unschön und daher habe ich eine zwei­te Vari­an­te ent­wor­fen, die aus zwei Tei­len besteht:

Das ist die Vari­an­te, die letzt­lich zum Ein­satz kam. Rol­len­hal­ter und Klem­me wer­den mit zwei 4‑mm-Schrau­ben ver­schraubt. Der Rol­len­hal­ter hat zu dazu 4‑mm-Ein­press­mut­tern ein­ge­baut. Das erleich­tert den Zusam­men­bau, denn die­se Mut­tern kön­nen nicht ver­lo­ren gehen. Bei der vor­he­ri­gen Ver­si­on hat­te ich aller­dings Stopp­mut­tern ver­baut, die sich nicht lösen kön­nen. Falls sich die­se aktu­el­le Kon­struk­ti­on über die Zeit lockert, könn­te man statt der Ein­press­mut­tern auch Stopp­mut­tern vorsehen.

Als Ach­se habe ich ein Mes­sing­rohr mit 8 mm Außen­durch­mes­ser ver­wen­det. Der Innen­durch­mes­ser ist groß genug, um eine 70 mm lan­ge Schrau­be mit einem Durch­mes­ser von 6 mm hin­durch­zu­stecken. Ich habe beid­sei­tig eine Unter­leg­schei­be ver­wen­det und mit einer Stopp­mut­ter soweit ver­schraubt, daß alles noch leicht beweg­lich aber den­noch fest ist. Das Rohr ist sicher­lich ver­zicht­bar, aber dann glei­tet die Rol­le direkt auf dem Gewin­de, was ver­mut­lich die Lebens­dau­er etwas einschränkt.

Hier das Design:

Klem­men

Der oben gezeig­te Rol­len­hal­ter ist nicht fest­ge­klemmt, damit er sich dre­hen kann. Das führt natür­lich dazu, daß er auch ver­ti­kal ver­schieb­bar ist. Nach unten kann er zwar nur bis zum näch­sten Fiber­glas­ele­ment rut­schen, aber es soll­te doch an einer Posi­ti­on fest­ge­klemmt wer­den kön­nen. Dazu sind die hier gezeig­ten Klem­men vorgesehen:

Die Klem­me hat einen Puf­fer, der aus TPU gedruckt und ein­ge­presst wird. Er ist ela­stisch und ver­teilt die Kraft gleich­mä­ßig auf das Fiber­glas­ele­ment. Die Klem­me bekommt auf einer Sei­te eine Ein­press­mut­ter, auf der ande­ren eine Schrau­be mit Unterlegscheibe.

So kön­nen zwei glei­che Klem­men gegen­ein­an­der ver­schraubt werden.

Ich habe jeweils unter und über jedem Rol­len­hal­ter ein sol­ches Klem­men­paar mon­tiert. Der Rol­len­hal­ter kann damit weder nach unten noch nach oben ver­rut­schen und er ist den­noch dreh­bar gela­gert. Das funk­tio­niert bis­her wie erwartet.

Alle Ele­men­te habe ich mit ASA geduckt, was für den Außen­ein­satz emp­foh­len wird. Es ist wet­ter­fest und UV-ver­träg­lich und lässt sich sehr gut drucken, m.E. bes­ser als ABS. Alle Schrau­ben, Mut­tern und Unter­leg­schei­ben sind aus Edel­stahl. Nun­ja, ewig wird’s den­noch nicht hal­ten, aber ich hof­fe, daß ich nun ein paar Jah­re Ruhe habe.

Rol­le, Rol­len­hal­ter und Mastklemme

Nach­dem ich nun, wie oben beschrie­ben, mit neu­en gedruck­ten Seil­rol­len und pas­sen­den Schutz­ble­chen expe­ri­men­tiert habe, haben sich ein paar Nach­tei­le gezeigt, die einen Update erfor­dern. Die „Schutz­ble­che“ waren um die Rol­len­ach­se dreh­bar auf­ge­hängt, was lei­der dazu führt, daß sich der Anten­nen­draht ver­klem­men kann. Das Prin­zip war eigent­lich auch nur aus der ursprüng­lich gefrä­sten Ver­si­on über­nom­men, bei der kei­ne kom­ple­xe­ren Geo­me­trien mög­lich sind. Beim 3D-Druck kann aber das Schutz­blech fest mit dem Rol­len­hal­ter ver­bun­den sein. Das sieht nun so aus:

Gleich­zei­tig habe ich die Kon­struk­ti­on der Rol­le geän­dert, weil es mir nicht gelun­gen ist, sie zuver­läs­sig zu drucken. Die obe­re Hälf­te wird wegen der not­wen­di­gen Stütz­struk­tur min­de­stens unschön, manch­mal auch völ­lig ver­zo­gen. Viel­leicht bin ich ein­fach zu doof dazu und ande­re kön­nen das bes­ser, aber ich habe dann ent­nervt das Design in zwei Hälf­ten auf­ge­teilt, die nach dem Druck mit­ein­an­der zu einer Rol­le ver­klebt und/oder ver­schraubt wer­den müssen.

Hier die bei­den FreeCAD-Designs: 

Mast­klem­men

Auch das Design der Mast­klem­men habe ich erneu­ert. Ursprüng­lich waren die bei­den Klem­men­hälf­ten gleich, jede hat­te eine Mut­ter und eine Schrau­be. Zum Ver­schrau­ben muss­te daher von bei­den Sei­ten gear­bei­tet wer­den, was sich als unprak­tisch her­aus­stell­te. Außer­dem wur­de immer ein Werk­zeug benötigt.

Die neu­en Klem­men sind nun auf bei­den Sei­ten unter­schied­lich. Eine Sei­te ist zum Ein­stecken von Sechs­kant­schrau­ben vor­ge­se­hen, die ande­re zum Auf­schrau­ben eine Flü­gel­mut­ter. Damit kann man ohne wei­te­res Werk­zeug und nur von einer Sei­te aus arbeiten.

Außer­dem habe ich inzwi­schen gelernt, mit Free­CAD-Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ta­bel­len umzu­ge­hen. Das ist eine fei­ne Sache. Im Spreadsheet „Schrau­ben“ kann man nun direkt über ein Drop-Down-Menü die Schrau­ben­grö­ße aus­wäh­len und im Spreadsheet „Mast­seg­men­te“ das Seg­ment des Mastes, für das die Klem­me pas­sen soll. Die­ses Spreadsheet soll­te auf die selbst gemes­se­nen Mast­seg­ment-Durch­mes­ser ange­passt wer­den. Außer­dem feh­len in der Liste noch die Seg­men­te 8 bis 12. Hier das FreeCAD-Design:

Ich habe Sechs­kant­schrau­ben mit 35 mm Län­ge ver­wen­det. Die pas­sen zwar, aber es ist ver­mut­lich prak­ti­scher, min­de­stens 40 mm lan­ge Schrau­ben zu neh­men, even­tu­ell sogar noch län­ger. Über­trei­ben soll­te man es aber nicht, sonst schraubt man sich müde.

Wet­ter­fe­stes Gehäuse

Für den neu­en Anten­nen­an­schluß wur­de ein neu­es wet­ter­fe­stes Gehäu­se benö­tigt. Dazu wer­den ger­ne Auf­putz­do­sen ver­wen­det, hab ich auch schon gemacht und die sind ja nicht schlecht. Mit einem 3D-Drucker kann man aber genau das pas­sen­de Gehäu­se kon­stru­ie­ren, ohne daß man neh­men muß, was da ist. Hier mei­ne para­me­trier­ba­re Version.

Und hier der Ver­such, die 3D-Model­le direkt einzubinden:

Das Gehäu­se ohne Deckel

Der Deckel

Das Gehäu­se mit Ein­bau­lö­chern und ein­ge­bau­ter Leiterplatte

(Das scheint gut zu funk­tio­nie­ren, da wer­de ich gele­gent­lich die ande­ren Model­le auch in 3D nachliefern)

Das Inne­re des Gehäu­ses soll­te weit­ge­hend was­ser­dicht sein, wenn die Dich­tung im Deckel das zulässt. Momen­tan habe ich eine „Gum­mi-Rund­schnur“ ver­wen­det und wer­de dem­nächst mal „Hylo­mar Dicht­mas­se“ aus­pro­bie­ren. Ursprüng­lich hat­te ich eine TPU-Dich­tung selbst gedruckt, sie scheint mir aber nicht ela­stisch genug. Den­noch, je nach Anfor­de­rung mag sie reichen.

Ver­schraubt wird das Gehäu­se mit Mes­sing-Gewin­de­ein­sät­zen, die in die dafür vor­ge­se­he­nen Boh­run­gen am besten heiß ein­ge­presst wer­den. Dafür gibt es spe­zi­el­le Löt­kol­ben, die bes­se­ren mit einer Füh­rung. Ich habe Gewin­de­ein­sät­ze mit einem Flansch gewählt, die auch optisch was her­ma­chen. Zur Befe­sti­gung der Lei­ter­plat­te habe ich M3 gewählt, für den Deckel M4. Auch die­ses Gehäu­se ist wie­der aus ASA, damit es mög­lichst wet­ter­fest wird.

Hier das gesam­te FreeCAD-Projekt:

Rol­le, Rol­len­hal­ter und Mastklemme

Nach­dem ich im Umgang mit Free­Cad immer mehr hin­zu­ler­ne, habe ich das vor­he­ri­ge Design der Anten­nen­ma­st­ele­men­te noch­mal mit der „Part Design Work­bench“ über­ar­bei­tet bzw. ganz neu erstellt. Es ist jetzt in wei­te­ren Gren­zen para­me­trier­bar, indem man die gewünsch­ten Wer­te im ent­spre­chen­den Spreadsheet ein­gibt oder im Fal­le der Schrau­ben und Mast­ele­men­te aus der vor­ge­ge­be­nen Liste aus­wählt. Hier das Free­Cad-Design-File zur frei­en Verwendung:

Das Spreadsheet „Mast­seg­men­te“ ent­hält die von „mir gemes­se­nen“ Durch­mes­ser „mei­ner“ Mast­seg­men­te. Die­se Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ta­bel­le muß auf die eige­nen Ele­men­te ange­passt wer­den. Im Spreadsheet „Sechs­kant­schrau­ben“ sind die Maße der M3..M8-Schrauben vor­ge­ge­ben. Auch die­se Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ta­bel­le kann auf die eige­nen Bedürf­nis­se erwei­tert werden.

Q_Parameter ent­hält glo­ba­le Para­me­ter, die von ande­ren Spreadsheets bei Bedarf über­nom­men und ggf. umge­rech­net wer­den. Die ande­ren Spreadsheets ent­hal­ten die loka­len Para­me­ter und Berech­nun­gen für das ent­spre­chen­de Ele­ment. Berech­nun­gen, die nicht ein­fach über­schrie­ben wer­den soll­ten, sind in rotem Text auf grü­nem Hin­ter­grund dar­ge­stellt. Die Idee ist, die­se For­meln zu belas­sen und nur die Fel­der mit blau­em Hin­ter­grund zu ändern. Wer weiß, was er tut, darf natür­lich alles ändern.

Alle Namen von Spreadsheets und Varia­blen star­ten mit einem „Q“ oder „q“. Der Buch­sta­be ist auf der Tasta­tur gut erreich­bar und scheint anson­sten sel­ten vor­zu­kom­men. Wenn Free­Cad eine Aus­wahl anbie­tet, beschränkt das Tip­pen auf die Q‑Taste die Ele­men­te auf die sel­ber defi­nier­ten Namen.

Hier ein paar Modelle:

Rol­le mit Mast­klem­me und „Schutz­blech“ um den Draht oder das Seil fest­zu­hal­ten. Der Durch­mes­ser ist etwas grö­ßer als das Mast­ele­ment, damit die Rol­le hori­zon­tal dreh­bar bleibt und dem Seil fol­gen kann. Sie braucht daher min­de­stens eine Mast­klem­me mit Puf­fer um sie am Her­un­ter­rut­schen zu hindern.

Ein­fa­che Mast­klem­me, optio­nal mit Puffer.

Mast­klem­me mit „Ösen“, um bei­spiels­wei­se über einen Schä­kel oder einen Kara­bi­ner­ha­ken ein Abspann­seil zu befe­sti­gen. Der Win­kel für die Ösen ist zwi­schen ‑30° und +30° einstellbar.

Updates

Die­se Sei­te wird upge­da­ted, sobald ich neue Free­CAD Designs erstellt habe.

Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors mit einem Richtkoppler

In dem Bei­trag über SWV-Mess­brücken habe ich mich mit der Funk­ti­ons­wei­se und der Simu­la­ti­on des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­lers beschäf­tigt. Er wird in dis­kre­ten Steh­wel­len­mess­ge­rä­ten und in Anten­nen­tu­nern ein­ge­setzt, um das Steh­wel­len­ver­hält­nis (SWV) zu mes­sen. Auto­ma­ti­sche Anten­nen­tu­ner ver­bes­sern das SWV dann suk­zes­si­ve, bis es mög­lichst nahe bei 1 liegt. Die Such­stra­te­gie ist bei den mir bekann­ten auto­ma­ti­schen Tunern aber ein Sto­chern im Nebel und dau­ert ent­spre­chend lan­ge. Das soll­te sich wesent­lich ver­bes­sern las­sen, indem man nicht nur das Steh­wel­len­ver­hält­nis misst, son­dern den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor der Last. Wenn man den kennt, kann man wie in „Dimen­sio­nie­rung der Bau­tei­le für einen Anten­nen­tu­ner“ beschrie­ben, die zur Anpas­sung not­wen­di­gen Kom­po­nen­ten berech­nen, statt sie blind zu suchen. Eine Fein­ab­stim­mung wird dann immer noch nötig sein, aber man ist dem Ziel dann schon sehr nahe.

Die Mes­sung des kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tors Γ (Gam­ma, der Unter­strich kenn­zeich­net eine kom­ple­xe Zahl) bedeu­tet prak­tisch die Erwei­te­rung des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­lers zu einem vek­to­ri­el­len Netz­werk­ana­ly­sa­tor. Dazu muß man außer dem Ver­hält­nis der rück­lau­fen­den Span­nung zur vor­lau­fen­den Span­nung auch ihre Pha­sen­ver­schie­bung messen.

Das Smith-Dia­gramm

Auch ich habe in meh­re­ren mei­ner Bei­trä­ge das Smith-Dia­gramm ver­wen­det, ohne genau­er auf die Grund­la­gen ein­zu­ge­hen. Man kann ja auch gut mit ihm arbei­ten, ohne die Details zu ver­ste­hen. Es ist aber nicht son­der­lich kom­pli­ziert und soll daher hier kurz erläu­tert wer­den. Das Smith-Dia­gramm zeigt näm­lich genau das, was hier gemes­sen wer­den soll, näm­lich den kom­ple­xen Refle­xi­ons­fak­tor Γ.

Gam­ma ist defi­niert als das Ver­hält­nis der kom­ple­xen rück­lau­fen­den zur kom­ple­xen vor­lau­fen­den Spannung:

[1]

Die Wech­sel­span­nun­gen kön­nen nun als kom­ple­xe Grö­ßen geschrie­ben werden:

[2]

Das Dach (Zir­kum­flex) bezeich­net dabei die Ampli­tu­de der jewei­li­gen Span­nung, ω die Kreis­fre­quenz, t den Zeit­punkt und φ die Pha­sen­ver­schie­bung bei­der Signa­le. Bei­de Kreis­fre­quen­zen sind not­wen­di­ger­wei­se gleich, denn bei der Refle­xi­on tritt kei­ne Fre­quenz­än­de­rung auf. Damit kür­zen sich bei der Divi­si­on zwei Ter­me im Zäh­ler und Nen­ner und Gam­ma errech­net sich zu:

[3]

Mit Hil­fe der Euler­schen For­mel wird daraus:

[4]

Damit ist Gam­ma eine „ganz gewöhn­li­che“ kom­ple­xe Zahl im Ein­heits­kreis der kom­ple­xen Zah­len­ebe­ne, wie im oben ver­link­ten Wiki­pe­dia-Arti­kel gezeigt wird. Das Smith-Dia­gramm stellt in die­sem Ein­heits­kreis die Refle­xi­ons­fak­to­ren dar. Das Smith-Dia­gramm zeigt also die Reflexionsfaktorebene.

Der Refle­xi­ons­fak­tor Gam­ma lässt sich auch aus den Impe­dan­zen berech­nen. Damit wer­den die Impe­dan­zen aus der kar­the­si­schen Impe­danz­ebe­ne in die pola­re Refle­xi­ons­fak­tor­ebe­ne transformiert:

[5]

Die­se Trans­for­ma­ti­on ist bili­ne­ar. Aus der Refle­xi­ons­fak­tor­ebe­ne kann man auch wie­der die Impe­danz berechnen:

[6]

Die Impe­danz wird im kar­the­si­schen Koor­di­na­ten­sy­stem als kom­ple­xe Zahl mit Real- und Ima­gi­när­teil dargestellt. 

Das Steh­wel­len­ver­hält­nis

Da die rück­lau­fen­de Span­nung immer klei­ner oder höch­stens gleich der vor­lau­fen­den Span­nung sein kann, liegt der Betrag von Γ immer zwi­schen 0 und 1. Aus dem Betrag von Gam­ma errech­net sich das Stehwellenverhältnis:

[7]

Damit wird das Steh­wel­len­ver­hält­nis zu einer reel­len Zahl, der die Pha­sen­in­for­ma­ti­on fehlt. Alle Punk­te glei­chen Steh­wel­len­ver­hält­nis­ses lie­gen im Smith-Dia­gramm auf kon­zen­tri­schen Krei­sen um des­sen Mittelpunkt.

Mes­sung des Reflexionsfaktors

Es wur­de im Arti­kel „SWV-Mess­brücken“ schon ange­deu­tet: nicht nur der Betrag der rück­lau­fen­den Span­nung ist meß­bar, son­dern auch die Pha­sen­ver­schie­bung gegen­über der vor­lau­fen­den Span­nung. Das zeigt bei­spiels­wei­se die­se Simu­la­ti­on mit einem Abschluß­wi­der­stand von 10 Ω:

In dem Bei­trag wur­den nur reel­le Lasten gezeigt, bei denen die Pha­sen­ver­schie­bung nur 0° oder 180° sein kann. Im all­ge­mei­nen Fall ist die Last aber kom­plex und das soll nach­fol­gend unter­sucht werden.

Simu­la­ti­on mit induk­ti­ver Last

Als Bei­spiel soll ein­fach mal eine induk­ti­ve Last zusätz­lich zur reel­len Last an den Kopp­ler gehängt werden:

Die­ses Calc Spreadsheet hilft beim Berech­nen der Impe­danz von 150 Ω || 500 nH bei 10 MHz. Ergeb­nis: ZL = 6,3+30,1j. Die simu­lier­te Mes­sung soll­te die­sen Wert bestätigen.

Die Simu­la­ti­on ergibt fol­gen­des Ergebnis:

Der Betrag des Refle­xi­ons­fak­tors ist also 165 mV / 199 mV = 0,83. Die Test­fre­quenz ist 10 MHz und die Pha­sen­ver­schie­bung beträgt ‑33 ns. Das ent­spricht bei 100 ns pro Zyklus (10 MHz) 120°. Nach Glei­chung [4] errech­net sich dar­aus Γ zu ‑0,415+0,719j und dar­aus mit Glei­chung [6] die Impe­danz ZL zu 6,23+28,53j. Das SWR ist 10,8 nach Glei­chung [7]. Die oben mit dem Spreadsheet berech­ne­te Impe­danz wur­de also im Rah­men der gra­fi­schen Able­se­ge­nau­ig­keit bestätigt.

Die­se errech­ne­ten Wer­te sind hier in ein Smith-Dia­gramm ein­ge­tra­gen, in dem auch das not­wen­di­ge Anpas­sungs­netz­werk dimen­sio­niert wurde:

Die­ses eine Bei­spiel soll hier erst­mal genü­gen. Ich habe ande­re Wer­te aus­pro­biert und bin zuver­sicht­lich, daß es prin­zi­pi­ell funktioniert.

Mes­sung am leben­den Objekt

Wie kann man nun die­ses ermu­ti­gen­de Ergeb­nis in der Pra­xis nut­zen? Eine Simu­la­ti­on ist schön und gut, aber auf einem rea­len Board muß man sich eine Meß­me­tho­de über­le­gen, die mit hin­rei­chen­der Genau­ig­keit die vor­lau­fen­den und rück­lau­fen­den Span­nun­gen und deren Pha­sen­ver­schie­bung mißt.

Span­nungs­mes­sung

Für die Span­nungs­mes­sung kann man einen ein­fa­chen Dioden­gleich­rich­ter ver­wen­den. Dazu wird wegen der nied­ri­ge­ren Sperr­span­nung gegen­über einer Sili­zi­um­di­ode in der Regel eine Ger­ma­ni­um­di­ode oder eine Schott­ky­di­ode emp­foh­len. Den Meß­feh­ler im unte­ren Bereich der Kenn­li­nie kann man durch Anle­gen einer Vor­span­nung teil­wei­se kom­pen­sie­ren. Es blei­ben Unge­nau­ig­kei­ten, aber für vie­le Fäl­le dürf­te die­se Metho­de reichen.

Wenn es genau­er sein soll oder wenn der not­wen­di­ge Dyna­mik­be­reich nicht aus­reicht, bie­tet sich der Ein­satz eines log­arith­mi­schen Ver­stär­kers an. Sehr beliebt und gut erhält­lich ist der AD8307. Sein Dyna­mik­be­reich reicht von ‑75 dBm bis +17 dBm, also 92 dB und sei­ne Aus­gangs­kenn­li­nie hat eine Stei­gung von 25 mV/dB. Bei einem gro­ßen Dyna­mik­be­reich ist das ein Segen, kann aber bei klei­ner Dyna­mik auch ein Fluch sein. Dann wird näm­lich die Auf­lö­sung even­tu­ell zu gering.

Pha­sen­mes­sung

Zur Mes­sung der Pha­sen­ver­schie­bung benö­tigt man einen Pha­sen­dis­kri­mi­na­tor. Da bei­de Signa­le, die vor­lau­fen­de und die rück­lau­fen­de Span­nung, die glei­che Fre­quenz haben, bie­tet sich auch eine direk­te Mischung an. Die Dif­fe­renz­fre­quenz ist 0 Hz und die Pha­sen­ver­schie­bung soll­te als Gleich­span­nung zu detek­tie­ren sein. Weil ich sowie­so mal den IAM-81008 aus­pro­bie­ren woll­te, habe ich eine klei­ne Test­schal­tung ent­wor­fen, gefräst und aufgebaut.

Die Ein­gangs­si­gna­le wer­den in J2 und J3 ein­ge­speist und das Misch­pro­dukt wird aus J4 aus­ge­kop­pelt. Das ist am Spek­trum­ana­ly­sa­tor sehr gut zu beob­ach­ten. Am Test­pin TP1 kann das Gleich­span­nungs­si­gnal abge­nom­men wer­den. Man­gels Tief­pass ist hier natür­lich die Hoch­fre­quenz über­la­gert, aber freund­li­cher­wei­se hat das ver­wen­de­te Oszil­lo­skop einen ein­ge­bau­ten Tief­pass mit 20 MHz Grenz­fre­quenz. Die Mes­sung wur­de mit 50-MHz-Signa­len durch­ge­führt, deren Pha­sen­la­ge zwi­schen 0° und 359° frei gewählt wer­den kann.

Mess­ergeb­nis

Bei ‑10 dBm auf bei­den Ein­gän­gen ändert sich die Span­nung an Pin 1 zwi­schen 3,3 V und 3,7 V, bei 0 dBm zwi­schen 3,0 V und 4,0 V und bei +10 dBm zwi­schen 2,9 V und 4,2 V. Das Signal kann man auf­be­rei­ten und aus­wer­ten. Es hat nur einen klei­nen Schön­heits­feh­ler, es erkennt nicht, wel­ches Signal dem ande­ren vor­eilt und wel­ches nach­eilt. Das Mess­ergeb­nis ist bei ‑90° das­sel­be, wie bei +90°. Das bedeu­tet, man kann nur ein hal­bes Smith-Dia­gramm aus­wer­ten. Das muß kein Show-stop­per sein, aber es ist unschön. Für einen auto­ma­ti­schen Anten­nen­tu­ner hat man aber immer­hin den Such­raum auf nur zwei Punk­te ein­ge­grenzt. Das muss bes­ser gehen!

Wie geht’s nun weiter?

Ich über­le­ge gera­de, ob sich die Pha­sen­la­ge bes­ser (halb-) digi­tal aus­wer­ten lässt. Prin­zi­pi­ell müss­te man die Zeit­dau­er zwi­schen zwei stei­gen­den oder fal­len­den Flan­ken mes­sen. Wenn die Mes­sung bei­spiels­wei­se bis 50 MHz funk­tio­nie­ren soll, wäre dafür ein Refe­renz­takt im GHz-Bereich nötig. Das ist nicht prak­ti­ka­bel. Eigent­lich müss­te es mög­lich sein, ein RS-Flip­flop mit dem einen Takt zu set­zen und mit dem ande­ren wie­der zurück­zu­set­zen. Damit soll­te an des­sen Aus­gang ein PWM-Signal anlie­gen, das über einen Tief­pass in ein Gleich­span­nungs­si­gnal gewan­delt wird, das pro­por­tio­nal zur Pha­sen­ver­schie­bung bei­der Signa­le ist. Setzt man zu die­sem Zweck ein klei­nes CPLD ein, dann kann es auch noch einen klei­nen Fre­quenz­zäh­ler ent­hal­ten, denn man muß ja auch irgend­wie die Fre­quenz­in­for­ma­ti­on bekom­men. Ein Vor­tei­ler wür­de auch schon rei­chen, so daß die Fre­quenz mit dem sowie­so not­wen­di­gen Con­trol­ler gemes­sen wer­den kann.

Ein wei­te­res unge­lö­stes Pro­blem ist die Kon­di­tio­nie­rung der Mess­si­gna­le. Die Mes­sung am ersten Pro­to­ty­pen des Richt­kopp­lers hat eine Kop­pel­dämp­fung von 30 dB und eine Richt­schär­fe von 30 bis 40 dB erge­ben. Für ein Funk­ge­rät mit +30 dBm bis +50 dBm Aus­gangs­lei­stung (1 bis 100 Watt), ergibt sich damit ein Pegel zwi­schen 0 dBm und +20 dBm für das vor­lau­fen­de Signal und ‑40 dBm bis +20 dBm für das reflek­tier­te Signal. Nach oben soll­te es eine gewis­se Reser­ve geben, +30 dBm soll­ten nichts kaputt­ma­chen. An der unte­ren Gren­ze kann man sicher­lich die Spe­zi­fi­ka­ti­on so anpas­sen, daß zum Abstim­men eine Min­dest­lei­stung von bei­spiels­wei­se +37 dBm (5 Watt) not­wen­dig ist.

Das ist der Stand heu­te. Wenn ich wei­ter bin, wer­de ich das hier dokumentieren.

Prak­ti­scher Auf­bau eines Richtkopplers

Nichts kann eine schö­ne Theo­rie der­art ver­ha­geln, wie ech­te Mess­wer­te. Daher habe ich den hier beschrie­be­nen und simu­lier­ten Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­ler auf­ge­baut und durch­ge­mes­sen. Die Ergeb­nis­se sol­len hier kurz beschrie­ben werden.

Das Design

Der Auf­bau soll­te Quick-and-Dir­ty erfol­gen, ohne daß auf das letz­te Quent­chen Ver­lust­lei­stung oder Fre­quenz­gang geach­tet wer­den soll. Daher habe ich die Lei­ter­plat­te selbst gefräst und zwar aus ein­sei­tig beschich­te­ter FR2 (Hart­pa­pier/Presspappe), weil sie gera­de pas­send zu Hand war.

Das Design ist über­aus tri­vi­al, nicht ein­mal die Wider­stän­de sind ver­baut, son­dern als SMA-Buch­sen aus­ge­führt, um bei Bedarf die Abschluß­wi­der­stän­de oder das Meß­in­stru­ment anzuschließen:

Der Auf­bau sieht in der 3D-Vor­schau dann so aus:

Die hier zu sehen­den Lei­ter­bah­nen auf der Ober­sei­te sind auf der rea­li­sier­ten Pla­ti­ne kur­ze Draht­stücke. Hier ist das gesamt (Kiki-) KiCad-Pro­jekt inklu­si­ve des 3D-Modells für die Über­tra­ger. Und so sieht die fer­tig auf­ge­bau­te Test­pla­ti­ne aus:

Weil gera­de in der Bastel­ki­ste pas­send ver­füg­bar, habe ich als Ring­ker­ne zwei FT50-43 ein­ge­setzt und mit jeweils 32 Win­dun­gen 0,35mm CuL-Draht bewickelt. 32 Win­dun­gen haben gera­de so drauf­ge­passt, ohne daß sich Win­dun­gen über­lap­pen. Im Rah­men der Meß­ge­nau­ig­keit führt das zufäl­lig zu einer Kop­pel­dämp­fung von 30 dB, denn 20 x log(32) ist etwa 30,1.

Die Mes­sun­gen

Der Lei­tungs­ver­lust

Mir war zunächst der Lei­tungs­ver­lust, also die Durch­gangs­dämp­fung zwi­schen dem Ein­gang und dem Aus­gang am wich­tig­sten, auch wenn er nor­ma­ler­wei­se für die Brauch­bar­keit des Kopp­lers unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung hat. Er bestimmt näm­lich, wie warm der Kopp­ler im Betrieb wird. Hier zunächst die Mes­sung im Kurz­wel­len­be­reich von 1 MHz bis 30 MHz:

Man beach­te die Ska­lie­rung von 0,01 dB. Damit kommt man der Meß­ge­nau­ig­keit des VNWA sehr nahe. Die Dämp­fung steigt mit der Fre­quenz. Neh­men wir mal die 0,03 dB bei 30 MHz, dann ergibt das einen Ver­lust von 0,7 %, also 700 mW bei den 100 Watt Aus­gangs­lei­stung, die mein Trans­cei­ver zu bie­ten hat. Wegen dem zu erwar­ten­den Kopp­lungs­ver­lust von 30 dB gehen davon 100 mW im Abschluß­wi­der­stand ver­lo­ren, also blei­ben maxi­mal 600 mW, um die Ring­ker­ne und die Lei­tun­gen zu erwär­men. Das ist trag­bar, zumal das bei nied­ri­ge­ren Fre­quen­zen noch gün­sti­ger aus­sieht. Bei höhe­ren Lei­stun­gen wird man aber genau­er hin­schau­en, gege­be­nen­falls grö­ße­re Ring­ker­ne ein­set­zen oder beim Schal­tungs­auf­bau etwas sorg­fäl­ti­ger sein müs­sen. Dann wird auch der ein­fa­che CuL-Draht an die Gren­zen sei­ner Span­nungs­fe­stig­keit kom­men. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber die Mes­sung zwi­schen 0 MHz und 150 MHz:

Damit ist der Kopp­ler mit Ein­schrän­kun­gen auch noch im 4‑m-Band zu gebrau­chen, aber dar­über­hin­aus neh­men die Ver­lu­ste doch stark zu.

Der Kopp­lungs­ver­lust

Der Kopp­lungs­ver­lust ist der Anteil der Ein­gangs­span­nung, der auf den Meß­aus­gang der vor­lau­fen­den Span­nung gekop­pelt wird. Er ist also das Ver­hält­nis der Span­nung am Meß­aus­gang zur Ein­gangs­span­nung. Er soll­te hoch sein, damit mög­lichst viel Lei­stung am gewünsch­ten (Anten­nen-) Aus­gang ankommt, aber auch nicht zu hoch, sonst ist am Meß­aus­gang nur noch wenig zum Mes­sen übrig. Der Kopp­lungs­ver­lust ist Teil des oben gezeig­ten Lei­tungs­ver­lu­stes. Beim hier ver­wen­de­ten Wick­lungs­ver­hält­nis soll­te man 30 dB erwarten.

Die Mes­sung zeigt einen Kopp­lungs­ver­lust von etwas über 30 dB, was sogar aus­ge­spro­chen gut zu dem tat­säch­li­chen Wick­lungs­ver­hält­nis von 32 passt, was 30,1 dB erwar­ten lässt.

Auch hier gibt es eine Breit­band­mes­sung, die im UKW-Bereich einen deut­lich nied­ri­ge­ren Kopp­lungs­ver­lust zeigt, der mut­maß­lich von Streu­ka­pa­zi­tä­ten ver­ur­sacht wird.

Hier wür­de ver­mut­lich eine Abschir­mung zwi­schen bei­den Über­tra­gern helfen.

Die Iso­la­ti­on

Die Iso­la­ti­on bezeich­net das Ver­hält­nis der Span­nung am Meß­port der reflek­tier­ten Span­nung zur Ein­gangs­span­nung bei idea­ler Anpas­sung der Last. Im Ide­al­fall soll­te dort kei­ne Span­nung mess­bar sein.

So wie der Kopp­lungs­ver­lust mit stei­gen­der Fre­quenz sinkt, wird auch die Iso­la­ti­on mit stei­gen­der Fre­quenz schlech­ter. Auch das liegt sicher­lich an der kapa­zi­ti­ven Kopp­lung zwi­schen den Über­tra­gern. Auch hier noch die zuge­hö­ri­ge Breitbandmessung:

Die Richt­schär­fe

Die Richt­schär­fe gibt das Ver­hält­nis der Span­nun­gen an bei­den Meß­ports bei idea­ler Anpas­sung an. Sie ist das Ver­hält­nis der gemes­se­nen rück­lau­fen­den Span­nung zur gemes­se­nen vor­lau­fen­den Spannung.

Im Kurz­wel­len­be­reich liegt die Richt­schär­fe die­ses Kopp­lers zwi­schen 40 dB und 27 dB. Das ist sicher nicht über­ra­gend, aber brauchbar.

Jen­seits des Kurz­wel­len­be­reichs wird die Richt­schär­fe aber immer schlech­ter. Völ­lig unbrauch­bar ist der Kopp­ler dadurch aber nicht. 24 dB auf dem 6‑m-Band bedeu­ten, daß der Kopp­ler trotz idea­ler Anpas­sung eine rück­lau­fen­de Span­nung von 6% misst (Γ=0,06). Das wäre ein Steh­wel­len­ver­hält­nis von 1,13. 19 dB bei 100 MHz bedeu­ten aber schon ein gemes­se­nes SWR von 1,25 (Γ=0,11).

Der Schie­be­kon­den­sa­tor – end­lich eine brauch­ba­re Version

Nach eini­gen lehr­rei­chen Ver­su­chen mit festen (hier und hier) und elek­tro­me­cha­nisch ein­stell­ba­ren Kon­den­sa­to­ren (hier und hier), habe ich nun einen funk­ti­ons­fä­hi­gen und brauch­ba­ren Pro­to­ty­pen gebaut. Als Bau­art habe ich mich für den ursprüng­lich geplan­ten Schie­be­kon­den­sa­tor aus einem Sta­tor und einem Schie­ber mit jeweils meh­re­ren Lamel­len ent­schie­den. Die aus einem Alu­mi­ni­um­block gefrä­ste Ver­si­on mit par­al­lel­ge­schal­te­ten Zylin­der­kon­den­sa­to­ren ist zwar ori­gi­nell und prin­zi­pi­ell auch mach­bar, aber für einen Hob­by­frä­ser doch eine ziem­li­che Herausforderung.

Hier nun zunächst die 3D-Ansicht des real auf­ge­bau­ten und nach­fol­gend vor­ge­stell­ten Prototypen:

Der Schie­ber ist an einem Block befe­stigt, der eine Tra­pez­ge­win­de­mut­ter trägt. Sie wird von einem Schritt­mo­tor über eine Tra­pez­ge­win­de­spin­del angetrieben.

Design­zie­le

Es han­delt sich hier immer noch um einen Pro­to­ty­pen, der zei­gen soll, daß der Weg prin­zi­pi­ell der rich­ti­ge ist, also ein pro­of-of-con­cept. Als gro­bes Ziel soll ein Ein­stell­be­reich von etwa 10 pF bis etwa 500 pF erreicht wer­den. Die Span­nungs­fe­stig­keit soll bei 2 kV lie­gen und die Güte soll mög­lichst hoch sein. Aus frü­he­ren Ver­su­chen ist zu erwar­ten, daß eine Güte von 1000 nicht erreicht wer­den kann, aber 100 soll­te das Mini­mum sein. Dann wird bei 100 Watt Sen­de­lei­stung ein Watt in Wär­me umge­setzt, was ver­tret­bar erscheint. Es sei hier in Erin­ne­rung geru­fen, daß die Güte defi­ni­ti­ons­ge­mäß fre­quenz­ab­hän­gig ist und mit stei­gen­der Fre­quenz abnimmt.

Zur Abschät­zung der Kapa­zi­tät und der Span­nungs­fe­stig­keit dient die­ses Spreadsheet. Man wählt ein Dielek­tri­kum aus der Liste, gibt die Dimen­sio­nen und die Anzahl der Kon­den­sa­tor­plat­ten an und erhält die Gesamt­ka­pa­zi­tät und die Span­nungs­fe­stig­keit. Die tat­säch­li­che Kapa­zi­tät des Pro­to­ty­pen liegt lei­der nur bei etwa 70% des errech­ne­ten Wer­tes. Das kann vie­le Ursa­chen haben, von einem Feh­ler in der Berech­nung bis zu Unge­nau­ig­kei­ten bei der Dielek­tri­zi­täts­kon­stan­ten. Ich bin dem nicht auf den Grund gegan­gen, die Abschät­zung genügt mir.

Zweck des Pro­to­ty­pen ist die Mes­sung der erziel­ten Eigen­schaf­ten: des Ein­stell­be­reichs der Kapa­zi­tät, der Selbst­re­so­nanz­fre­quenz als Fol­ge sei­ner para­si­tä­ren Induk­ti­vi­tät und die Mes­sung der Güte. Dar­über­hin­aus sol­len natür­lich die mecha­ni­schen Eigen­schaf­ten aus­pro­biert wer­den, ins­be­son­de­re der Antrieb durch den Schritt­mo­tor. Die Fra­ge war, ob sein Dreh­mo­ment aus­reicht um den Schie­ber belie­big hin- und her­zu­schie­ben, ohne daß etwas ver­klemmt. Anson­sten wäre ein etwas grö­ße­rer Step­per von­nö­ten, bei­spiels­wei­se die Grö­ße NEMA 17.

Ent­wick­lung und Fer­ti­gung der Kondensatorplatten

Erste Pro­to­ty­pen der Kon­den­sa­tor­plat­ten wur­den aus dop­pel­sei­tig kup­fer­be­schich­te­tem Lei­ter­plat­ten­ma­te­ri­al gefräst. Das funk­tio­niert natür­lich, ist aber müh­sam. In Zei­ten, in denen man 30 Stück sol­cher Plat­ten für etwa 15 Euro in Chi­na fer­ti­gen las­sen kann, lohnt die­ser Auf­wand nicht. Also habe ich mit KiCad die Sta­tor- und die Schie­ber­plat­ten ent­wor­fen und davon lagen nach gut einer Woche jeweils 30 Stück in mei­nem Brief­ka­sten. So sehen sie aus:

Hier die bei­den KiCad-Pro­jek­te. Bei­de Plat­ten sind durch­kon­tak­tiert und die akti­ven Flä­chen sind frei von Löt­lack. Als Dicke habe ich nomi­nal 0,5 mm gewählt, mit der Mikro­me­ter­schrau­be nach­ge­mes­sen sind es letzt­lich 0,55 mm. Die Plat­ten wer­den ein­fach oder mehr­fach mit dem Dielek­tri­kum beklebt und gefrä­ste Abstands­hal­ter hal­ten bei­de Plat­ten auf dem festen Abstand. In mei­nem Fall sind es statt der nomi­na­len 1,00 mm gemes­se­ne 1,07 mm. Auch sol­che Abwei­chun­gen kön­nen zu der Dis­kre­panz zwi­schen errech­ne­ter und gemes­se­ner Kapa­zi­tät füh­ren. Ich hät­te übri­gens auch ger­ne 0,75 mm oder 0,8 mm dicke Abstands­hal­ter gefräst, habe aber zumin­dest ohne gro­ße Suche kein pas­sen­des Roh­ma­te­ri­al gefunden.

Die über­ste­hen­den Löt­la­schen bei­der Plat­ten sol­len von oben bis unten mit einem durch­ge­zo­ge­nen Draht ver­lö­tet wer­den. Elek­trisch wür­de natür­lich ein ein­zi­ger Draht genü­gen, aber die Idee ist, den Wirk­wider­stand gering und damit die Güte hoch­zu­hal­ten. Außer­dem hof­fe ich dar­auf, daß die para­si­tä­re Induk­ti­vi­tät dadurch nied­rig gehal­ten wird. Beson­ders beim Schie­ber ist es auch denk­bar, per Relais nur einen Teil der Plat­ten zuzu­schal­ten. Das soll­te die mini­ma­le Kapa­zi­tät nied­rig hal­ten und falls nötig eine fei­ne­re Ein­stel­lung zu erlau­ben. Die nicht ver­wen­de­ten Laschen kön­nen dann ein­fach abge­bro­chen werden.

Aus­wahl des Dielektrikums

Bei gege­be­nem Abstand der Plat­ten bestimmt das Dielek­tri­kum die Kapa­zi­tät, die Güte und die Span­nungs­fe­stig­keit des Kon­den­sa­tors. Das oben gezeig­te Spreadsheet erlaubt die Aus­wahl aus ver­schie­de­nen Mate­ria­li­en. Am ein­fach­sten ist natür­lich Luft, wie bei einem Dreh­kon­den­sa­tor. Die Dielek­tri­zi­täts­kon­stan­te ist aller­dings nur 1, so daß die Kapa­zi­tät gering bleibt. Außer­dem ist die Span­nungs­fe­stig­keit ziem­lich unde­fi­niert, denn sie hängt erheb­lich von der Luft­feuch­tig­keit ab, die beim Außen­ein­satz trotz Gehäu­se auch mal nahe an der Sät­ti­gungs­gren­ze sein kann. Luft als Dielek­tri­kum erfor­dert auch eine prä­zi­se Füh­rung des Schie­bers, so daß der Plat­ten­ab­stand gleich­bleibt. Das ist auch nicht ganz trivial.

Bei mei­nen Ver­su­chen hat es sich bewährt, auf eine Kle­be­fo­lie zu set­zen. Durch Bekle­ben der Ober- und Unter­sei­te jeder Plat­te an einem Stück, wird jeweils eine voll­stän­di­ge Iso­la­ti­on auch an den Kan­ten erreicht. Die Schie­ber­plat­ten haben beid­sei­tig einen 1 mm brei­ten Rand, der auch über­klebt wird. Span­nungs­über­schlä­ge soll­ten damit aus­ge­schlos­sen sein.

Die weit­ver­brei­te­ten Poly­pro­py­len-Kle­be­bän­der (Tesa­film) schei­den schon wegen des Kleb­stoffs aus. Der ver­rot­tet nach kur­zer Zeit. Als Dielek­tri­kum gut geeig­net ist PTFE (Tef­lon), aber mit den Kle­be­bän­dern habe ich kei­ne gute Erfah­rung gemacht. Die gemes­se­ne Güte ist wahr­schein­lich wegen des Kle­bers nicht so gut, wie erwar­tet. Außer­dem macht die Dicke der Kle­be­bän­der von 180 µm die Ver­ar­bei­tung nicht ganz so leicht. Ich bin aber auch nicht sicher, ob das, was einem als PTFE ver­kauft wird, wirk­lich auch PTFE ist. Letzt­lich habe ich mich für Poly­imid-Foli­en ent­schie­den, die unter dem Han­dels­na­men Kap­ton ver­kauft wer­den. Mit 50 µm Dicke sind sie gut zu ver­ar­bei­ten und sie glei­ten gut auf­ein­an­der. Gege­be­nen­falls kann man auch pro­blem­los meh­re­re Schich­ten über­ein­an­der kle­ben. Poly­imid hat eine rela­tiv hohe Dielek­tri­zi­täts­kon­stan­te von 3,5 und eine Span­nungs­fe­stig­keit von 23 kV/mm. Der Ver­lust­fak­tor ist „mit­tel­präch­tig“, viel bes­ser als der von PVC und FR‑4, aber auch viel schlech­ter als der von PTFE.

Erstel­len des 3D-Modells

Ein Screen­shot des 3D-Modells wur­de ein­gangs schon gezeigt und soll hier noch­mal wie­der­holt werden:

Man erkennt das Paket aus sechs Sta­tor­plat­ten (dun­kel­grün) und fünf Schie­ber­plat­ten (braun). Der Schritt­mo­tor ist an den Sei­ten­wän­den befe­stigt und treibt über eine Tra­pez­ge­win­de­spin­del und dazu­ge­hö­ri­ge Tra­pez­ge­win­de­mut­ter den Schie­ber an. In der Wand gegen­über dem Schritt­mo­tor ist ein Kugel­la­ger ein­ge­baut. Es hat 16 mm Außen­durch­mes­ser und 8 mm Innen­durch­mes­ser. Es ist nicht unbe­dingt not­wen­dig, denn die Tra­pez­ge­win­de­spin­del wird ja auch von dem Schie­ber­block gehal­ten. Die Spin­del wird mit einer pas­sen­den Kupp­lung an den Schritt­mo­tor geschraubt. Die­se Kupp­lung kann einen gerin­gen Ver­satz der Ach­sen ausgleichen.

Die vor­de­re Sei­ten­wand ist hier aus­ge­blen­det. An der hin­te­ren Sei­ten­wand ist ein Refe­renz­schal­ter mon­tiert, damit beim Ein­schal­ten der Null­punkt gefun­den wer­den kann. Die Anzahl der Sta­tor- und Schie­ber­plat­ten ist in gewis­sen Gren­zen frei wähl­bar. Die hier gezeig­te Kon­fi­gu­ra­ti­on erlaubt es, eine Kapa­zi­tät zwi­schen knapp 10 pF und etwa 650 pF ein­zu­stel­len (sie­he Mess­ergeb­nis­se).

Hier ist das Python-Makro für Free­CAD, mit dem das oben gezeig­te Modell erstellt wur­de. Die Sei­ten­tei­le, Füße und Füh­run­gen wur­den mit einem 3D-Drucker erstellt und aus dem hier gene­rier­ten Modell expor­tiert. Eini­ge Para­me­ter sind im Quell­text wähl­bar, z.B. die Anzahl der Platten.

Ansteue­rung des Schrittmotors

Die Ansteue­rung für den Pro­to­ty­pen basiert auf dem schon frü­her hier vor­ge­stell­ten ATME­GA644-Board und preis­gün­sti­gen A4988-Modulen.

Hier als Refe­renz der Schalt­plan im PDF-For­mat und das KiCad-Pro­jekt.

Für die­sen Schie­be­kon­den­sa­tor wird nur einer der bis zu drei Trei­ber für Schritt­mo­to­ren benötigt.

Die Soft­ware ist im Moment recht unaus­ge­reift, zumin­dest noch nicht soweit, daß ich sie hier ver­öf­fent­li­chen woll­te. Der Schritt­mo­tor wird im Halb­schritt-Modus ange­steu­ert und die Schritt­im­pul­se wer­den in einem Inter­rupt-Hand­ler mit 500-µs-Inter­vall gene­riert. Eine pro­vi­so­ri­sche Beschleu­ni­gungs- und Abbrems­pha­se ist auch imple­men­tiert. Beim Ein­schal­ten wird eine Refe­renz­fahrt durch­ge­führt, so daß die Start­po­si­ti­on bekannt ist. Durch Drücken der Tasten SW1 oder SW4 kann der Schie­ber aus- oder ein­ge­fah­ren wer­den. An den Gren­zen wird auto­ma­tisch gestoppt. Über Mod­bus-Kom­man­dos kann auch eine bestimm­te Posi­ti­on ange­fah­ren werden.

Die ver­wen­de­te Tra­pez­ge­win­de­spin­del hat eine Stei­gung von 8 mm pro Umdre­hung und der gesam­te Fahr­weg ist 50,8 mm lang. Bei 400 Halb­schrit­ten pro Umdre­hung erge­ben sich damit 2540 Schrit­te. Abge­se­hen von der Beschleu­ni­gungs- und Abbrems­pha­se braucht jeder Schritt das dop­pel­te der oben genann­ten 500 µs, weil ein Inter­vall zum Ein­schal­ten des Schritt­im­pul­ses und ein zwei­tes zum Aus­schal­ten benö­tigt wird. Eine kom­plet­te Fahrt dau­ert somit also etwa 2,5 Sekun­den. Das wäre bei Bedarf sicher­lich zu ver­bes­sern, am ein­fach­sten durch Umstieg auf Voll­schrit­te. Gege­be­nen­falls muß dann aber ein Schritt­mo­tor mit höhe­rem Dreh­mo­ment ein­ge­setzt wer­den, der dann wie­der­um eine höhe­re Ver­sor­gungs­span­nung benö­tigt, also bei­spiels­wei­se 24V statt der hier ver­wen­de­ten 12V.

Betrieb des Prototypen

Hier ist ein kur­zes Video, das den Pro­to­ty­pen bei der Arbeit zeigt:

Der Schie­be­kon­den­sa­tor in Betrieb

Alle Bewe­gun­gen sind in der Ori­gi­nal­ge­schwin­dig­keit gezeigt. Die SMA-Buch­se dient zu den nach­fol­gend gezeig­ten Messungen.

Mess­ergeb­nis­se

Hier wer­den jetzt eini­ge Mess­ergeb­nis­se dokumentiert.

Mes­sun­gen am Schiebekondensator

Die Mes­sun­gen wur­den mit dem VNWA von SDR-Kits bei 1 MHz durch­ge­führt. Der Schie­be­kon­den­sa­tor ist über die oben gezeig­te Ansteue­rung und über einen USB-RS232-Kon­ver­ter an einen PC ange­schlos­sen. Von dort wird er direkt mit QMod­Ma­ster bedient, indem das dafür vor­ge­se­he­ne Regi­ster direkt beschrie­ben wird. Die Schritt­gren­zen sind mit 0 und 2540 fest ein­pro­gram­miert. Auch wenn ein Wert außer­halb die­ses Berei­ches ein­ge­ge­ben wird, fährt der Motor nur bis zu die­ser Grenze.

Im Video wird mehr­mals an die­sel­be Posi­ti­on gefah­ren, um die Wie­der­hol­ge­nau­ig­keit zu testen. Zu beach­ten ist, daß die Mes­sung auch bei ste­hen­dem Schie­ber um etwa 1 pF schwankt und der gezeig­te Wert vom Augen­blick des Screen­shots abhängt. Die Abwei­chung beim Anfah­ren der­sel­ben Posi­ti­on liegt in der­sel­ben Grö­ßen­ord­nung. Der Güte­mes­sung soll­te man kei­ne all­zu­gro­ße Bedeu­tung zumes­sen. Auch die­ser Wert schwankt sehr stark, denn er ist ja der Quo­ti­ent aus dem hohen Blind­wi­der­stand und dem nied­ri­gen Wirkwiderstand.

Wie man sieht, ist der Kon­den­sa­tor von etwa 8 pF bis knapp 670 pF ein­stell­bar. Nach­fol­gend noch ein paar Mes­sun­gen über einen Fre­quenz­be­reich zwi­schen 1 MHz und 99 MHz bei den Schie­ber­stel­lun­gen 0, 500, 1000, 1500, 2000 und 2500.

Aus der Selbst­re­so­nanz­fre­quenz errech­net sich die para­si­tä­re Induk­ti­vi­tät zu etwa 60 bis 80 nH. Sie ist im ein­ge­fah­re­nen Zustand nied­ri­ger, weil dann die von den Test­lei­tun­gen umspann­te Flä­che gerin­ger ist.

Ver­wen­de­te Bauteile

Der hier ein­ge­setz­te Schritt­mo­tor ist ein NEMA-FLAT02, der bei­spiels­wei­se bei Rei­chelt zu bezie­hen ist. Die Tra­pez­ge­win­de­spin­del ist 100 mm lang und vom Typ T8x2x8. Sie hat einen Durch­mes­ser von 8 mm und eine Stei­gung von 8 mm pro Umdre­hung. Sie hat eine 2‑mm-Tei­lung, also ins­ge­samt 4 Gän­ge. Dazu habe ich eine pas­sen­de Tra­pez­ge­win­de­mut­ter aus Mes­sing ein­ge­setzt. Genau wie die Kupp­lung und das Kugel­la­ger sind die­se Bau­tei­le über die bekann­ten Ver­kaufs­platt­for­men im Inter­net zu beziehen.

Umhau­sung für die Fräse

Seit einem Jahr betrei­be ich nun mei­ne neue Frä­se, eine Basic Line 1005 von Sor­otec. Der Tisch ist noch ein Pro­vi­so­ri­um und er soll gele­gent­lich durch eine Sieb­druck­plat­te ersetzt wer­den, die auf zwei klei­nen Unter­stell­ti­schen liegt. Immer­hin wiegt die Frä­se samt der Alu­mi­ni­um-Nuten­plat­te fast 100 kg.

So eine Frä­se macht ja lei­der eine Men­ge Dreck und bevor ich einen Tisch dafür baue, soll­te eine pas­sen­de Umhau­sung zumin­dest geplant wer­den, um nicht hin­ter­her den Tisch wie­der zu ent­sor­gen, weil er nicht passt. Die Umhau­sung der alten Frä­se hat­te ich aus Sperr­holz gebaut. Ein ähn­li­cher Auf­bau für die neue Frä­se kommt aus Gewichts­grün­den nicht in Fra­ge. Außer­dem ist es hilf­reich, wenn man bei geschlos­se­ner Umhau­sung den Fräs­vor­gang beob­ach­ten kann. Daher sol­len die Wän­de jetzt aus Acryl­glas (PMMA) sein und für die Struk­tur sol­len 20 mm x 20 mm und 20 mm x 40 mm Alu­mi­ni­um­pro­fi­le ver­wen­det werden.

Da ich in den letz­ten Wochen viel mit Python und Free­CAD gear­bei­tet habe, bot es sich an, die Umhau­sung mit Free­CAD zu pla­nen und auch zu Übungs­zwecken ein Python Macro dafür zu schrei­ben. Damit kann man ein drei­di­men­sio­na­les Modell und außer­dem noch eine Stück­li­ste erstel­len las­sen. Als Schman­kerl wird dann auch noch das Gewicht für den Kor­pus und die Hau­be aus­ge­rech­net. Das soll hier kurz doku­men­tiert werden.

Zunächst ein Blick auf die geplan­te Konstruktion:

Der Kasten wird 148 cm lang und 94 cm breit (Außen­ma­ße). Der Kor­pus ist 64 cm und der Deckel 24 cm hoch. In die Pro­fi­le wer­den Acryl­plat­ten ein­ge­baut. Die vor­de­re Sei­ten­wand des Kor­pus soll ver­schieb­bar sein (hier vor­ne links gezeigt) und die vor­de­re und hin­te­re Wand (schma­le Sei­te) des Kor­pus wird nach oben her­aus­nehm­bar. Der Deckel soll nur auf­lie­gen. Er wird durch Stif­te in den obe­ren Nuten des Kor­pus gegen Ver­rut­schen gesichert.

Nach der jet­zi­gen Pla­nung wie­gen Kor­pus und Hau­be jeweils etwa 14 kg. Das hängt natür­lich sehr von der Dicke des ver­wen­de­ten Acryls ab. Im Moment pla­ne ich 2 mm für die senk­rech­ten Wän­de und 4 mm für die Oberseite.

Hier ist das Python-Makro zum Erstel­len des Modells mit Free­CAD. Es muß in das FreeCAD-Makro-Verzeichnis

c:\Users\<username>\AppData\Roaming\FreeCAD\Macro\

kopiert wer­den und kann dann unter dem Free­CAD Menü­punkt Makro/Makros aus­ge­führt wer­den. Dabei bit­te nicht die Geduld ver­lie­ren, es braucht schon eini­ge Sekun­den. Beim ersten Auf­ruf sogar noch deut­lich län­ger, weil offen­sicht­lich eini­ge wei­te­re Makros erst gela­den wer­den müssen.

Am Beginn des Makros ste­hen eini­ge Defi­ni­tio­nen zu den gewünsch­ten Dimen­sio­nen. Im Grun­de sind belie­bi­ge Wer­te mög­lich, aber ich habe für die Innen­ma­ße Län­gen im 10-cm-Raster gewählt, weil die ent­spre­chen­den Stan­dard­pro­fi­le am preis­gün­stig­sten zu besor­gen sind. Auch mit der Dicke der Acryl­plat­ten kann man expe­ri­men­tie­ren. Mein Ziel war, daß ich bei­de Tei­le der Umhau­sung ohne Hil­fe tra­gen kann. Das dürf­te schon wegen der etwas unhand­li­chen Abmes­sun­gen nicht ganz ein­fach sein.

Wer wesent­lich grö­ße­re oder klei­ne­re Dimen­sio­nen plant, muß wahr­schein­lich wei­te­re Zwi­schen­stre­ben ein­fü­gen oder wel­che weg­las­sen. Das macht das Makro nicht auto­ma­tisch. Die Anpas­sung der ent­spre­chen­den Maße kann etwas ner­ven­auf­rei­bend sein. Zum Debug­gen kann man im Makro die Gene­rie­rung eini­ger Ele­men­te unter­bin­den, damit man die Bema­ßung optisch prü­fen kann.

SWV-Mess­brücken

Mein näch­ster Anten­nen­tu­ner soll das Steh­wel­len­ver­hält­nis mes­sen kön­nen, also muss­te ich mich mal etwas inten­si­ver mit den übli­chen Mess­ver­fah­ren aus­ein­an­der­set­zen. Ich gebe offen zu, daß ein Steh­wel­len­mess­ge­rät für mich immer etwas sehr myste­riö­ses war. Wie kann man ste­hen­de Wel­len mit einem Gerät mes­sen, das deut­lich klei­ner ist, als die Wel­len­län­ge, die es misst? Und noch viel myste­riö­ser: wie unter­schei­det man, in wel­che Rich­tung eine Wel­le läuft? Schließ­lich zeigt das Steh­wel­len­mess­ge­rät doch angeb­lich das Ver­hält­nis der maxi­ma­len zur mini­ma­len Span­nung auf der Lei­tung an, das sich aus dem Refle­xi­ons­fak­tor, dem Ver­hält­nis aus rück­lau­fen­der zu vor­lau­fen­der Span­nung ergibt. Oder doch nicht?

Ein Arti­kel Tho­mas, DC7GB im Funk­ama­teur1 kam zur rich­ti­gen Zeit. Hier wird das gro­ße Geheim­nis gelüf­tet und ich hab’s ja schon immer geahnt: ein Steh­wel­len­mess­ge­rät misst weder ste­hen­de Wel­len noch vor­lau­fen­de oder rück­lau­fen­de Spannung.

Kur­zer Ein­schub: Der Autor legt gro­ßen Wert auf die Fest­stel­lung, daß ent­ge­gen der übli­chen Legen­de kei­ne Lei­stung hin- und her­läuft, son­dern Ener­gie. Lei­stung wird durch Ener­gie an einem Ort ver­rich­tet, bei­spiels­wei­se an der Last, indem dort Ener­gie umge­wan­delt wird. Als Phy­si­ker gebe ich ihm völ­lig recht und dan­ke für die Klarstellung.

Als Maß für die Lei­stung wird die Span­nung ver­wen­det, die bei gleich­blei­ben­der Impe­danz pro­por­tio­nal zur Ener­gie ist. Sie hat den Vor­teil, deut­lich anschau­li­cher und leich­ter mess­bar zu sein. Daher wird nach­fol­gend von vor- und rück­lau­fen­der Span­nung die Rede sein.

Der Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richtkoppler

Rein­hard, DC5ZM, erklärt in einem wei­te­ren Arti­kel im Funk­ama­teur2 die Funk­ti­ons­wei­se eines Steh­wel­len­mess­ge­räts am Bei­spiel eines Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richtkopplers.

Der Richt­kopp­ler misst schlicht­weg die Anpas­sung an die Last, genau­er gesagt, die Span­nung an der Last und die Strom­stär­ke durch die Last. Wenn die Last den gewünsch­ten reel­len Abschluss­wi­der­stand hat, dann heben sich bei­de Mess­wer­te unab­hän­gig von der ein­ge­spei­sten Lei­stung auf und dar­aus folgt, daß der rück­lau­fen­de Anteil und damit der Refle­xi­ons­fak­tor Γ null ist. Das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist eins.

Schal­tung des Richtkopplers

Für die Simu­la­ti­on soll die von DC5ZM gezeig­te Schal­tung ver­wen­det werden:

Sie ist m.E. wegen der mit­tel­an­ge­zapf­ten Sekun­där­spu­le des Strom­über­tra­gers anschau­li­cher, als die wei­ter unten gezeig­te Alter­na­tiv­lö­sung. Hier ist die LTSpi­ce Datei.

Funk­ti­ons­wei­se

Der Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­ler besteht aus zwei Trans­for­ma­to­ren, näm­lich L13 (L1-L2-L3) und L45 (L4-L5). L13 ist ein Strom­trans­for­ma­tor mit der Sekun­där­wick­lung L23, die eine Mit­tel­an­zap­fung hat. Hier wird ein Strom indu­ziert, der pro­por­tio­nal zu dem durch L1 und die Last R4 flie­ßen­den Strom ist. L45 trans­for­miert die Span­nung ULast im glei­chen Ver­hält­nis wie L13 auf sei­ne Sekun­där­spu­le L4. Die Mit­te von L23 wird um die trans­for­mier­te Span­nung an der Last ange­ho­ben, wäh­rend durch R1 und R2 der trans­for­mier­te Last­strom fließt. Da R1 und R2 den­sel­ben Wider­stand haben, wie die Last, heben sich am Kno­ten UR bei­de Span­nun­gen auf, wäh­rend sie sich an UF ver­dop­peln. Weicht der Last­wi­der­stand von 50 Ω ab, dann wird ent­we­der die gemes­se­ne Strom­stär­ke oder die Span­nung grö­ßer und UR wird ungleich null. DC5ZM zeigt in sei­nem Bei­trag, daß das Ver­hält­nis von UR zu UF tat­säch­lich dem Refle­xi­ons­fak­tor ent­spricht, aus dem sich das Steh­wel­len­ver­hält­nis errech­nen lässt (sie­he Anhang).

Auch die Pha­sen­ver­schie­bung zwi­schen Strom und Span­nung ist prin­zi­pi­ell mess­bar. Sie geht bei den übli­chen Steh­wel­len­mess­ge­rä­ten aller­dings durch die Gleich­rich­tung von UR und UF an einer Diode verloren.

Simu­la­ti­on mit LTspice

Der Richt­kopp­ler soll nun mit der oben gezeig­ten Schal­tung simu­liert wer­den. Spi­ce kennt bei der Simu­la­ti­on von Trans­for­ma­to­ren kei­ne Win­dungs­zah­len. Daher kann man das Über­tra­gungs­ver­hält­nis nicht direkt ange­ben. Es ergibt sich aber aus der Qua­drat­wur­zel des Induk­ti­vi­täts­ver­hält­nis­ses. Hier wur­de für L45 1 mH zu 400 nH gewählt, also ein Fak­tor von 2.500, was einem Über­tra­gungs­ver­hält­nis von 50:1 ent­spricht. L2 und L3 haben jeweils nur 250 µH, sind aber auf dem glei­chen Kern gewickelt und haben daher zusam­men auch 1 mH, also das­sel­be Über­tra­gungs­ver­hält­nis wie L45.

Die Kop­pel­fak­to­ren sind mit „K1 L1 L2 L3 1“ und „K2 L4 L5 1“ als ide­al ange­nom­men, damit „Dreck­ef­fek­te“ nicht das Ver­ständ­nis stö­ren. Für einen prak­tisch auf­ge­bau­ten Kopp­ler wird man hier eher 0.9 statt 1 wählen. 

L1 und L4 bestehen gewöhn­lich nur aus einem Stück Draht, also einer ein­zi­gen Win­dung. L23 und L5 wer­den als Ring­kern­spu­le dar­über gescho­ben. Sie hät­ten in der hier gezeig­ten Dimen­sio­nie­rung also 50 Win­dun­gen. Die Induk­ti­vi­tät der Ring­kern­spu­le eines prak­ti­schen Auf­baus liegt wegen ihres Fer­rit­kerns tat­säch­lich im Millihenry-Bereich.

Prak­ti­sche Bei­spie­le mit Fotos fin­det man bei­spiels­wei­se bei DJ0ABR hier und hier oder auch in einem Arti­kel von DF1RN im CQ DL3.

Simu­la­ti­ons­er­geb­nis­se für aus­ge­wähl­te Lastwiderstände

Schau­en wir uns zunächst den Fall der idea­len Anpas­sung an, R4 hat 50 Ω.

V(uf) ist die vor­lau­fen­de Span­nung am Mess­punkt UF, V(ur) ist die rück­lau­fen­de Span­nung an UR, jeweils gegen Mas­se gemes­sen. Der Refle­xi­ons­fak­tor ist null und das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist eins.

Bei Fehl­an­pas­sung ändern sich die Ver­hält­nis­se. Hier ist der Last­wi­der­stand auf 10 Ω reduziert:

Jetzt wird UR grö­ßer null und ist gegen­pha­sig zu UF. Rech­nen wir der Ein­fach­heit hal­ber mit den Spit­zen­span­nun­gen, dann ist UF jetzt 200 mV und UR 133 mV. Der Refle­xi­ons­fak­tor ist nun 0,667 und das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist 5.

Bei einem Last­wi­der­stand von 150 Ω dre­hen sich die Pha­sen­ver­hält­nis­se um:

Jetzt ist die rück­lau­fen­de Wel­le gleich­pha­sig zur vor­lau­fen­den Wel­le. Der Refle­xi­ons­fak­tor ist mit UF=200 mV und UR=100 mV 0,5 und das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist 3.

Da Spi­ce nicht gut auf ech­te Kurz­schlüs­sen und ech­te offe­ne Lasten zu spre­chen ist, nähern wir sie mit 0,1 Ω und 100 kΩ an.

Beim kurz­ge­schlos­se­nen Ende wird die Span­nung gegen­pha­sig zu 100% reflek­tiert, der Refle­xi­ons­fak­tor ist also 1. Damit wird das SWR unendlich.

Bei offe­nem Ende wird die vor­lau­fen­de Span­nung eben­falls zu 100% reflek­tiert, dies­mal aller­dings gleich­pha­sig. Das führt zum glei­chen Ergeb­nis, der Refle­xi­ons­fak­tor ist 1 und das Steh­wel­len­ver­hält­nis wird wie­der unendlich.

Alter­na­ti­ve Schaltung

Hier das alter­na­ti­ve Schalt­bild des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richtkopplers:

Die Funk­ti­ons­wei­se ist etwas schwie­ri­ger zu durch­schau­en, aber die­sel­be wie die der oben gezeig­ten und simu­lier­ten Ver­si­on. Wegen der feh­len­den Mit­ten­an­zap­fung an der Spu­le L2 ist sie beim rea­len Auf­bau etwas ein­fa­cher zu realisieren.

Anmer­kung (20.03.2025)

Nach­dem ich nun seit eini­gen Wochen an der Soft­ware mei­nes Gam­ma-Meß­ge­rä­tes arbei­te, stel­le ich nun doch einen signi­fi­kan­ten Unter­schied der bei­den gezeig­ten Vari­an­ten des Sont­hei­mer-Fre­de­rick Richt­kopp­lers fest: die letzt­ge­nann­te tat­säch­lich auf­ge­bau­te aber bis­her nicht simu­lier­te Vari­an­te dreht die Pha­se der rück­lau­fen­den Span­nung um 180°. Das bedeu­tet, daß die reflek­tier­te Span­nung bei offe­nem Aus­gang um 180° ver­scho­ben, bei kurz­ge­schlos­se­nem Aus­gang aber pha­sen­gleich ist. Das ist genau anders­her­um, als es sein soll­te, aber in der Soft­ware so ein­fach zu behe­ben, daß ich es unbe­wusst schon gemacht habe. Weil das Meß­er­geb­nis nicht stimm­te und ich einen Vor­zei­chen­feh­ler ver­mu­te­te, habe ich an geeig­ne­ter Stel­le das Vor­zei­chen geän­dert ohne der Ursa­che auf den Grund zu gehen. Sowas soll­te man natür­lich nie­mals machen, irgen­wann beißt einen das ganz schreck­lich. Aber wenn man’s eilig hat…

Die Ursa­che für die Pha­sen­dre­hung kann man sich leicht klar­ma­chen. Bei einem Kurz­schluß ist R4 = 0 Ω und an L4 liegt kei­ne Span­nung an. Auch L3 ist damit span­nungs­los und UF und UR haben die glei­che Span­nung, die über L1 in L2 indu­ziert wird, weil ja ein hoher Strom fließt. Im gegen­tei­li­gen Fall, wenn R4 = ∞ ist, fließt durch L1 kein Strom und L2 bleibt span­nungs­los. L4 indu­ziert aber eine Span­nung in L3, die dann gegen­pha­sig an UF und UR anliegt. Das lässt sich durch Dre­hen der Spu­len nicht hei­len, die indu­zier­te Span­nung bleibt immer noch gegenphasig.

Anhang

Hier folgt eine kur­ze Zusam­men­fas­sung der in die­sem Arti­kel ver­wen­de­ten Grundlagen.

Eine Über­tra­gungs­lei­tung hat eine cha­rak­te­ri­sti­sche Impe­danz Z0, im Ama­teur­funk in der Regel 50 Ω, in der Radio- und Fern­seh­tech­nik 75 Ω. Wenn die Last ZL am Ende der Lei­tung die­sel­be Impe­danz hat, wird die an der Quel­le ein­ge­spei­ste Span­nung kom­plett in der Last umge­wan­delt bzw. abge­strahlt. Weicht die Impe­danz der Last von der Impe­danz der Lei­tung ab, wird ein Teil der Span­nung reflek­tiert. Der Refle­xi­ons­fak­tor r, oft auch mit dem grie­chi­schen Buch­sta­ben Γ (Gam­ma) bezeich­net, ist das Maß dafür:

UF (for­ward) ist die vor­lau­fen­de, UR (rever­se) die rück­lau­fen­de Span­nung. Der Betrag der rück­lau­fen­den Span­nung ist immer klei­ner oder gleich der vor­lau­fen­den Span­nung. Bei einem offe­nen Kabel­en­de hat sie das­sel­be Vor­zei­chen, wie die hin­lau­fen­de Span­nung, bei einem kurz­ge­schlos­se­nen Kabel aber ein nega­ti­ves Vor­zei­chen. Der Refle­xi­ons­fak­tor kann damit zwi­schen ‑1 und +1 lie­gen. Bei idea­ler Anpas­sung ist r = 0.

Der Refle­xi­ons­fak­tor kann auch direkt aus den Impe­dan­zen berech­net werden:

Hier erkennt man, daß der Refle­xi­ons­fak­tor tat­säch­lich eine kom­ple­xe Grö­ße ist.

Hin- und rück­lau­fen­de Span­nun­gen über­la­gern sich auf der Über­tra­gungs­lei­tung, so daß Orte unter­schied­li­cher Span­nun­gen ent­ste­hen, soge­nann­te ste­hen­de Wel­len. Das Steh­wel­len­ver­hält­nis ist als das Ver­hält­nis der maxi­ma­len Span­nung zur mini­ma­les Span­nung definiert:

Mit UR = r * UF kann man die­se Glei­chung umformen:

Refe­ren­zen

  1. Tho­mas Schil­ler, DC7GB, Wie funk­tio­nie­ren Richt­kopp­ler und SWV-Mess­brücken?, Funk­ama­teur 12|23, Sei­te 967ff ↩︎
  2. Rein­hard Weber, DC5ZM, AI6PK, Was misst ein Steh­wel­len­mess­ge­rät?, Funk­ama­teur 6|20, Sei­te 513 ↩︎
  3. Prof. Dr. Rein­hard Noll, DF1RN, Kenn­grö­ßen eines Richt­kopp­lers, CQ DL 10|2017, Sei­te 30ff ↩︎

Dimen­sio­nie­rung der Bau­tei­le für einen Antennentuner

Vor dem Bau eines Anten­nen­tu­n­ers muß man sich zumin­dest über die fol­gen­den Zie­le klarwerden:

  • Wel­cher Fre­quenz­be­reich soll abge­deckt werden?
  • In wel­chem Bereich lie­gen die Lastwiderstände?
  • Wel­che maxi­ma­le Lei­stung soll über­tra­gen werden?
  • Wo sind gege­be­nen­falls Kom­pro­mis­se möglich?

Da stellt sich dann sofort die Gegen­fra­ge: was ist denn über­haupt mit rea­li­sti­schem Auf­wand mög­lich und wo lie­gen die Gren­zen? Gäbe es kei­ne, wür­de man natür­lich alles wollen.

Ein wei­te­res Calc Spreadsheet

Nach einer Idee von Jeff, K6JCA, habe ich das hier vor­ge­stell­te Libre­Of­fice Calc Spreadsheet so erwei­tert, daß es die Anpaß­glie­der für meh­re­re Punk­te auf dem Kreis glei­cher Steh­wel­len­ver­hält­nis­se berech­net. Das neue Spreadsheet kann hier her­un­ter­ge­la­den werden:

In der hier gezeig­ten Ver­si­on wer­den 72 Last­im­pe­dan­zen im Abstand von 5° berech­net. Das erscheint mehr als aus­rei­chend. Dabei ist zu beden­ken, daß nicht alle die­se errech­ne­ten Punk­te prak­tisch rele­vant sind. Die von mir geplan­ten ein­fa­chen end­ge­spei­sten Draht­an­ten­nen haben hoch­oh­mi­ge Impe­dan­zen, die alle zwi­schen etwa 310° und 30° lie­gen, wie die nach­fol­gen­de Mes­sung von 1 bis 30 MHz zeigt.

Die gestri­chel­ten Krei­se stel­len die Steh­wel­len­ver­hält­nis­se von 3, 10, 20 und 30 dar. In gewis­sen Gren­zen kann man sich ent­schei­den, ob der Tuner alle Steh­wel­len­ver­hält­nis­se inner­halb eines vor­ge­ge­be­nen Krei­ses abdecken soll oder ob man bei­spiels­wei­se auf Kosten der lin­ken Hälf­te zwi­schen 90° und 270° das Steh­wel­len­ver­hält­nis auf der ande­ren Sei­te erweitert.

Benut­zung des Spreadsheets

Para­me­ter

Auf der ersten Sei­te mit dem Namen „Para­me­ter“ wer­den in den gelb hin­ter­leg­ten Zel­len die Para­me­ter für die aktu­el­le Berech­nung ein­ge­ge­ben. Alle ande­ren Zel­len und Sei­ten sind (natür­lich ohne Pass­wort) geschützt, um Fehl­ein­ga­ben zu ver­mei­den. Mit einem rech­ten Maus­klick auf den Tab und dem Befehl „Tabel­le schüt­zen…“ wir der Schutz ent­fernt oder wie­der hergestellt.

In der Zel­le RGen wird der Gene­ra­tor­wi­der­stand ein­ge­ge­ben. Das sind nor­ma­ler­wei­se 50 Ω und es ist ein reel­ler Wert.

In der Zel­le SWR gibt man das maxi­ma­le Steh­wel­len­ver­hält­nis an, das der Tuner noch anpas­sen kön­nen soll. Hier kann man expe­ri­men­tie­ren. Je höher die­ses SWR ist, umso grö­ße­re Bau­tei­le wird man benö­ti­gen. Irgend­wann über­schrei­tet man den prak­tisch mach­ba­ren Bereich. Wie oben beschrie­ben, kann man hier etwas wei­ter gehen, wenn man Ein­schrän­kun­gen im Polar­dia­gramm akzep­tie­ren kann.

Fre­quenz legt die Fre­quenz fest, für die die Anpas­sung aktu­ell berech­net wird.

P bestimmt die ver­wen­de­te Aus­gangs­lei­stung. Dar­aus wird die Spit­zen­span­nung am Anpaß­kon­den­sa­tor bestimmt, der ent­spre­chend dimen­sio­niert sein muß.

L(C) gibt die para­si­tä­re Induk­ti­vi­tät des Kon­den­sa­tors an. Das ist sicher­lich ein Schätz­wert, solan­ge man den Tuner nicht wirk­lich auf­ge­baut hat. Aus die­ser para­si­tä­ren Induk­ti­vi­tät errech­net sich die kapa­zi­täts­ab­hän­gi­ge Selbst­re­so­nanz­fre­quenz (SRF). Ab und ober­halb die­ser Fre­quenz wird der Kon­den­sa­tor zu einem induk­ti­ven Bau­ele­ment und er ist nicht mehr zur Anpas­sung zu gebrau­chen. Die SRF ist die natür­li­che Gren­ze für die Brauch­bar­keit des Tuners.

Die Zel­len ω und |Γ| (bzw. |Gam­ma|) sind geschützt. Sie wer­den aus dem SWR und der Fre­quenz berech­net. Die­se Wer­te wer­den in den For­meln auf den ande­ren Sei­ten verwendet.

Tuner

Die Berech­nung der Last­im­pe­dan­zen und die Anzei­ge der Anpaß­glie­der erfolgt auf der Sei­te „Tuner“. Jede Zei­le steht für einen Wert im Abstand von 5° auf dem gewähl­ten SWR-Kreis. RL und XL sind die jewei­li­gen Wirk- und Blind­wi­der­stän­de und die Spal­te Netz­werk zeigt die gewähl­te Kon­fi­gu­ra­ti­on, ent­we­der „LC“ oder „CL“. Die zur Anpas­sung nöti­gen Kapa­zi­tä­ten und Induk­ti­vi­tä­ten ste­hen in den Spal­ten C und L.

In der Spal­te Uma­xC wird die Spit­zen­span­nung am Kon­den­sa­tor errech­net, die bei der vor­her gewähl­ten Lei­stung anliegt. Die Spal­te SRF zeigt den Abstand zur Selbst­re­so­nanz­fre­quenz bei der errech­ne­ten Kapa­zi­tät. 100% bedeu­tet, daß die SRF erreicht ist und ein Wert unter 100%, daß die SRF über­schrit­ten ist. Der Tuner ist in die­ser Kon­fi­gu­ra­ti­on nicht mehr benutz­bar. Der Wert soll­te also deut­lich über 100% liegen.

Oben rechts in die­ser Tabel­le wer­den noch die Maxi­mal­wer­te für die Kapa­zi­tät, die Induk­ti­vi­tät und die Span­nung ange­zeigt. Der Mini­mal­wert für die SRF zeigt an, ob zumin­dest eini­ge der Last­im­pe­dan­zen nicht mehr anpass­bar sind.

LC und CL

Die eigent­li­che Berech­nung erfolgt auf den Sei­ten „LC“ und „CL“. Auf die­sen Sei­ten kann man den Rechen­weg nach­ver­fol­gen, anson­sten muß man sich nicht dar­um küm­mern. Der Rechen­weg ist in dem vori­gen Bei­trag zu die­sem The­ma beschrie­ben. Die Sei­ten über­neh­men die anzu­pas­sen­de Last­im­pe­danz von der Sei­te „Tuner“ und lie­fern die Ergeb­nis­se auch wie­der dort­hin zurück.

Es soll nicht uner­wähnt blei­ben, daß auf die­sen Sei­ten ein wenig getrickst wur­de, um Feh­ler abzu­fan­gen. Wenn ein Nen­ner null wird, kommt es zu einem Divi­si­ons­feh­ler. Das wird abge­fan­gen, indem statt des Quo­ti­en­ten eine gro­ße Zahl ver­wen­det wird. Das wie­der­um führt zu Ergeb­nis­sen wie 0,01 pF statt 0 pF. In einem Pro­gramm wür­de man das anders lösen, aber im Spreadsheet scheint das der ein­fach­ste Weg zu sein.